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Afrika bezahlt aus der digitalen Geldbörse

29.11.2016, 23:50 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Während Europa beim Zahlen per Handy zögert, hat sich ausgerechnet Afrika an die Weltspitze gesetzt. Uralte Nokias werden hier zur Kreditkarte. „Welt“-Reporterin Solveig Rathenow hat es ausprobiert.

Das Mobile Payment System ist in Afrika gängiger Alltag.
Mikrokredite per Handy waren nur der Anfang

Laut einer Studie der Weltbank von 2012 benutzen rund 650 Millionen Menschen auf dem Kontinent ein Handy – mehr als Zugang zu Trinkwasser haben. Der Siegeszug des Handy-Bezahlsystems begann 2007 in Kenia mit „M-Pesa“, einem Service von Safaricom und dem britischen Mobilfunkanbieter Vodafone, der zuerst dazu diente, Mikrokredite per Handy zu vergeben.
https://www.welt.de/wirtschaft/webwe...boerse.html

Was auf Nairobis Straßen los ist, haben Francis Gesora und Michael Nguru ständig im Blick. Von ihrem Schreibtisch im obersten Stock eines Bürohauses mit grünen Fensterscheiben schauen die beiden Jungunternehmer auf die Ngong Road herab, eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Kenias Hauptstadt.

Unten herrscht munteres Chaos: Die Straße ertrinkt im Stau, ein Bus kracht in ein Taxi, für Ampeln interessiert sich niemand. Oben arbeiten Gesora und Nguru daran, den Trubel zu zähmen, ein wenig zumindest. Die beiden Informatiker, stets in Businesshemd und mit Handy unterwegs, verschicken Tickets für Fernbusfahrten per SMS. Bisher begaben sich Reisende Tage vor der Fahrt zum Busbahnhof, um Fahrkarten zu Zielen wie Mombasa, Kampala oder Malindi zu ergattern. „Erst standen sie auf der Straße im Stau“, erzählt Gesora, „dann am Schalter in der Schlange.“
Führende Konzerne aus der Informationstechnik (IT) wollen von der erwachten Kreativität profitieren, auch für ihre Heimatmärkte in Nordamerika und Europa, und siedeln sich in Kenia an. Zuletzt eröffnete im November IBM ein Labor am Rande Nairobis. „Wassermangel, Krankheiten – viele Probleme bremsen das Wachstum“, sagt Kamal Bhattacharya, Forschungsdirektor bei IBM Research-Africa. „Aber mit moderner IT kann das Land in zwei Jahrzehnten so viel erreichen wie die entwickelten Märkte in zwei Jahrhunderten.“

Allzweckwaffen im Alltag
Mehrere Unterseekabel haben Kenia in den vergangenen Jahren an den globalen Datenverkehr angeschlossen. Inzwischen generiert das Internet laut der Beratung McKinsey schon 2,9 Prozent der Wirtschaftsleistung – via Online-Handel, IT-Investitionen und Effizienzgewinnen. In Deutschland sind es 3,2 Prozent. Im Jahr 2025 könnte das Netz in ganz Afrika schon zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, also 300 Milliarden Dollar.
http://www.wiwo.de/technologie/digit...544636.html

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