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Eine Reise durch Südalbanien

Eine Reise durch Südalbanien

10.07.2016, 09:06 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Albanien entsprach auf Grund seiner politischen Vergangenheit lange nicht unserer Vorstellung eines Urlaubslandes, war es doch in Europa neben der DDR ein Musterland des Kommunismus und konnte dessen "Fesseln" erst spät (1992) ablegen und den Übergang in eine Demokratie wagen, was in den ersten Jahren auch nicht gerade gelungen ist. Dennoch, seine vieltausendjährige Geschichte, seine Lage auf dem Balkan als geographischer Übergang von Süd nach Nord, seine wunderschöne Landschaft und seine gastfreundlichen Bewohner sind wirklich Anlaß genug, auch einmal dieses mitteleuropäische Land zu besuchen.

Ich hatte den Norden Albaniens bereits bereist (siehe mein 1. Bericht über Albanien) und es hat mir - sieht man vom Nachholbedarf des Landes eben wegen seiner bis in die jüngste Zeit wechselnden Regierungssysteme einmal ab - außerordentlich gut gefallen. Darum nahm ich mir vor, nach dem nördlichen Teil auch den südlichen Teil des Landes des "Adlers" zu bereisen.

Die Reise begann dort, wo meine erste Reise endete, nämlich in Durres, Kruja und Tirana. Beim ersten Besuch von Durres, der größten Hafenstadt Albaniens hatte ich mich gewundert, warum uns, obwohl auf dem Reiseprogramm stehend, nichts von der Historie Durres gezeigt wurde. Nachdem uns aber Durres nunmehr auf meiner 2. Rundreise "nahe gebracht" wurde, verstand ich es: Das, was historisch in Durres hervorgehoben wird, nämlich das größte Amphitheater des Balkans für ca. 20.000 Besucher verdient kaum noch die Bezeichnung, wurde dieses doch inmitten der Stadt gelegen über die Jahrhunderte nicht nur als willkommener Steinbruch zum Bau von Häusern verwendet, teilweise ist es auch überbaut und die Besitzer der Grundstücke sehen nicht ein, ihr Grundstück herzugeben, damit die darunter liegenden historischen Bauten freigelegt und den Besuchern zugängig gemacht werden.

Schlendert man entlang der "Via Egnatia", fällt es schwer, sich im bunten Geschäftstreiben zurückzuversetzen in die Zeit, als sie von Reisenden auf ihrem Weg von Rom nach Konstantinopel genutzt wurde.


Das nächste Besuchsziel war Kruja, Heimatort des albanischen Nationalhelden Skanderberg, mir von meiner ersten Reise her noch gut in Erinnerung. Erneut sehenswert die Stadt Kruja mit ihrem neu erbauten Basar und die Burg selbst, von der aus das Land jahrzehntelang gegen die Osmanen verteidigt wurde. Obwohl ich das historische wie auch das ethnographische Museum bereits besucht hatte, nahm ich erneut Einblick in das traditionelle albanische Leben, das auf unterschiedlichste Art in den sehr schön eingerichteten Räumen dargeboten wird.

Von Kruja aus wurde die Reise nach Tirana fortgesetzt und mit dem Besuch des am Skanderberg-Platz gelegenen nationalen Museum. Auch hier unübersehbar die bautechnischen Gegensätze von Moderne und sozialistischem Baustil, z.B. dem Palast der Kultur. Daneben die wunderschöne Ethem Bey Moschee. Da ich bereits eine Führung durch das Museum erlebt hatte, machte ich mich selbständig, um mich intensiver über die junge und jüngste Geschichte Albaniens zu informieren.

Hierzu zählte auch der Überfall des faschistischen Italiens im 2. Weltkrieg, dem Nazi-Deutschland dann zur Hilfe kommen mußte, da die italienische Invasion zu scheitern drohte. Dieser Phase der Invasion durch das faschistische Italiens und danach des nationalsozialistischen Deutschlands nimmt insbesondere waffentechnsich im Museum breiten Raum ein. Auch über die Zeit der kommunistischen Diktatur mit all ihren unmenschlichen Begleiterscheinungen wie der po0litischen Prozesse, des Freiheitskampfes und der Hinrichtungenkann man sich intensiv und umfassend informieren.

Nächstes Ziel dieser Rundreise war das Ardenica Kloster, für Albanien von geschichtlichem Interesse, da dort 1451 der Nationalheld Skanderberg die Fürstin Andorika Arianti geheiratet hat. Leider konnte man die Baulichkeiten des Klosters nur vom Innenhof her ansehen, eigentlich zu wenig, hat man sich doch auf Grund der Reisebeschreibung konkretere Vorstellungen gemacht.
Und weiter ging die Reise nach Apollonia, eine von den Griechen errichtete Kolonie. Kaiser Augustus soll in Appolonia Philosophie studiert haben. Was hier von dieser ehemaligen griechischen Kolonie ausgegraben wurde ist wirklich sehenswert.

Nach dieser sehr interessanten Führung brachte uns der Bus nach Gjirokastra mit der die Stadt überragenden mittelalterlichen Burg. In dieser Burg befindet sich auch ein Museum, das dem Besucher die sehr abwechslungsreiche Geschichte des Landes nahebringt. In ihren Mauern kann man auch zahlreiche militärische Artefakte, insbesondere aus der Zeit des 2. Weltkrieges sehen. Nahe der Stadt befindet sich das "Blaue Auge", eine türkisblaue Quelle inmitten einer landschaftlich sehr reizvollen Umgebung, aus der das Wasser mit hohem Druck aus einem Quelltopf hervortritt.

Übernachtet wurde in Saranda, an einer Bucht des Ionischen Meeres gelegen, mit einer alten Basilika und dem die Stadt einst schützenden alten Lekursi Castle. Auf uns wartete als nächstes Reiseziel Butrint. Man hat diese alte Stadt mit ihren geschichtlichen Epochen weitgehendst ausgegraben und so erstaunlich gut erhaltene Gebäudereste freigelegt. So sind u.a. zu sehen ein sehr schönes buntes Mosaik im Baptesterium mit zwei Pfauen und einer Vase mit Weintrauben. Sehr bekannt ist auch das sich in der Stadtmauer befindende "Löwentor". Nach der Führung durch Butrint ging es zu einer Pause bei Ksamil ans Meer., an einen wunderschönen Strand, der zum Glück auf Grund der frühen Jahreszeit noch nicht zu stark besucht war. Zum Baden war aber auch das Wasser noch zu kalt.

Die Fahrt führte weiter über eine malerische Küstenstrasse nach Süden zur Halbinsel Porto Palermo, auf der sich in der Mitte ein massives dreieckiges Fort von Ali Pasha befindet. Besonders beeindruckend ist neben dem trutzigen Gebäude die Geschichte des Ali Pasha. Auf unserem Weiterweg wurde uns auch der ehemalige russische unterirdisch angelegte U-Boot-Stützpunkt gezeigt, der seit dem Bruch zwischen Rußland und Albanien von den Russen nicht mehr genutzt wird.

Nächste Station war Vlora und ein Spaziergang durch die Stadt, vorbei an einem riesigen Denkmal, das an den für Albanien denkwürdigen Tag ihrer Unabhängigkeit im Jahre 1912 erinnern soll, als die albanische Flagge zum ersten Mal gehisst wurde. Im Vorübergehend warfen wir noch einen Blick auf die älteste Moschee des Landes, die Muradi Moschee.

Der letzte Tag der Excursion durch den Süden Albaniens führte uns nach Berat, der Stadt der 1000 Fenster und der über ihr thronenden Festung. Die mittelalterlichen Häuser mit den engen Gassen und die Festung zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Weg führte uns nach einer Rundtour durch die Stadt über eine dieser engen malerischen Gassen hinauf zur Festung mit ihren verwinkelten Gassen und ihren zahlreichen Kirchen und Moscheen. Weiter ging die Reise nach Elbasan, einer Stadt, die ich bereits auf meiner ersten Reise kennengelernt hatte. Dort besichtigten wir eine grychisch-byzantinische Kirche und erhielten vom zuständigen Geistlichen interessante Informationen über die Ausübung des Glaubens, den Status der Kirche in Albanien und die Geschichte seiner Kirche.

Am letzten Tag gab es noch eine Fahrt ins GEbirge und die Besichtigung der in einer Felsenhöhle eingerichteten Wohnstätte und das Mauseleum eines albanischen Heilkundigen. Von diesem Punkt aus hatte man noch einen schönen Blick in das landschaftlich sehr schöne weite Land.
Nach diesem letzten Tag meiner 2. Rundreise durch den Süden des Landes des "Adlers" wurde die Heimreise angetreten. Mit diesen zwei Reisen habe ich das Land Albanien, über das wir auch im Rahmen der täglichen Berichterstattung durch die Medien und unserer täglichen Diskussion über die Migration seiner Einwohner in Europa hören, mit seiner Landschaft, seiner Geschichte, seiner Kultur und seinen Menschen kennen gelernt und viele positive Eindrücke gewinnen können.

Derzeit werden wieder Gespräche über den Beitritt Albaniens in die EU geführt, die, sieht man das Land, seine Infrastruktur und den großen wirtschaftlichen Nachholbedarf infolge der "Versäumnisse" nicht nur während der osmanischen Herrschaft, auch durch die Zeit nach der Unabhängigkeitserklärung 1912 und nach dem 1. und dem 2. Weltkrieg und vor allem durch die kommunistische Diktatur mit allergrößter Skepsis.

Viel ist zu tun, um in Albanien ein annähernd europäisches Niveau zu erreichen. Besonders fällt dem Reisenden durch den Nord- und Südteil des Landes der unbesorgte Umgang der Albaner mit der Umwelt auf. So schön das Land ist, so erschreckend ist die Umweltverschmutzung, gegen die leider anscheinend zu wenig oder nichts unternommen wird.

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