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Ein Paar Schuhe

Ein Paar Schuhe

05.05.2017, 11:24 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

Mathias war unser Kellner im Reef Hotel an der Nyali-Küste im Norden von Mombasa. Er trank gern mal einen und wenn wir abends vom Sundowner mit halbleeren Gläsern zum Essen kamen, war er flugs zur Stelle und mit einem blitzschnellen "finished?", das sich eher wie eine Behauptung denn wie eine Frage anhörte, sammelte er unsere Gläser ein, verschwand hinter einer Säule, wo er glaubte, nicht gesehen zu werden und kippte sich die Reste hinter die Binde. Er hatte ein rundes freundliches, gutmütiges Gesicht und war pechschwarz, ja fast blauschwarz sogar. Er trug eine runde gelbe horn- oder plastikbrille und ich hatte immer das gefühl das Negativfoto eines Chinesen zu sehen - mit umgekehrten Komplementärfarben. Vorn unten fehlte ihm ein Zahn und er sagte er wollte den durch einen Goldzahn ersetzen lassen, wenn er endlich genügend pesa zusammengespart hätte. Er sprach in paar Wörter deutsch mit rheinischen Dilalekt, was ihn mir besonders sympathisch machte und das um so mehr als er immer einen zusätzlichen Nachtisch organisieren konnte. Als einmal abends ein älterer Gast ihn in breitestem schweizer DIalekt bat, das Fester zu schließen verstand er das nicht, kam an unseren Tisch und bat um eine Übersetzung: "watt will de aale knacker?"
Er erzählte,daß er zwei Jahre in Köln im Gürzenich gearbeitet hätte und als er wieder zurückkam habe seine mke ihn an Flughafen abgeholt mit einer Kinderschar, in der ein überzähliges Kind war. "yes i know dat he was not my child but he was da anyway so I assept him as my son and i love him like i love all my children"
Eines Tages war er nicht zum Dienst erschienen und Little Jack, der bekloppte deutsche Manager, wollte ihn deshalb feuern, aber es stellte sich heraus, daß sein Zimmergenosse in seiner Unterkunft im Mombasa zu einer Vorstellung bestellt war um in einem der Holels als Kellner zu arbeiten, also hatte Matthias ihm seine Schuhe geliehen und konnte deshalb nicht zum Dienst erscheinen. Ich bin dann mit ihm zu Little Jack gegangen und hab gegen seine Entlassung protestiert und versprochen mit ihm nach Mombasa zu fahren und ihm neue Schuhe zu kaufen damit "sowas nicht nochmal passiert". Aber das war ein Fehler - es war heiß in der Stadt und Matthias kannte immer noch einen Händler bei dem die Schuhe besser oder billiger wären
"Matthias, die sind jetzt aber in Ordnung oder nicht, drücken sie? du wirst sie beim servieren tragen müssen und du weißt wieviel lauferei das ist"
"Yes dey okay, but dey steal you blind in dis shop, they all crooks, we go anoder shop"

Und so kam es, daß ich auch die hinterletzten gässchen von Mombasas Altstadt an einem brütend heißen nachmittag zwangserkunden durfte.

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3 Kommentare

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Tolle Geschichte!
Der Mathias kommt mir sehr bekannt vor.
In den 90ern habe ich dort
auch einen Urlaub verbracht.
  • 07.05.2017, 08:36 Uhr
  • 0
vielleicht isses ja derselbe
  • 15.05.2017, 16:48 Uhr
  • 0
ich habe da eher an die Mentalität gedacht
  • 15.05.2017, 16:53 Uhr
  • 0
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