wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Die Erlebnisse Deutschen Auswanderer in Australien in der 60-iger Jahren

Die Erlebnisse Deutschen Auswanderer in Australien in der 60-iger Jahren

Aktualisiert:

Anlässlich der Sonderausstellung im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven, ‚Deutsche in Australien‘ ab den 29. September, 2013, ist das Buch ‚Buschleben‘, von der Englisch/Australischen Autorin Susan Duxbury, eine lesenswerte Lektüre.
Ein Roman basiert auf wahre Geschichten ‚Buschleben‘ beschreibt den Werdegang von jungen Deutschen Handwerkern, die sich, ohne Sprachkenntnisse und Vorwissen, über das Land als Wanderarbeiter im Outback durchschlagen. Sie lernen die Aborigine Kultur kennen; erleben Rückschläge, Abenteuer und skurrilen Menschen kennen. ‚Buschleben‘ ist ein amüsanter und zugleich ergreifender Roman, der den Leser durch den Fünften Kontinent führt – eine detaillierte und lebhafte, jedoch bis jetzt wenig Bekanntes, Beschreibung über das Leben ‚down under‘ in der 60-iger Jahren.
In 1950 wussten die Deutschen sehr wenig über Australien. Dort befand sich kaum jemanden mit Deutschen Wurzeln, außer den Bayerischen Winzer welche in früheren Jahren der Barossa Valley in South Australien besiedelten. Kurz nach dem Krieg lebten etwa 8 -Millionen Einwohner in Australien. (Heute sind es über 20 Millionen und die Deutschen sind der viertgrößte ethnischen Gruppe in Australien).
Damals waren die Nachkommen von Britischen Siedler der Meinung Australien befinde sich am falschen Platz auf der Weltkarte. Sie beäugten ihren asiatischen Nachbarn mit großen Misstrauen, besonders den Japaner, der im 2. Weltkrieg die Stadt Darwin bombardiert hatte und sogar mit einem U-Boot in den Sydney Harbour eingedrungen war. Nach dem 2. Weltkrieg herrschte immer noch Angst vor der (so genannten) Yellow Danger ‚der Gelben Gefahr - wegen der riesigen Mengen an Mineralien; Bodenschätze die inzwischen Australien zu einer der reichsten Länder der Welt gemacht haben. Die Japaner, die selber kaum natürliche Vorkommnisse hatten, brauchten dringend Rohstoffe für ihre schnell wachsende Industrie. Deshalb befürchteten die australischen Regierungen eine Invasion der Japaner. Es herrschte die Parole „we must populate or perish“ = wir müssen das Land bevölkern oder zu Grunde gehen. Dass war der Anfang Australiens Einwandererpolitik, um dringend benötigten Manpower ins Land zu holen.
Australiens Regierung befolgte bis 1960, einen ‚White Australia Policy’. Es bedeutete möglichst Anpassung an eine angelsächsische geprägte Gesellschaft. Jedoch weil nicht ausreichend potentiellen skandinavisch oder britische Migranten vorhanden waren, wurde um deutsche Einwanderer geworben. Zu dieser Zeit wurden in Deutschland Anwerbungen um Fachkräfte für drei Großprojekte angetrieben.
1. Zuerst muss unbedingt ‚The Snowy Mountains Hydro-Elektrik Scheme‘ erwähnt werden - ein Meilenstein in Australiens industrieller und kultureller Entwicklung - über 200 km. Tunnel und Aquädukte; 16 Dämme, 7 Kraftwerke (davon 2 unterirdisch) und Pumpstationen die alles miteinander verband. In 1974 wurde es fertiggestellt und eingestuft als einem von sieben ingenieurtechnischen Wunder der modernen Welt. Viele deutsche Auswanderer waren beteiligt an der Entstehung dieses riesigen Projektes. Arbeiter aus mehr als 30 Nationen litten unter außergewöhnlicher Härte und Einsamkeit. Sozial markierte diese Epoche für Australien das Entstehen eines „Schmelztiegels“, was zu einem Australiens Charakter veränderte, und zum anderen seine Öffnung für andere Kulturen förderte.
2. Auch herrschte es an Knappheit an Behausung. Für eine schnell wachsende Population wurden dringend Bauhandwerker benötigt.
3. Und last but not least; die Australien Eisenbahngesellschaft brauchte Arbeiter, um die Linie von Ost bis West über die Nullarbor Halbwüste auszubauen. Es wurde genannt - der schlimmste Arbeitsplatz in ganz Australien.
Zukünftige Arbeitgeber versprachen interessierten Auswanderern die Überfahrtkosten vorzufinanzieren - mit Rückzahlung nach Arbeitsaufnahme - unter der Bedingungen, sich 2 Jahre zu verpflichteten. Anwerber mussten gesund, und bereit sein eine strenge ärztliche- Untersuchung durchzuziehen. Umgekehrt, verpflichteten sich zukünftige Arbeitgeber Unterkunft, Mahlzeiten und einen Arbeitsplatz zu stellen, sowie den doppelten Lohn wie in Deutschland zu bezahlen. Sie priesen sonnige Strände, das blaue Meer und ein ‚free and easy‘ Lebensstil an, wohlwissend dass sich diese Arbeitsplätze in einsamen Gegenden befanden.
Die Überfahrten in umgebauten ehemaligen Frachtschiffen, extra ausgestattet für die Beförderung von Migranten, wurden öfters zur Qual. Sie waren wahrlich keine Kreuzfahrtschiffe. Angekommen, waren viele Auswanderer wegen der Überfahrtskosten jetzt hoch verschuldet; außerdem, mussten sie für ihre Miete und andere Lebenshaltungskosten aufkommen. Besonders schwierig war die Situation verheirateter Familienväter, die ihre Familien aus Deutschland nachkommen lassen wollten, und die Kosten für deren Überfahrt nicht aufbringen konnten. Hinzu kamen die abgelegenen Arbeitsstätten und die unerwarteten schwierigen Arbeitsbedingungen. Es gibt skurrile Geschichten über Rückwerbung von dringend benötigten Facharbeitern durch Agenten aus der damaligen DDR, die irgendwie Wind davon bekamen über die flehenden Briefe an westdeutsche Behörden. Letztendlich, so wurde gemunkelt, fand die eine oder andere Familienzusammenführung in Ostdeutschland statt. Auch stellte sich heraus, dass gut qualifizierte Facharbeiter nicht immer in ihren gelernten Berufen arbeiten durften wegen Mangel an Englischkenntnissen - auch Handwerker wurden dringend in ihrer Heimat benötigt.
In den 50- iger Jahren war Australien das Land ohne Flair und von viktorianischer Strenge geprägt. Kleine Siedlungen waren auf dem Fußweg unerreichbar. Bierkneipen waren nur bis 18 Uhr geöffnet. Für die Zeit nach 18 Uhr ging man nach Hause mit einem Flakon Bier oder Wein in 1-Gallon- Flaschen. Der Wein hieß 'Plonk' und jemand der zu viel davon trank - war ein 'Plonkie'! Mahlzeiten in den Werkskantinen waren öfters sehr einseitig – es fehlte an 'frisches' und Mangelernährung war die Folge. Weil eine große Wohnungsnot zu der Zeit herrschte, wurde der Nachzug der Familie erst dann gestattet, wenn den Behörden der Nachweis von Wohnraum vorlag. Bis dahin musste die Familie – oft weit von der Arbeitsstätte des Mannes entfernt, in einer Regierungsunterkunft so genannten ‚Hostels‘, wohnen; eine von diesen war das berühmt berüchtigte und viel gehasste Bonegilla – das größte Auffanglager für Immigranten in der Nähe von Melbourne.
Es hagelte Beschwerdebriefe an das Auswärtige Amt in Deutschland, die sich immer noch im ihren Archiven befinden. Aufgeschreckt von zum Teil herzzerreißenden Schicksalen, machte sich eine deutsche Delegation auf den Weg 'down under' um verschiedene Industrieprojekte zu besuchen. Sie stellten fest dass die Beschwerden richtig waren und deshalb wurde in 1952, das Bundesamt für Auswanderung gegründet. Um Ausbeutung zu unterbinden, gab es ein Abkommen mit der Australischen Regierung über kontrollierte und unterstützte Auswanderung. Schiffspassagen wurden bezuschusst; der deutsche Migrant zahlte 10 Deutsche Mark dazu – im Vergleich bezahlte der britische Migrant 10 Pounds Sterling dazu. Sie wurden 'Ten-Pound Poms' genannt. Auswanderungsbüros wurden eingerichtet, mit Anwerbungsmaterial der australischen Regierung. In ihre Broschüre ‚Ein Willkommen wartet’, wurden Arbeitsverhältnisse als paradiesisch beschildert. Und eben weil die australische Regierung immer noch ein unrealistisches Bild Australiens vermittelte, beschrieb die deutsche Behörde das Leben in Australien eher nüchtern, wie folgt:-
Australien nimmt Facharbeiter, Handwerker und landwirtschaftliche Arbeitskräfte auf. Gute Aussichten haben alle Bauhandwerker. Arbeit gibt es genug, nur muss der, der aufs Geratewohl nach Australien auswandert, bereit sein, zunächst auch berufsfremde Arbeit und ein hartes Leben auf sich nehmen. Geistige Berufe haben keinerlei Aussichten, kaufmännische Berufe wenig. Ärzte und Apotheker müssen neue Studien und Examen machen.
Nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten lebten sich die Deutschen gut ein. Sie waren bestrebt unauffällig und anpassungsfähig zu leben ohne sich – wie alle andere Einwanderer auch – für die Kultur und Belange d. Eingeborenen zu interessieren – bis der Tourismus die Aborigine ‚entdeckte‘.
Der Leser und Kenner des modernen Australiens, wird in ‚Buschleben‘, durch das wilde Land einer früheren Epoche geführt, das sich am Anfang einer gewaltigen Entwicklung befindet, begünstigt durch endlose Bodenschätze und gut ausgebildete Migranten -Manpower.
c. Susan Duxbury.
####
Ein Einblick des Buches sowie Leseprobe von 'Buschleben' können sie bei www.amazon.de einsehen.
- Taschenbuch: 328 Seiten/ Preis Euro 10,65
• ISBN-10: 1490541772 ISBN-13: 978-1490541778
• In der Englisch Sprache: ‚Up the Gum Tree‘ Preis Euro 10,65
• ISBN-10: 1490562621 ISBN-13: 978-1490562629
Erhältlich durch www.amazon.de oder www.susan-duxbury.com Auch als Kindle E-Buch downloadbar -
Ich hoffe dass diesen Beitrag sich einige interessierte Leser findet! (mein Deutsch ist nicht 100% perfekt - bin Engländerin!) Best wishes from Susan

2 Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.
Ich behaupte nicht dass es allen Auswanderer, wie in meinen Beitrag beschrieben, so ergangen sind. Das Problem war jedoch von beide Regierungen bekannt und es gibt immer noch Zeitzeugen die nicht so viel Glück hatten wie sie und ihre Familie. Vielen Dank für ihre Interesse! Susan
Hallo Susan,
Deinen Bericht über Australien während der 60er Jahre habe ich mit Interesse gelesen und Vieles kam mir sehr bekannt vor, weil ich selbst während dieser Zeit dort gelebt habe.

Ich bin im Januar 1959 mit dem Schiff Castel Felice ausgewandert, war 6 Wochen lang Weintraubenpflücker in Dareton, Victoria, verbrachte einige Tage im Emigrantenlager Bonegilla, arbeitete ca. 4 Monate als Linesman im Freileitungsbau in Lake Cargellico und erlebte dort Australian Bush Life pure.

Nach dieser Zeit glaubte ich genügend Englisch zu können, um wieder in einem Office Job als Konstrukteur zu arbeiten.
In Sydney sagte man mir, um als Elektriker zu arbeiten, müsste ich eine mündliche Prüfung der Trades Union bestehen und die Australian Engineering Society verlangte das Bestehen einer schriftlichen Prüfung. Für beide Prüfungen war mein Englisch nicht ausreichend, weil ich während meiner Schul- und Ausbildung Russisch zu lernen hatte.

Ein Journalist in Sydney erzählte mir von der Snowy Mountains Hydro-electric Authority und dass bei denen das Prinzip Hire or Fire ohne Papiere zählten. Mit etwas Glück landete ich dort und wurde nach 4 Wochen Probezeit ins Angestellten-Verhältnis übernommen.

Ich blieb dort bis 1966 und arbeitete während meiner Konstruktionsarbeiten für Murray 1 und 2 Power Station als Parttime Conducting Officer in der Public Relations Branche.

Weil die Planungsarbeiten für das Snowy Mountains Scheme zu Ende gingen, empfahl man den Angestellten sich einen neuen Job zu suchen. Somit landete ich mit einem gut bezahlten Job in Papua und New Guinea.

So viel über meine Zeit in Australien, die mit Deinem Bericht über Australien sehr viel gemeinsam hat.

Deiner Buch-Empfehlung werde ich nachgehen.

Meine Erlebnisse in Australien und in Papua und Neu Guinea könnten wohl auch die Seiten eines Buches füllen. Aber dann würde ich andere Hobbys venachlässigen und die sind mir auch wichtig

Über einen Kommentar von Dir würde ich mich freuen, falls Du noch auf dieser Ülattform bist.
Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren