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Bildungsforscher geht Eltern für Gejammer wegen G9 hart an: "Die Fakten sind ...

Bildungsforscher geht Eltern für Gejammer wegen G9 hart an: "Die Fakten sind anders!"

News Team
03.05.2017, 10:51 Uhr
Beitrag von News Team

Eine 45-seitige Meta-Studie des führenden Bildungsforschers Olaf Köller im Auftrag der Stiftung Mercator sieht die in mehreren Bundesländern geplante Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) kritisch: „Eine Rückkehr zum G9 dürfte keine positiven Effekte haben“, heißt es in der Analyse, die der ZEIT vorab vorlag.

Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel, hat für die Meta-Studie alle belastbaren Studien zu G8 und G9 zusammengetragen und durch neue Zahlen ergänzt. Dabei analysierte er, ob Schüler in G8-Zweigen gestresster seien, sich weniger außerschulisch engagierten, und schlechter auf das Studium vorbereitet seien. Dies sei nicht der Fall.

„Wir regen uns in Deutschland über Donald Trump auf, der die Ergebnisse der Klimaforschung leugnet, doch Politiker und Eltern, die wieder G9 wollen, verhalten sich genauso postfaktisch“, sagt Köller in der ZEIT: Der Bildungsforscher warnt vor einem „Einknicken der Politik vor dem Bürgertum“. Zwar hätten sich auch die Hoffnungen der G8-Befürworter nicht erfüllt und die Reform „keine großen positiven Effekte“ gehabt. Eine Rückkehr zu G9 sei aber immens teuer.

Laut der Mercator-Analyse ließen sich hinsichtlich der fachlichen Leistungen „keine konsistenten Unterschiede zwischen G8- und G9-Abiturienten nachweisen“ – dies lasse den Schluss zu, dass „in kürzerer Zeit genauso erfolgreich gelernt werden“ könne wie zuvor in neun Jahren. Zwar seien die Absolventen von G8 jünger als die Absolventen von G9, allerdings im Schnitt nicht, wie erwartet worden war, ein Jahr, sondern lediglich zehn Monate – da G8-Schüler nach einem Auslandsaufenthalt häufiger eine Klasse wiederholten. Trotzdem gebe es „keine empirischen Hinweise“ darauf, dass die G8-Jugendlichen spürbar schlechter aufs Studium vorbereitet seien.

3 Kommentare

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Nach den Erfahrungen, die von vielen im pädagogischen Bereich Tätigen gemacht werden, macht es in der Tat nicht viel Sinn, die Schulzeit in dem Sekundarschulbereich wieder auf neun Jahre zu verlängern.
Die Klagen der G8-Eltern sind jedoch nicht ganz unberechtigt. Bei der Umstellung von G9 auf G8 wurde nämlich versäumt, den Lernstoff gründlich zu durchforsten, um ihn von wirklich überflüssigem Ballast zu befreien. Die häufig beklagte Überlastung und Überforderung der Schüler hat ihre Ursache in erster Linie darin, dass man zwar die Anzahl der Schuljahre verkürzt hat, aber die Stofffülle und die Unterrichtszeit beibehalten hat, so dass in den meisten Familien in der Tat die Schulkinder längere Arbeitszeiten haben als die Eltern. Es wäre auch dringend geboten, sich ernsthaft Gedanken zu machen über neue und effektivere Unterrichtsmethoden. Mit den heute noch an den meisten Schulen üblichen Methoden, die sich kaum von denen unterscheiden, die vor 100 Jahren üblich waren, bremst man die natürliche Wissbegier unserer Kinder eher aus als dass man sie nutzt. Dabei gibt es eine Fülle von wissenschaftlich fundierten Neuerungsvorschlägen, die man zumindest ausprobieren und austesten sollte. Zur Zeit kann man im Pädagogikbereich nur noch zynisch von Ressourcenverschwendung sprechen.
  • 03.05.2017, 13:13 Uhr
  • 1
Die lange diskutierte Frage ist in Deutschland inzwischen fast flächendeckend zugunsten der kürzeren Schulzeit entschieden: Abgesehen von Rheinland-Pfalz, sind alle Bundesländer dabei, ihre Gymnasial-zeit von neun Jahren auf acht Jahre zu verkürzen (G8). Die letzten G-9-Schüler werden in wenigen Jahren ihr Abitur in der Tasche haben.
Wie G8 in den Schulalltag umgesetzt worden ist, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden – entsprechend unterschiedlich ist auch die Begeisterung über die Reform. Wie umstritten sie teilweise immer noch ist, zeigt sich daran, dass Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein es einzelnen Schulen erlaubt haben, wieder zu G9 zurückzukehren. Allerdings hatten sich in NRW gerade einmal 13 von 630 Gymnasien um diese Möglichkeit beworben.
  • 03.05.2017, 22:02 Uhr
  • 1
Es geht nicht um bessere Bildung
Die öffentlichen Haushalte sind seit 40 Jahren in Deutschland verschuldet, mit steigender Tendenz. Um im Bildungssystem zu sparen, ist ein Mittel die Verkürzung von Schul- und Studienzeiten(G8, Bachelor). Die Verlagerung von Berufsabschlüssen von der Berufsausbildung in die Hochschulen kommt zudem den kurzfristigen Interessen der Unternehmen entgegen.
Die Probleme: Fachkräftemangel, weil Unternehmen gewerblich-technische Mitarbeiter immer weniger ausgebildet haben, steigende Zahl der Studienabbrecher in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern, weil die allgemeine Hochschulreife flächendeckend "verteilt" wird und eine Studierfähigkeit oft nicht gegeben ist. Ein "Bildungssystem", was immer weniger "ausbildet" geschweige denn "bildet". Wenn dies überhaupt je Ziel war.
Der Konservatismus der Elterngeneration. Sie sollten eingestehen, dass Schule kaum auf die Lebenswelt vorbereitet, es sei denn in die sozialen Rollen "Konsument" und "Opportunist". Mit dem, was man später in der Arbeit, als Staatsbürger oder in seinem privaten Leben an Aufgaben zu lösen hat, hat Schule spätestens ab der 4. Klasse kaum noch was zu tun.
  • 03.05.2017, 22:13 Uhr
  • 2
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