Lesung in Gräfelfing: Das Versprechen der Menschlichkeit

Versprechen der Menschlichkeit
Versprechen der MenschlichkeitFoto-Quelle: GräV / WortSchatz

Die Philosophie befasst sich mit der Freiheit und der Unfreiheit des menschlichen Wollens. Alle haben sich dazu geäußert von Plato bis Fromme, ob das, was der Mensch will, er wirklich will, oder ob die Natur oder ob Gott ihm sagt, was er zu tun oder zu unterlassen habe. Der Ansatz von Hans-Herbert Holzamer ist ein radikal anderer - mit verblüffender Konsequenz. Dazu stellt er sich in einer Lesung mit Diskussion am 20. Mai 2015 um 20:00 Uhr in der Buchhandlung Wortschatz, Bahnhofstr. 95, 82166 Gräfelfing. Vorgestellt wird sein Buch: "Das Versprechen der Menschlichkeit - die neue Ethik für eine globale Welt."

Sein Ansatz ist, nicht darauf abzustellen, was einer tut oder nicht tun, sondern auf das Wissen davon, was er zu tun beabsichtigt. Denn jeder hat "im Bauch" oder "im Gefühl", was dem anderen Menschen zuträglich ist und was nicht.

Der Mensch in der Gruppe

Der Mensch, der den anderen quält, kommt oft nicht als einzelner daher, sondern in einer Gruppe. Und in dieser Gruppe funktioniert er, auch weil sie ihn schützt. Ihr überantwortet er die Rechtfertigung für sein Wollen, doch das Wissen bleibt bei ihm.
Den Gruppen-Aspekt vernachlässigt die Philosophie bislang. Und diese Vernachlässigung will Holzamer auszugleichen helfen mit der Frage: Welches Verhalten in organisierter Form ist unethisch? Und plötzlich tauchen neue Blickpunkt auf: Darf man Flüchtlinge ertrinken lassen? (Lampedusa) Wie ist der Umgang mit den italienischen Kriegsgefangenen zu bewerten (Zerrissene Leben), wie das Verhalten der deutschen Nachkriegsjustiz ( Richter ohne Sühne), welche Chance hätte im Kaiserreich ein ethisches Verhalten gehabt? (Ich, Bismarck). Das sind die Themen, die Holzamer in seinen bisherigen Romanen bearbeitet. Und darüber hinaus: Wie ist das Phänomen der Massenarbeitslosigkeit unter Europas Jugendlichen ethisch zu betrachten? Weiß derjenige, der ihnen das antut, was er ihnen antut? Es ist also kein theoretisches, sondern ein konkretes Thema- und spannend dazu.

Das ist dem Autor natürlich nicht so einfach eingefallen. Die Alliierten schufen nach dem Krieg den Tatbestand eines "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", in dem der Kernpunkt das Gruppenverhalten ist und in dem nicht mehr jedem einzelnen sein konkreter Tatbeitrag nachgewiesen werden muss. Die deutsche Justiz tat sich damit schwer, um es vorsichtig zu sagen. Vielleicht hat deswegen keiner dahinter die ethische Dimension gesehen, die Hans-Herbert Holzamer sieht und beschreibt.

Information
Lesung mit Diskussion am 20. Mai 2015 um 20:00 Uhr in der Buchhandlung Wortschatz, Bahnhofstr. 95, 82166 Gräfelfing. Vorgestellt wird das Buch: "Das Versprechen der Menschlichkeit - die neue Ethik für eine globale Welt."

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