wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Filter Bubble  -  Filterblase

Filter Bubble - Filterblase

11.12.2016, 12:13 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Filter Bubble – Filterblase

Schon mal gehört? - Nein, es geht dabei nicht um einen Defekt an eurer Kaffeemaschine, also nicht darum, dass der Filterkaffee plötzlich Blasen wirft. Weit gefehlt! Es geht um etwas, was es eigentlich gar nicht gibt, was in der realen Welt nicht existiert – etwas Virtuelles also. Und dennoch betrifft es uns alle, oder doch zumindest alle die, welche jetzt diesen Beitrag lesen. Jawohl, Ihr seid gemeint: Du... und du....und du auch! Ihr alle befindet euch nämlich mitten drin, in der Filterblase.
Ihr habt davon noch nichts gemerkt? - Das ist es ja gerade, was die Sache so verzwickt macht: ihr sollt es nicht merken, denn wenn ihr euch dessen bewusst wärt, wärt ihr schon beinahe wieder raus, aus der Blase nämlich. Dabei sollt ihr drin bleiben und euch dort wohl fühlen. Das ist ja der beabsichtigte Zweck der Blase: sie filtert alles aus, was von draußen hereinkommen und euer Wohlbefinden stören könnte.

Erfunden wurde das Ganze von der modernen Medienwissnschaft. Ihre bekanntesten Vertreter sitzen bei Google, Facebook und Konsorten. Vielleicht auch bei Wize.Life – wer weiß das schon?
Betrachten wir mal die beiden Erstgenannten: Ihr habt euch bestimmt schon mal gewundert, dass Google auf alle eure Fragen eine Antwort weiß. Google weiß aber noch viel mehr – nämlich auch alles über euch. Und daher zeigt euch Google nicht immer alles, was Google weiß, sondern nur noch das, was euch passt. Ihr seht nichts anderes mehr. Die Restwelt bleibt euch verschlossen.
Seid ihr auch in Facebook aktiv? Dann habt ihr sicher dort viele Freunde, die euch ständig nette Posts senden. Und ihr antwortet euren Freunden, indem ihr ihnen 'Likes' schenkt, wenn euch etwas besonders gefällt. Facebook merkt sich alles, ganz besonders aber eure 'Likes'. Und bald kommt euch nur noch das auf euer Smartphone und euer Tab, was ihr gerne habt oder gerne hättet. Google und Facebook sind daran interessiert, dass ihr euch in eurer Bubble wohlfühlt und filtert daher alles aus, was euch ärgert, was euch nicht passt, was ihr nicht mögt. Und bald enthält eure 'Blase' nur noch das, was ihr favorisiert.

Ist das eigentlich so neu, wie es den Anschein hat? Gab es nicht schon immer Filterblasen? Kennen wir nicht schon ewig die Geschichten von Herrschern, von Königen, denen von ihren Einflüsterern, ihren Hofschranzen ein ganz bestimmtes Bild der Welt, so wie sie auszusehen hat, vorgegaukelt wird? Minister können nicht alles aus eigener Kompetenz regeln, sind meist zu gehetzt von Terminen, um ihre Reden selbst zu schreiben, sind daher auf die Zuarbeit ihrer Beamten angewiesen, die ihnen die für ihre Entscheidungen notwendigen Informationen liefern. Ja, auch sie leben und arbeiten in einer 'Bubble', in einer Informationsblase. Das Gleiche gilt für die Führungsetage von Firmen und Konzernen. Ist es daher verwunderlich, wenn sich in der Politik wie in der Wirtschaft oft nur wenig oder nichts ändert, selbst wenn die Köpfe hin und her rollen?

Die weit verbreitete Angst vor Überfremdung, die Furcht vor Flüchtlingen, vor Zunahme der Kriminalität, vor Identitätsverlust – all das sind Filterblasen. Wer einmal in einer von ihnen – oder gar in mehreren gleichzeitig – gefangen ist, hat es schwer, wieder herauszukommen. Informationen, die ihm helfen könnten, den Ausweg zu finden, erreichen ihn gar nicht mehr. Google und Facebook tun alles, um ihn unter 'Seinesgleichen' zu halten. Sehr bald ist er überzeugt, dass praktisch alle genau so denken wie er. Die Filterblase sorgt dafür, dass alles außen vor bleibt, was nicht zur eigenen Sicht passt. Das Ergebnis sind Zwangsneurosen und die Bildung politischer Lager, die sich bis aufs Messer bekämpfen und einander verteufeln.

Was ist der Ausweg aus dem Dilemma, in dem wir uns – mehr oder weniger – alle befinden?
Wollen wir uns aus der Blase befreien, hilft nur eines: wir müssen uns öffnen, bereit sein für Neues, ständig unser eigenes Denken überprüfen und uns wieder und wieder bemühen zu erkennen, was das wirklich Gute ist. Inmitten aller Widersprüche dieser Welt das rechte Maß zu finden ist nicht leicht und erfordert Besonnenheit und Gelassenheit, aber auch Intuition. Vor allem aber erfordert es Offenheit für alles Neue.

Mehr zum Thema

49 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es wird zwar viel davon geredet, dass zum Beispiel Wahlen durch Twitter und Co. beeinflusst werden und damit die Demokratie in Gefahr gerät, ich persönlich kann das aber nicht nachvollziehen. Ich wähle ja nicht 'postfaktisch' und emotionell, sondern nach den mir vorliegenden seriösen Informationen. Und ich denke, das gilt auch für alle intelligenten Leute. Und die übrigen gehen ja - zumindest bei uns - gar nicht erst zum Wählen, was man eigentlich nur begrüßen kann.
  • 14.12.2016, 21:22 Uhr
  • 1
Die Gefahr ist aber nicht ganz von der Hand zu weisen, dass gerade die weniger gebildete Schicht sich relativ leicht von den Rattenfängern manipulieren lässt. Auffällig ist doch auch die Zunahme der Wahlbeteiligung in den Ländern, in denen die AfD Fuß fassen konnte.
  • 14.12.2016, 21:27 Uhr
  • 0
Ja, diese Tribalisierung findet leider statt und so bringt die AfD Leute an die Wahlurnen, die sich bisher davon ferngehalten haben. Die AfD nimmt also nicht den etablierten (und damit bewährten) Parteien Wähler weg, sondern bringt bisherige Nichtwähler zum Wählen. Für die Demokratie muss das aber nicht unbedingt nachteilig sein.
  • 14.12.2016, 21:38 Uhr
  • 1
Das Ergebnis einer Wahl, bei der sich die Mehrheit der wähler von Emotionen leiten lässt, die von rechten Populisten gezielt angeheizt wurden, könnte dann aber ähnlich ausfallen wie beim Brexit oder wie bei der Wahl dieses Pussy-Grabschers und Polterers Trump. Müssen wir uns damit abfinden?
  • 14.12.2016, 21:44 Uhr
  • 1
Wenn wir uns nicht damit abfinden wollen, müssen wir hier in diesem Netzwerk und vielleicht auch im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis mit guten Argumenten dagegen halten. Das ist aber anstrengend, man muss sich erst mal selber informieren, um gute Argumente parat zu haben.
  • 14.12.2016, 21:54 Uhr
  • 2
Um nichts anderes bemühe ich (und nicht nur ich) mich doch permanent.
  • 14.12.2016, 22:10 Uhr
  • 2
Das Problem ist halt, dass man solche voreingenommenen Leute auch mit guten Argumenten nicht umstimmen kann.
Hier zeigt sich, dass das Wort 'postfaktisch' durchaus zeitgemäß ist (obwohl es meiner Ansicht nach eine sprachtechnisch absurde Wortschöpfung ist).
  • 16.12.2016, 22:34 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Genau so ist es!
  • 13.12.2016, 12:26 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Friedhelm
Im Fluss der Dinge rollen wir wie ein Ball, auch unfreiwillig dahin wo wir nicht hinwollen.
Da hilft wirklich nur ein innerer Anker, der uns signalisiert was uns teuer und wichtig ist!
Die Nachricht von der Verbreitung von Unwahrheiten( Netz) macht die Runde als wäre dies neu.
Dies war schon immer die Regel, man denke an die Emser Depesche die Otto von Bismarck kürzte... es gibt ja zahlreiche andere Beispiele dafür.
  • 13.12.2016, 08:31 Uhr
  • 2
Lügen und deren gezielte Verbreitung gibt es, seit es Menschen gibt. Sie wurden und werden in der Politik eingesetzt, um sich und der eigenen Partei zum Sieg über den Gegner zu verhelfen, auch und gerade vor Wahlen. Gelingt es, die Massen durch Manipulation auf die eigene Seite zu ziehen, ist man klar im Vorteil. Dabei siegt oft nicht die Wahrheit, sondern das, was geglaubt wird, und sei es auch noch so unglaubwürdig.
In meinem Beitrag geht es jedoch weniger um die 'Fake-News' selbst, sondern um die negativen Folgen der Entwicklung moderner Informationstechnologien. Nachrichten, wahre wie unwahre, verbreiten sich in Sekundenschnelle um den Erdball. Raffinierte Algorithmen sorgen dafür, dass bei den jeweiligen Rezipienten genau die Nachrichten ankommen, die zu einem bestimmten Weltbild passen. So entstehen Urteile, Vorurteile, die sich gegenseitig verstärken. Fakten, die solche Vorurteile entkräften könnten, werden ausgefiltert, erreichen den Rezipienten gar nicht, so dass er nach kurzer Zeit in der 'Meinungsblase' gefangen ist, aus der er nur schwer wieder herauskommt.
Diese Vorgang - und alles, was daraus folgt - ist das beängstigend Neue, worauf wir gefasst sein und wogegen wir uns wappnen müssen.
  • 13.12.2016, 09:51 Uhr
  • 0
Treffen auf dich Raffinierte Algorithmen die dafür sorgen, dass bei dir genau die Nachrichten ankommen, die zu deinem Weltbild passen?
Nein sicher nicht!
Also ist eine tumbe Masse gemeint die unkritisch das aufnimmt was sie aktiv werden lässt, im Sinne gewisser Interessen!
Bei FB sind es die hohe Zahl der Klicks die maßgebend sind, und sich in Pro und Kontra potenzieren.
Deine Warnung ist ja sehr stimmig aber ich meine, dass nicht alleine die Blase der modernen manipulierten Informationsflut verantwortlich ist für den Kollektive Irrsinn. Ich finde deinen Lösungsvorschlag auch sehr gut, aber wollen sich die Massen öffnen?
  • 13.12.2016, 11:03 Uhr
  • 2
Ich möchte ungern von 'tumber Masse' sprechen, wenn ich eine Mehrheit der Bevölkerung meine, die sich scheut, ihre wahre Meinung kundzutun, weil sie befürchtet, gegen die allzu lauten und wortgewaltigen Schreihälse nicht anzukommen, die von sich behaupten, das 'Volk' zu sein.
So kann sehr schnell der Eindruck entstehen, dass z.B. eine Mehrheit der Deutschen fremden- oder islamfeindlch ist, obwohl das gar nicht der Fall ist.
  • 13.12.2016, 12:29 Uhr
  • 0
Ich dachte ja auch eher an die die Trump gewählt haben
oder an jene die den Brexit verursacht haben!
  • 13.12.2016, 12:31 Uhr
  • 2
Wie leicht, wie schnell sich u.U. die Masse von Populisten, Demagogen und Fakenews-Verbreitern dazu hinreißen lässt, aus dem Bauch heraus statt vernunftgesteuert zu entscheiden, das haben wir bei 'Brexit' und Trump-Wahl schmerzlich lernen müssen. Wenn wir in Zukunft auch noch damit rechnen müssen, dass Wahlergebnisse von außen, d.h. von fremden, ausländischen Mächten gezielt beeinflusst werden können, ist die Demokratie, so wie wir sie bisher kannten, wirklich gefährdet.
  • 13.12.2016, 12:48 Uhr
  • 1
Vernunft?
In Frankreich haben sich die Menschen für Fillon entschieden, der den Sozialabbau voran treiben will! Ich mag nicht mehr hinschauen angesichts einer Le Pen die das blaue vom Himmel verspricht!
Die Filterblase in der sich nicht nur Engländer und Amerikaner befinden, lässt mich befürchten, dass event. die Franzosen sich dazu gesellen könnten!
  • 13.12.2016, 13:53 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Danke für diesen Link, der meinen Beitrag gut ergänzt.
  • 12.12.2016, 22:58 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

Oder auch für die, die genügend Englisch verstehen:
  • 12.12.2016, 20:20 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Also für mich hört sich das etwas zuviel nach Matrix an. Die Medien und vor allem die Inernetmedien haben schon sehr viel Macht und sie nutzen diese auch um uns so zu versorgen wie sie glauben das es gut für uns wäre. Die Posts meiner Freunde, egal ob gut oder nicht, ob gelikt oder nicht werden mir immer angezeigt. Wie das bei anderen ist weiß ich nicht. Ich hole mir meine Informationen nicht über das Internet sondern bin da eher noch "Old school" unterwegs. Zeitung, Radio, Fernsehen. Und obwohl es viele Verschwörungstheoretiker gibt, welche die freie Presse und deren Glaubwürdigkeit anzweifeln, ist es für mich ein sehr hohes Gut in einem Staat zu leben, der die Pressefreiheit garantiert. Und das glaube ich auch!!
  • 12.12.2016, 08:25 Uhr
  • 1
Ein Einzelner ändert gar nichts. Und deshalb bist du dennoch im System.
  • 12.12.2016, 20:22 Uhr
  • 0
Das ist mir bewusst. Aber ich bin trotzdem ein Mensch der selbst bestimmen und denken kann
  • 13.12.2016, 08:04 Uhr
  • 1
Schön für dich - und für mich, den ich bin das auch. Aber leider scheinen wir immer mehr in die Minderheit gedrängt zu werden. Um so wichtiger ist es, die anderen darauf aufmerksam zu machen, worauf sie sich einlassen.
  • 13.12.2016, 11:40 Uhr
  • 0
Da bin ich jeden Tag dabei
  • 13.12.2016, 11:44 Uhr
  • 0
Tja, dann machen wir weiter...
  • 13.12.2016, 11:45 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Filterblase sehr gut beschrieben.
Hoffentlich wird dies auch beherzigt!
Ich vermute, dass noch allerhand auf uns zukommt ....
  • 11.12.2016, 22:18 Uhr
  • 0
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Wer sich nur im Netz informiert, ist selber Schuld. Realität hat vorrang!
  • 11.12.2016, 21:46 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Danke Friedhelm. Sollte wirklich jeder drüber nachdenken . und du hast etwas ganz wichtiges gesagt : Ständig unser Denken prüfen und nicht zulassen, dass man sich in alten Meinungen festfährt.
  • 11.12.2016, 19:27 Uhr
  • 2
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Sehr nachdenkenswert.
Danke Friedhelm
  • 11.12.2016, 19:10 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.