wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?

Gentechnologie war gestern, kommt nun CRISPER-CAS??

16.08.2016, 19:51 Uhr
Beitrag von wize.life-Nutzer

CRISPR/Cas9 - dieses merkwürdige Kürzel steht für ein neues Verfahren, um DNA-Bausteine im Erbgut zu verändern, so einfach und präzise, wie es bis vor kurzem unvorstellbar war. In der Welt der Gentechnik ist es wirklich eine Revolution. Obwohl es „natürlicherweise“ aus Bakterien stammt, funktioniert CRISPR in nahezu allen lebenden Zellen und Organismen: Es verspricht neue Möglichkeiten gegen Aids, Krebs und eine Reihe von Erbkrankheiten – aber auch bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren. Noch wird es einige Zeit dauern, bis mit CRISPR „editierte“ Produkte auf den Markt kommen. Doch schon jetzt ist ein heftiger Streit entbrannt. Im Kern geht es darum, ob solche Pflanzen oder Tiere als „gentechnisch verändert“ anzusehen sind oder eher natürlichen Mutationen gleichen.

Ursprünglich stammt das CRISPR/Cas-System aus Bakterien. Es dient ihnen als eine Art Immunsystem, mit dem sie Angriffe von Viren erkennen und abwehren können. Erst vor wenigen Jahren (2012) hatten zwei Molekularbiologinnen die geniale Idee, daraus ein molekularbiologisches Werkzeug zu entwickeln. Zur großen Überraschung funktioniert es nicht nur bei Bakterien, sondern universal bei allen lebenden Zellen – in menschlichen, aber auch in denen von Tieren und Pflanzen.

Gibt es bei CRISPR und den anderen Genome Editing-Verfahren ähnliche Risiken wie bei der Gentechnik?

Genome Editing - und vor allem CRISPR - verringert die Probleme, die aus den Zufälligkeiten der Züchtung erwachsen – das bedeutet Zeit- und Kostenersparnis, aber auch mehr Sicherheit durch mehr Präzision. Das unterscheidet die neuen Verfahren von der herkömmlichen Züchtung, aber auch von der Gentechnik.

Bei der klassischen Gentechnik ist es vom Zufall abhängig, an welcher Stelle im Genom einer Pflanze das neue Genkonstrukt integriert wird. Daraus leiten Kritiker ein grundsätzliches Risiko der Gentechnik ab: Der ungezielte Einbau des „fremden“ Gens in bestehende Gen-Regionen kann deren Funktion beeinträchtigen und so die Eigenschaften einer Pflanze nachteilig verändern. Solche „unbeabsichtigten Nebenwirkungen“ sind ein wesentlicher Grund dafür, dass für gv-Pflanzen in fast allen Ländern der Welt Zulassungsverfahren vorgeschrieben sind. Dort müssen die Hersteller die Sicherheit ihrer Produkte nachweisen. Bisher hat dieses seit zwanzig Jahren praktizierte Konzept funktioniert. Aber eine Zulassung für gv-Pflanzen ist so zeit- und kostenintensiv geworden, dass nur noch große internationale Konzerne dazu in der Lage sind.

http://www.spektrum.de/news/gentechn...ene/1406368

http://www.pflanzenforschung.de/de/j...ie-ve-10496

Nicht nachvollziehbar ist, wie man CRISPR nicht als Gentechnik bezeichnen kann. Ein menschlich gesteuerter Eingriff mit von Menschen konstruierten Molekülen wird benutzt um die Gene gezielt zu verändern. Wie soll man das sonst bezeichnen wenn nicht als Gentechnik? Man kann für CRISPR/Cas sein aber dann bitte ohne dieses Herumdrucksen um einen von der breiten Öffentlichkeit kritisch betrachtete Technik. Wenn man für CRISPR ist muss man auch den Mut haben sich offen für diese innovative und durchaus beeindruckende Gentechnik auszusprechen.
++++++++++++++++++++++++++++
CRISPR / Cas9 und gezielte Genom Schnitt: Eine neue Ära in der Molekularbiologie

Nach der ersten Demonstration im Jahr 2012 (9), das CRISPR / Cas9 System weithin angenommen wurde. Dies wurde bereits erfolgreich verwendet , um wichtige Gene in vielen Zelllinien und Organismen zu zielen, einschließlich des Menschen, Bakterien, Zebrafisch,
C. elegans, Pflanzen, Xenopus tropicalis, Hefe, Drosophila, Affen, Kaninchen, Schweine, Ratten, und Mäusen.

https://www.neb.com/tools-and-resour...lar-biology

++++

Mehr zum Thema

5 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich finde es toll, dass mal jemand ein solches Thema hier in Seniorbook präsentiert. Aber voraussichtlich wird sich dazu in diesem Netzwerk keine größere 'Diskussionsgemeinde' bilden.
  • 17.08.2016, 23:30 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Klassische Methoden der Gentechnik führen neues Erbmaterial in Lebewesen ein. Stammt dieses aus einer fremden Spezies, entsteht dabei ein transgener Organismus.
CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) kommt dagegen häufig ohne Fremd-DNA aus und ist außerdem sehr präzise. Mit ihm ist es möglich, beliebige Gene auszuschalten, und das vergleichsweise einfach und billig. Befürworter von CRISPR sehen dies als die biologisch am wenigsten eingreifende Form der Pflanzenzüchtung, die Menschen je erdacht haben, einschließlich der herkömmlichen Zuchtmethoden durch Kreuzung, die bereits seit Jahrtausenden angewendet werden.
  • 16.08.2016, 21:12 Uhr
  • 1
Allerdings lauern auch Gefahren.

Gene oder kleinste DNA-Bausteine können dabei mit Hilfe zelleigener Enzyme eingefügt, entfernt, verändert oder ausgeschaltet werden - vergleichbar mit der Funktion
"Suche - Ersetze" im Computer.

Auch bei der Züchtung genetisch veränderter Tierarten könnten Gefahren lauern, etwa völlig neue Mückenarten oder Bakterienstämme entstehen.

Hoch problematisch wäre auch die gezielte Verbesserung und Züchtung von Menschen.

wäre ja verwunderlich, wenn dies nicht schon versucht würde:

Wissenschaftler in China haben mit der neuen Methode befruchtete menschliche Eizellen verändert. Sie erzeugten 86 nicht überlebensfähige Embryonen - und versuchten deren Gene mit CRISPR-Cas gezielt zu verändern. Nur viermal gelang die gewünschte Manipulation. Im April 2015 veröffentlichten die Forscher ihre Ergebnisse in einer Fachzeitschrift und sorgten für einen Aufschrei. In den USA forderten führende Wissenschaftler ein Moratorium, bis klar sei, wo die Gefahren liegen. Im vergangenen Februar erlaubte die britische Behörde HFEA erstmals einer Forschergruppe, zu Forschungszwecken gezielt Gene menschlicher Embryonen im Frühstadium zu verändern. Die veränderten Embryonen dürfen allerdings keiner Frau eingepflanzt werden. Die Embryos müssen nach zwei Wochen zerstört werden. Die grundlegende ethische Frage lautet: Gibt es Argumente, die den Eingriff in die menschliche Keimbahn und damit in die Evolution des Menschen rechtfertigen?
kna.de
  • 18.08.2016, 09:38 Uhr
  • 1
auch interessant:

http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gid/234
+++

Mit diesem neuen Biohacker-Set könnt ihr zu Hause Genmutanten erschaffen

Einen CRISPR-Baukasten für Hefe oder Bakterien soll es bereits ab 130 US-Dollar geben.

Damit lässt sich zum Beispiel mit einem kleinen Gen-Hack zuhause die Farbe von Hefe verändern oder das Erbmaterial einer Bakterie so umprogrammieren, dass sie lernt, von einer neuen Nahrungsquelle zu überleben. Das Heimlabor kommt nicht nur mit dem passenden Enzym, das das Erbgut hacken kann, die Kits sollen auch mit detaillierten Video-Protokollen geliefert werden, die zur richtigen Benutzung von Mikrozentrifuge, Pipetten und Bakterienkulturen anleiten. Wer sich damit begnügen möchte, Bakterien-DNA mit Licht fernzusteuern oder eine exotische Bakterienkultur zu züchten, die im Dunkeln leuchtet, kann diese Sets auch über Josiahs Laborbedarfsfirma ODIN bestellen.

http://motherboard.vice.com/de/read/...bewesen-444
  • 18.08.2016, 22:07 Uhr
  • 1
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.