Faule Reise-Ostereier

Mit der Kraft der Stürme dieser Tage fegen jetzt Sonderangebote an Kurzreisen über die
Republik. Meist für rund 2oo.- Euro und dies für eine Woche. Fast alle bekannten Ziele sind dabei
und da lohnt es sich schon die Offerten näher zu betrachten. Denn es gibt echte Schnäppchen darunter , aber auch ärgerliche Veranstaltungen.

Leere Betten, leere Kassen

Begonnen hat das Geschäft im großen Stil in der Türkei. Dort baute reiche Unternehmen mit
wirksamen staatlichen Geldspritzen perfekte Hotelanlagen. Sie haben locker
vier Sterne verdient.
Meist kostete der Spass pro Person und Woche knapp 200 Euro, Flug, Aufenthalt, Halbpension, mir einem Abendessen dass die Pracht der Küchen dieser Welt entfaltete. Wie nun mag man sich fragen, lässt sich mit einem derartigen Angebot noch Geld verdienen?
Der Reiseveranstalter hatte keine Werbekosten, da er seine Billigreisen über Zeitungen und Vereine verkaufte. Pro vermittelter Person wurde brachenüblich 10 Prozent bezahlt. Die Fluggesellschaft, nehmen wird nur eine, die sich mit dem Namen der Bundeshauptstadt schmückt,
forderte vom Veranstalter zwischen 45 und 55 Euro für die Hin- und Rückreise.
Allerdings musste der Kübel da schon voll sein. Der in Wirtschafsfragen enorm tüchtige
Staatschef Erdogan sponserte die Reisen kräftig, eine neue Industrie wurde so aufgebaut, und er hatte einw wirkungsvolle Möglichkeit die Jugendarbeitslosigkeit deutlich zu senken.

Der Islam gehört zum Geldverdienen

Die Hotels hatten dann noch einen guten Trick; die Türkei, wo die Landstraßen mittlerweise vollgepflastert sind mit Bierwerbung ist bekanntlich ein Land mit vielen Muslimen, die im Westen der Landes meist ähnlich gläubig sind wie die Christlichen Heiden in Europa. Doch der Islam muss
für vieles herhalten, so auch für die bedauernde Aussage der Hoteliers, der Glaube verbietet den Aussschank von von Alkohol; den müsse man für viele Geld vor allem in Bulgarien einkaufen.
Der ganz passable Landwein - ein Liter - wird für ca. 85 Cent eingekauft, prächtig ummantelt und die Flasche von Kellnern, die als Pascha verkleidet sind, serviert. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Für den alkoholischen Genuss von 0,75 Liter zum Abendessen berechnet man meist 14 Euro. Brachenkenner kalkulieren, dass man über diesen gottgefälligen Sonderweg wesentlich mehr verdiente, als über die kargen Provisionen der westlichen Reisegiganten. Der reichliche Genuss schwächt ja nur die Ungläubigen.

Aus der Traum

Die goldenen Zeiten solcher Billigreisen sind aber vorbei. Steigende Benzin und Flughafengebühren, der massive Wettbewerb praktisch aller Touristikziele, die dieses Modell
übernommen haben, uferlose Hotelkapazipäten und vergleichbare Angebote der großen
Touristikunternehnenhaben die günstige Preiskakulation zum Einstutz gebracht. Schlielich lassen sich viele günstige Angebote im Internet finden und direkt buchen. Für die Türkei gilt mittlerweile der Grundsatz: ohne Teppichkauf nur noch Verluste.
Besonders fragwürdig bieten mittlerweile die Länder des "arabischen Frühlings" ihre
Dienstleistungen an. Wer ein bischen nachrechnen kann, weiss, dass derartige Preise nur mit erheblichen staatlichen Zuschüssen möglich sind. Den jungen radikalen Protestlern geht es nicht um freie Wahlen sondern um das versprochene bessere Leben. Wer also den Nervenkitzel sucht sollte lieber in BIkini und Turnschuhen die Zugspitzein Deutschland auf direktem Weg besteigen. Einen derartigen Versuch hat es übrigens tatsächlich gegeben.

Ja zu Schnäppchen

Nun sind Somderamgebote nichts schlechtes, sie können gerade für Mitbürger, die sich nicht an Ferienterminen halten müssen, günstig und schön sein. Doch die Wahl ist nicht einfach:
ein handfester Vorschlag: versuchen wir über Seniorbook einen Erfahrungsaustausch. Und wenn sie hier keinen Experten finden, versuchen sie es in Ihrern Freundeskreisen und lassen sie
dies uns alle wissen.


Karl Jörg Wohlhüter

1 Kommentar

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Ich habe die Türkei vor 50 Jahren zum ersten Mal bereist und bereise sie wegen ihres unvorstellbaren kulturellen Angebotes aber auch wegen ihrer abwechslungsreichen Landschaften heute immer noch gerne. Allerdings steige ich nicht in ein Hotel-Hochhaus ab, ich nutze das Angebot einer Kulturreise und das führt mich von Stadt zu Stadt. Und wenn ich zum wiederholten Male in Pamukkale ankomme, schließe ich mich nicht der Reisegruppe an, sondern bleibe im Hotel und genieße - sofern vorhanden - den Indoor-Pool. Neben der Kultur fasziniert mich der leibliche Genuß, begonnen beim umfangreichen Frühstücks- bis hin zum Abendbüfett. Fremdländisch essen, das war immer schon meine Leidenschaft. Besuche von Teppich-, Schmuck- und sonstigen Geschäften lasse ich über mich ergehen und lass mich auch nicht verleiten zu einem "günstigen" Einkauf, das gehört nun mal dazu, damit kann man sich abfinden. Auch die Freundlichkeit der Türken uns Deutschen gegenüber kann man genießen, viele sind ja "Deutschländer" und können sich mit uns auf gutem Niveau unterhalten. Und dass der türkische Staat diese Reisen subventioniert, bevor viele in der Touristikbranche Beschäftigte arbeitslos über die Herbst-, Winter- und Frühjahrszeit nach Hause geschickt werden, halte ich für sinnvoll und legal. Zum Essen leiste ich mir ein wirklich schmackhaftes türkisches Bier, das sich durchaus preislich mit unseren Bieren in Gasthäusern vergleichen läßt. Und im übrigen, wer in die Türkei reist, weiß, was auf ihn zukommt!
Hasko Winter
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