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Was ist "links"?

12.07.2017, 17:45 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Was ist „links!

Ein "zugespitzter" Denkansatz.

Hierzu sei mir gestattet einen Aufsatz des Soziologen und Journalisten Mathias Greffrath zu veröffentlichen, den er schon am 14. Juli 2005 in der Zeit-Online verfasste.
Zitat Anfang:
„Was also ist "links"? Zunächst das Grundsätzliche: Die Emanzipation der unteren Schichten zum Bürger ist erst vollendet, wenn neben der Freiheit von politischer Willkür und der Gleichheit vor dem Gesetz auch die Solidarität zum Grundgesetz der Gesellschaft wird. In der Industriemoderne heißt das "organische Solidarität" (Émile Durkheim): An die Stelle von moralisch motiviertem "Eintreten für die Schwachen", Almosen und Familienbanden tritt das reale Band der Arbeitsteilung, das die Gesellschaftsgenossen einander verpflichtet. Die Kämpfe der Arbeiterbewegung hatten deshalb das Recht auf Arbeit zum Ziel, ersatzweise die Vollbeschäftigung – weil nur diese die Macht des Kapitals balancieren und damit "bürgerliche Würde" schaffen kann. Das ist der Kern des linken "Egalitarismus" – und nicht Einkommenspunkte. Solidarität herrscht unter Gleichen. Arbeitslosigkeit oder verordnete "Beschäftigung" in einem öffentlichen Dienst zweiter Klasse schließt Millionen von Menschen aus der Gesellschaft selbstverantwortlicher Bürger aus – genauso wie ein Grundeinkommen für Arbeitslose.
Links ist – zweitens – ein Sozialstaat, der "einheitliche" Lebensverhältnisse garantiert (siehe Grundgesetz-Artikel 20, 72 und 106), nicht als "Wohltaten", sondern als Voraussetzung der Demokratie. Nur, wenn Menschen frei von existenzieller Unsicherheit sind und frei, sich zu bilden, können sie politisch frei urteilen und handeln (das war der rationale Sinn des Dreiklassenwahlrechts). Aufgeklärte Bürger wie Walter Rathenau plädierten deshalb für eine strikte Verpflichtung der Großunternehmen auf das Gemeinwohl und die konfiskatorische Besteuerung von Einkommen, die nicht aus Erwerbsarbeit resultieren und "verdienstlosen Massenerben" – zugunsten der "munizipalsozialistischen" Einrichtungen und des öffentlichen Wohlstands. Solange die Lebenschancen des Einzelnen noch auf Erbe und Familie beruhen, haben wir das "menschliche Tierreich" des Marktes (Hegel) nicht verlassen, bleibt Demokratie also immer noch Aufgabe.
Und drittens hat die "linke" Idee von Fortschritt einen qualitativen Kern – auch darin nicht anders als die "bürgerliche". Nach ihr dient Technik dazu, unnötige Arbeit abzuschaffen und die Arbeitszeit aller zu verkürzen, damit Zeitwohlstand entsteht: für kulturelle Betätigung, Dienst am Nächsten und die Heilung der Wunden, die Industrie und Kapital geschlagen haben. Diese Fortschrittsidee reicht von Campanella über Marx und Keynes bis ins Berliner Programm der SPD.
So weit die Basics. Für Linke gelten sie auch im Zeitalter der Globalisierung. Allerdings unter erschwerten Bedingungen: Die Exterritorialität der großen Unternehmen und Vermögen nimmt den Staaten die Steuersouveränität; die Nationalökonomien zerfallen in einen prosperierenden internationalen Sektor, einen schrumpfenden der lokalen Produzenten und einen wachsenden der Überflüssigen. Der globale Wettbewerb des Kapitals zieht die schrankenlose Konkurrenz der Arbeiter nach sich. Die Produktivitätsrevolutionen machen die technologische Arbeitslosigkeit chronisch. Die implizite Vision des neuen Vulgärliberalismus ist die naturwüchsige Entwicklung zum weltweiten Marktstaat, in dem die Politik nur noch die Funktion hat, die Sicherheit der Finanz- und Warenströme zu garantieren, die Kriminalität zu dämpfen, Basisqualifikationen zu vermitteln, ein Staat, in dem die Demokratie auf Akklamation schrumpft.
Links ist also zuoberst eine politische Re-Regulierung der Weltmärkte. Das ist inzwischen Allgemeingut: von Wolfensohn bis Attac, von Ratzinger bis Schröder. In der Praxis haben die Steuerleute des ökonomisch-ideologischen "Imperiums" Ansätze zur Behauptung der Bürgergesellschaft gegen den Markt erfolgreich verhindert. Wie man an Lafontaine sieht, kann schon die Absichtserklärung politisch tödlich sein. An einem Neuaufbau politischer Souveränitäten aber hängen auch die anderen Jahrhundertaufgaben: der Übergang zu erneuerbaren Energien, die Linderung des Bevölkerungsdrucks, die globale Bewirtschaftung von Natur, Wasser und Rohstoffen.
Nationale Rückzüge sind angesichts dessen reaktionär. Linke sind Universalisten, sie werden also dem gewaltigen Kapitaltransfer in die armen Länder nichts entgegensetzen, ihn im Gegenteil für höchst wünschbar halten – allerdings nur, wenn er den "globalen Süden" entwickelt und nicht zu einem weltweiten Verfall der Löhne und einem Abriss der Sozialstaaten bis auf die Grundfesten führt – und damit zum Substanzschwund der Demokratien. Nach Lage der Dinge wäre allenfalls ein sozialdemokratisches Europa fähig, den Aufbau transnationaler politischer Körperschaften voranzutreiben – aufgrund seines politischen Erbes, seiner entwickelten Staatlichkeiten, seiner guten Erfahrung mit der Delegierung von Souveränität. Und weil seine Bürger ihre historisch erarbeitete Lebensweise nicht aufgeben wollen.
"Europäisch links" wäre also eine Trippelstrategie: erstens kraftvolle Initiativen für eine neue internationale Finanz- und Handelsordnung, die es den Staaten wieder ermöglicht, Steuern einzunehmen – ein langfristiges Unternehmen, das wohl nur im Gefolge schwerster Wirtschaftskrisen angegangen werden wird. Zweitens: die nur mit westeuropäischem "Wohlstandsverzicht" zu erkaufende sozialpolitische Komplettierung Europas durch transnationale Sozial- und Versicherungssysteme, ohne welche die freie Mobilität von Arbeit und Kapital die Gesellschaften immer weiter spalten wird; dazu Großprojekte, die Arbeitsplätze und nachhaltige Zukunftssicherung schaffen (etwa ein Crash-Programm für erneuerbare Energien oder Verkehrsnetze, wie Jacques Delors sie 1991 vorgeschlagen hat). Beides setzte den Mut zu industriepolitischen Inititiativen und eine Rücknahme der überzogenen Deregulierung voraus. Hier läge die große Aufgabe für eine wiedergeborene europäische Sozialdemokratie. Sie könnte auch als einzige der Neuen Mitte die Opfer interpretieren, die dazu von ihr gebracht werden müssen: ein Tausch von Konsumerweiterung gegen Zukunftssicherung, eine dynamisch-konservative Bewahrung des "European Way of Life" und die Entfaltung wissenschaftlich-technischer Kreativität. Technik, mit der sechs Milliarden Menschen leben können, und Zeitwohlstand für die frühindustrialisierten Gesellschaften – das wäre die europäische Vision. Sie könnte sogar skeptische Jugendliche beleben.
Diese beiden grand left designs sind derzeit höchst unwahrscheinlich, denn sie rechnen nicht in Legislaturperioden, sondern mit Notwendigkeiten. Deshalb also der dritte Schritt: den gesellschaftlichen Spaltungstendenzen im nationalen Rahmen zu begegnen und dabei die Tür für ein modernisiertes Europa nicht zu schließen. Wo wäre also ein wahlkampftaugliches "linkes" Regierungsprogramm, das Wegmarken zu diesem Ziel setzen könnte? Seine Konturen liegen auf der Linie von Peter Bofingers Zehn-Punkte-Programm "Wohlstand für alle", das eine Anleitung zum Bohren nahe liegender, gleichwohl dicker Bretter enthält: Koordinierung von Steuerpolitik und Sozialstandards in der EU; Senkung der Lohnnebenkosten und neue Steuern auf Körperschaften, Einkommen, Vermögen; Einbeziehung von Selbstständigen und Beamten in die Sicherungssysteme; vor allem: forcierte (notfalls kreditfinanzierte) staatliche Investitionen in Bildung und zukunftsfähige Infrastrukturen statt verpuffender Steuersenkungen; Subventionierung sozialversicherter Arbeitsplätze anstelle der Begünstigung von Tagelöhner-Jobs. Und schließlich: Lohnzuwächse nach der alten Formel "Produktivitätsentwicklung plus Inflationsrate", damit der Binnenmarkt nicht weiterschrumpft. Die meisten dieser Punkte finden sich übrigens auch verstreut in den – noch nicht ganz homogenisierten – Überlegungen, die im Umkreis der WASG/PDS-Fusion angestellt werden.
Die nächste Stufe wäre dann eine allgemeine, sehr langfristig angelegte Arbeitszeitverkürzung, die dauerhaft mehr anspruchsvolle decent jobs schüfe anstelle von Dienstboten für High-Performer und unwürdiger Billigstarbeit. Die Voraussetzung dafür wäre ein Bildungssystem, das nicht nur besser qualifiziert, sondern die Menschen auch geistig befähigt, in der "freien" Zeit Tätigkeiten nachzugehen, die im humanistischen Menschenbild ohnehin weder dem Markt noch einer Staatsbürokratie unterworfen sein sollten: Kindererziehung, Altenpflege, kulturelle Eigentätigkeit. "Dreizeitgesellschaft" nannten die Grünen das einmal, und in den achtziger Jahren hielt selbst die CDU Kongresse ab, auf denen solches gedacht wurde.
Da kommt natürlich der Einwand: retro, politischer Gestaltungsgrößenwahn, kulturrevolutionäre Allmachtsfantasie. Vor allem: von den Verhältnissen, von Kulturindustrie, Sat.1 und anderen Individualisierungsmaschinen längst historisch überrollt. Da ist was dran. Aber "links" ist ein Langzeitprojekt. Und Fortschritt heißt, wie Diderot sagte: falsche Ideen vom Sockel stoßen und zu Unrecht gestürzte wieder draufstellen; oder, mit den aktuellen Worten von Michel Rocard: "Wir müssen uns wieder daran gewöhnen, Dinge zu sagen, die wir uns verboten haben – aus Angst, ausgelacht zu werden."
In Erwartung einer Koalition also, die – in welcher Zusammensetzung auch immer – auf der Linie Agenda 2010/Hartz IV weitermachen wird (nebst einer Mehrwertsteuererhöhung – bekanntlich neben Staatsschulden der zweitstärkste Hebel indirekter Umverteilung), geht es nicht nur um das demokratische Minimalgebot, der steigenden Zahl von "Modernisierungs"-Verlierern eine parlamentarische Repräsentanz zu geben. Wichtiger wäre, darüber zu streiten, wie Gerechtigkeit organisiert werden soll, da wir sie offenbar nicht mehr durch Wachstum ersetzen können, und die sozialen Zukunftskonzepte – die außerhalb der Parlamente längst vorgedacht sind – in den öffentlichen Raum zu heben. Sagen wir ruhig: Nötig wäre ein parlamentarischer Arm von Attac und all den konzeptuellen Intellektuellen, die noch nicht abgeschnallt haben.
Nach Zusammensetzung und Perfomance der Newcomer, angesichts der gebrochenen innerparteilichen SPD-Dissidenten, des postmodernen Unernstes der Kulturlinken und ihrer Ferne zu den Ausdrucksformen und Sicherheitsbedürfnissen der kleinen Leute, ist die Erwartung, die neue Formation werde das leisten, nicht sehr hoch. Nur, auf Dauer ist ein Parlamentarismus unerträglich, der nicht auf der Höhe der realen Gegensätze ist – wie Niklas Luhmann es schon zur Wahl von 1998 anmerkte. In einem Parlament des 21. Jahrhunderts müsste eine Partei der nationalkapitalistischen Stärkung für den Weltkmarktkrieg mit einer Fraktion konkurrieren, die, auch gegen die kurzfristigen Wünsche und Beharrungen der Bürger, deren Zukunftsinteressen vertritt und die globalen großen Aufgaben angeht. Ob die neue "Linkspartei" bei einer solchen, politisch wünschenswerten und historisch notwendigen Spaltung (aller) Parteien und ihrer Neuordnung – sagen wir grob, zu einer Merz/Clement-Formation und einer Geißler/Nahles-Linie – eine Katalysatoren-Rolle spielen oder ob sie die gegenwärtige Erstarrung eher verstärken wird? Das wäre doch eine wirklich interessante Frage fürs politische Feuilleton.
Zurück an die "Basis", denn da entscheidet es sich: Wer ist heute noch links? Nun, der sechzigjährige Attac-Aktivist, der auf die Frage, wie langfristig das gedacht sei, mit der "anderen Welt, die möglich" sein soll, antwortet: "Ach, Jahrhunderte." Die junge Verkäuferin bei Karstadt, die sagt: "Ja klar, ich würde auch zehn Prozent weniger arbeiten für zehn Prozent weniger Lohn, wenn dafür zehn Prozent mehr eingestellt würden." Der konservative Präsident des Sparkassen-Verbandes, der die Liberalisierungspolitik von IWF und EU kritisiert, weil er kleine Selbstständige und Staat in Gefahr sieht. Der Solar-Ingenieur, der im Übrigen meint, dass die Steuern da anfallen müssen, wo die Wertschöpfung am höchsten ist – also beim maschinenfixierten Kapital. Der mittelständische Unternehmer, der seine Steuerpflicht nicht exportieren kann. Die Eltern, die sich keine privaten Lehranstalten leisten können und wollen. Der promovierte, minijobbende Neo-Keynesianer ohne Sozialversicherung. Sie alle haben zurzeit keine parlamentarische Vertretung, sie alle haben einen Blick fürs Ganze. Und der ist nicht auf "links" beschränkt, sondern wahrscheinlich der kostbare säkulare Rest der alten Religion.“
Zitat Ende

Interessieren Gerechtigkeits- und Zukunftsfragen in Zeiten diffuser Angstaufkleber, trumpscher Politikverödung und multiphrener Meinungskonsumierung überhaupt noch jemanden – zumal in Zeiten virtueller Postfaktizität und Affektivität?
Allerdings möchte ich an dieser Stelle einen kritischen Satz zur sog. Parteiendemokratie einschieben:

Politik – egal welcher Couleur – ist nie nur Sach- und Gestaltungspolitik, sondern immer auch ein Hantieren und Exekutieren mit und von Affekten (Emotionen), was dann mit Manipulationen, Propaganda, Indoktrination und eben Verführung zu tun hat. Die emotionalen Aufladungen können Angst, Hass, freudige Zukunftserwartungen, „wohlige“ Sicherheits- und Wohlstandsversprechen usw. sein – oder eine Komposition von affektvollen Darbietungen zwischen Bedrohungsszenarien und Versprechen. Und „… seit es Demokratie gibt, seit es Wahlen gibt, seit es darum geht, Wählerstimmen zu akkumulieren, und zu kreieren, gibt es natürlich auch das, was wir jetzt mit einem modischen Wort Populismus nennen, nämlich den Versuch, sei es durch richtige oder falsche Versprechungen, sei es durch Emotionalisierungen, sei es durch Schüren von Ressentiments sozusagen die Massen für eine Partei oder für eine Führungspersönlichkeit oder für ein Konzept zu gewinnen und vielleicht auch für sich einzuspannen.“ (Konrad Paul Liessmann)

Nach der Finanzkrise die den Steuerzahler zig Milliarden kostete konnte der „Marktmacht“ (Eliten, die sich der Verantwortung für die Gemeinschaft entzogen haben und eigentlich nur an ihrem eigenen Vorteil orientiert sind, wie es Zygmunt Baumann der große Soziologe einmal treffend beschrieb) kein besserer Instrumentarium zu seiner Legitimation in die Hände gelegt werden als die Flüchtlingskrise, die Terrorgefahr und ein das kapitalkonforme Europa bedrohender Scharia Islam – so konnte eine Art „Ausnahmezustand“ geschaffen werden.
Und dieser „…. Ausnahmezustand kann nur dann aufrechterhalten werden, wenn ein Problem nicht gelöst, sondern in serielle Schwingungen versetzt wird.“ [Markus Metz / Georg Seeßlen „Hass und Hoffnung. Deutschland, Europa und die Flüchtlinge“, Bertz-Fischer Verlag, 2016, S.21)

So gesellt sich zur selbstlogischen Wahlentscheidung „Die [damit werden die bürgerlichen Parteien gemeint] haben das Geld“ nun auch der suggerierende Slogan „Die können innere Sicherheit schaffen“ – von einer sozialen Sicherheit ist da längst schon keine Rede mehr.

Nicht von ungefähr setzt man heute nicht nur auf eine erneute Kanzlerschaft von Frau Dorothea Angela Merkel die Hoffnung (manch einer schreit schon nach der zweiten Erlösungsvariante durch Christian Lindner) und meint nur eine solche „Demokratie“ kann auf ewige Zeiten Wohlstand und Sicherheit schaffen.

Denn die „…Mägen und Truhen sind voller als jemals zuvor. Verändert haben sich (….) ihre Einstellungen, ihre Mentalitäten. Was eben noch genügte, genügt nicht länger. Dabei ist die große Mehrheit einem echten Bedürfniskonsum – auch auf hohem Niveau – längst entwachsen. Immer größere Teile ihres Verbrauchs dienen der Befriedigung unhinterfragter Gewohnheiten und persönlicher Eitelkeiten, der Selbstdarstellung und der Konkurrenz mit anderen.

Dafür wird die Erde ausgeplündert und die Gefahr eines Kollapses heraufbeschworen und nicht etwa, um einen gehobenen Lebensstandard zu genießen. Wirklichen Verzicht braucht auf absehbare Zeit kaum einer zu üben, vor allem, wenn der materielle Wohlstand künftig gleichmäßiger verteilt wird als bisher. Für die meisten geht es lediglich darum, Ballast abzuwerfen. Von dem allerdings gibt es reichlich. (Meinhard Miegel)

Ach ja, mir sei noch erlaubt Georg Schramm zu zitieren:

„Das Grundübel ist nach Warren Buffett der Krieg Reich gegen Arm. Und das wird nicht miterwähnt, nicht nur von der AfD nicht. Die suchen nur einen Sündenbock – und das sind eben die Flüchtlinge. Reich und Arm sind ja keine Kategorien mehr, die man auf Länder anwenden könnte. Die wirklich Reichen haben sich ja längst von den Staaten gelöst. Es ist doch eine Posse, dass Apple 13 Milliarden Euro Steuern an Irland zahlen soll, die Iren das Geld aber gar nicht haben wollen. Das zeigt doch, wo die Macht tatsächlich sitzt. Darüber wird aber nicht geredet, ebenso wenig über die wahren Gründe der weltweiten Flüchtlingsströme. Das gehört aber zwingend dazu.“
Für den einen dienen die Flüchtlinge als Sündenbock und für den anderen als Legitimation einer wehrhaften und wahrhaften Demokratie in der es weder Lobbyismus noch einen ausufernden Finanzkapitalismus gibt, sondern die einzige Gesellschaftsform die möglich erscheint.
„Demokratie ist nun nicht nur eine von möglichen Herrschaftsformen, sondern sie ist die einzige Form, in der sich politische Macht überhaupt legitimieren lässt. Zugleich betrachten die herrschenden Eliten Demokratie als eine „notwendige Illusion“ und bemühen sich hinter der Rhetorik von Demokratie zugleich, die zur Sicherung
ihrer Eigeninteressen geeigneten oligarchischen Strukturen zu etablieren.“ [Rainer Mausfeld]

Und ein letzter Satz: Zum ewigen Wohlstandsdenken braucht es in Zukunft auch keiner Demokratie mehr, sondern „Manifestationen“ und Repräsentationen von v.a. ökonomischen Werteinhalten – dort wo man anfängt eigenständiges Denken durch Apps zu ersetzen, Vertrauens- und Identifikationsangebote über Konsumgüter erzeugt und Affekte in Bedürfnisse in ein erstrebenswertes Modeunikat einkleidet. „Wir sind es uns wert“

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16 Kommentare

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Auf dem linken Auge blind: Politiker aus Kreisen der Linken und Grünen äußern sich oft positiv über links-grün motivierte Ausschreitungen, seien es Antifa-Steinewerfer oder militante Umweltschützer, die Versuchstiere befreien oder Castor-Transporte blockieren. Ich finde dies höchst unverständlich, aber es ist mir lieber, sie äußern ihre Meinung offen, wodurch man sich damit inhaltlich auseinandersetzen und dagegen argumentieren kann. Das eigentliche gefährliche für die Demokratie sind Politiker, die still und leise auf Kosten des Steuerzahlers andere Menschen zu ihrer eigenen Ideologie umerziehen lassen wollen - Leute wie Schleswig oder Mass, die vom gendergerechten Lehrplan über den Gleichstellungsbeauftragten und "Präventions"programme bis zur Netzzensur in die freie Meinungsbildung und -äußerung eingreifen. Ohne freie, unbeeinflusste inhaltliche Diskussion werden Ideologien zur Gefahr - und dann wird schnell ein Auge bis zur Rechtsbeugung zugedrückt, wenn es doch die angeblich Guten sind, die Recht brechen.
  • 15.07.2017, 05:25 Uhr
  • 2
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Mit kürzeren Worten: Das oben erwähnte "menschliche Tierreich" wird bestehen bleiben bis zum Aussterben.
  • 13.07.2017, 14:12 Uhr
  • 2
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Ein interessanter Artikel, aber sehr lang.
"links" sehr gut erklärt - nur wird es immer anders interpretiert.
  • 13.07.2017, 10:14 Uhr
  • 1
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Hier wurde ein Kommentar durch den Ersteller entfernt.
Diejenigen, die es angehen würde, werden es nicht lesen oder gar verstehen.
  • 12.07.2017, 20:34 Uhr
  • 0
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Vielen Dank.
Ein wunderbares Kaleidoskop der politischen, sowohl auch gefühlten Eigenschaft "Links".
Lang, aber lesenswert.
  • 12.07.2017, 18:46 Uhr
  • 1
Ja, tut mir leid, aber ich wollte den Artikel von Mathias Greffrath nicht kürzen.
  • 12.07.2017, 19:34 Uhr
  • 0
Hallo Rosen,
wo sind meine Beiträge geblieben? Sie sind gelöscht worden. Da war keinerlei Hetze drin, nur eine intensive Auseinandersetzung mit links und rechts. Wer hat meinen Beitrag gelöscht, das ist ein Skandal!
  • 17.07.2017, 10:26 Uhr
  • 1
Ich habe Greffrath sehr gerne gelesen, als er noch für die Wochenpost schrieb, bevor sie von Matthias Döpfner zugrunde gerichtet wurde. Seine Artikel waren immer klug und lesenswert.

Von der oben auch ausgedrückten Hoffnung, die er anscheinend in die Sozialdemokratie setzt, halte ich persönlich wenig. Die bundesdeutschen Sozialdemokraten haben die Demokratie hierzulande durch ihre politische Rückgratlosigkeit und Pseudoalternative degeneriert. Wer die Demokratie schützen wollte, müsste eigentlich die SPD verbieten.
  • 17.07.2017, 10:43 Uhr
  • 0
Lieber Sigurt, Du hast eine PM!
  • 17.07.2017, 10:49 Uhr
  • 0
Hallo Rosen,
was ist eine PM, Post-Mail? In meinem Postkasten war nichts drin, nur die Meldung, dass Du meinen Beitrag lsenswert findest. Deshalb kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Du mich gelöscht hast. Doch wer hat mich dann gelöscht?? Du hast meine Beiträge gelesen, dann weißt Du, dass da weder Hetze, Faschismus, Nationalismus oder Rassenhass drin war. Aus welchem Grund wurden meine Beiträge gelöscht???? Ich habe zwar argumentativ eine andere Sicht von links oder rechts dargelegt, aber ist das verboten? An andere Forenteilnehmer, Ihr habt doch sicher auch die Beiträge gelesen. Ihr könnt bestätigen, dass nicht die geringste Hetze drin war. Machen die Administratoren das von sich aus. Dann müssen sie sich den Verwurf gefallen lassen, sie sind einseitig ausgerichtet sind, dass sie selbst einen sachlichen Bericht mit starken Argumenten, der aber der Sicht von political Correctnes widerspricht. Das wäre ein Skandal. Da ich meine Antworten immer direkt hier in die Antwortfunktion schreibe, habe ich keine Kopie um zu beweisen, wie korrekt meine Antwort war
  • 17.07.2017, 12:00 Uhr
  • 0
Hallo Rosen,
ich habe jetzt Deine Antwort gefunden, deshalb erlaube ich mir, sie reinzustellen, um den Versuch zu unternehmen, herauszufinden, wer mich gelöscht hat. Ich hoffe, Du erlaubst mir das. Ich werde die Administratoren anschreiben, ich will das wissen. Wer hat sonst die Macht dazu?
Vielen Dank und Gruß
Sigurt
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Deine Antwort in meiner Post:
>>>> Rosen Laub Heute, 10:31 Uhr
Lieber Sigurt,

ich staune selbst darüber, wo Deine Beiträge hin, sind hatte ich doch noch vor einer halben Stunde folgende Antwort von mir eingeschrieben:
Lieber Sigurt, meine Hochachtung für Deine fundierte Sicht!

"Für eine auf lange Zeit funktionierende Gesellschaft (in ihrer „Komposition“ aus sozialen, politischen, ökonomischen, narrativen, technologischen, strategischen usw. Faktoren), deren Ressourcen (geistigen, wie materiellen) und der Umwelt (Planet Erde) ergibt sich ein zu starker Kollektivismus wegen seiner starren Ausrichtung auf soziale Gruppendynamiken (und damit designierten und distributiven Führungs- und damit Machtkonstellationen) ebenso wie ein zu starker Individualismus wegen seiner dissoziativen und diversifikativen Solodynamiken (Gier, Egozentrismus, Narzissmus) als schädlich. Führ das eine zu Verfall (Stillstand), führt das andere zu Zerfall (Chaos).
Für alle gesellschaftlichen Felder braucht es eine spezifische Ausgewogenheit – bei Beibehaltung von evolvierenden Ungleichgewichten – und Austarierung, die weder allein kollektivistisch, noch allein individualistisch geleistet und moderiert werden kann."

Leider fehlt mir die Zeit, hier längere Gedanken auszutauschen, da ich ja noch berufstätig bin.
Ich weiß jetzt nicht mehr wer den Erstkommentar geschrieben hatte.

Dir noch eine schöne Woche!

Liebe Grüße,

Falko
  • 17.07.2017, 12:10 Uhr
  • 1
Der Erstkommentator kann den Strang ja löschen - nun weiß ich nicht, ob Du den Erstkommentar geschrieben hattest unter den wir dann weiter kommunizieren oder jemand anders?
  • 17.07.2017, 15:29 Uhr
  • 0
Hallo Rosen, ich habe den Erstkommentar nicht geschrieben.
@Manfred, warst Du das und hast mich gelöscht?
  • 17.07.2017, 18:16 Uhr
  • 1
Nun, lieber Sigurt dann ist diese Löschung nicht mehr zu ändern, vielleicht ist es besser wenn Du in Zukunft direkt Deine Kommentare als Erstkommentare in die Notizen bringst, da ja jeder Erstkommentator (ebenso natürlich wie der Notizersteller und die Moderation sowieso) Kommentare löschen kann.
  • 17.07.2017, 18:24 Uhr
  • 0
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Interessanter Denkanstoß, der erste Artikel auf wizelife, den ich ausdrucke um ihn ihn Ruhe nachzulesen
  • 12.07.2017, 17:53 Uhr
  • 2
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