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Zukunft Stromverbrauch: Warum MEHR nicht zwingend SCHLECHTER ist

Zukunft Stromverbrauch: Warum MEHR nicht zwingend SCHLECHTER ist

Service Tipp
09.06.2017, 10:54 Uhr
Beitrag von Service Tipp

Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr – gerade beim Stromverbrauch in einer digitalisierten Welt bekommt dieser uralte Spruch neue Bedeutung. Denn mit der Energiewende funktionieren auch alte Bescheidenheitsregeln nicht mehr.

Immer mehr: Mehr Vernetzung, mehr Mobilität, mehr Unterhaltung, mehr Konnektivität. Nicht wenige warnen gerade davor, dass uns steigende Verbräuche durch die endlose Schar an Gadgets und weiteren Lebenshelfern zum Verhängnis werden und sämtliche Errungenschaften der Energiewende konterkarieren. Dabei sitzen diese Kritiker oftmals einem Trugschluss auf, der ignoriert, dass wir uns derzeit – global gesehen – nicht am Endpunkt einer Art „regenerativer Zeitleiste“ befinden, sondern mittendrin. Und warum genau das so wichtig für die Betrachtung derzeitiger und noch hinzukommender Verbräuche sein wird, erklärt der folgende Artikel.

1 - Stromverbrauch und Sparsamkeit – ein Generationenvergleich

Doch damit die Erklärung nachvollziehbar ist, muss erst einmal die Gegenwart mit der Vergangenheit in Relation gesetzt werden.

Deutschland in den 1970ern

An den Wänden kleben Pril-Blumen und auch wenn gerade die erste Ölkrise hinter ihnen liegt, kämen die Autohersteller nicht auf den Gedanken, ihrer Modellpalette ein schwarz-grau-silber-weißes „Trauerkleid“ zu verordnen. Und so bunt wie Autos und Mode, war auch der Stromverbrauch von Otto-Normalverbraucher.

Gesamtverbrauch eines Durchschnitts-Haushalts

In den 70ern war der Wohlstand in Deutschland in sämtliche Ecken vorgedrungen. Das zeigte sich auch im Energieverbrauch, der im Lauf der 70er von 307 auf 370 Millionen Tonnen Öläquivalent stieg. 1 Kilo Öläquivalent entspricht dabei genau 11,63kWh oder 41,870kJ.

Pro Kopf lag damals der Energieverbrauch bei rund 32GJ – für einen Vierpersonenhaushalt also bei knapp 130 Gigajoule (also umgerechnet satte 130.000.000kJ).

Woher kommt der Strom?

Dabei war der Strom der 70er noch so „schmutzig“ wie später nie mehr. Zum größten Teil bezog die BRD damals ihren Strom aus Stein- und Braunkohle – ohne jegliche Nachbereitung der Abgase. Erst im letzten Drittel des Jahrzehnts überstieg die Kernenergie erstmals die zweistellige Prozentschwelle und sorgte zumindest in Sachen Emissionen dafür, dass der Strommix sauberer wurde.

Unterhaltungselektronik

Auch wenn die 70er bunt waren, galt das nur eingeschränkt für die Unterhaltung: In einem Durchschnittshaushalt standen damals:

• 1 Fernseher
• 2 Radios
• 1 Schallplattenspieler

Und selbst wenn die Fernseher noch auf energieintensiver Röhren-Technologie basierten, war der reine Energieverbrauch durch die Summe an Unterhaltungsgeräten damals viel niedriger als heute.

Haushaltsgeräte

Gleichsam waren in den 70ern aber die Familien auch technisch schon gut ausgestattet. So verfügten über 60% der westdeutschen Haushalte über eine Waschmaschine – wenngleich diese fast dreimal so viel Energie benötigte, wie heutige Geräte. Ähnlich verbreitet waren auch Kühl- und Gefrierschränke sowie kleinere Elektro-Haushaltsgeräte.

Verbrauchsmessung

Und weil die vorhandenen Geräte viel Strom benötigten, drehte sich die Scheibe des Stromzählers ziemlich schnell. Denn damals war der technische Standard – wie in den Jahrzehnten zuvor und auch danach – ein klassisch-mechanischer Stromzähler, der einfach nur den Gesamtverbrauch anzeigte und jährlich abgelesen wurde.

Deutschland in den 2010ern

Haushalte sind so vielfältig wie niemals zuvor. In den 2010ern hat sich vergleichsweise zwar vieles geändert, aber einige Dinge blieben auch gleich.

Gesamtverbrauch eines Durchschnitts-Haushalts

Die 70er werden gerne als Energie-intensives Jahrzehnt verspottet. Die realen Zahlen belehren eines Besseren. Es sieht nämlich so aus, dass heute rund 162GJ verbraucht werden – allerdings pro Kopf und nicht pro Haushalt.

Eine vierköpfige Familie benötigt demnach 648GJ an Energie und damit mehr als das Vierfache ihrer 1970er-Vorfahren.

Woher kommt der Strom heute?

Allerdings ist die Stromproduktion heutzutage viel diversifizierter. Zwar vertraut Deutschland auch heute noch auf Kohle, doch mehr als ein Viertel der Energie wird regenerativ erzeugt und dabei sind die Konzepte der Wasserkraft noch gar nicht mitberechnet.
Und weil auch die schmutzigen Rohstoffe bei der Verarbeitung sehr viel stärker gefiltert werden, ist unser hoher Verbrauch dennoch wesentlich sauberer als vor über 40 Jahren.

Unterhaltung

Wer einen gedanklichen Rundgang durch sein Haus macht, wird schnell feststellen, woher ein großer Teil dieses erhöhten Energieverbrauchs stammt. Denn Unterhaltungselektronik ist heute ein immenser Faktor. Ein normaler Vierpersonenhaushalt verfügt heute über:

• 2-3 Fernseher
• 2-3 DVD-Player
• 2 Computer
• 4 Smartphones
• 2 Tablets
• 3 Radios
• 1 WLAN-Router

Hinzu kommen zusätzlich natürlich die je nach Familie unzähligen weiteren Geräte wie Spielekonsolen, Heimkino-Systeme, Streaming-Sticks. Kein Wunder, dass der Stromkostenanteil durch Unterhaltung heute etwa ein Viertel des Haushalts-Gesamtverbrauchs ausmacht.

Haushaltsgeräte

Bei den Hausgeräten hat sich interessanterweise nicht so viel geändert. Natürlich ist die Verbreitung von Waschmaschinen heute bei über 95% angekommen. Doch ansonsten ist die Ausstattung der Haushalte nicht gravierend anders, als in den 70ern. Die einzigen echten Neuerungen sind Mikrowellenherde, Wäschetrockner und Geschirrspüler – die aber auch heute „nur“ eine Verbreitung von je 73, 41 und 69 Prozent haben.

Verbrauchsmessung

Bei der Verbrauchsmessung befinden wir uns indes im Umbruch. Zwar werkeln nach wie vor in vielen Haushalten mechanische Stromzähler. Gleichzeitig steigt aber auch die Zahl intelligenter Zähler, die nicht nur genauer messen, sondern vernetzt sind und Fernabfragen ermöglichen.

Mehrverbrauch = Umweltschäden, ein (kleiner) Trugschluss

Mehr als viermal so viel Energieverbrauch pro Kopf – aber gleichzeitig trotz aller Diesel-Unkenrufen viel saubere Luft, klarere Gewässer und eine Waldgeneration, die das 80er-Jahre-Schreckgespenst „Saurer Regen“ nur noch aus den Geschichtsbüchern kennt. Vergleicht man den Umweltzustand von Deutschland in den 70ern mit dem heutigen, muss man einfach anerkennen, dass der gewaltige Mehrverbrauch nicht zu einer Steigerung der Umweltverschmutzung führte, ja nicht einmal zu ihrer Stagnation. Auf allen Ebenen ist unsere Umwelt heute wesentlich besser dran als vor 40 Jahren. Und dies auch wegen der Mehrverbräuche. Denn sie legten eine „Notwendigkeits-Basis“ für Filtersysteme, für Einsparprogramme, ja sogar für die Energiewende als solche.

2 - Die Zukunft wird noch stromfressender

Wie eingangs durch die „Zeitleiste“ angekündigt, ist die Grenze des Machbaren längst nicht erreicht – weder auf Erzeuger- noch Verbraucherseite. Denn wenn eines feststeht, dann, dass die Zukunft noch mehr Stromverbrauch mit sich bringen wird.

Trends

Smartes Zuhause

Einer der großen Trends wirft derzeit schon seine Schatten voraus: Das Smart Home. Dabei werden nicht nur unterschiedlichste Haushaltseinrichtungen und –geräte miteinander vernetzt, sondern es kommen weitere Stromverbraucher wie Sensoren hinzu. Aber: Vieles in der Smart-Home-Technik dient auch explizit der Einsparung von Strom.

Smartes Management

Und einer dieser Einsparer wird in Zukunft der intelligente Zählerschrank in jedem Haushalt darstellen. Durch seinen volldigitalisierten Aufbau und Inhalt wird er künftig sehr viel mehr sein als bloßer „Wohnort“ von Zähler und Sicherungen, er wird:

• Steuerungszentrale für sämtliche smarten Anwendungen von der Heizungsregelung bis zur Rollladen-Automatik
• Messinstrument für die Milliwatt-präzise Auslesung der Energieverbräuche jedes einzelnen Gerätes und dem exakten Timen, sodass dann viel verbraucht wird, wenn Strom günstig zur Verfügung steht
• Netzknotenpunkt für alle Internet- und Unterhaltungssysteme des gesamten Haushalts, die von hier aus überall abgerufen werden können
Und zusätzlich wird er eben auch noch die vorgeschriebenen Schutzschaltungen enthalten. Damit wird der Zählerschrank zum Mittelpunkt des häuslichen Energieverbrauchs. Und bei der ebenfalls steigenden Zahl stromerzeugender Hausbesitzer wird er auch zum wichtigen Abrechnungsfaktor für die Netzeinspeisung. Zudem ist diese Technik unverzichtbar für einen weiteren Punkt:

Elektrofahrzeuge

Denn auch wenn das selbsterklärte Ziel „Eine Million E-Autos bis 2020“ erst jüngst von Kanzlerin Merkel zurückgeschraubt wurde, so ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass Diesel und Benziner sich auf dem absteigenden Ast befinden.

Künftig wird in vielen Garagen ein Auto stehen, das nachts mit dem Stromnetz verbunden ist. Noch geht das über das normale Netz. Mit neuen, leistungsstärkeren Batterien und vereinheitlichten Steckersystemen könnte jedoch die sogenannte Wall-Box bald zum normalen Haushalt dazugehören. Denn dann muss in einer Nacht, statt heute ~30kWh, ein Vielfaches davon geladen werden.

Gadgets und andere Kleinverbraucher: Die Masse macht‘s

Heute sind es Handys und Tablets, die wir allabendlich mit dem Ladegerät verbinden; Smartwatches und weitere Gadgets werden bald dazu kommen. Man muss kein Technik-Visionär sein, um zu wissen, dass hier „noch einiges geht“. Die kleinen Helferleine, die das Leben einfacher machen, benötigen alle Strom. Für sich genommen vielleicht nur wenige Watt, aber in der großen Masse werden auch sie dazu beitragen, dass der Energieverbrauch künftig noch stärker steigen wird – vielleicht sogar noch stärker als bei den großen Verbrauchern.

Dreh- und Angelpunkt Energiewende

Status quo

Wie bereits im ersten Kapitel aufgezeigt, befinden wir uns derzeit am Scheideweg. Denn noch ist es so, dass jede Erhöhung des Verbrauchs sich negativ niederschlägt, weil dadurch konventionelle Kraftwerke länger laufen müssen.


Der Status quo der Energieträger sieht folgendermaßen aus:

Allerdings sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem die „dreckigen drei“ erheblich weniger bedeutend sind, als noch 1990. Und je weiter sich der Mix zugunsten der erneuerbaren Energien verschiebt, desto unbedeutender werden Verbrauchserhöhungen für Umwelt und Klima.

Aufdrehen dank regenerativer Energien

Vor allem darf man nicht vergessen, auf welchem Stand die Entwicklung von tragfähigen Speichersystemen sich derzeit befindet. Künftig werden „Stoßzeitenspeicher“ zu jedem Haushalt mit der gleichen Natürlichkeit gehören, wie heute WLAN-Router.
Wenn diese Technik erst einmal serienreif ist, ist auch die letzte große Hürde der Energiewende überwunden. Dann nämlich sind Wind und Sonne wetter- und uhrzeitunabhängig. Dann kann es vollkommen egal sein, zu welcher Zeit man die Waschmaschine einschaltet.
Und: Das könnte durchaus auch zu einem Revival von heute unrentablen Techniken führen. Die Nachtspeicherheizung etwa, vor nicht allzu langer Zeit gar auf der Verbotsliste der Bundesregierung, könnte etwa ein weiterer Pufferspeicher werden.

Die Pläne für die nächsten Jahrzehnte

Dass die Energiewende oft in den langsamen Mühlen der Politik festhängt, zeigte sich in der Vergangenheit überdeutlich. Doch völlig ungeachtet dessen, was in Brüssel und Berlin noch entschieden wird, lässt sich mit einiger Sicherheit skizzieren, wie das energieverbrauchende Deutschland 2040 aussehen wird:

• Mindestens 65% des Stroms stammen aus erneuerbaren Energien
• Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs um etwa 30%
• Stark gesunkene Strompreise durch die hohe Zahl an regenerativen Erzeugern
• Wesentlich größere internationale Zusammenarbeit bei Stromerzeugung und –transport
• CO2-Ausstoß um mindestens 70% gegenüber heute reduziert.
• Keine kohlebasierende Energieerzeugung mehr auf dem Gebiet der BRD

Und was die heutigen Gesetze im Bereich der Energetik bei Neu- und Umbauten diktieren, ist ebenfalls nur ein Vorgeschmack. Denn 2040 werden auch noch manche anderen Pflichten hinzukommen.

In den Köpfen etabliert

Umweltgewissen: Note Sehr gut

Noch vor einigen Jahren hätte eine solche Zukunftsvision einen Aufschrei nach sich gezogen – und tut es heute bei manchen immer noch. Dabei muss man aber auch entgegnen, dass in Deutschland die Sinnhaftigkeit dieser Maßnahmen endlich in den Köpfen etabliert ist. Ganze

93 Prozent der Deutschen betrachten erneuerbare Energien als wichtig und deren Ausbau als vordringliches Ziel. So viel Bereitschaft verdient ein „Sehr gut“ und wird auch dafür sorgen, dass die meisten Ziele eingehalten werden.

Der Staat hilft mit

Zudem muss zugutegehalten werden, dass die BRD bei der Förderung der Energiewende ein weltweiter Spitzenreiter ist – trotz so mancher Unkenrufe, die vor allem aus dem Unverständnis heraus resultieren, dass „die Wende“ ein Drahtseilakt ist, der so vorsichtig balanciert werden muss, dass davon nicht der Status als Wirtschafts-Gigant gefährdet ist. Denn letzteres ist einer der wichtigsten Wende-Motoren.

Ohne Regenerativ geht bald nichts mehr

Und ja, auch die Wirtschaft wird mitziehen. Teils aus Zwang, aber teils auch, weil es politisch untragbar werden wird, wegen einiger weniger Branchen nicht-erneuerbare Energiezweige aufrecht zu erhalten.
Schon heute zeigen die Nachbarn aus Österreich, dass die „Kohledomäne“ Stahl auch regenerativ erzeugen kann. Schon heute produzieren viele energiehungrige Großindustrien ihren eigenen regenerativen Strom. Künftig wird es also kein „ja aber“ mehr geben, denn die regenerative Energieerzeugung ist längst überall angekommen und muss jetzt nur noch alle Winkel durchdringen.

3 - Warum Mehrverbrauch nicht schlimm ist

Wir halten also fest, dass der Energieverbrauch definitiv steigen wird. Das dritte Kapitel zeigt nun auf, warum dies für die künftige Welt keinen Nachteil mehr bedeutet – weil durch neue Energien auch die alten Rechnungswege nichts mehr taugen.

Sparsamkeit ermöglicht mehr

Heutige Geräte vs. Altgeräte

Bei den Waschmaschinen wurde aufgezeigt, dass heutige Modelle nur etwa ein Drittel ihrer Vorgänger verbrauchen. Und auch bei diesem Punkt stehen wir nur irgendwo in der Mitte der Zeitleiste. Durch Forschung wird immer mehr Einsparpotenzial gefunden werden.

Schon heute will ein Berliner Startup den Kühlschrankmarkt umkrempeln – mit einem Gerät, das durch Sonnen-Verdunstungswärme völlig ohne Strom funktioniert. Und diese Kreativität wird auch noch in anderen Bereichen für viel Furore sorgen, denn über (teils komplexe) technische und physikalische Zwischenschritte lässt sich eben vieles so konstruieren, dass es mit gravierend weniger Energie die gleiche Leistung erzeugen kann.

Wer das nicht glaubt, sollte nachlesen, auf welchen Wegen heutige Brennwertheizungen ihren Wirkungsgrad erreichen – 1970 hätte man das auch nicht für möglich gehalten.

Auf die Masse gerechnet: Sparsamer

Und weil diese Weiterentwicklung in allen Bereichen weitergetrieben wird, werden auch die Geräte insgesamt immer sparsamer werden. Der Energieverbrauch pro Person wird zwar durch die noch hinzukommenden Geräte steigen, wird aber dennoch nicht zu exorbitant gestiegenen Gesamtverbräuchen führen, sondern prozentual weit unterhalb dessen liegen, was die Marktdurchdringung eigentlich hervorrufen müsste.

Und: Weil ein Großteil des benötigten Stroms regenerativ erzeugt wird, drückt sich dies noch weniger negativ aus.

Aufs Gesamtpaket kommt es an

Strom ist nur ein Faktor beim Energieverbrauch

Der bisherige Artikel hielt eines zurück: Eine Aufteilung des Energie- und Stromverbrauchs. Dies mit voller Absicht. Denn, um einmal mehr einen Blick in die Vergangenheit zu werfen: In den 70ern verbrauchten Haushalte einen wesentlich größeren Teil an Öl und Gas im Vergleich zum Strom. Heute sieht es gänzlich anders aus. Da heizen beispielsweise viele Neubauten wieder mit Strom, oder manche Gebäude erzeugen ihre Heizwärme per Solarthermie.

Das alles ist Teil eines gigantischen Planes: Die Versorgung großflächig auf regenerative Energien umzulegen. Entweder dadurch, dass sie direkt-regenerativ erfolgt oder aber auf Strom umgelegt werden und somit ebenfalls nachhaltig zu erzeugen sind.

Gesetze und andere staatliche Faktoren

An diesem Punkt muss eine Lanze für „den Staat“ gebrochen werden. Was er diktiert, findet selten hundertprozentige Zustimmung, auch die Energiewende nicht. Allerdings muss man den Bundesregierungen der vergangenen Jahrzehnte zugutehalten, dass sie es, wie nur wenige andere zuvor verstanden haben, die Energiewende als schmerzhaftes, aber notwendiges Übel zu sehen und konsequent durchzusetzen. Denn erst sämtliche Gesetzgebungen von der ersten Variante des „Energiesicherungsgesetzes“ 1973 bis zu dem heutigen Sammelsurium entsprechender Gebote sorgten dafür, dass vom größten Industriellen bis zum kleinsten Bürger alle mitmachen und somit die „Umstiegsphase“ so kurz wie möglich gehalten wird.

Das Smartphone als Flautenspeicher

Ein letzter Punkt ist erneut der Forschung zu verdanken. Nämlich ihrer Fähigkeit, auch noch die kleinste Möglichkeit in das große Ganze mit einzubeziehen. Ein Beispiel: Das Smartphone als Speicher für Überschuss-Strom. Für sich genommen sind es „Strom-Mikroben“, mit Kapazitäten von wenigen Milliampere. Doch auf die gigantische Verbreitungszahl von fast 50 Millionen Geräten hochgerechnet, wird die „Ameise“ zum Elefanten, der täglich eine riesige Menge an regenerativem Strom zwischenspeichern kann.

Die Zukunft hat gerade erst begonnen

Hausbesitzer = Stromerzeuger

Bei den Plänen für die nächsten Jahrzehnte war von diversen Gesetzen zu lesen, die noch kommen werden. Eines davon klingt jetzt sicherlich hart, wirft aber heute durch die jüngste Version des Erneuerbare-Energien-Gesetzes schon ihre Schatten voraus. Dereinst könnte es für alle Neubauten und Kernsanierungen schlicht Pflicht sein, umfangreiche Photovoltaik-Anlagen zu integrieren – ohne Ausweich-Optionen.

Knapp 19 Millionen Wohngebäude gibt es hierzulande. Besäße jedes davon eine PV-Anlage, hätte die Energiewende nur noch ein Problem: Ausreichend große Speicher.

Jedes Jahr etwas leistungsfähiger

Vor allem muss man auch betrachten, dass die Effizienz der regenerativen Energien jährlich steigt. Die ersten Solarzellen in den 60ern hatten Wirkungsgrade von vier Prozent – heute sprechen wir von 30% für kommerzielle Module und 40 bei Forschungsmodellen und in kaum einen Forschungsbereich wird so viel investiert.

Weltweites Wachstum

Außerdem sind regenerative Energien längst kein Erste-Welt-Phänomen mehr. Im Gegenteil, durch die rasante Verbreitung sinkt der Preis und es steigt die Attraktivität für ärmere Nationen. Und weil dort die Steigerung der Lebensqualität für ähnliche Multiplikationen der Verbraucher sorgt, wird dort die erneuerbare Energie wesentlich niedrigere Hürden zu bewältigen haben.
Technologien in den Startlöchern
Alle bisher beschriebenen Technologien haben eines gemeinsam: Sie existieren bereits heute. Doch die Zukunft behält noch sehr viel mehr bereit, selbst wenn es nur ein Teil davon wirklich bis zur Serienreife schaffen sollte. Ein kleiner Ausblick:

• Mini-Windkraftwerk-Ballons, die in großer Höhe die dortigen starken Winde nutzen
• Solarsatelliten, die ohne atmosphärische Eintrübung höchste Wirkungsgrade erreichen und die Energie per konzentriertem Laser zur Erde senden
• Kleinst-Wellenkraftwerke, die zu gigantischen Farmen zusammengeschlossen sind
• Stromerzeugung bei der sowieso notwendigen Reduktion des Wasserdruckes bei der Umleitung in die Hausversorgungen

Hinter allem, was sich bewegt, steckt Potenzial, um daraus Strom zu erzeugen. Und so könnte es zukünftig, wie bei der RWTH-Aachen längst bewiesen, nicht nur in jedem Abwasserrohr ein kleines Turbinenrad geben, sondern in Kläranlagen auch noch durch die dabei entstehende Wärme weiterer Strom erzeugt werden. Und auch hier gilt das Ameisen-Prinzip: Für sich alleine unbedeutend, in der Masse jedoch wichtig.

Fernziel Kernfusion?

Zudem darf man bei allen regenerativen Durchbrüchen auch eines nicht vergessen: Es wird nach wie vor an der Verwirklichung der Kernfusion gearbeitet. Auch wenn manche Umweltschützer dies als Geldverschwendung abtun, lässt sich doch nicht von der Hand weisen, dass in dieser Technik die Möglichkeit steckt, aller Vorteile der Kernkraft zu erhalten, ohne jedoch deren gigantische Störfall- und Entsorgungsrisiken.

Die Energiewende wird zwar definitiv auch ohne Kernfusion bestens funktionieren. In Kombination mit dieser „gebändigten Sonnenenergie“ könnte es jedoch dazu kommen, dass wir Begriffe wie „Energiesparen“ und „Stromrechnung“ aus unserem aktiven Wortschatz streichen können.

4 - Zusammenfassung und Fazit

Natürlich steigt derzeit der pro-Kopf Stromverbrauch rasant. Das wäre aber nur dann ein Problem, wenn der Strom wie noch vor Jahrzehnten komplett auf fossilem Wege gewonnen würde. Je weiter die Energiewende voranschreitet, desto irrelevanter wird es, dass weitere Stromverbraucher hinzukommen. Denn wo der Strom in der großen Masse regenerativ erzeugt wird, kann es praktisch egal sein, wie viel verbraucht wird, denn es ist mehr als genug für alle da – sofern großflächig richtig geplant wird.

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