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Wie der Staat die Kirchen finanziert

04.11.2016, 13:25 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Die meisten Eltern in Deutschland verstehen ihre Aufgaben in der Kinderziehung inzwischen als demokratisch, versuchen Kinderrechte zu achten und ihre Kleinen zu später sich pragmatisch orientierenden Staatsbürgern zu erziehen. Religiöse Eltern zwingen ihre Töchter und Söhne meistens nicht mehr, am Sonntag mit in die Kirche zu gehen. Wo lernen also die Kinder noch das religiöse Einmaleins des Tischgebets, der Kirchenlieder, das Ausmalen der Kinderbibeln mit bunten Farben und das Sprechen über Gott? Im christlichen Kindergarten. Kostenpunkt: 3,9 Milliarden €. Aus der staatlichen Steuerkasse.
Aber die Kirchen tun doch soviel Gutes! Das sei dahingestellt, denn das tun andere sehr wohl auch, aber das „soviel“ drückt sich dann eher darin aus, dass Caritas und Diakonisches Werk auch „viel“ kosten, rund 45 Milliarden €, wovon die Kirchen nur zwei Prozent beisteuern. Alles andere zahlen die Krankenkassen, die Sozialversicherungsträger, die Kranken selber mit ihren Eigenbeiträgen und der Staat mit Investitionen Aber dafür, dass sie sowenig selber finanzieren, dürfen die Kirchen bei Caritas und Diakonie exklusiv bestimmen, welche kircheneigenen Loyalitätsrichtlinien die Grundrechte der MitarbeiterInnen verletzen.
„Wer bezahlt, bestimmt auch was gespielt wird!“ Nein, Gott bewahre. Da man das alles als Dienst an der Gesellschaft sieht, muss die das auch bezahlen. Und im Übrigen hätten ja auch alle die gleiche Rechte und würden, wenn man sich so wie die Kirchen organisiert, genauso finanziert werden.
Und wenn man sich nicht „verkirchlichen“ will oder kann? Dann ist das die eigene Verantwortung und freie Entscheidung, das nicht zu tun – sagen die Vertreter der Kirchen.
Ist das nicht ein Etikettenschwindel, wenn Kirche drauf steht und auch inhaltlich praktiziert, aber nicht von der Kirche finanziert wird? Nein, das ist Gewohnheitsrecht. Und diese Denkweise treibt Blüten, wo man sie nicht vermuten würde.
Misereor, das „Bischöfliche Hilfswerk“, steht mit „Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen“, leider aber kaum mit dem eigenen Geld. Mehr als sechzig Prozent der Gelder (101,2 Mio. €) kommen vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und der EU, weiteres sind Spenden und nur fünf Prozent (8,8 Mio. €) sind kirchliche Gelder. Es steht aber trotzdem „Bischof“ drauf und der Unbedarfte kann sich auch darauf verlassen, dass auch Kirche „drin“ ist, nur eben kaum ihr Geld.
Aber die Kirchengebäude, diese wunderbaren Zeugnisse abendländischer Kultur, die werden doch von den Kirchen selber erhalten! Gelegentlich, aber nicht nur die großen Domkirchen in Bayern bezahlt der Staat. 1.100 Kirchengebäude (darunter 533 bewohnte Pfarrhäuser) in Baden-Württemberg, 1.909 Kirchengebäude in Bayern (darunter 649 Kirchen und 648 Pfarrhöfe) und 1.200 Kirchen und Pfarrhäuser in Hessen – für alle zahlt der Staat die „Baulast“.
Und die Kirchensteuer selber? Es ist beinahe peinlich, aber auch die wird vom Staat als steuerlich absetzbare Sonderausgabe mit 3 Mrd. € begünstigt und die preiswerte Einziehung der vermeintlichen Mitgliedsbeiträge durch Arbeitgeber und Staat erspart den Kirchen noch einmal 2 Mrd. € pro Jahr.
Und dass man über die Lohnsteuerkarte seinem Arbeitgeber seine Religionszughörigkeit preisgeben muss? Ja, wie soll denn das staatliche Inkasso über die Arbeitgeber sonst funktionieren? Das sind doch Nebensächlichkeiten. Oder?
Wenn Sie zu diesen und weiteren Themen Zahlen und Hintergrundinformationen bekommen wollen, dann sind Sie hier richtig.

Wer als „Wertevermittler“ auftritt, sollte auch immer klar sagen, woher das Geld zur Finanzierung kommt, sonst könnte das sehr schnell als Unredlichkeit bewertet werden.

http://www.carstenfrerk.de/wb/bueche...inanzen.php

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5 Kommentare

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Zur Fianzierung der Deutschen Kirche durch den Staat möchte ich hinzufügen, daß die im den Jahren 1923 - 1939 in der Junker Zeit und mit dem dritten Reich abgeschlossenen Verträge, beharren die Kirchenfürsten auch heute noch, obwohl sie beinahe ein Jahrhundert lang die Kirchsteuer erhalten haben. In anderen Ländern wie Frankreich, Ungarn bekommen die Priester und Pastoren keine so guten Gehälter pro Monat. Sie müssen ihre Steuern selbst, auf gut deutsch, erbetteln. Der Staat ist nicht kostenloser Handlanger der Kirchen.
  • 04.11.2016, 14:40 Uhr
  • 1
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Ein surreales Bild – leider real

http://journalistenwatch.com/cms/ung...chen-islam/
  • 04.11.2016, 14:20 Uhr
  • 2
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Als 10jähriger wurde ich Ministrant, weil der damalige Pfarrer Schüler die eine weiterführende Schule besuchten, um sich scharte. Dieser Pfarrer machte sehr viel in der Jugendarbeit. das waren die 50 und 60 er Jahre. Wenn ich heute so höre was in manchen Kirchen so von statten ging, kann ich nur den Kopf schütteln, wo waren da die ach so frommen Eltern? Oberstes Gebot ist doch sein Kind zu schützen, zu behüten und zu erziehen, damit es ein anständiger Mensch wird. Uns wurde in der ersten Klasse eingebleut, abschreiben und vortragen:
"Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg auch keinem Andern zu!"
Würde jeder Mensch nach diesem Motto leben, hätten wir keinen Streit, keine Mißgunst und keinen Krieg. Und die Klagen gegen die Kirche gäbe es auch nicht.
  • 04.11.2016, 14:00 Uhr
  • 1
schickte unsern sohn(mit seinem einverständnis) zum posaunenchor....
war top !!
  • 04.11.2016, 14:11 Uhr
  • 1
die jungen Mädels waren bestimmt begeistert, wenn dein Sohn ihnen unter dem Schlafzimmerfenster nächtens ein Ständchen gebracht hat .. oder?
  • 05.11.2016, 02:43 Uhr
  • 0
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