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Die Sache mit der Trennung von Staat und Religion

18.10.2016, 21:46 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Gerade habe ich ein engagiertes Traktat über deutsche Kultur und Tradition im Zusammenhang mit der Religion eines potentiellen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten gelesen.

Ich fragte mich: Was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Der aktuelle Präsident war von Beruf Pfarrer. Ich persönlich fand das, als er für das Amt kandidierte, überhaupt nicht komisch. Ich wollte damals keinen Pfarrer zum Präsidenten - denn Religion darf bei diesem Amt keine Rolle spielen. Einem Pfarrer traute ich nicht zu, in dem Punkt neutral sein zu können.
Doch der Präsident hat bewiesen, dass es geht. Man kann Religion aus diesem Amt heraushalten, auch wenn man Pfarrer war.
Heute achte ich Herrn Gauck und finde, er ist ein guter Präsident, der das Land würdevoll vertritt. Meines Wissens hat er nie auf seinen ehemaligen Beruf zurückgegriffen und sich in Sachen Religionen neutral verhalten.

Nun wird darüber diskutiert, dass ein Mann ein Kandidat für das höchste Amt im Lande sein könnte, dessen Eltern irgendwann vor mehreren Jahrzehnten in Deutschland eingewandert waren, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und sich offensichtlich um das Land verdient gemacht hat. Zufällig ist er ein Muslim.
Und darüber regt sich dieser von mir oben erwähnte User auf, da er das gegen deutsche Kultur und Tradition gerichtet sieht. Er ist natürlich mit seiner Aufregung nicht alleine - sehr viele sehen das Abendland untergehen, wenn dieser Herr Präsident würde.

Was jedoch ist bei dem Mann anders als beim ehemaligen Pfarrer Gauck? Sie gehören unterschiedlichen Religionen an. Doch was interessiert das im Zusammenhang mit dem Amt des Bundespräsidenten? Und was hat die Religion, irgend eine Religion, mit deutscher Tradition und Kultur zu tun?
Nichts....
Ein Präsident hat schwört auf das Grundgesetz und nicht im Namen seines Gottes, auch wenn der in der Eidesformel genannt werden kann, um der Sache mehr dramatisches Gewicht zu geben. Ein Präsident ist ausschließlich Repräsentant des Volkes der Bundesrepublik Deutschland. Zu wem der betet ist ausschließlich seine Privatsache, wie bei jedem Bürger. Vielleicht betet er auch nicht. Niemand weiß, ob dieser Mann die Religion seiner Eltern überhaupt praktiziert. Das geht auch niemanden was an.
Nur dann, wenn er versuchen würde, seine Religion anderen aufzuzwingen, könnte es ein Problem sein. Doch würde es dafür Anhaltspunkte geben, wäre er dann im Gespräch als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten?
Die Panik derer, die hier das Ende der Kultur Deutschlands sehen, ist lächerlich. Es gibt keinen Grund.

(Natürlich hat mich der Autor des oben genannten Kommentars blockiert, da ich ja als Frau kein Recht habe, gegen seine Meinung zu argumentieren - wie war das mit dem Islam und der deutschen Tradition?)

14 Kommentare

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Ein Bundespräsident kann jeder Religion haben, denn unser land ist auch ein bunter Staat.
Bundespräsidenten aus dem Religiösen Bereich sind sicher, schon Kraft ihres Berufes zur Neutraltät verpflichtet.
Ich hätte mir Frau Käsßmann als Kandidatin gewünscht oder noch besser unseren Bayerischen Landesbischof Bedford-Strom.
Was nich geht, sind ausrangierte Politiker, denn die sind nun mal immer noch parteiisch.
Man stelle sich nur vor, es kommt wieder ein bestechlich Typ, wie dieser Wulf mit seiner tätowierten EX-Animierdame als First Lady daher.
Da wird mir kotz übel!
  • 20.10.2016, 07:48 Uhr
  • 0
Ist der Wulf nicht rehabilitiert? Ich denke, dann sollte man es lassen, ihm weiter Dinge zu unterstellen. Und ob eine First Lady tätowiert ist oder nicht, ist noch unwichtiger als die Konfession eines Kandidaten - oder der First Sir, hoffentlich auch mal. Das kann dann meinetwegen ein Biker sein.
Ist der bayrische Landesbischof katholisch? Das ist dann doch was anderes als eine mitten im (Familien-)Leben stehende Ex-Bischöfin. Bin nicht sicher, ob die Weltfremdheit von katholischen Priestern eine gute Idee wäre.
  • 20.10.2016, 10:53 Uhr
  • 0
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Der/die Bundespräsiden/in ist wird von der Bundesversammlung gewählt, und bald ist es wieder so weit. Danach werden wir erfahren, wer unser neues Staatsoberhaupt sein wird.
Bis dahin gibt es schon mal einiges Rätselraten um eventuelle Kandidaten / Kandidatinnen, und es werden hier und da in den Medien Namen genannt. Sich darüber die Köpfe heiß zu reden, bringt m.E. gar nichts.
Ich persönlich wünsche mir in diesem Amt einen Menschen - ob Mann oder Frau - der ehrlich und das ist, was wir rechtschaffen nennen, ein Vorbild eben. Geschlecht, Hautfarbe, Religion und Parteizugehörigkeit sollten bei der Wahl keine Rolle spielen.
Ist es nicht ratsam, in Ruhe und Vertrauen auf die Urteilsfähigkeit der Menschen, die unser Staatsoberhaupt wählen, einfach mal das Ergebnis abzuwarten?
Dann, wenn der Name feststeht, braucht es dann auch erst einmal Zeit, um feststellen zu können, ob das Amt gut ausgeführt wird.
Übrigens, persönlich liegt mir z.B. Joachim Gauck überhaupt nicht (was völlig unwichtig ist), aber er ganz einfach einen sehr guten Job gemacht! Nur mal so nebenbei.
  • 19.10.2016, 12:57 Uhr
  • 1
Weder du noch ich haben ja auch viel mit ihm zu tun.
Ich muss einen Präsidenten nicht mögen - er soll gut repräsentieren, und das tut er, allen Unkenrufen zum Trotz.
Sonst gebe ich dir absolut Recht, doch die Diskussion ging um Grundsätzliches, die Religion eines Präsidenten oder sonstigen führenden Politiker angehend. Darüber kann man schon mal nachdenken und auch denen, die immer vor Fremden Angst haben, versuchen klar zu machen, dass es dafür keinen Grund gibt.
Versuchen - denn erfolgreich sind diese Versuche ja immer nicht sehr.
  • 19.10.2016, 17:03 Uhr
  • 1
  • 19.10.2016, 19:04 Uhr
  • 0
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Mir persönlich ist es egal welcher Religion er angehört Hauptsache er macht seinen Job gut.
  • 19.10.2016, 07:56 Uhr
  • 3
wize.life-Nutzer bei uns auf der Arbeit sind Menschen aus geschätzt 20 Nationen beschäftigt, auch weil manche Kunden gerne in Landessprache bedient werden wollen.
Da spielt die Herkunft oder Religion überhaupt keine Rolle sondern genau wie Du schreibst, ob er seinen Job gut macht.
  • 19.10.2016, 11:24 Uhr
  • 0
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Es gibt inzwischen eine Reihe von Beiträgen und Notizen zu diesem Thema. Ich habe mich schon an anderer Stelle dazu geäußert und möchte mich daher hier nicht wiederholen.
wize.life/schwarzes-brett/notiz/5804daef297b5...politisches
Ich möchte dem obigen Beitrag inhaltlich ganz und gar zustimmen. Ich bin aber davon überzeugt, dass Kermani (um den geht es doch hier) nicht als Kandidat antreten wird.
  • 18.10.2016, 22:18 Uhr
  • 1
Friedhelm - ich weiß, dass es mehrere Diskussionen über das Thema gibt. Ich habe deinen Kommentar auch gelesen - und glaube ich auch ein lw gegeben, mehr ging ja nicht, zumindest nicht bei dem mit dem Namen eines Tatortkommissars. Aber dessen hektische Ausführungen veranlassten mich eben, mal diesen Vergleich zu ziehen.
Ich kenne diesen Kermani nicht, kann es also nicht beurteilen, ob der geeignet wäre oder nicht - aber seine Religionszugehörigkeit hat in dieser Entscheidung nichts zu suchen. Darum ging es mir.
  • 18.10.2016, 23:04 Uhr
  • 2
Hallo Sara,
hektische Ausführungen von einem User konnte ich in Deinem Beitrag nicht finden, ebenso wenig einen Vergleich. Du hast Deine Meinung über den scheidenden Bundespräsidenten geschrieben und auch darüber, wie Du dieses Amt siehst. und dass es für dich in Ordnung ist, wenn ein Muslim der Repräsentant Deutschlands wird. Nun, das ist Deine Meinung. Andere, und ich gehöre dazu. teilen Deine Meinung in dem einen oder anderen Punkt - vielleicht auch in allen Punkten - nicht. Wir genießen Meinungsfreiheit in unserem Land, und das finde ich gut!
  • 19.10.2016, 00:54 Uhr
  • 1
Ich frage mich, ob die Ablehnung des Kandidaten auch so gross wäre, wenn er dem jüdischen Glauben angehören würde.
Die Religion darf in diesem Falle keine Rolle spielen. Die Zeiten, als die Pfarrer in der Sonntagspredigt, die Menschen dazu anhielten, die CDU zu wählen, sind glücklicherweise vorbei.
  • 19.10.2016, 06:48 Uhr
  • 1
Genau darum geht es, Doro. Finde ich auch. Allerdings fürchte ich, bei einem Kandidaten jüdischen Glaubens würde es ähnliche Diskussionen geben, nur nicht öffentlich, sondern hinter vorgehaltener Hand.
Seit einer unserer Ortschaftsräte bei einer Berlinreise verkündete, er verstehe überhaupt nicht, warum deutsche Polizisten die Synagoge sichern müssten, ist mir klar, DAS Denken ist da, auch wenn man es nicht fassen kann.
  • 19.10.2016, 11:12 Uhr
  • 1
Ach so, und wize.life-Nutzer, die "hektischen Ausführungen" sind unter einer Notiz, in der ich gesperrt bin.
  • 19.10.2016, 11:13 Uhr
  • 0
Ja, Sara, der Schoß ist fruchtbar noch...
  • 19.10.2016, 11:19 Uhr
  • 1
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