Der Streik ist nicht mehr die Ultima Ratio?

Der Streik ist nicht mehr die Ultima Ratio?
Der Streik ist nicht mehr die Ultima Ratio?Foto-Quelle: bigbug21 unter https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/

Sind wir auf dem besten Weg die englische Krankheit zu bekommen?
Was will ich damit sagen?
Es ist schon einige Zeit vergangen. Die Wirtschaft im Nachkriegsdeutschland brummte.
Im Gegensatz dazu lief es in England nicht so gut.
Das Streikrecht wurde schamlos mißbraucht ja geradezu pervertiert. Es wurde um den Arbeitsplatz des Heizers auf der E-Lok gestreikt. Und winzig kleine aber an sensiblen Stellen der Industrie und Verwaltung konzentrierte Gewerkschaften lösten sich bei den Streiks ab.
Auch bei uns gibt es ja den Fluglotsenverband, die Pilotenvereinigung andere und nun auch noch die Lokführergewerkschaft.
Die Letztgenannte unter deren machtversessen Vorsitzenden hat sich ja wohl auch als Spartenvertretung etabliert. Dies, obwohl die Eisenbahnergewerkschaft die Interessen der Bahnbeschäftigten seit langer Zeit vertreten hat und noch vertritt.
Wie jetzt zu erkennen war, ging der Letzte aber auch die vergangenen Streiks nicht nur um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Lokführer, nein es ging und geht darum, der Eisenbahnergewerkschaft ihre Mitglieder streitig zu machen. Sich Macht und Einfluss und Mitgliedsbeiträge auf Kosten der vielen Streikopfer zu verschaffen.
Die Streikopfer sind in erster Linie die normalen Fahrgäste, auf deren Buckel der Streit um Macht ausgetragen wird.
Vielleicht gibt es Morgen eine Gewerkschaft der Schaltstellenbeschäftigten der Stromversorger und Übermorgen die Gewerkschaft der Stellwerker, die dann auch die Lokführer zum Stehen bringen könnte.

Ein Rückblick:
Im Nachkriegsdeutschland gab es wenige Gewerkschafter, die trotz Widerstand das Naziregime überlebt hatten.
So Willi Bleicher, Otto Brenner, Hans Böckler und andere.
Sie waren sich einig, eine Zersplitterung der Kräfte wie vor der Nazizeit darf es nicht mehr geben.
Der Aufruf des von den Nazis ermordeten Gewerkschafters Wilhelm Leuschner
»Schaft die Einheit« war für diese Gewerkschafter der ersten Stunde nach 1945 Vermächtnis und Auftrag gleichermaßen.
Sie waren überzeugt davon, dass die Zersplitterung der Gewerkschaften in der Weimarer Republik eine Ursache für die Niederlage der Arbeiterbewegung in 1933 gewesen ist.
"Morgen werde ich gehängt, schafft die Einheit!"
So Wilhelm Leuschner einen Tag vor seiner Ermordung durch die Nazihenker.
Geschichtslose Gesellen wie der Vorsitzende der Lokomotivführergewerkschaft bewegen sich und damit die Gewerkschaften insgesamt, wie es zu befürchten ist, in die totale Zersplitterung und damit in die Machtlosigkeit.
Die Wirtschaft wird wie seinerzeit in England übermäßig geschwächt. Die Folgen haben immer nur die Arbeitnehmer zu tragen.
Als lebenslanger Gewerkschafter der heute zwar schon 84 Jahre zählt aber dennoch oder gerade deshalb kritisch das politische Umfeld beobachtet nehme ich mir das Recht
an Wilhelm Leuschner und sein Vermächtnis zu erinnern.
Wir haben doch nicht umsonst den Deutschen Gewerkschaftsbund gegründet.
Auch ich habe als Metaller meinen Anteil als Streikposten bei notwendigen Streiks geleistet.
Aber, und das ist anders als das, was sich heute bei uns abspielt. Streik war und ist immer die Ultima Ratio bei den Gewerkschaften gewesen. Rudolf Müller

4 Kommentare

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Ein interessanter, informativer Beitrag!
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Gewerkschaften?
Natürlich! Sie sind legitim, um die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten.

Streikrecht? Ist im GG festgeschrieben.

Einzelgewerkschaften?
Nutzt der Stärkung der (pekuniären) Intressen der Einzelnen. ( Ärzte in Marburg, Lokis, Flusis, Piloten usw)

Jede, auch die Zwerggewerkschaft, und besonders deren Führer müssen ihre Berechtigung beweisen. Das Werkzeug dazu ist der Streik.
[f]Perspektive: Viele Gewerkschaften ergeben per se viele Streiks. [/f]

Dienen viele Gewerkschaften dem Wohl der Allgemeinheit?
Ist das Wohl der Allgemeinheit über das Wohl einzelner zu stellen?
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Ich habe es nicht ganz so von der ernsten Seite genommen:

http://www.seniorbook.de/themen/kate...lzky-wochen
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