Wir müssen leider draußen bleiben - Kommunen und Verbände nicht zum Flüchtlingsgipfel eingeladen

Bundeskanzleramt
BundeskanzleramtFoto-Quelle: Wikipedia, CC BY 3.0
Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Kommentar zur Exklusivität des Flüchtlingsgipfels im Kanzleramt

"Wir müssen leider draußen bleiben!", das war ein Schild in den Metzgereien, wo die Hunde von ihren Frauchen draußen an einer Stange angeleint werden sollten. Der verlockend riechende Laden blieb für sie tabu. Leider ist das auch ein Bild, das sich beim momentanen Aushandeln der Bedingungen für Flüchtlinge in Europa aufdrängt. Neuerdings gilt dies auch für die Kommunen und Verbände in Deutschland, die als Gesprächspartner über die Situation der Flüchtlinge nicht zugelassen wurden.

Doch nicht nur Bund und Länder, sondern alle Menschen in Deutschlands sind mit den Tausenden Flüchtlingen, die zu uns kommen, befasst. Die Begegnung von Mensch zu Mensch findet am Ort der den Flüchtlingen dann zugewiesenen Aufenthaltsorten statt, also in den Kommunen. Doch weder die Kommunen, noch die vielen NIchtregierungsorganisationen, die sich vor Ort um Flüchtlinge kümmern, waren zum "Flüchtlingsgipfel" ins Kanzleramt geladen.

Flüchtlinge sind Menschen und viele werden bleiben


Dabei sind es doch die vielen Ehrenamtlichen in Vereinen, Helferkreisen, Nichtregierungsorganisationen, die die Arbeit vor Ort tun. Die Kommunen sorgen für die Infrastruktur und mühen sich, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten und für das Ankommen und die erste Unterbringung den Rahmen zu schaffen. Flüchtlinge sind, manchmal wird das angesichts der vielen Neuangekommenen beinahe vergessen, Menschen und haben Rechte. Einerseits geht es in der täglichen Flüchtlingsarbeit nach wie vor um die Möglichkeiten, die den Kommunen jeweils zugewiesenen Flüchtlingskontingente überhaupt unterzubringen. Aber inzwischen wird klar: In sehr vielen wird es kein vorübergehender Aufenthalt sein, sondern die Menschen werden bleiben. Das kann sicher nicht in Turn- und Gewerbehallen sein. Es muss Raum, zunehmend auch für Flüchtlingsfamilien, geschaffen werden. Die Betreuungsschlüssel sind ein Hohn, angesichts der Verhältnisse und traumatischen Erfahrungen, die diese Menschen ihre Heimatländer verlassen ließen. Es kommen auch viele unbegleitete Jugendliche, sogar Kinder. Die Flucht und Heimunterbringung von Mädchen und Frauen stellt ein besonderes Problem dar, da sie oft sexueller Gewalt ausgesetzt waren und ihr Martyrium manchmal noch nicht einmal in der Flüchtingsunterkunft vorbei ist.

Helfer in der ersten Not


Aber viele freiwillige Helferinnen und Helfer versorgen Flüchtlinge, bringen benötigte Kleidung und Gegenstände, geschenkte Fahrräder, manchmal auch Lebensmittelspenden in die Unterkünfte. Sie nehmen junge Männer mit zum Sport, spielen Spiele und geben umsonst Deutschunterrricht. Sie erklären den Alltag in einer Überflußgesellschaft, Gegenstände, Preise, Verhaltensweisen. Sie machen einen Alltag, der durch Unterbeschäftigung und mangelnde Möglichkeiten droht, in Frustration und auch Depression oder gar Aggressivität umzukippen, bunter und helfen beim nicht einfachen Start in die neue Welt. Und dann geht es um die Fragen eines Lebens hier: Wie ist das mit den Gesundheitskosten, wie ist es mit Kitabetreuung, mit den Schulen für die Kinder? Wo können die anerkannten Flüchtlinge Arbeit bekommen, wie eine gute Ausbildung? Wird eine Ausbildung, ein Studium hier überhaupt anerkannt oder bleibt nur der Putzjob?

Diese Akteure der Flüchtlingsbetreuung in Kommunen und Vereinen vom Gespräch über die Thematik auszuschließen, von den Flüchtlingen selbst ganz zu schweigen, ist eigentlich ein Unding. Es werden hier wohl wieder nur Fragen von Macht und Geld verhandelt, und das soll in kleinem Kreis geschehen. Eine Politik, die den Menschen so nahe kommt, kann nicht so im stillen Kanzleramt betrieben und dann den Beteiligten als fertig vorgesetzt werden. Die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen ist eine wichtige Aufgabe von uns allen als gesamter Gesellschaft, also muss auch von allen mit allen geredet werden. Top down-Politik kann keine Lösungen erbringen, die dann alle mittragen können. Deshalb ist es nicht nur verständlich, sondern auch notwendig, dass sowohl die Kommunen als auch die Nichtregierungsorganisationen protestiert haben gegen ihre eigene Nichteinladung. Sie müssen und sollten demnächst mit am Tisch sitzen.


Vergleichen Sie hierzu die Pressemitteilung der Diakonie
http://www.diakonie.de/diakonie-erwa...-16210.html
Auf den Seiten der Diakonie finden Sie viele Beiträge zur Situation der Flüchtlinge.

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren