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1901 Start zur Rennwoche in Nizza mit dem Daimler-Mercedes

Ente, Käfer, Buckel-Volvo: Wie Autos Ihre Namen kriegen?

Von wize.life-Nutzer -

Adam, Karl, Laubfrosch, Taunus, Admiral und Diplomat, Cactus und Miev – mit Autonamen verbinden sich auch Epochen und legendäre Fahrzeuge. Jetzt macht Mercedes reinen Tisch und durchforstet seinen Wildwuchs an Modell-Bezeichnungen, bei denen selbst Fachleute kapitulieren müssen. Opel wird witzig-frech

Grob gesagt, gibt es drei Kategorien an Autonamen. Da sind die Bezeichnungen, hinter denen bekannte Begriffe stehen. Ein Diplomat ist ein Beruf und Opel-Modell zugleich. So wie hinter dem Ford „Eifel“ oder Taunus, „Bora“, „Vento“ von VW oder „Cayman“, „Cayenne“ und „Macan“ bei Porsche auch Begriffe stehen.

Autonamen - Der Volksmund spricht: Beliebte Spitznamen


Der Volksmund und Fans verteilen auch Namen T3 der „Bulli“, der „Käfer“ oder „Beetle“, „Ente“ und „Gangster-Auto“ von Citroen, der „Buckel-Volvo“ oder dem „Nitribritt-SL“, „Tin-Lizz“ (Blech-Liesel) und wie sie alle heißen. Namen sind immer auch Projektion und Wunschdenken. Träger und Geber des Namens gehen dann, so der Wunsch der Eltern, eine Beziehung ein, auf dass die Tugenden des Gebers auf den Träger übertragen werden.

Autonamen starten als leere Kunstwörter


Nicht so bei Kunstnamen. Diese Buchstabenkombinationen sind bedeutungsleer. Sie klingen weich und müssen mit Inhalt gefüllt werden. Er- und gefunden werden diese Begriffe von spezialisierten Agenturen zu millionenteuren Preisen. Ist dann aus einer Vielzahl von Vorschlägen der Name montiert, muss er mit einer Anzeigenkampagne populär gemacht werden. Und da Autos weltweit verkauft werden, ist es schon eine Wissenschaft für sich, sie in allen nur möglichen Sprachen auch einführen zu können.

Peinlichkeiten und Kothaufen


Das klappt nicht immer. Besonders peinliche Volltreffer leistete sich der japanische Hersteller Mitsubishi mit Pajero und Miev. Pajero ist im Spanischen der Wichser und „Miev“ (gedacht ist Mi EV = Mein Elektrofahrzeug) ist für Deutsche alles andere als zukunftsweisend. Audis e-tron macht ebenfalls keine gute Figur, wird doch damit im Französischen der Kothaufen (Etron) benamst. Die neutrale Technikbezeichnung mit Buchstaben oder Zahlen wie A1 bis A 8 oder A bis S-Klasse, tut sich da schon einfacher.

Adam und Karl wie Karl und Gottlieb


Aber irgendwie scheint es, als sei der aktuelle Namenfundus ausgeschöpft und die bekannten Namen wirken abgelutscht. Ausgerechnet Opel bringt mit dem „Adam“ und dem angekündigten „Karl“ frischen Wind in die Showrooms. So, als ob Mercedes den „Gottlieb“ und den „Karl“ bauen würden, bezieht sich Opel auf seine Firmengründer Adam und Karl Opel. Bei Mercedes wären es Gottlieb Daimler und Karl Benz.

Die Mercedes Jellinek


Mag ja sein, dass die schwäbische Marke und „der Erfinder des Automobils“, als den sich der Konzern gern bezeichnet, auch über Gottlieb nachgedacht haben. Schließlich ist Mercedes ja nichts anderes als ein Mädchenname. Die Tochter des überaus erfolgreichen österreichischen Geschäftsmanns und Daimler-Inspirators Emil Jellinek trug ihn. Nun überlebt sie als Namensgeberin der deutschen Automobilmarke.

Der Daimler-Mercedes, von Wilhelm Maybach konstruiert, gilt als genialer Wurf und steht für das erste moderne Motorfahrzeug, das sich von der Kutsche emanzipiert hatte und 1899 einen legendären Sieg im Rennen in Nizza errang.

Maybach im dritten Anlauf


Der Name Mercedes ist geblieben. Dem „Maybach“ blieb der durchschlagende Erfolg versagt. Er wird aber jetzt als super-luxuriöse Variante der S-Klasse einen neuen Anlauf starten. Gleichzeitig wird die Nomenklatur bei Mercedes durchforstet. So sollen die Zahl der Varianten gestrafft und die Bezeichnungen stringenter werden.

Der Buchstabensalat bei Mercedes


Im Mittelpunkt stehen die fünf Kernmodellreihen A, B, C, E und S, die den Kunden auch weiterhin Orientierung geben werden. Für die Modellbezeichnung der SUVs gilt: In Anlehnung an die legendäre G-Klasse führen alle SUV-Modelle künftig die Anfangsbuchstaben „GL“ im Namen. Dabei bezeichnet das „G“ die Abstammungslinie. Das „L“ kommt in der Historie von Mercedes-Benz immer wieder vor. Es ist ein Verbindungsbuchstabe, der die Modellbezeichnungen einprägsamer und besser sprechbar werden lässt, bekannt etwa vom legendären SL oder aktuell vom CLS und CLA. Danach folgt der dritte Buchstabe, der die Zugehörigkeit zur jeweiligen Kernmodellreihe beschreibt. Der G, als dienstältester Methusalem-Mercedes, bleibt wie er ist.

PS.: Die Ingenieure in Firmen selbst geben ihren Autos übrigens keinen Namen. Nüchtern und pragmatisch werden die einzelnen Modelle durchnummeriert. Als Type bezeichnet verbirgt sich dahinter kaum Glanz, geschweige denn Glamour. So ist der Traumwagen der 50er-Jahre, der Mercedes 300 SL schlicht die Type W198 und der Phaeton von Volkswagen ein D1.

1 Kommentar

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Wenn ich mich recht erinnere, stand ein Artikel mit sehr ähnlichem Inhalt kürzlich in der Süddeutschen Zeitung.
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