wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Die versifften 68er (Gauland, AfD)

Die versifften 68er (Gauland, AfD)

27.10.2016, 21:47 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Als das Wort "sozial" noch nichts mit den virtuellen Welten der "social Communities"zu tun hatte. Als politische Forderungen noch formuliert wurden und Demonstrationen noch solche waren und nicht einfach bessere Versammlungen, deren Besucher am Abend ein wenig spazieren gingen.
Als ich 1970 immer noch an die Unschuld von Ulrike Meinhoff glaubte und als ein späterer Außenminister 1976 noch eine Bande revolutionsge-schwängerter Jungmenschen anführte und wir alle gemeinsam wussten, dass wir Amerika in Vietnam würden stoppen können.
Als Daniel Cohn-Bendit uns verstehen lehrte, da habe ich meine persönliche Reifeprüfung abgelegt und bestimmt, dass jede nicht gestellte Frage einer Verleugnung des eigenen Ichs gleich kommt. Wenn mir zu diesem Zeitpunkt ein Gauland begegnet wäre, hätte ich mit ihm diskutiert.
In dieser Zeit habe ich gelernt, dass die Menschen nicht auf Dauer zu dem stehen, was sie sagen, weil sie einerseits irren und andererseits gerne lernen wollen und beides plötzlich nicht mehr voneinander unterscheiden können.

"Wir glauben, dass der Mensch in jeder Situation, unter jedem System, in jedem Staat die Aufgabe hat, Mensch zu sein und seinen Mitmenschen zur Verwirklichung des Menschseins zu helfen"

"Schießenderweise verändert man nicht die Welt, man zerstört sie."

Diese zwei Sätze stammen von der in späteren Zeiten so unberechenbaren Ulrike Meinhoff, die mir mit diesen Worten immer so großes Vorbild war.
Und egal, was aus ihr geworden ist, aus dieser Ulrike Meinhoff, diese beiden Sätze habe ich bei mir einzementiert, mit Stahl verankert und an ihnen habe ich mich bis heute durch mein ganzes weiteres Leben gezogen und ich habe es nicht bereut. Und sie machen mich heute zu einem Gegner auch der AfD.
Niemand wird mir heute, selbst unter Augenzwinkern nicht, echte linke Positionen zutrauen. Aber ich habe nach diesem beiden Sätzen gelebt und lebe sie heute noch: "Ich glaube, dass ich in jeder Situation, unter jedem System, in jedem Staat die Aufgabe habe, Mensch zu sein und meinen Mitmenschen zur Verwirklichung des Menschseins zu helfen." Ich gestehe freimütig, dass der Wille auch oftmals für das Werk herhalten musste. Lese ich aber heute, was so mancher ohne jede Gesichtsröte schreibt: "Ich bin - aus guten Gründen! - dafür, dass wir Deutschland nach außen hin abriegeln und nur sehr vereinzelt Menschen in unser Land hereinlassen, die sich auch wirklich in unsere Gesellschaft integrieren lassen und kulturell zu uns passen." dann bin ich sprach- und fassungslos: Da wird ausländerfeindlich, rassistisch wohlfeil getönt und sich ernst genommen! Und diese Stimme kommt nicht vom Mars, es ist die eines Menschen, der scheinbar wirklich einer ist, bis zu dem Moment, in dem solche Sätze fallen.

Mehr zum Thema

21 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Diese Zeit hat mich ähnlich geprägt und dafür bin ich noch heute dankbar.
  • 28.10.2016, 17:25 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Gottfried Benn formulierte:"„Sich irren und doch seinem Inneren weiter Glauben schenken müssen, das ist der Mensch.“"

Und in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns bis zum Ende unserer Tage.
  • 28.10.2016, 13:03 Uhr
  • 3
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Für mich waren die Gedanken u.a. Bettina Wegeners, Zitat

"Grade klare Menschen wär'n ein schönes Ziel,
Leute ohne Rückgrat hab'n wir schon zuviel"

prägend. Leider haben wir die immer noch oder mehr denn je.
  • 28.10.2016, 13:00 Uhr
  • 5
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Einen Gesprächspartner a la Gauland, hättest Du in
Herrn Adolf von Thadden finden können...
wenn wir ihn denn ernst genommen hätten!
  • 28.10.2016, 11:01 Uhr
  • 2
@ Nele R.
Den Thadden habe wir damals hart bekämpft, seinen Versammlungen gestöhrt und wurden als Jusos auch noch von der Partei unterstützt!
Ich kann mich gut erinnern, wie wir sein Auto über 2 Stunden blockiert haben und ihn ander Weiterfahrt gehindert haben.
Das sollte die heutige Jugend bei den Gaulands, Petrys und anderen Nazis dieser Partei auch tun.
Wir brauchen einen 17-ner Generation, die diese Nazis verhindert!
  • 28.10.2016, 12:39 Uhr
  • 1
Ich gebe Dir allen Punkt recht; ja, das sollte die heutige Jugend tun!
Wir im Rhein-Main-Gebiet haben damals eher gegen den Vietnam-Krieg, dem Bau der Startbahn-West und dem Leerstand vieler Villen in Ffm. protestiert.... somit "unsere" Prioritäten gesetzt .
  • 28.10.2016, 13:10 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich habe damals - noch sehr jung - auch nächtelang diskutiert, aber mit einem Rechten wie Gauland hätte ich nie auch nur ein Wor gewechselt. Das war mir mit der Muttermilch eingeimpft worden: Nur Verachtung für solche...
  • 27.10.2016, 22:37 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
es wird Zeit, dass wir gegen diesen VERBRECHER GAULAND rechtliche Schritte einleiten und reihenweise Anzeige erstatten:
In Bauzen haben die sicher noch genügend Platz für ihm!
Ich werde moregn meinen Rechtsanwalt konsoltieren, der übrigens auch 68-iger war!
  • 27.10.2016, 22:28 Uhr
  • 3
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Die 68-iger Bewegung mit den verbrechern der Bader-Meinhoff Gruppe in Verbindung zu bringen ist mehr als krude.
Ich zähle mich, auch mit vilen Freunden zur den 68-gern, war aber sicher, als Pazifist, nie der Gewalt zugeneigt.
Zudem waren wir sicher nich versifft, sondern meisten besser gekleidet als der fett, unansehnliche NAZI Gauland.
Den wenn ich schon sehe, muss ich kotzen.
  • 27.10.2016, 22:18 Uhr
  • 3
Die Bader-Meinhoff-Gruppe gehört aber in diese Zeit, sie war ein Teil davon. Da geht kein Weg vorbei. Und - wie in dem Artikel geschrieben wurde - sie waren nicht immer Mörder, sie waren auch Idealisten.
  • 27.10.2016, 22:35 Uhr
  • 3
Sara , Verdrängen ist nicht die schlechtest aller Lösungen - erst recht dann, wenn der Blick tunnelförmig wird.
  • 28.10.2016, 09:14 Uhr
  • 1
Mir scheint, einige, die diese Zeit miterlebten, verdrängen gerne - warum auch immer. Ich bin sehr froh, diese Zeit bewusst erlebt zu haben.
  • 28.10.2016, 12:17 Uhr
  • 1
Ich werde diese Zeit NIE verdrängen, denn sie war wichtig für die Entwicklung unseres Landes und seiner Demokratie.
Ich würde mir wünschen, dass die Jugend auch heute wieder wesentlich politischer werden, denn Rassisten und Nazis sinde derzeit dabei, das zu zerstören, was wir damals erreicht haben. Eine moderne, zeitgerechte Demokratie in großen teilen Europas!
  • 28.10.2016, 12:33 Uhr
  • 1
Genau - und es ist schrecklich, das mit ansehen zu müssen.
Aber auch in anderen Gebieten, die wir damals erkämpft haben, gibt es Rückschritte. Die Leichtigkeit von damals, die Toleranz, auch die Freizügigkeit, alles ist zurück auf Anfang - na gut, nicht auf Anfang, aber es gibt Bemühungen, es rückgängig zu machen.
  • 28.10.2016, 12:56 Uhr
  • 2
Ich kann den Artikel von Mike nur unterstützen und auch die Meinungen von den anderen 68-igern hier im Forum. Ich bin glücklich,dass ich diese Zeit miterleben durfte und sie hat mich geprägt!
  • 28.10.2016, 14:34 Uhr
  • 3
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Oh ja, geirrt habe ich reichlich, aber eben auch gelernt.
Die nächtelangen Gewaltdiskussionen in FFM, der Zorn, beim Erkennen, wie eine Idee in den Gewaltrausch trudelt und das Handeln sich löst von der Idee und sich verselbständigt.
Die Entscheidung für den langen Marsch durch die Institutionen, der steinige Weg und die kleinen erreichten Ziele.
Das Leben stutzt einen schon zurecht.
Aber mein Rückgrat ist mir geblieben!

Wie diese Mollusken von der AfD, dahin kamen, wo sie jetzt sind, das muss ein ganz anderer Weg gewesen sein.
  • 27.10.2016, 21:58 Uhr
  • 6
..... es war wohl eher auch ein Fall in den Staub der Straße als ein Weg.....
  • 28.10.2016, 09:17 Uhr
  • 1
wize.life-Nutzer, Die Alliierten haben bei der Befreiung der Konzentrationslager tausende von Deutschen gezwungen, zuzuschauen, zu helfen und bei der Beseitigung der Leichen mit zu arbeiten.
Am Ende konnten diese Menschen nur eines fomulieren: Schrecklich, das haben wir nicht gewusst!

Und deswegen hast du recht: Schon die Ahnung, der kleinste zu erkennende Ansatz von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit gehört bekämpft. Gestern. Jetzt. Und immer wieder.
  • 28.10.2016, 10:02 Uhr
  • 6
wize.life-Nutzer, jeder halbwegs gute Psyschologe findet einen Erklärung dafür..... ich bin damit aber auch nicht zufrieden. Mir geht es da wie dir.
  • 28.10.2016, 10:23 Uhr
  • 1
Das haben wir nicht gewusst, ist die große Lebenslüge, die offensichtlich vielen geholfen hat, mit sich selbst weiterzuleben. Heute gehen sie wissentlich und willentlich diesen Weg und haben keine Scheu, das zu bekennen. Am Ende bleibt dann wahrscheinlich ein "SO haben wir das aber nicht gewollt!".
  • 28.10.2016, 11:44 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.