In der Klinik

Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Noch im Herbst triumphierte ich wegen meiner robusten Gesundheit, war ich doch seit Jahren nicht mehr erkältet gewesen. Plötzlich bekam ich Hustenanfälle mit Schleimauswurf. Viele waren in dieser Zeit erkältet, jetzt also auch ich. Merkwürdig war nur, dass ich keinen Schnupfen bekam. Um so besser, dachte ich, in spätestens drei Wochen wäre der Spuk vorbei. Denkste! Am Neujahrstag hustete und spuckte ich noch immer.
Was konnte das sein, Krebs, Lungenentzündung, Tuberkulose? Da entdeckte ich in FOCUS-Online
den Artikel "COPD: 10 Fakten über das tödliche Lungenleiden, das jeder wissen sollte." Was tun? Die Arztpraxen waren in dieser Zeit fast alle geschlossen. Ein Lungenfacharzt, der als Vertreter noch offen hatte, bot mir einen Termin für März an. Aber vielleicht wäre ich da schon mulo (Gießener Manisch). Eine Bekannte riet mir, mich an die pneumologische Notaufnahme der Uniklinik zu wenden. So packte ich also zusammen, was man so für einen Kliniksaufenthalt braucht. Gerade wollte ich aufbrechen, da grätschte mir der Morbus Menière dazwischen. Diese Krankheit geht einher mit Schwindel, Schweißausbrüchen, Erbrechen und Hörverlust. Dem mich behandelnden Facharzt war es gelungen, mich mit dreimal täglich 12 mg Betahistin ein halbes Jahr lang beschwerdefrei zu halten.
In der Notaufnahme wurde ich wegen meines augenblicklichen Zustandes, ich torkelte wie volltrunken, nicht den Pneumologen anvertraut, wie ich eigentlich gewollt hatte, sondern den Kollegen von der HNO.
Als eine Ärztin kam um mich zu untersuchen, war der Anfall vorbei und ich wieder standfest. Wer hat das nicht auch schon erlebt, da klappert etwas am Auto, man fährt in die Werkstatt, und dem Mechaniker das vorzuführen, und - nichts! Hatte mein Körper etwa die letzten Kraftreserven mobilisiert, um nicht vor dieser hübschen jungen Dame als Schwächling zu erscheinen? Sie versuchte alle möglichen Tricks um mich ins Wanken zu bringen, damit sie daraus ihre Schlüsse ziehen konnte: Finger auf die Nasenspitze und schielen, schielen nach rechts oben, schielen nach links unten, schielen nach links oben, schielen nach rechts unten, mit aufgerissenen Augen durch eine Brille in grelles Licht schauen, pendeln nach links, pendeln nach rechts, auf den Strich gehen, nichts half, ich blieb standhaft wie Luther auf dem Reichstag zu Worms. Hätte sie mir eine Flasche Whisky eingeflößt, hätte sie sicher Erfolg gehabt, aber sie war erfahren genug um zu wissen, dass das zu einer Fehldiagnose geführt hätte.
Nun wurde für mich ein Bett gesucht. In der HNO war nichts mehr frei, und ich landete bei den Mund-Kiefer und Gesichtschirurgen. Nun ist mein Gesicht tatsächlich nicht makellos, eine Rosacea auf der Nase und braune Sonnenflecken auf der Stirn, da, wo, wie viele Leute fälschlicherweise glauben, die Wikinger Hörner gehabt hätten, das interessierte die Spezialisten bei der Visite nicht,
weil es da nichts zu schneiden gab, und das andere Gesicht wollten sie erst gar nicht sehen.
Nach einer Woche wurde ich entlassen. Eine Überweisung in die Pneumologie war ohne Schein nicht möglich, aber man hat mir einen Termin reserviert für den 10. April.
Als ich mich an diesem Tag an der Pforte meldete, wusste man von diesem Termin nichts. Trotzdem haben sie mich zur Station geschickt, aber auch dort war der Termin nicht bekannt. Es stellte sich schließlich heraus, dass ich für den 12. eingetragen war. Weil ich nun schon einmal da war, hat man mich gleich untersucht. Glücklicherweise war alles in Ordnung, ich hatte eine schlimme Bronchitis überstanden.

4 Kommentare

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Ich wusste gar nicht, dass ich diese Kurzgeschichte, die sich zum Jahreswechsel 2014/14 genau so ereignet hatte, bei WL veröffentlicht habe. Bei den Museumsuferfesten in Frankfurt habe ich bei der Literaturgesellschaft Hessen schon mehrmals vorgetragen.
Wer mir seine E-Mailadresse schickt, dem werde ich noch weitere meiner Gedichte und Kurzgeschichten zuschicken. karl.kroeck@gmx.de
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Sei froh, dass es so gekommen ist. Wer weiß was die alles mit dir angestellt hätten. Manchmal hat man einen Schutzengel, der es nicht immer leicht mit uns hat
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So ähnlich gehts mir im moment am 12 termin b pneumologen hoff das nix schlimmes rauskommtund es verschwindet
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Ja so kanns gehen,ich wurde auch mal per Krankenwagen !!! mit Verdacht auf Thrombose liegend ins KH geschafft.Nach endloser Wartezeit im bett auf zugigem Flur und Untersuchung durfte ich mich dann zu Fuß selbst anmelden gehen und wurde nach 3 Tagen entlassen.Befund ???
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