Der Euro - eine nostalgische Glosse

Der Euro - eine nostalgische Glosse
Der Euro - eine nostalgische Glosse

Ja, ich weiß, nicht jeder liebt ihn. Viele hassen ihn, nennen ihn 'Teuro', machen ihn dafür verantwortlich, dass sie immer (noch) zu wenig von ihm in der Tasche haben. Früher, ja, da gab es die gute alte 'Deutsche Mark', von manchen nur noch als D-Mark in Erinnerung. Die war wenigstens das wert, was drauf stand. Sie war 'Made in Germany',sie hatte noch Qualität, war unkaputtbar und beinahe waschmaschinenfest,- wahrscheinlich, weil sie so auch Geldwäsche unbeschadet überstehen konnte - nicht so lappig und abgegriffen wie die italienische Lira oder der französische Franc, ganz zu schweigen von den Jammerlappen, die man aus östlichen Regionen kannte.
Die D-Mark war überall beliebt – auch im nichtdeutschen Ausland, also jenseits der Schlagbäume und Grenzen, die man damals noch kannte.
Wohlgemerkt: es war die D-Mark, die beliebt war, nicht wir Deutsche, die sie besaßen. Doch wir waren stolz drauf, und mit Recht. Wir waren wieder wer, weil wir damit protzen konnten.
An den streng bewachten Grenzüberängen mussten die Urlauber, di e Brieftaschen voll mit D-Mark-Vorrat für zwei bis drei Wochen, manchmal in langen Schlangen warten, bis sie endlich das 'Land, in dem die Zitronen blühen' betreten durften. Nicht dass man drüben nicht gern gesehen war. Im Gegenteil, denn man brachte ja die beliebte D-Mark mit. Davon konnten auch Mario und Jerome nie genug kriegen.
Es war klug, sich schon zuhause die Wechselkurse der verschiedenen Währungen unserer Nachbarn zu merken, denn sonst ging man das Risiko ein, beim Umtausch übers Ohr gehauen zu werden. Gleich hinter den Schlagbäumen sah man die Bretterbuden der Banken unserer Nachbarländer, in welchen man 'offiziell' tauschen konnte. Auf großen Tafeln las man die blinkenden Ziffern die einem verrieten, wie viele Lira oder Francs man für eine D-Mark zu erwarten hatte. Und zumeist war man einigermaßen überrascht, dass auf den eingetauschten Scheinen so viele Nullen zu sehen waren. Und die nächste Überraschung ließ nicht auf sich warten: beim Blick auf die Preisschilder der in den Kiosken angebotenen Waren.
Nicht immer war es empfehlenswert, seine D-Mark an den Bankschaltern umzutauschen. Das war zwar gesetzeskonform und man konnte den Bankangestellten meistens vertrauen, dass man nicht übervorteilt würde. Einen geldwerten Vorteil erlangte man jedoch erst, wenn man – nicht ganz legal und daher mit zitternden Händen und schlechtem Gewissen - von dem günstigeren Angebot der 'Schwarzhändler' Gebrauch machte, die mit dicken Geldbündeln winkend ein wenig abseits herumstanden. Diese waren in der Regel sehr flink im Geldzählen, so dass man ihnen also kaum folgen konnte. Ehe man sich's versah, hatte man dann oft mehr wertloses Zeitungspapier in der Hand als gültige Banknoten.
Ich merke, ich weiche vom Thema ab, wollte ich doch über den neuen Euro schreiben und nicht über D-Mark-Nostalgie. Die 'guten alten Zeiten' sind nun vorbei, und es hilft nicht viel, ihnen nachzuweinen. Zwar soll es Leute geben, die noch einen geheimen Vorrat an DM-Scheinen in alten Milchkannen versteckt ihr Eigen nennen. Ein Verfallsdatum hat die nunmehr schon fast zwanzig Jahre nicht mehr im Umlauf befindliche Währung nicht. Vielleicht trauen die Besitzer solcher Reserven dem Euro noch immer nicht recht und sie meinen, gut vorgesorgt zu haben, just in case ! Man kann ja nie genau wissen, wohin die politische Reise geht.
Ja ja ! Könnte man doch den Lauf der Zeit umdrehen – wo doch früher alles besser war ! Was hat uns denn der Euro gebracht? Schon zu Beginn musste man 2 DM; für einen Euro hinblättern. In den alten Zeiten, als die DM noch was galt, ja, da konnte ich stolz darauf sein, dass mein Geld mehr wert war als das meiner Nachbarn. Doch nun? Heute ist der Euro in 19 der 28 EU-Länder die offizielle Währung. Wir Deutsche haben mit dem Verlust der DM ein Privileg verloren, was uns einen besonderen Glanz verlieh. Die meisten unserer Nachbarn haben ihn nun auch, den Euro. , Krethi und Plethi. Und, was das Schlimmste ist, sie wissen nicht damit umzugehen – jedenfalls nicht so sparsam wie wir.
Wenn man so drüber nachdenkt, könnte man meinen: Warum schaffen wir ihn nicht einfach wieder ab, den Euro? Aber dann? Was kommt danach? Wer weiß das schpn?

Ich glaube fast , wir stehen am Anfang einer neuen
'Guten alten Zeit'

Mehr zum Thema

5 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Es ist schon erstaunlich, dass das Gehirn bzw. das Gedächtnis eigentlich nur Positives speichert, und trotzdem wird so viel Negatives immer wieder hochgekocht...
Die DM habe ich schon lange ad-acta gelegt und komme mit dem Euro gut zurecht. Auch früher mußte ich manchmal erst sparen, wenn ich mir etwas Außergewöhnliches leisten wollte und so mache ich es auch heute noch.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Viele "gute alte Zeiten" sind nur in der Erinnerung gut
Man sieht nur das Positive, das Negative wird immer verdrängt
und in der heutigen Zeit sieht und sucht man nur das Negative

Erinnert mich auch immer an diese Nostalgie zu den "Kindern von damals"
Was Kinder (50er bis 70er Jahre) früher so taten und heutzutage und alles was früher getan würde war ja viiiiiiiiel besser und gesünder.
Ich möchte nicht mehr 1970 leben, ohne die vielen tollen Möglichkeiten von heuzutage
(Ich würde wohl in einem Dorf längst versauert sein, ohne von dort wirklich weg zu kommen)

Aber zurück zum Euro
Es ist wunderbar nicht mehr tauschen und umrechnen zu müssen
Und letztendlich zählt nur die Kaufkraft, egal in welcher Währung

Auf die Argumentation bezogen, dass "früher" ein Alleinverdiener eine 6-köpfige Famile durchbrachte, kann man nur antworten, dass man sich "früher nicht so viel geleistet hat
Oben genannte Familie fuhr vermutlich nie in Urlaub, es gab nur einen Fernseher und keiner hatte ein oder mehrere elektronische Geräte

1960 musste ein durchschnittlicher Arbeiter 39 Minuten arbeiten für 250g Butter
2009 nur noch 4 Minuten

1960 für 10 Eier - 51 Minuten
2009 - 8 Minuten

1960 für einen Kühlschrank 156 Stunden (ca 19 Arbeitstage)
2009 - 24 Stunden ( ca 3 Arbeitstage)
Ja, Edelgard, Du hast recht.
Meine Eltern (Kleinlandwirte auf einem ca. 4 ha großen Hof) haben in ihrem Leben nicht ein einziges Mal Urlaub machen können. Urlaub konnten sich nur die 'besseren Leute' erlauben. Gegessen wurde das, was der eigene kleine Hof hergab. In guten Jahren genügte das, um die Familie satt zu bekommen. Es gab jedoch auch mal schlechte Jahre. Dann war 'Schmalhans Küchenmeister', und entsprechend klein war die Auswahl an teuren und leckeren Lebensmitteln. Fleisch kam an Festtagen und (vielleicht) an Sonntagen auf den Tisch. Das auf dem eigenen Hof gemästete und geschlachtete Schwein lieferte das Fleisch, dazu dann und wann auch mal ein Huhn.
Fernsehen, Telefon, Auto, Kühlschrank, Zentralheizung, Elektrohert ? - Fehlanzeige. Im Winter war die Wohnküche mit der 'Kochmaschine' (holzgeheizt) der einzige geheizte Raum. Bei starkem Frost waren die Fenssterscheiben blind von 'Eisblumen', und die Wände der ungeheizten Zimmer glitzerten vom Raureif.
Und dennoch: Ich hatte eine wunderschöne Kindheit! Wundert das jemand hier?
Unbenommen, dass glaube ich dir, dass es eine schöne Kindheit war.
Kinder brauchen nicht viel Materielles.
Sie brauchen Liebe und Zuwendung und Platz und Zeit zum Spielen.

Meine Kindheit war auch schön (mit Holzöfen, nur Badewanne, keine Dusche und nur wenig Spielzeug, usw.)
Trotzdem, als Erwachsene will ich mehr.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Hallo Friedhelm,
sehr netter Beitrag zum Schmunzeln. Schade, dass heute Artikel unter "Themen" kaum noch Beachtung finden. Viele der Stammuser sind auf und davon und am "schwarzen Brett" wird gehauen und gestochen.
Aber auch 'ne kleine Episode von mir zur D-Mark: Gleich nach der Einführung des Euro wurde von C&A damit geworben, dass man zum offiziellen Umrechnungskurs minus 15% kaufen könne, wenn man mit Karte in Euro bezahlt. Und die Lodenjacke, die ich mir damals geleistet habe, hängt immer noch im Schrank und wird so 3-4 Mal im Winter getragen.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren