wize.life
Neu hier? Jetzt kostenlos registrieren und mitmachen! Warum eigentlich?
Ernteausfall macht Italiens Ölivenöl teurer

Ernteausfall macht Italiens Ölivenöl teurer

Nachrichtenagentur Bloomberg: Ernteausfall macht Italiens Ölivenöl teurer

Olivenbäume und die Mittelmeerländer sind seit Jahrtausenden untrennbar miteinander verbunden. Nun hat Fliegenbefall in Italien und Spanien viele Haine heimgesucht. Als Folge steigt der Preis für Olivenöl.
(Samstag, 13. Dezember 2014) Jeden Herbst steht Fabio Landini mit anderen Olivenanbauern vor einer Ölmühle in der Toskana Schlange, wo die traditionellen Mahlsteine das Öl aus seiner Ernte pressen. In dieser Saison hat er allerdings keinen einzigen Tropfen bekommen.

In Italien, dem nach Spanien grössten Olivenölhersteller der Welt, hat ein Befall mit der Olivenfruchtfliege (Bactrocera oleae) ganze Haine zerstört. Das droht die Produktion in diesem Jahr um 35 Prozent einbrechen zu lassen, erklärte das Institut für Dienstleistungen für den Landwirtschafts- und Lebensmittelmarkt (Ismea) mit Sitz in Rom. "Wir haben nicht geerntet", sagt Landini, ein pensionierter Investmentbanker, dessen Hain aus 80 Olivenbäumen normalerweise rund 150 Liter Öl jährlich produziert. "Die wenigen Oliven, die es gab, wurden von der Olivenfliege zerstört und waren voller Larven."

Die Ernteschäden in Italien - wo sich früher schon die Römer mit dem Öl salbten, das heute als Brot-Dip und für die Zubereitung von Teigwarensaucen verwendet wird - und eine geringe Ernte in Spanien bedeuten, dass die globale Produktion in der Saison bis September 2015 das niedrigste Niveau seit 15 Jahren erreichen wird, prognostizierte der Internationale Olivenrat am 2. Dezember.
«Die Menschen werden mehr bezahlen»
Der Preis für natives Olivenöl mittlerer Qualität aus Spanien, das als Branchenmassstab gilt, könnte Bradley zufolge in den nächsten zwei bis drei Monaten 3,20 Euro je Kilogramm erreichen. Das wäre ein Preisanstieg um rund 65 Prozent gegenüber vergangener Woche.

Zu einer Zeit weltweit fallender Nahrungsmittelkosten schiessen die Preise für Olivenöl somit in die Höhe. Das trifft nicht nur die Italiener, die seit drei Jahren in der Rezession stecken, sondern auch Konsumenten in den grössten Importländern - wie in den USA, wo sich der Konsum in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht hat. "Die Menschen werden mehr bezahlen", sagt Michael Bradley, Präsident von Veronica Foods im kalifornischen Oakland, die mehr als 3,7 Millionen Liter Olivenöl pro Jahr importiert.
Produzenten müssen selber kaufen
Die Auswirkungen der Krise in Italien bekam Laura Bevilacqua bereits zu spüren, die einen Hof und ein Restaurant in Palombara Sabina nahe Rom führt. Normalerweise produziert sie genügend Olivenöl für den Bedarf in ihrer eigenen Küche und hat noch ein paar Flaschen für den Verkauf übrig. Doch in diesem Jahr musste sie selber Olivenöl zukaufen. Die Preise kann sie nicht erhöhen, weil die Italiener sich angesichts der schrumpfenden Wirtschaft mit Ausgaben zurückhalten, sagt sie. "Diese Olivenölkrise hat uns wirklich einen Schlag versetzt", sagt Bevilacqua.

Die Preise für Italiens hochwertigste kaltgepresste Klasse "Natives Olivenöl Extra" erreichten im November ein Rekordhoch. In den vergangenen zwei Monaten waren die Preise für dieses Qualitätsöl um 46 Prozent auf 6308 Euro je Tonne geklettert. Natives Öl mittlerer Qualitätsstufe aus Spanien hat sich seit dem Tief im Mai um 61 Prozent auf 2764 Euro je Tonne verteuert.

In Spanien wird nach Angaben des Landwirtschaftsverbands Asaja die Ernte in diesem Jahr wohl auf 750'000 Tonnen fallen, verglichen mit dem Rekord von 1,78 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Krankheitsbefall und das heisse Wetter seien für den Einbruch verantwortlich, hiess es vom spanischen Jungbauern-Verband. In Italien könnte die Produktion Ismea zufolge von 463'701 Tonnen im letzten Jahr nun auf 302'470 Tonnen schrumpfen.
Chancen für Griechenland
Die fallende Ernte in Spanien und Italien könnte allerdings dem nächstgrössten Produzentenland Griechenland Chancen bieten. "Dieses Jahr birgt für griechisches Olivenöl eine Gelegenheit", sagt Aris Kefalogiannis, Chef des lokalen Nahrungsmittelvertriebs Gaea Products mit Sitz in Athen, der die Hälfte seiner Umsätze mit Olivenöl erwirtschaftet. "Wir rechnen stark mit einem Anstieg der Exporte."

Denn während in Italien und Spanien weniger produziert wird, erleben Griechenland und Tunesien, der viertgrösste Olivenanbauer der Welt, einen Boom. Die Ernte in Griechenland dürfte dem Internationalen Olivenrat zufolge in diesem Jahr um 127 Prozent zulegen, während sich die Produktionsmenge in Tunesien wahrscheinlich fast vervierfachen wird.
Oliven-Weltzentrum Mittelmeer
Doch selbst höhere Ernten in Griechenland und Tunesien werden nicht ausreichen, um den Rückgang in der Mittelmeerregion aufzuwiegen, die für 97 Prozent der Weltproduktion verantwortlich ist. Die Gesamtproduktion aus Spanien, Italien, Griechenland und Tunesien dürfte unter dem Strich um 31 Prozent auf 1,69 Millionen Tonnen fallen, erklärte die Gruppe.

Düster sind auch die Aussichten für Stefano Barbarossa, der 1000 Olivenbäume in der italienischen Region Sabina besitzt. Er hat in diesem Jahr fast 80 Prozent seiner Ölproduktion eingebüsst und konnte nichts verkaufen. Ihm drohen Einnahmen in Höhe von bis zu 30'000 Euro verloren zu gehen.

"Mein Vater, meine Grosseltern sagen, sie hätten so etwas noch nie erlebt", sagt Barbarossa im Interview an der Ölmühle in Mittelitalien. "Normalerweise würden wir zu dieser Jahreszeit gar in die Ölmühle kommen wegen der Menschenmenge, der Traktoren und der Leute, die zum Pressen ihrer Oliven kommen. Jetzt sehen Sie ja, es ist alles wie ausgestorben."

Von Nachrichtenagentur Bloomberg

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren