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Ein vergessener Stern steigt wieder auf im Mittelmeer – Zypern

Ein vergessener Stern steigt wieder auf im Mittelmeer – Zypern

Hans-Herbert Holzamer
16.01.2017, 12:34 Uhr
Beitrag von Hans-Herbert Holzamer

Was ist der Unterschied zwischen Apollo und Adonis? Beides sind Namen von Urbanisationen in Pafos auf Zypern. Die eine ist fertig, die andere im Bau. Der Immobilienmarkt der viertgrößten Mittelmeerinsel ist ziemlich aus der europäischen Wahrnehmung verschwunden. Zypern habe seit der Finanzkrise ein schlechtes Image, hört man.

Zu Unrecht ein schlechtes Image


Wenn dem so ist, dann zu Unrecht, denn die Krise, die in Zypern eine Bankenkrise war, wird schrittweise mit rauen Mitteln – außer den Zyprioten ging dies vor allem zu Lasten russischer Investoren - aber vorbildlich gelöst. „Die Briten, die einmal 70-80 Prozent der Käufer bestritten, sind in den letzten Jahren verschwunden“, sagt Michael Leptos, 79 Jahre jung, der mit seiner Firma Leptos Estates seit nunmehr 55 Jahren für das Immobiliengeschäft auf Aphrodites Insel stehen kann. „Erst seit Kurzem zeigen die Europäer Interesse und werden wieder zurückerwartet. Die Deutschen haben nie eine große Rolle gespielt.“ Den Markt teilten sich, so Leptos, heute die Russen, Chinesen und Araber---. Vermutlich kann kein Käufer etwas mit den Götter-Abkömmlingen Apollo und Adonis anfangen. Die westlich von Pafos, Europas Kulturhauptstadt 2017, in der Coral Beach gelegenen meeresnahen Siedlungen haben vielleicht eine den umworbenen Käufern verständlichere Bezeichnung auf den Schildern, die praktischerweise in den Sprachen der Neu-Investoren verfasst sind.
Eigentlich ist die Sonne Zyperns bestes Verkaufselement. Wer sie in Peking oder Shanghai selten zu Gesicht bekommt, den dürfte ein einziger Tag überzeugen. Aber die Neuen dürfte auch die Aussicht auf die zyprische Staatsbürgerschaft locken, die Reisemöglichkeiten im gesamten EU-Land eröffnet. Wer sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten einkauft, erhält auch neben dem Grund und Boden einen Pass, der indes nur zum Aufenthalt berechtigt. Auf Zypern bekommt das praktische Reisedokument der nicht-europäische Käufer, der nachweisen kann, dass er ein Ehrenmann ist und die Anreize der Regierung zu nutzen weiß, ein Investment zu tätigen, dass ihm die Aufenthaltsgenehmigung, Reisefreiheit und Arbeitserlaubnis garantiert. Für eine Aufenthaltserlaubnis reichen 300 000 Euro. „Physisch in Zypern wohnen“ müssen Käufer und Familie nicht und die eigene Staatsbürgerschaft muss auch nicht abgegeben werden. Aber viele sorgen nicht nur vor, sondern packen gleich die Koffer. In der wunderschönen, oberhalb von Pafos mit Meerblick gelegenen Siedlung „Belvedere“ kann man chinesische ---Familien sitzend vor der Tür sehen, vielleicht kommt ja mal ein Nachbar vorbei.
Es herrscht, man glaubt es kaum, weil es keiner in Deutschland mehr auf dem Schirm hat, wieder Bauboom auf der schönen Insel. Überall wird geplant, entwickelt und gebaut. Direkt an der Küste, kurz vor dem Naturschutzgebiet Akamas, hat sich sogar eine ausländische Firma ein Stück Land in Strandnähe geschnappt. –

Die Zyprioten nehmen es gelassen


Die Zyprioten nehmen es gelassen. „Schon viele Völker sind gekommen und gegangen, haben ihre Spuren hinterlassen“, sagt Nikos N., Immobilienagent, der meint, auch Journalisten könnten bei ihm kaufen. Nun sind nicht alle gegangen, jedenfalls nicht in der Zeit, die manche gerne sehen würden.
Warum die Deutschen und die übrigen Zentraleuropäer ausbleiben, versteht er nicht. Er sieht, dass Geld reichlich da ist. „In Deutschland kann man doch heute bei den hohen Immobilienpreisen Kasse machen. Mit diesem Geld kann man in Zypern bei Sonne, in Sicherheit und bei gemäßigten Preisen wunderbar das Alter genießen.“ Nikos hat völlig Recht.
Es muss eine Frage mangelnder Kommunikation sein. Auch auf den Immobilienmessen, wie der Expo Real oder der Mipim, hat man zuletzt zyprische Firmen vermisst. Früher war Zypern auch in Europa angesagt, vor allem bei Älteren, die jedenfalls den Winter in einem angenehmeren als dem heimischen Klima verbringen wollten. Einige kamen für immer, weil es hier so geordnet ist wie daheim. Nur an den Linksverkehr muss man sich gewöhnen. Zypern war deutlich preiswerter als Spanien, dabei exklusiver, mit leicht britischem Touch. Dann boomte das Geschäft in der Türkei, wo man für Schleuderpreise Grund unter die Füße bekam. Doch die Türkei floppt. Kaum einer fährt da mehr hin, geschweige denn, dass er Geld ausgibt. Es spricht also alles für die Insel, die Mitglied der Europäischen Union ist, aber steuerlich eine Reihe von exklusiven Reizen sich hat erhalten können. Zum Beispiel gibt es keine Erbschaftssteuer. Vom Bildungsniveau ist das Land Spitze, der Anteil an Akademikern im Arbeitsleben ist rekordverdächtig. Die Universität von Neapolis in Pafos ist englischsprachig und expandiert um die Bereiche Ingenieurwesen und Medizin.
Die Preise sind noch nicht wieder so hoch wie vor der Krise. Diese plus ein Überangebot auf dem Immobilienmarkt führten zu einem Rückgang von bis zu 20 Prozent. Heute ist das überwunden. „Wir bauen nicht auf gut Glück, sondern entsprechend dem Verkauf“, erklärt Michael Leptos. Wie immer und überall geht es um die Lage. Meeresnähe, Meerblick, Größe und Ausstattung sind die Kriterien. Aber mit 300 000 Euro kommt man ins Geschäft. Und damit ist über den Sekundärmarkt noch nichts gesagt.
Die ersten Europäer, die zurückkommen, könnten die Briten sein. Zum einen sind viele noch da, nicht nur auf den Militärbasen, sondern auch in den Villages, die Ansprechpartner für Interessenten sind. Zum anderen überlegen aktuell mehrere Versicherungen, sich auf Zypern zu engagieren, um trotz Brexit noch in der Europäischen Union zu sein. Dass könnte Schule machen. Was bei den Deutschen einen Impuls auslösen könnte, ist schwer zu sagen. Vielleicht die europäische Kulturhauptstadt Pafos 2017. Mit vier Stunden Flugzeit liegt Zypern nicht allzu weit entfernt von Deutschland. Aber Immobilienverbände raten zur Vorsicht und bewerten zum einen die Krise als noch nicht vorüber, zum anderen setzen sie Zypern mit Griechenland gleich. Das sind gleich zwei Fehler. Wer sie nicht macht, könnte die Nase vorne haben.
Auch die Deutsche Schutzvereinigung Auslandsimmobilien (DSA) in Freiburg tut die Insel als Quantité négligeable ab. Zypern sei britisches Interessengebiet. Wieder falsch. Richtig ist, dass die Zahl der deutschen Touristen sich im Rahmen der Vorjahre hält, aber das könnte sich schlagartig ändern, weil fast alle Länder rundum, von der Türkei bis Ägypten, als Wettbewerber ausgefallen sind. Larnaka und Pafos werden von vielen Airlines aus Deutschland direkt angeflogen, für den Sommerflugplan steht eine Erweiterung ins Haus, auch wegen Pafos 2017. Wer sich von einem Investment nicht abschrecken lassen will, bekommt derzeit folgenden Tipp: „Fragen Sie in der Gemeinde, bei den Behörden nach, ob das Grundstück überhaupt bebaubar ist. Fordern Sie einen Grundbuchauszug mit dem neuesten Datum an. Und falls der Makler über Fragen zu den Eigentumsrechten charmant hinweggeht, ist erst recht Vorsicht geboten.“ Wer sich im Sudan eine Villa kauft, der kann mit diesem Hinweis etwas anfangen. In einem Mitgliedsland der EU, zumal mit britischer Verwaltungsvergangenheit, ist ein solcher Rat ein Hinweis auf das eigene Unwissen. Vermutlich ist die Situation im besetzten Nordzypern gemeint, wo in der Tat keine Rechtssicherheit für erworbenen Grund gegeben ist. „Wegen der ungeklärten Eigentumsverhältnisse aufgrund des Zypernkonfliktes fallen die zum Kauf stehenden Immobilien in verschiedene Kategorien mit unterschiedlichem Kaufrisiko“ schreibt hierzu eine Expertise.

Es lohnt sich, mit Investoren zu reden


In der Republik Zypern sind andere Überlegungen angebracht, und es lohnt sich, mit Investoren zu reden. Die Antworten von Chinesen, Russen, Arabern sind vergleichbar. Alle sind in der angenehmen Lage, in ihrer heimatlichen Diktatur private Geschäfte zu machen. Der Staat lässt sie gewähren – aber nur bis zu einer bestimmten Grenze.--. Also sichert man sich – und die Familie – ab und bringt sein Geld nach Zypern. Selbst die Russen, die in Milliardenhöhe Geld verloren, kehrten der Insel nicht den Rücken. Wohin sollten sie auch gehen? Der nächste Punkt ist, dass die Insel gut darauf eingestellt ist, Dienstleistungen für Offshore-Geschäfte zu bieten. Internet, Know how, Büros, qualifizierte Mitarbeiter alles da. Also setzt man noch zu Berufszeiten einen Fuß auf sicheren Grund unter strahlender Sonne. Moskau, das gerne strategisch denkt, fördert das. Einfluss ist alles. Für die Araber war Zypern immer schon eine Kombination aus Europa und nahem Osten mit mediterranem Flair. Die strategische Position Zyperns bietet ein ruhiges und sicheres Zentrum für jeden. Nur die Europäer, zu denen Zypern gehört, scheinen nicht zu wissen, welches Faustpfand sie haben. Sie sehen Zypern wegen seiner Teilung eher als Last. Und die privaten Investoren sehen die Urbanisationen unter dem Gesichtspunkt Ferienimmobilien, vergleichen mit Spanien oder Portugal.
Dieser Vergleich ist nur sehr beschränkt richtig. Zypern qualifiziert sich mit einer Mischung aus Dienstleistungs- Wissenschafts- Büro und Wohnangebot. Steuerliche Anreize kommen dazu. Die Neapolis-Universität Pafos expandiert und spielt bei den Kaufüberlegungen der aktuellen Investoren eine große Rolle.
Der deutsche Ratgeber dagegen empfiehlt, „alle Extrakosten zu berücksichtigen“; richtig, aber das gilt überall. Für die Chinesen geht das Spiel anders, wie ein Käufer aus dem Land der Mitte verriet: Er unterschrieb, machte eine Anzahlung und schützte dann Schwierigkeiten vor, den Rest zu bezahlen. Diese ließen sich überwinden, wenn man mit dem Preis runterging. Natürlich einigte man sich, und beide – Verkäufer und Käufer – hatten ihre Freude. So geht das, und nicht mit „nüchternen“ Spitzfindigkeiten über das Stempelgeld. Adonis und Apollo hatten über so viel Kleingeist vermutlich nur homerisch gelacht.

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