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Postfaktisch! Der Weihnachtsmann Eine Richtigstellung

18.12.2016, 08:44 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Postfaktisch ist das Wort des Jahres. Und das ist gut so. Postfaktisch sind Trump-Wähler, also desinformierte Hinterwäldler. Postfaktisch sind Leute, die Boris Johnson vertrauen. Postfaktisch ist eigentlich die schweigende Mehrheit.

Dazu folgende Richtigstellung:

1 Für die Medien — nehmen wir mal die deutschen und hier insbesondere ARD, ZDF und RTL — war 2016 ein verheerendes Jahr. Brexit nicht vorhergesagt, vom Trump-Sieg überrascht, von der zunehmenden Ablehnung Merkels und deren sogenannter Flüchtlingspolitik geschockt, sucht man nach Schuldigen.

2 Zunächst einmal waren das „die Meinungsforscher“. Aber die hatten sich, sowohl in Großbritannien als auch in den USA, nicht wirklich festgelegt. Das tatsächliche Ergebnis lag innerhalb der statistischen Fehlerquote. Verrannt hatten sich die Schnibbens und Hayalis und sonstigen „Haltungsjournalisten“.

3 Dann kam man auf die „Dummheit der Wähler“, die sich in den falschen — also postfaktischen — Medien wie Fox oder Internetportalen informiert hätten. So wurde „postfaktisch“ zum Begriff — inzwischen eher ein Witz.

4 Da kam man auf Putin, den bösen Buben vom Dienst. Der ist nicht nur verantwortlich für Syrien und die Krim, nein, Putin hat auch die US-Wahlen manipuliert. Pfui. Hoffentlich schafft er das nicht bei Merkel 2017. Denn, unbestreitbar, das Postfaktische gibt es ja. Nehmen wir nur mal den Weihnachtsmann. Es gibt Menschen, die glauben an ihn und nicht nur an Trump — und umgekehrt.

Auf den Gedanken, dass die meisten lupenreinen Postfaktischen inzwischen bei ARD, ZDF und RTL sitzen, kommen die Betroffenen leider nicht. Sie glauben an den Mumpitz, den sie selbst verbreiten.


VON HANS-HERMANN TIEDJE Aus Euro am Sonntag

10 Kommentare

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Der Begriff ist sowas von unsinnig, entweder ich weiß etwas und kann es beweisen oder belegen oder es gibt pfiffigere Menschen wie mich, die mich belehren können, daß ich falsch liege. Sicher ist eines, daß viele Entscheidungen von Gerichten nicht mehr nach vollziehbar sind. Ebenso ist es mit den Gesetzen, viel Masse aber keine Klasse, oftmals unausgegoren, so daß sie sehr oft bei Gericht verhandelt und zurückgenommen werden. Die Einzigen auf die Verlaß ist, ist die Polizei, nur sie wird zu oft von der Legislative gegängelt - siehe Köln Silvester 2015. Die Presse oftmals als die vierte Gewalt bezeichnet, wurde zur Schmierenkomödie unkritisch werden Texte von den Politikern übernommen und gedruckt, Lobhudeleien auf die Vorredner angestimmt ohne darüber nachzudenken, was Sinn und Zweck solcher Äußerungen sind. Die Gewaltenteilungen gibt es schon seit einiger Zeit nicht mehr, sondern nur noch einen Einheitsbrei. Aber wir Bürger sind einfach zu unkritisch, also haben wir es so wie es ist verdient.
  • 19.12.2016, 19:16 Uhr
  • 0
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Postfaktisch ist wohl auch der jenige, der unseren Staatsdienern und Regierung noch vertraut?
  • 19.12.2016, 18:53 Uhr
  • 0
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Allerdings entdecken die, die vor lauter Lobliedern auf unsere Politiker die eigene Sprache verloren, ganz vorsichtig Fehler.
Dass plötzlich in unserer kommunalen Zeitung auch mal ein Leserbrief erscheint, der NICHT die scheinbare Nächstenliebe bestimmter Parteien preist, ist ein erstes Zeichen dafür, dass ein Umschwung stattfindet.
Leider hat es zu lange gedauert, und die Folgen werden alle erschüttern.

Der SPIEGEL weiß im Moment noch nicht, wohin der Weg geht. Manche ahnen es, und das wird dann als Kulturpessimismus oder Schwarzmalerei abgetan.
Eigentlich muss man nur beobachten, mehr nicht.
  • 18.12.2016, 10:05 Uhr
  • 2
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Über den als Quelle genannten Autor Tiedje schreibt der Spiegel:
" Statt seinem Kopf gehorcht er lieber dem Bauch - oder noch tiefer liegenden Organen, die ihm verraten, was die Masse will. Denn nur Masse macht''s. Masse braucht Parolen. Und die hat er."

Ob das wohl eine zutreffende Charakterisierung ist?
  • 18.12.2016, 09:34 Uhr
  • 1
Immer komisch, wenn man keine Argumente hat greift man den Gegner persönlich an.
  • 18.12.2016, 09:36 Uhr
  • 5
Eigentlich lohnt es nicht, auf diesen Beitrag argumentativ einzugehen, denn die Argumente verscheiedenster Art zu dien angesprochenen Themen sind hinlänglich ausgetauscht und - je nach Standpunkt - gewogen worden. Aber hier werden Argumente gefordert, also liefere ich ein paar:
Der Begriff 'postfaktisch' erfährt hier eine - saen wir mal: - eigenwillige Definition und wird benutzt, um in verschiedene Richtung 'Pfeile' abzuschießen.
Zu dem Abschnit 'Richtigstellung':
1. Hier wird - postfaktisch - der Eindruck erweckt, als ob nur ARD, ZDF und RTL in Sachen Brexit und Trump mit ihren Vorhersagen falsch gelegen hätten. Fakt ist, dass man weltweit von beidem überrascht, zum Teil auch schockiert war - außer bei denen, die sich das Ergebnis so gewünscht haben.
2. Es stimmt, dass viele Meinungsforscher hier falsch lagen Soweit aber das tatsächliche Ergebnis innerhalb der statistischen Fehlerquote lag, kann man ihnen doch das nicht zum Vorwurf machen bzw. sich darüber lustig machen. Es gehört zum Arbeistrisiko von Meinungsforschern, dass sie sich irren.
3. Wenn irgendwo im Nachhinein von 'Dummheit der Wähler' die Rede war, ist das natürlich polemisch. Es bleibt aber unbestreitbar richtig, dass Trump-affine Medien wie Fox News und zahlreiche Internetportale alles getan haben, um Trump zum Wahlsieg zu verhelfen. Dasselbe trifft auch für den Brexit zu. In beiden Fällen nahm man es auch mit der Wahrheit nicht immer so genau. Daher kann man es auch nicht gerade als klug ansehen, sich aus solchen Quellen zu informieren.
4. Dass es über Putin und seine Politik unterschiedliche Meinungen gibt, kann nun wirklich niemanden überraschen. Ob man ihn als Kriegstreiber oder als Friedenstifter sieht, hängt doch sehr von der eigenen Weltsicht ab.
  • 18.12.2016, 10:20 Uhr
  • 2
Warten wir es ab was passiert.
Trump hat seinen Job noch nicht mal begonnen.

Zum Brexit auch hier gilt abwarten, den es finden Gespräche mit den Staaten des Commonwealth of Nations statt diese umfassen derzeit (Stand Oktober 2016) 52 Mitgliedstaaten. Wenn nur einige Beziehungen vertieft werden, wird das ein Riesen Erfolg.

Firmen aus USA und Kanada vertiefen z. Zt. die wirtschaftlichen Beziehungen. EMEA- Zentralen werden nach England verlagert.
  • 18.12.2016, 10:47 Uhr
  • 2
Richtig: statt zu spekulieren - 'Wait and see!'
  • 18.12.2016, 10:57 Uhr
  • 2
Dann warte mal ab...
  • 18.12.2016, 17:24 Uhr
  • 0
Der neue Kampfbegriff des Establishments-postfaktisch-
Getroffen sollen alle werden , die sich nicht dem "linksliberalen Zeitgeist" der deutschen Gegenwart unterordnen. Ein Zeitgeist der von Parlamentariern und Medienvertretern vorgegeben wird. Im amtierenden Bundestag vertreten praktisch alle Parteien diesen Zeitgeist. Insbesondere die Grünen- die Linken-die SPD--aber auch Teile der CDU.

Mal eine kleine Anmerkung von mir. "Kann es sein dass der Begriff -postfaktisch- sich auf alle der 68-er Bewegung verbunden Protagonisten anwenden lässt?
Kann es sein dass deren "Weltbild" vielleicht nichts mit der rauhen Realität dieser Welt zu tun hat. Dass Narzissmus, Realitätsfremdheit, Altruismus bis zur Selbstaufgabe- dass diese Begriffe nichts damit zu tun haben einen Staat mit Weitsicht, Klugheit, Verantwortungsbewusstsein zu führen und zu allererst mal " ein treuer Diener" des eigenen Landes zu sein. Was jeder Bürger eigentlich erwarten kann.

Postfaktisch- für mich zuallerst einmal ein Begriff der sich auf die 68-er Bewegung anwenden lässt.
  • 18.12.2016, 17:30 Uhr
  • 0
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