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Die Plünderungsmaschine oder Der Fluch des Reichtums

04.05.2017, 05:26 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

wollte nach dem Text. des Buches schaun und kam auf diesen >Artikel:

Nur aufgrund der Industrialisierung konnte sich in Europa, Nordamerika und zuletzt in Teilen Asiens eine Mittelschicht etablieren. Die Mittelschicht verlangte politische Mitspracherechte, und moderne, liberale Demokratien konnten sich entwickeln. Ich sage nicht, dass dies der einzige Weg zu einem repräsentativen Herrschaftssystem ist, aber er ist bei weitem der sicherste. Ressourcenverfluchte Nationen haben diese Entwicklungsmöglichkeit nicht.....

...dass der Ressourcenfluch nicht nur eine Macke unseres Wirtschaftssystems ist, sondern ein ausgeklügeltes System der Plünderung, dessen Profiteure benannt werden können. Daher der Titel des Buches „Looting Machine“, zu Deutsch: Plünderungsmaschinerie. Ich habe einige der Unternehmen und Individuen benannt, die vom dreckigen Geschäft mit Afrikas Ressourcen profitieren, darunter sind etwa Royal Dutch Shell oder Tycoons wie der israelische Milliardär Dan Gertler.
Die Ausbeutung Afrikas hat eine lange Geschichte, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt: Viele der multinationalen Konzerne, die heute das Geschäft mit Afrikas Öl kontrollieren, haben sich schon während der Kolonialzeit im großen Stil bereichert. Oft waren sie lediglich der privatwirtschaftliche Arm der Kolonialmächte bzw. der Großmächte während des Kalten Krieges. Manchmal werden sie erwischt – Shell etwa verstieß gegen die Antikorruptionsgesetze der USA – aber alles in allem ist uns der Nachschub an Rohstoffen wohl zu wichtig, um diese Unternehmen ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen.
Komplizen dieser Entwicklungen sind wir aber letztlich alle – jeder, der ein Mobiltelefon benutzt, ein Auto fährt oder seiner Angebeteten einen Antrag mit einem Diamantenring macht. Denn die gesamte Weltwirtschaft ist auf der ständigen Verfügbarkeit von Rohstoffen aufgebaut – aus Afrika und aus anderen Regionen. Prinzipien, die wir sonst anwenden – das Eigentumsrecht zum Beispiel oder grundsätzliche ethische Handelsstandards – werden über Bord geworfen, wenn es ums Öl, den Bergbau oder anderes geht.
 
Nun würden die meisten Volkswirte, die ich kenne, argumentieren: Nein, wenn „wir“ „da“ Arbeit schaffen, steigt der Wohlstand vor Ort. In dieser Lesart ist es sogar „großzügig“, westliche Firmen im globalen Süden Hungerlöhne bezahlen zu lassen – denn, so die Behauptung, das ist immer noch mehr, als vor Ort ohne westliches Zutun zustande käme. Was halten Sie von diesem Argument – bezüglich der Ausbeutung von Rohstoffen, aber auch allgemein, also bezüglich der Ausbeutung etwa von Arbeitskraft?
Dieses Argument ist in mancher Hinsicht tatsächlich valid. Wenn westliche Elektronikproduzenten damit aufhörten, Metalle aus dem Ostkongo zu kaufen, um neuen Bestimmungen der USA gegen konfliktträchtige Rohstoffe nachzukommen, würden viele Minenarbeiter vor Ort auf der Stelle ihren Lebensunterhalt verlieren. Das ist ein Teil der Falle. Die Ressourcenindustrie ist die Hauptursache der schlimmsten Probleme vieler afrikanischer Staaten und gleichzeitig ihre wichtigste, manchmal sogar einzige Einkommensquelle.
Und meinen Sie, ich als Einzelner könnte hiergegen nun etwas tun? Meinen Sie, mittels „individueller Kaufentscheidungen“, die uns viele grüne Ideologen gern glauben machen wollen, können wir der Weltwirtschaft Gerechtigkeit abringen – oder was wäre Ihr Vorschlag? Was tun?
Ich denke, dass wir zunächst vor der eigenen Tür kehren sollten. Westliche Führer belehren die Afrikaner permanent, wenn es um Korruption geht. Es ist natürlich richtig, dass viele afrikanische Herrschaftseliten abgrundtief korrupt sind. Allerdings ist die Korruption farbenblind und transnational. Und ein großer Anteil des Bestechungssystems, das ich im Buch beschreibe, wäre nicht denkbar ohne eine Industrie zur Vertuschung globaler Finanzströme, deren Hauptakteure in London, der Schweiz und in zunehmendem Maß auch in den USA sitzen.
Es ist die Bereitwilligkeit westlicher Staaten, den Fluss von Geldern in dunklen Kanälen zu erleichtern und die Geldwäsche durch Immobiliengeschäfte, auf dem Kunstmarkt und in anderen Bereichen zu akzeptieren, die es afrikanischen Kleptokraten erst ermöglicht, Ihre Macht zu behaupten.
 
Noch ein letztes Wort?
Abschließend will ich betonen, dass ich im Verlauf der Jahre, während derer ich an diesem Buch gearbeitet habe, viele unglaublich mutige Menschen getroffen habe – zumeist Afrikaner, manchmal auch Außenseiter – die sich gegen diese systematische Plünderung zur Wehr setzen.
Sie dürfen hier nicht namentlich genannt werden, weil das ihr Leben in Gefahr bringen würde. Ich hoffe allerdings, dass ihr Mut uns dazu bringt, mehr auf die Warenströme zu achten, die unsere materiellen Vorzüge in der ersten Welt ermöglichen.
Wie Burroughs einmal sagte: Was wir benötigen, ist „ein eingefrorener Moment, in dem jeder sieht, was sich am Ende jeder Gabel befindet.“
 
Ich bedanke mich für das Gespräch.

https://www.westendverlag.de/komment...gsmaschine/

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13 Kommentare

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Ich greife mal einen Satz heraus: "Die Ressourcenindustrie ist die Hauptursache der schlimmsten Probleme vieler afrikanischer Staaten und gleichzeitig ihre wichtigste, manchmal sogar einzige Einkommensquelle".
Wer ist denn dafür verantwortlich, dass die meisten afrikanischen Staaten nur ihre Ressourcen am Markt anbieten können?
Sicher nicht die Regierungen der Industriestaaten, sondern ausschließlich die Regierungen der sog. Entwicklungsstaaten. Seit der Entkolonisierung hatten sie Jahrzehnte Zeit, um funktionierende Staaten aufzubauen. Warum hat es nicht geklappt?
Korruption ist wohl die Hauptursache, aber auch kulturelle Unterschiede, einschließlich der Einfluss verschiedener Religionen.
Gabriele, klage nicht die Käufer an, denn die Verkäufer sind es, die sich am meisten bereichern. Leider zu Lasten ihrer jeweiligen Völker.
  • 05.05.2017, 09:40 Uhr
  • 0
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Das ist die Europäische Politik, die diesen Menschen ihre Nahrungsgrundlage weg nimmt und deshalb gibt es den Marsch von Afrika nach Europa. Europäer regen sich wegen Mr. Trump auf, aber die Europäer machen doch schon seit Jahren das Gleiche mit denselben Methoden - aber wie immer das ist etwas ganz anderes, oder? In Deutschland wird der Mittelstand langsam aber sicher kaputt gemacht. Wenn der Mittelstand fehlt, haben einige Osteuropäische Länder nach 1945 zu spüren bekommen, nachdem sie den Mittelstand aus dem Land vertrueben hatten. In den afrikanischen Länder kommt noch dazu, daß die Menschen mit Intellegenz auswandern und nicht im Land bleiben.
  • 04.05.2017, 20:35 Uhr
  • 1
Bei uns wandern inzwischen jährlich 220000 ausgebildete Bürger aus. Ich denke, dass sie zu unserer Mittelschicht gehören.
  • 08.05.2017, 14:58 Uhr
  • 1
So erging es den Tschechen nach 1946, danach merkten Sie erst, daß mit dem Vertreiben der Deutschen den ganzen Mittelstand vertrieben hatten. Das kann auch Deutschland mit Ihrer Politik passieren.
  • 09.05.2017, 17:03 Uhr
  • 2
Die Zuwanderer werden es schon richten.
  • 09.05.2017, 20:06 Uhr
  • 0
Zuwanderer?
80% haben keine oder nur mäßige Schulbildung, wie wollen diese Menschen die hoch technisierten Maschinen und Computer verstehen?
  • 10.05.2017, 15:29 Uhr
  • 1
Es war ironisch gemeint.
  • 10.05.2017, 19:11 Uhr
  • 0
Guten Tag Lucia,
die ersten geben ja auch schon auf zu glauben, daß bei allen Bildung auf fruchtbaren Boden fällt. Sicher gibt es wie bei uns auch intellegente und weniger begabte Menschen. Jeder sollte das tun, was er am Besten kann. Das ist immer noch besser als faul rumsitzen oder evtl. auf schlechte Gedanken zu kommen.
  • 11.05.2017, 13:33 Uhr
  • 0
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Die sogenannte Entwicklungshilfe ist doch nur ein durchlaufender Posten. Diese Gelder holt man sich über Waffenlieferungen umgehend zurück. Noch schlimmer ist die Staatliche Förderung unserer Konzernbauern über ihre mit Brüssel verteilten Agrarsubventionen, die machen die Kleinbauern in Afrika Arbeitslos und führen zur Einstellung eigener Produktionen. Die Politik unserer Wirtschaftsmarionetten ist pervers und verlogen, befördert Armut und Kriege und führt letztendlich für Europa in den Untergang.
  • 04.05.2017, 16:07 Uhr
  • 1
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Geht Hand in Hand mit der Installation von willigen Despoten, oft mit Hilfe von sogenannten "Volksaufständen", die dann mit Geld überschüttet werden, damit die die lukrativen Geschäfte nicht stören.
Darum entspricht auch die staatliche "Entwicklingshilfe" dem Schwenken eines Weihrauchkessels. Wirkliche Entwicklingshilfe ist nicht gewünscht. Diese Länder werden gebraucht, um die eigene Überproduktion teuer losschlagen zu können.
  • 04.05.2017, 07:59 Uhr
  • 2
Bei dieser Vorgehensweise kann einem übel werden.
  • 12.05.2017, 18:22 Uhr
  • 0
Westliche Politik sieht so aus.
  • 12.05.2017, 19:08 Uhr
  • 1
Ja.
  • 12.05.2017, 19:26 Uhr
  • 0
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