WC-Besuch sichert hohe Rente

Die mit allen Wassern gewaschenen Berater des Sozialverbandes VdK erleben immer wieder, dass sich der normale Menschenverstand oft meilenweit von der juristischen Spitzfindigkeit entfernt.
Da gibt es die sicher tragische Geschichte einer Witwe, deren Mann auf dem Heimweg von der Arbeit tödlich verunglückte. Für die Frau stand die Altersversorgung auf dem Spiel. Da muss man wissen, dass der Weg von und zur Arbeit unter den Arbeitsschutz fällt und nicht von der Rentenversicherung, sondern von der Berufsgenossenschaft bezahlt wird. Und sie wierderum zahlt deutlich höhere Bezüge als die normale Rentenversicherung. Deshalb ist es wichtig, dass ein Arbeitsunfall anerkannt wird. Er liegt aber nur dann vor wenn der - direkte - Weg eingehalten wurde, und da kann es um Zentimeter gehen. Der Arbeiter ging jedenfalls nach Betriebschluss in ein Gasthaus zum Feierabendbier. Damit hat er glasklar den direkten Weg unterbrochen, der Witwe wäre nur eine mickerige Rente zugestanden. Doch der Berater argumentierte vor dem Sozialgericht:
der Mann musste das Wirtshaus aufsuche, weil ihn ein dringendes Bedürfnis überkam und
und der Wirt darauf bestand, dass der Gast auch freundlicherweise ein Bier bestelle. Seine sanitären Anlagen habe er ja nicht für Wandervögel gebaut - die Sache war teuer genug - sondern für Gäste die auch etwas konsumierten. Der Sozialrichter folgte dieser Argumentation und somit
war der restliche Heimweg auf dem sich der tödliche Unfall ereignete noch ein Arbeitsunfall. Die
Witwe dankt.

Rente trotz klarem Verbotsschild

Noch überraschender mag ein Urteil klingen, dass eine Witwe mit dem Rechtsbeistand des VdK
vor dem Bundessozialgericht erstreiten konnte. Ihr Mann - ein Eisenbahner - hatte verschlafen und marschierte aus Zeitgründen über die Bahngleise; vorbei an jeder Menge Schildern "betreten der Anlagen strengstens verboten". Dabei übersah er einen Schnellzug und erlag seinen tödlichen Verletzungen.
Und jetzt raten Sie einmal: bekam die Frau eine höhere Witwenrente oder ging sie leer aus?
Um es kurz zu machen: die Eisenbahnergattin erhielt die Rente nach den Regelungen für Arbeitsunfälle. Begründung der Richter: der Mann habe ja den direkt möglichen Weg gewählt.
Die Moral von der Geschichte: sachkundige Beratung ist unverzichtbar. Und ohne die Rechtsanwälte in ihrer Berufsehre anzugreifen, die meisten kennen sich im Sozialrecht nicht aus.
Es wird an den Unis kaum behandelt , weil allein das Sozialgesetzbuch mehrere Tausend Seiten füllt. Deshalb sind die Berater des VdK so wichtig, weil sie sich praktisch nur mit diesem Thema befassen und notfalls offene Fragen untereinander besprechen können. Eine Mitgliedschaft im VdK kann Gold wert sein, oder um es weniger volkstümlich zu sagen, sich in Euro niederschlagen.

Karl Jörg Wohlhüter

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