Menschenwürdig

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Sozialverband VdK Bayern e.V.
Aktualisiert:

Kommentar von VdK-Präsidentin Ulrike Mascher


Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es in Artikel 1 des Grundgesetzes. Es ist das elementarste Recht, das wir haben. Es gilt uneingeschränkt für alle Menschen, die in Deutschland leben. Unabhängig vom Gesundheitszustand. Unabhängig vom Alter. Doch in Pflegeheimen kommt es leider viel zu oft zu Verstößen gegen dieses Grundrecht.

Alte, pflegebedürftige Menschen, die im Heim ihren letzten Lebensabschnitt verbringen, sind häufig so schutzlos wie kleine Kinder. Und weil das so ist, hat auch der Staat ihnen gegenüber eine besondere Schutzverpflichtung. Doch das bestehende System lässt es zu, dass in manchen Einrichtungen buchstäblich entwürdigende Zustände herrschen. Wir wissen das nicht erst seit der aufsehenerregenden TV-Dokumentation vom „Team Wallraff“, das mit versteckter Kamera den Pflegealltag aufgenommen hat und erschreckende Bilder sendete. Es sind leider nicht die ersten Bilder, die unzureichende oder sogar gefährliche Pflege bestätigen. Es gibt genügend wissenschaftliche Studien, die zu demselben Ergebnis kommen.

In ihrer Doktorarbeit ist die Juristin Susanne Moritz diesem Thema mit aller Sachlichkeit nachgegangen. Das Ergebnis: Etwa 20 Prozent der Heimbewohner sind von Menschenrechtsverletzungen betroffen. Es besteht also eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit für Grundrechtsverstöße im Pflegeheim. Wer bereits im Heim lebt, ist aber meist zu krank, zu hilflos und auch zu abhängig, um für seine Grundrechte zu kämpfen. Auch Angehörige fühlen sich oft machtlos. Deshalb, so die Schlussfolgerung, müssen sich andere für diese Menschen einsetzen.

Schon allein, weil wir irgendwann alle in dieser Lage sein könnten, weil niemand davor gefeit ist, selbst einmal pflegebedürftig zu werden. Es geht oft um einfache Ansprüche, die das überforderte Personal nicht erfüllen kann: zur Toilette gehen zu dürfen, an die frische Luft gebracht zu werden oder eine Mahlzeit im eigenen Tempo zu essen, statt künstlich ernährt zu werden. Wenn Grundrechte durch bestehende Gesetze verletzt werden, ist das ein Fall für das Bundesverfassungsgericht.

Susanne Moritz hält die Pflegemisere für einen solchen Fall. Und der Sozialverband VdK hat sich nach sorgfältiger juristischer Prüfung dieser Auffassung angeschlossen. Wir bereiten diese Verfassungsbeschwerde vor. Auch die Aufforderung der Kanzlerin an den VdK, dies lieber zu unterlassen, wird uns von unserem Entschluss nicht abbringen. Es war zu hören, dass der VdK diese Verfassungsbeschwerde nur als Drohkulisse aufbauen will. Nein, wir benutzen das Leid der Pflegebedürftigen nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir wollen, dass sich etwas zum Besseren verändert. (Ulrike Mascher)

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11 Kommentare

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WIR sind es, die dagegen etwas tun müssen, denn WIR werden die Nächsten sein, die im Heim landen !
Die Pflegekräfte in den Heimen sind unterbesetzt, überlastet und teilweise fehl am Platz, weil sie mit Menschen nicht umgehen können und weder Gefühl noch Verständnis haben. Viele erledigen ihren Job, weil sie das Geld brauchen und in diesem Bereich immer Leute gesucht werden.
Einem dementen Bewohner mit Pflegestufe 3 stehen am Tag 5 Stunden Pflege zu ! Es sind bettlägerige und verwirrte Menschen, sie bekommen aber nur eine Pflegekraft zu sehen, wenn es Essen gibt oder Windeln gewechselt werden und DAS ist alles eine Minutensache mit einem täglichen Zeitaufwand von etwa 2 Std. Für Zuwendung oder ein paar liebe Worte...keine Zeit ! 5 Stunden Pflege, die sehr teuer bezahlt werden müssen aber niemals bei den Betroffenen ankommen.
Demente Menschen haben keine Chance sich dagegen zu wehren, sie können nur noch auf Verwandte hoffen, die sich für eine bessere Pflege einsetzen !
Der Medizinische Dienst (MDK) soll die Heime kontrollieren ! ABER da man in den Heimen immer vorher über die Kontrolle informiert ist, läuft an diesem Tag alles vorbildlich ab und die Leute vom MDK laufen mit geschlossenen Augen und Ohren durch das Heim und wollen auch nichts sehen und hören.
An der Anzahl der Pflegekräfte und der Anzahl der Bewohner kann man leicht feststellen, dass die Pflegezeit der Bewohner niemals eingehalten werden kann. ABER...das will man gar nicht sehen und WER soll sich beschweren ? Die Bewohner können es nicht mehr !
Es werden Bestnoten vergeben, das Heim leuchtet in falschem Schein und die Bewohner bezahlen weiterhin einen hohen Preis für eine Pflege die nur auf dem Papier besteht.
Ein trauriges und einsames Leben, was keiner von uns haben möchte aber WER denkt schon an ein Pflegeheim ?

BESUCHT eure dementen Angehörigen und verschließt nicht Augen und Ohren und beruhigt euer Gewissen nicht damit, dass diese Menschen nichts mehr mitkriegen !
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Ich habe meinen Vater 13 Jahre gepflegt, da meine Mutter früh verstorben ist,
ich hätte es nicht übers Herz gebracht ihn in ein Pflegeheim zu geben!"
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Ich bin der Meinung, dass wegen den
besonderen Gefahren der Verabreichung
psychiatrischer Psychopharmaka an alte
Menschen, sich jedermann kritische Gedanken
über die krankmachende chemische
Ruhigstellung der Pflegebedürftigen machen
sollte.
ich sage Euch; diese Erfahrung hat mich in Angst und Schrecken versetzt!!
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unser Wirtschaftssystem, betrachtet den alten
Menschen als tote Last, der nicht mehr
produziert, nicht mehr konsumiert wie zuvor -
diese Gesellschaft himmelt nur den Profit,
die Jugendlichkeit an, schließt deshalb die
älteren Menschen aus, als seien sie völlig
wertlos. Sie dienen nicht mehr, kosten nur
Geld, Pflegebedürftigkeit ist sehr teuer,
Eigenmittel von Rentenbezügen sind oft nicht
ausreichend, und deshalb wird alles „Alte“
was nicht mehr nützlich scheint
entsorgt“ im wahrsten Sinne des
Wortes.
Ein unbequemes elektrisches Bett mit Gitter,
ein Nachtschränkchen, Kleider mit
Namensschildchen bedruckt, ein Waschlappen
und ein Handtuch, die Abhängigkeit vom
Sozialamt und wahnsinnig viele Tabletten ist
alles, was einem alten Menschen in einem
Pflegeheim bis zum Tode bleibt.
genau liebe Elke
daneben ist auch richtig, dass bis zum heutigen Tag kein Wohlfahrtsverband seine Bilanzen offenlegen muß!" Man hört und liest, dass mit weniger Essen und weniger Personal das meiste Geld zu machen ist, denn die Pflegesätze werden für das erlaubte Maximum an Personal ausgehandelt, wenn danach im laufenden Jahr ein paar Leute fehlen, interessiert das niemanden. Was die überforderten Pflegekräfte dann leisten oder nicht leisten, ist das Ergebnis von Mißmanagment, Geschäftsführer, die nur für ihre Zahlen leben, und Heimleiter, die nur an ihre Macht denken!!!!!!
Abgezockt und Totgepflegt: Alltag in deutschen Pflegeheimen (Taschenbuch)
Abgezockt und totgepflegt! - einen besseren Titel hätte Markus Breitscheidel für sein Buch nicht finden können. Dass, was der Autor hier in diesem Buch schreibt, spiegelt tatsächlich die traurige Realität im sozialen Bereich Eins zu Eins wider.

Ich lege jedem dieses Buch ans ♥Herz.♥
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Eine Gesellschaft, die sich leisten will, ihre Alten, Behinderten, menschenwürdig unterzubringen, muss auch bereit sein, das dafür notwendige Geld zur Verfügung zu stellen. Alles andere ist Heuchelei. Altenheime mit nicht qualifiziertem Personal, viel zu wenig Personal - das sind die letzten, die beißen die Hunde. Unsere Gesellschaft muss laut sagen, ob sie in ihre Alten investieren will oder sie eh lieber tot sehen würden.
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Ich habe Heimarbeit selbst kennengelernt - Pflegenotstand ist ein Wort das ich NICHT mehr hören kann - man kann sich leider nicht individuell in die Arbeit einbringen .

Der Pflegestand lies ich mir sagen steht auf nem Stand vor 25 Jahren - und so ist es leider auch in den allermeisten Fällen.

Bringt man sich selbst zu individuell und menschlich ein ist man bald unten
unten durch - DENN SO fällt SEHR DEUTLICH auf was die meisten Anderen unterlassen .

Validation ist für viele noch ein absolutes FREMDWORT .

MENSCHENWÜRDE - Da muss ich lachen .

Ich freue mich nun für mich selbst zu arbeiten und individuell auf den Menschen und seine Würde ein zu gehen.

Damals verlange man von mir ich müsse mich dem System anpassen.

Ein absolutes Unding für mich
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Der Leitspruch der Ärzte, die in den 7oer Jahren eine Psychiatriereform auf
die Beine gestellt haben, weil jahrhundertelang die Zustände in der
Psychiatrie menschenunwürdig waren lautete:
Der menschliche Wert eine Gesellschaft mißt sich daran, wie er mit den
Menschen umgeht, die sich selbst nicht mehr helfen können.
Die Psychiatriereform ist seinerzeit in Deutschland hervorragend um-
gesetzt worden, das Leben dieser Menschen hat sich hervorragend
verbessert.
Heute brauchen wir eine Reform des Altenbereichs, es ist eine
gesamtgesellschaftliche Aufgabe, nicht die Aufgabe einzelner mit
Der Frage, wie wollen wir in Zukunft das Leben alter Menschen in
Deutschland gestalten.So wie es jetzt ist, ist es menschenunwürdig.
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Na endlich! Eine Verfassungsbeschwerde scheint das einzige zu sein, was dieses Gewurschtel zwischen den Dachverbänden der carikativen Einrichtungen, Verband der privaten Heimbetreibern und Pflegekassen aufzulösen. Es wird von diesen Verantwortlichen auf Kosten der Fachpflegekräfte und in der Folge der Patienten, bzw. Bewohner Schindluder getrieben. Sie können sich nicht einigen, sie setzen ihren Auftrag die Landesrahmenverträge umzusetzen nicht um.

https://www.openpetition.de/petition...cher-pflege

zugehörige Facebookseite: Pflege am Limit

Leider muss den Verantwortlichen öfentlicher Druck gemacht werden, damit schnellstmöglich die prekäre Sitution in Krankenhäusern, Pflegeheimen und häusl. Pflege ändert. Es ist aber nicht damit getan Crashkurs-Kräfte einzstellen. Das ist meiner Auffassung nach geradezu fahrlässig! PflegehelferInnen müssen mind. eine einjährige Ausbildung haben, um Gefahr abzuwenden.
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