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Henryk M. Broder: Zwischen Protz & Porno

Henryk M. Broder: Zwischen Protz & Porno

14.10.2016, 20:48 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Broder, Broder, Broder….. der Mann, der mehr Wind um sich selber macht, als um die Thesen, die er hin und wieder in die Welt setzt. Der Mann, der seine Preise und Ehrungen durchaus verdient hat, den ich aber mit der Elle des Politikers messe, der er so gerne sein möchte. Und diese Elle misst nicht sein Worte und seine Reden, sondern seine Taten und seine klar definierten Meinungen, so er sie öffentlich getan hat.
1970 begann Broder in Hamburg als Autor bei den St. Pauli-Nachrichten zu arbeiten. Das von dem Fotografen Günter Zint 1968 begründete, wöchentlich erscheinende schwülstige Pornoblatt erzielte mit einer Kombination aus Kontaktanzeigen, Erotik und linker politischer Agitation Auflagen von um die 800.000 Stück pro Ausgabe. Wobei die linke Agitation dem Zeitgeist geschuldet war, die Auflagen brachten die Kontaktanzeigen und diese sexuelle Selbstdarstellung der Inserenten.
Bei diesem eher schmuddeligen Handwerk trafen sich übrigens Broder, Günter Wallraff und Stefan Aust! Broders erstes Buch (Wer hat Angst vor Pornographie) erschien 1970 beim Melzer Verlag. Nichts gegen Pornografie, aber ehe man denen, die später den Zeigefinger heben allzu sehr vertraut, sollte man nachschauen, in welchem Sandkasten sie mit wem was gespielt haben.

Die scheinbare Brodersche linke Agitation schob er 1998 schnell auf ein Abstellgleis: Die Operation Entebbe, die Befreiung der Geiseln aus der Lufthansamaschine hatte ihn, sagte er, dazu veranlasst. Denn die Ursache für diese Entführung hatten die Linken zu verantworten. Broder hob die Reaktion auf die Operation Entebbe als Zeitpunkt seines endgültigen Bruchs mit diesem Teil der Linken hervor. Er beschuldigte seine Ex-Freunde, Solidaritätserklärungen zugunsten Idi Amins abgegeben zu haben.

Später unterstütze er den Irakkrieg und die Lügen, die diesen Krieg rechtfertigen sollten - Hauptsache, Saddam Hussein ist weg.

Am 21. Oktober 2009 teilte er seinen Entschluss zur Kandidatur für das Amt des Präsidenten des Zentralrates der Juden mit. Eines seiner Ziele sei, in Deutschland die Strafbarkeit der Holocaustleugnung abzuschaffen. Er überlegte es sich Tage später anders. Nicht hinsichtlich der Abschaffung der Strafbarkeit der Holocaus-Lüge, sondern seine Kandidatur zum Präsidenten des Zentralrates der Juden.

Als Jude und als Broder hatte er später einen Satz bereit, mit dem er es bei mir endgültig verschissen (pardon) hatte: Er palaverte verallgemeindernd los: "1,5 Milliarden Moslems in aller Welt neigen stets chronisch zum Beleidigtsein und unvorhersehbaren Reaktionen". Das klang mir wie eine der Begründungen der NSDAP, die Juden zu jagen und zu töten, wo immer sie sie erwischen konnten: "Sie (die Juden) sind schuld an der Auflösung der Einheit aller Industrievölker."

2007 schon brachte er es fertig, AfD-Stichwortgeber zu werden, als er die Diskussion der globalen Erwärmung als "eine Art Feldgottesdienst der Ungläubigen, die sich im Glauben an das Ende der Welt zusammengefunden haben" bezeichnete.

Und als zu Silvester 2015 Redakteurinnen im Tagesspiegel spekulierten, dass unter den Opfern der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht "womöglich auch Frauen dabei sind", die gar nicht Opfer geworden seien, sondern durch Anzeigen lediglich Abschiebungen auslösen wollen würden" da hatte der alte Mann einen echten sprachlichen Höhepunkt: "Es gibt auch Frauen, die mit dem Schwanz denken", und wünschte den Autorinnen, (wie es viele der rechten Szene sehnlichst wünschten) dass diese von Männern des IS "nach Rakka eingeladen werden, um zu erfahren, was Rape Culture bedeutet“. In Wirklichkeit war bei dem alten Wirrkopf wohl nur die Erinnerung an seine alten Zeiten als Schreiberling bei den St. Pauli-Nachrichten hervorgebrochen.

Dieser Broder, der sich da entwickelt hat, ist zu einem pubertierendem 14-jährigem im Körper eines Mannes geworden, der sich selbst unendlich sauer ist, dass er trotz aller Ehrungen in allen wichtigen Dingen stets daneben lag. Er tröstet sich gelegentlich damit, dass er wenigstens dem Mainstream nicht folgt.
Wenn er wüsste, dieser Klugscheißer.

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11 Kommentare

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ich glaube mich zu erinnern, dass er mal ziemlich geistreich war....
nun ist er nur noch ein selbstverliebter Exzentriker und bedient billigen Rassismus.
  • 12.12.2016, 14:34 Uhr
  • 1
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Klugscheißer mit Judenbonus, ohne aufrechte Gesinnung und käuflich. Eine mediale und politische Hure, die ihre Wäsche nach dem Wind henkt, ähnlich diesem neoliberalen "Philosophen" Sloterdijk.
  • 14.10.2016, 23:25 Uhr
  • 2
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Mike, dickes Kompli, das hast hervorragend ausgeführt und es war auch dringend nötig all den Broder-Bewunderern mal aufzuzeigen, wer und was tatsächlich hinter dieser Person steckt.

Im Grunde ist er ein kleiner Wicht, der sein Fähnchen immer nur dort hingerichtet hat, wo entweder Kohle zu machen war oder zumindest ein Beifallsklatschen ertönte seitens der Bypässe im Internet!

Verzeihung, ich bediene mich jetzt eines Begriffes, der von DanielCohn-Bendit stammt, der meines Erachtens auch absolut zutreffend ist!

Es ist nicht die Politik, die das eigentliche Problem darstellt, sondern all die Bypässe, die aus den Sozialen Netzwerken kommen.
  • 14.10.2016, 22:07 Uhr
  • 3
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Eine beißende, aber zutreffende Kritik. Ob sich Henryk M. beleidigt fühlen muss? Es könnte sein, dass er es ist, doch seine Beleidigungen haben noch ein ganz anderes Kaliber. Kann man den Mann überhauapt noch ernst nehmen?
  • 14.10.2016, 21:22 Uhr
  • 5
wize.life-Nutzerich nehme diesen Mann nicht mehr ernst.
  • 14.10.2016, 21:26 Uhr
  • 1
Ich bin nicht sicher, ob er das überhaupt noch wahrnimmt. Er ist der Prototyp dieser alten Männer, auf die die Feststellung meiner Mutter zutrifft: Alte Männer werden Faschisten. (Und ich entschuldige mich da auch gleich bei euch beiden, denn ihr seid Beispiele, dass es halt nicht für alle gilt... )
Ich habe gelesen, er sei krank gewesen und hätte sich da verändert.
Ich will ihm nicht seine "Jugendsünden" vorhalten - seine Geschichte las ich hier nun zum ersten Mal, hatte mich aber auch vorher nicht so fürchterlich interessiert. Wie du, Mike, richtig schreibst, ist da einiges dem Zeitgeist zuzuordnen.
Ich hatte ihn kennengelernt, als er diese Deutschlandtour mit Hamed Abdel-Samad machte - irgendwann mitten in der Nacht war er im Fernsehen. Und das hat mir gefallen. Er war schräg, witzig, gemein, böse und treffend.
Dann vergass ich ihn wieder - bis er als bösartiger, gemeiner und nicht mehr witziger und nicht mehr treffender alter menschenverachtender Mann wieder auftauchte. Ich meinte, meinen Ohren nicht zu trauen. Gelesen habe ich dann, dass er sich nach seiner Krankheit verändert hatte. Egal wie - eigentlich sollte man ihn heute einfach ignorieren. Leider ist er fürchterlich laut - da ist es schwierig zu ignorieren.
  • 14.10.2016, 22:00 Uhr
  • 2
Sara, mir ist es mit dem 'alten Mann' genau so gegqngen wie Dir. Ich habe ihn auch mal für eine von Geist strühenden Mann gehalten - und wurde tief enttäuscht.
  • 14.10.2016, 22:03 Uhr
  • 2
Jugendsünden? Na ja. Bis 18 oder 20 komme ich da mit. der Rest ist keine Vorverurteilung sondern einfach die Tatsache, dass wir alle stets der oder die sie sind, die wir sind. Wir können das etwas aufbügeln, gelegentlich verstecken... aber wenn es wichtig wird, können wir uns nicht verstellen.
  • 15.10.2016, 08:37 Uhr
  • 0
Zeitgeist, Mike - Zeitgeist. Außerdem, grundsätzlich - es wurden auch schon aus Pornodarstellern hochgeachtete Schauspieler - ich weiß zwar nicht, ob je jemand geadelt wurde - aber geachtet auf jeden Fall. Das ist also nun nicht ein Grund, jemanden im Alter noch abzulehnen, egal wie alt er war, als er seriös wurde. Ich bin sicher, du kennst wie ich auch durchaus solche Persönlichkeiten.
Wesentlich ist, wie er sich heute verhält - und meinetwegen auch back to the roots - was ja oft im Alter passiert.
  • 15.10.2016, 11:59 Uhr
  • 0
Sara, du bringst alles durcheinander...... Ich habe nichts gegen Pornografie, erst recht nichts gegen deren Darsteller.

Aber wer mir Porno vorsetzt und mir das als Politik verkauft und mich zu manipulieren versucht, und das haben Henryk M. Broder, Stefan Aust und Michel Roger Lang getan, den schätze ich als besseren Verkäufer denn als Journalisten.
Schon der Begriff Porno ist vollkommen falsch: Mit der Hausfrauen- und Hausmännersexnummer, der Durchschnittsnummer sozusagen, wurde die Auflage angekurbelt. Die drei waren kluge Marketingfachleute mit herausragender Kiez-Erfahrung, keine Journalisten. Und so sind sie noch heute, mit Ausnahme von Michel Roger Lang, der bereits verstorben ist.

Seriös? Ich lach mich scheckig, das war keiner dieses Dreigestirnes je.
  • 15.10.2016, 12:10 Uhr
  • 0
Ok - gebe nun zu, dass ich keine Lust habe, da mehr in Media res zu gehen - vor allem in die Mediensache. Aber Kiezerfahrung kann durchaus positiv sein. Ich denke da an einen kleinen Mafioso, den ich kannte, als er einer der besten und seriösen Geschäftsleute war, die ich je traf. Leider ist er nun tot, wie ich erst unlängst erfuhr.
Grundsätzlich kann ich das nicht verwerflich sehen.
  • 15.10.2016, 12:23 Uhr
  • 0
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