Umgangston und Zivilisation

Umgangston und Zivilisation
Umgangston und Zivilisation

An einem Vormittag im Mai postete ein neues SB-Mitglied diese Statusmeldung als Eröffnung seines Buchs: „In freudiger Erwartung auf die Dinge die da kommen!“ Vier Minuten später kam die erste Antwort: das professionell gestaltete Foto eines Stinkefingers. Das veranlasste den Neuankömmling, die Frage des Niveaus auf SB im Rahmen einer Notiz am Schwarzen Brett zu veröffentlichen.

Die daraus entstandene Diskussion in den Kommentaren brachte zwei Hauptströmungen zutage: Die einen vermuteten hinter dem Neuankömmling, der ein Pseudonym führt, einen alten Bekannten, der schon vielfach unter ständig wechselnder Identität neu auftritt und daher diese rüde Begrüßung verdient hatte. Die anderen vertraten die Ansicht, dass ein einstündiger Aufenthalt in SB noch kein Urteil über das Niveau der Gemeinschaft erlaubt, was den Stinkefinger ebenfalls rechtfertigt. Was bei der Diskussion allerdings unter den Tisch fiel: Wie wollen wir eigentlich miteinander umgehen?

Um sich dieser Frage zu nähern, sollten wir die Situation einmal in die materielle Welt verlagern. Stellt euch vor, ihr seid Gast auf einer Party, oder einer Hochzeit, oder irgend eines anderen geselligen Beisammenseins. Nun betritt ein Neuankömmling den Raum und kommt mit euch ins Gespräch. Gleich zu Beginn lässt er sich darüber aus, wie niveaulos er die ganze Veranstaltung im Allgemeinen und die Anwesenden im Besonderen findet. Wie würdet ihr euch verhalten?

Auf den ersten Blick erscheint die Äußerung anmaßend, arrogant und unangemessen. Also, was tun? Werdet ihr eurem Gesprächpartner den Stinkefinger vors Gesicht halten? Oder werdet ihr eine andere Form der Ablehnung wählen? Werdet ihr vielleicht sagen: „Finde ich eigentlich nicht.“ Oder: „Das kann man doch jetzt noch nicht sagen.“ Oder: „Wie willst du das jetzt schon beurteilen?“

Wahrscheinlich werden wir auf den Stinkefinger verzichten und eine verbindlichere Form des Widerspruchs wählen. Und warum werden wir das tun? Weil wir alle zivilisierte Menschen sind, die wissen, was geht und was nicht geht.

Im Netz ist das anders. Aus der Sicherheit des geschützten Umfelds am Computer, weit weg vom Kontrahenten und in der sicheren Gewissheit, dass man vom Gesprächspartner nicht lokalisiert werden kann, fallen vielfach alle Hemmschwellen. Was im persönlichen Gespräch undenkbar wäre, wird in der Onlinekommunikation gelebte Praxis: Stinkefinger, Beschimpfungen, Beleidigungen, Verleumdungen - alles kein Problem. Im Netz verhalten wir uns vielfach nicht wie Kulturmenschen, sondern viel eher wie vorzivilisatorische Wilde, mit der virtuellen Keule in der Hand.

Was von Vertretern der rustikalen Umgangsformen oft zu hören ist: Man hat schon so viel Unerfreuliches im Netz erlebt, dass man an seinem rüden Umgangston allein zum Zweck des Selbstschutzes festhalten muss. Ich denke, diese Haltung basiert vielfach auf einer falschen Schlussfolgerung. Menschen, die gehäuft unter aggressiven Kommunikationsmustern leiden, verwechseln oftmals Ursache und Wirkung. Dieser Effekt lässt sich mit einem altbekannten Sprichwort beschreiben: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.“ Vielleicht sollte der/die eine oder andere einmal einen unvoreingenommenen Blick auf die eigene Kommunikationskultur werfen und hier an einigen Stellschrauben drehen.

Zum Thema Freundlichkeit gibt es zwei Leitstrategien: Strategie 1: Mit gebremster Freundlichkeit starten, die Gesprächspartner müssen sich mehr Freundlichkeit durch gutes Benehmen erst einmal verdienen. Strategie 2: Mit größtmöglicher Freundlichkeit starten, Gesprächspartnern, die sie nicht verdienen, kann man sie wieder entziehen. Wer häufig unter unerfreulichen Kommunikationserfahrungen zu leiden hat, sollte es mit Strategie 2 versuchen, und das nicht nur im Netz.

Der Grund für diesen Beitrag ist ein Vorschlag: Wollen wir versuchen, in SB eine bessere Kommunikationskultur zu fördern und zu pflegen? Alt genug dazu wären wir ja. Wollen wir versuchen, netter miteinander umzugehen? Im Prinzip wäre das ganz einfach. Nach dem Schreiben jedes Posts, aber vor dem Klick auf die Senden-Taste, sollten wir das Geschriebene noch einmal lesen und uns fragen: „Würde ich das der Person in der materiellen Welt auch so sagen?“ Wenn nicht, wäre das eine gute Gelegenheit, den Text neu abzufassen.

Freundlichkeit und Höflichkeit sind keine Zeichen von Schwäche, eher im Gegenteil. Einen Versuch ist es wert.

52 Kommentare

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Ich denke, der Unterschied zwischen der Unterhaltung hier und eine Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht ist der:
Im persönlichen Kontakt, wo es oft nur um Smalltalk geht, wendet man sich ab, wenn man spürt, dass man mit seinem Gegenüber nicht einig ist. Konfrontation, Ausdiskutieren der Gegensätze, deutliche Worte sind im Partygespräch nicht erwünscht. Es soll ja unterhaltsam und konfliktfrei zugehen.
Hier im SB kann man kontrovers diskutieren. Hier gehts - meiner Meinung nach - nicht um Smalltalk, also um Geschwätz zum Kontaktaufbau, zum Kennenlernen, zum "Gemeinschaft haben". Es geht hier ums Thema, was ist nun richtig, was ist falsch. Und wenn man da sehr weit auseinander ist, können schon einmal deutliche Worte fallen. Nicht zu Person, Beleidigungen sollten natürlich tabu sein. Aber zu Sache.

Wer z.B. hier öffentlich verkündet, er können zutreffende Horoskope erstellen und Gedanken auf Polaroid fotografieren der muss sich auch die Frage gefallen lassen, ob er schon mal in psychiatrischer Behandlung war. (Die Betreffende weiss schon, dass sie gemeint ist)
Da ist viel Wahres dran. Allerdings bin der Ansicht, dass man auch im kontroversen Gespräch gewaltfrei kommunizieren kann. (Ich bin im Nebenberuf Mediator und Kommunikationscoach). Da es auch hier in SB eine Menge Smalltalk gibt, der in aggressive Kampfrhetorik mündet, könnte man sich auch online einfach abwenden - indem man auf einen Post verzichtet.

Die wissenschaftliche Grundlage dazu ist das Harvard-Konzept (siehe gleichnamiges Buch), das Verhandlungstechniken und gewaltfreie Kommunikation zum Thema hat. Das grundsätzliche Motto lautet: "Sei weich zu den Menschen, aber hart in der Sache,"

Die Sache mit der Astrologie und Gedankenfotografie ist dazu ein gutes Beispiel. Auch ich glaube weder an das eine noch an das andere. Was aber, wenn ich mich - entgegen aller Wahrscheinlichkeit - irre? Vielleicht wäre es der bessere Gesprächsstil, den Gesprächspartner nicht der Psychiatrie anzudienen, sondern einfach nur die anders geartete Meinung zu verkünden, etwa so: "Also, ich habe größte Probleme damit, das als möglich anzusehen."

Wie schon gesagt: weich zu den Menschen, aber hart in der Sache.
Lieber Emil
Die erwähnte Frage nach der psychiatrischen Behandlung ist natürlich ein Extremfall. Niemals würde ich nach ein, zwei Beiträgen sowas schreiben. Im erwähnten Falle ging eine ausführliche, durchaus (anfangs) höfliche Diskussion voraus. Nachdem (meiner Meinung nach) alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen worden waren fühlte ich mich gedrängt, die Frage nach der psychiatrischen Behandlung zu stellen. Es ist ja klar, dass die Angesprochene das als Beleidigung verstand. Andrerseits: psychisch krank zu sein ist doch keine Schande. Und es würde in diesem Falle alle absurden Äusserungen der betreffenden Person erklären. Es war also kein persönlicher Angiff, sondern der Versuch, die Sache zu klären.
Menschen, die psychisch erkrankt sind und keine Behandlung erfahren, haben Defizite in der Alltagskompentenz. Sollten nun alle, die Dinge wahrnehmen, die andere nicht wahrnehmen, nur weil die wiederum (noch) nicht so weit sind oder sein wollen, psychiatrisch behandelt werden, würden die Krankenkassen sicher Alarm schlagen, weil sie diese Kosten nicht tragen könnten. Ich denke, es würde hier auch kein ICD-Code eingerichtet werden.
Volker, wenn eine anfangs höfliche Unterhaltung derart eskaliert, dass du dich schließlich extrem provoziert gefühlt hast, kann ich deinen Verweis auf die psychiatrische Behandlung gut nachfühlen. Allerdings bestätigst du selbst, das dir die darin enthaltene Beleidigung selbst bewusst war. Wenn du ehrlich bist: Du hast diese Bemerkung weniger deshalb gemacht, weil du wirklich glaubst, der Gesprächspartner sei psychisch gestört, sondern, um ihn irgendwie zu treffen. Vielleicht ist es in diesem Stadium einer eskalierten Unterhaltung besser, auf jede Beleidigung zu verzichten und die Kommunikation abzuschließen, etwa so: "Sorry, ich kann diese Unterhaltung nicht sinnvoll fortsetzen."
Lieber Emil,
tut mir leid, aber du kennst die ganzen Dialoge mit Volker B. nicht. wenn du die massenhaften Entgleisungen dieser betreffenden Person lesen würdest, käme dir meiner Meinung nach nie mehr der Gedanke, diesen deinen letzten Kommentar in dieser Form zu wiederholen,
ich denke sogar, daß dir obige Fehleinschätzung letztlich sehr peinlich wäre.
zu früheren Zeiten von SB wäre Volker B. längst aus der Plattform herausgeflogen.
Alfred, ich kann natürlich nur nach meinem Wissensstand urteilen. Wenn allerdings ein Mitglied derart unqualifiziert kommuniziert, sollte es eigentlich nicht zu "diesen ganzen Dialogen" kommen. Wer sich als Troll outet, kann nur mit einer einzigen Strategie in den Griff bekommen werden: mit Ignorieren. Das heißt: Kein einziger Post wird beantwortet, ganz egal, was drinsteht. Auch in dieser Diskussion ist ein solcher Fall enthalten. Schau einmal, wie kurz der ist. Wer auf seine Pöbeleien keine Reaktion erzielt, wird sich bald gelangweilt zurückziehen.

Eines sollte jedem bewusst sein: Trolle benehmen sich, wie sie es tun, weil sie beschimpft werden WOLLEN. Diesen Gefallen sollte man ihnen nicht tun.
Edith, ich kann dir gerne beschreiben, wie ich mich in einem solchen Fall verhalten würde, aber bitte bedenke, dass das meine persönliche Strategie wäre, die dir vielleicht nicht angenehm ist.

Das Verhalten, das du oben beschreibst, ist typisches Stalking, allerdings in Kombination mit Troll-Verhalten. Zum Umgang mit Trollen lies bitte meinen vorigen Kommentar an Alfred.

Mit jeder deiner oben beschriebenen Verhaltensweisen bedienst du im vollen Umfang die Erwartungen des Stalkers/Trolls. Egal, ob du ihn ermahnst, konstruktiv kritisiert, Vorschläge machst - du nimmst ihn zur Kenntnis, und das ist alles, was er will. Auf normalem Weg kann er die Anerkennung nicht erhalten, die er sich wünscht, also wählt er den Weg der Konfrontation und Provokation, damit er das Gefühl hat, wahrgenommen zu werden. Außerdem amüsiert er sich köstlich über die Aufregung, die er verursacht.

Das einzige, was ein Stalker/Troll nicht mag, ist, ignoriert zu werden. Wenn du auf keine seiner Posts reagierst - ganz so, als hätte er überhaupt nichts geschrieben - kann er nicht bekommen, was er sich wünscht, und wird sich über kurz oder lang zurückziehen.

Nicht fluchtartig den Raum zu verlassen, ist unbedingt der richtige Weg. Allerdings musst du die bittere Pille schlucken, dass es Menschen gibt, mit denen man nicht reden kann. Und, konsequenterweise, solltest du es dann auch nicht tun.
Nein Emil,

Ich habe die Frage nach der psychischen Störung NICHT gestellt um jemand zu treffen oder zu beleidigen. Aber es ist mir später klar geworden, dass gerade jemand, der psychisch gestört IST - und darunter leidet - eine solche Frage als Beleidigung verstehen muss. Eine heftige Reaktion auf die Frage nach einer Geisteskrankheit ist also eher ein Hinweis darauf, dass eine solche Erkrankung vorliegt.

Wenn mich jemand fragen würde, ob ich schon mal in psychiatrischer Behandlung war, dann würde ich ihm genauso antworten, wie wenn er gefragt hätte, ob man mir schon den Blinddarm herausoperiert hat, nämlich mit einem "Nein".
Ok, vielleicht kann das nicht jeder.

Meine Absicht ist war noch niemals, jemanden zu beleidigen. Warum sollte ich? Was hätte ich davon? Persönliche Angriffe sind ein Zeichen von Schwäche. Ich würde mir diese Blösse nicht geben und lieber aus der Diskussion aussteigen.

Ich wiederhole nochmal: falls jemand möchte, dass ich ihn/sie mal so richtig beleidige (damit mal klar wird was Beleidigungen sind) dann möchte er/sie das bitte sagen. Ich werde mir dann Mühe geben, einen Beitrag zu schreiben,der unsachlich ist und von persönlichen Angriffen nur so strotzt. Möglicherweise würde mir das auch mal Spass machen... Aber ich brauche dazu eine Erlaubnis des/der zu Beleidigenden. Sonst werden wieder Beiträge zwangsgelöscht.
Kopfkino, Volker! Es ist eine Frage der Interpretation. Selbst das Wörtchen 'nein' (ich bin nicht krank), kann man ruhig gesagt oder empört, abwehrend, lapidar, ängstlich, wütend oder sonst wie verstanden haben.
Wir haben es hier eindeutig mit einem Medium zu tun, dass nur und ausschließlich Inhalt, also ca. 7% von 100% Kommunikation wiedergibt. Sowohl die komplette nonverbale (ca. 55%), als auch der Rest der verbalen Kommuniktation, die Stimme, fehlt hier! Über die Stimme wird Stimmung wiedergegeben. Die Stimme selbst zu manipulieren ist eine relativ hohe Kunst, die auch nicht allzulange durchgehalten werden kann. ABer sie ist hier ja nicht anwesend. Deshalb ist dem Interpretieren Tür und Tor geöffnet.
Was also ist eine 'heftige' Reaktion?
Da Du vorzugsweise Schizophrenie 'diagnostizierst', darf ich Dich daran erinnern, dass sich hier immer eine Angst zeigt. Vor allem beim Hören von Stimmen. Der Patient schaut nicht nach, wer sich da unterhält, es sind 'Die', die sich da negativ äußern. Sollte es sich um eine einzelne Person handeln, die wahrgenommen wird, hat diese auch nichts gutes im Sinn.

Das Problem was ich sehe ist, dass Schizophrene keine Krankheitseinsicht zeigen. Damit kann selbstverständlich die Aussage 'ich bin gesund' hervorragend uminterpretiert werden.

Ich hatte einmal in Bezug auf, wenn auch gewollte, Gewalthandlungen innerhalb der Sexualität die Meinung geäußert, dass ich das für behandlungsbedürftig halte. Natürlich schwappte mir eine kleine Welle der Empörung von einigen wenigen Usern entgegen.

Man darf durchaus der Meinung sein, dass 'etwas' nicht stimmt. Doch ein genaues Lesen, ein noch genaueres Nachfragen und dann genaues Vergleichen mit Krankheitssymptomatik scheint mir einigermaßen legitim. Ferner gibst Du, Volker, sehr richtig an 'unter einer Störung LEIDET'. Ein Erkrankter leidet. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu jenen, die Dinge wahrnehmen können, nicht darunter leiden, sie in ihrem Leben gut integrieren und damit umgehen können. Sie nehmen weder selbst Schaden dadurch, noch fügen sie anderen Schaden zu.

Nix für ungut. Ich hoffe auf weiterhin konstruktive und durchaus fruchtbare Diskussionen. Man kann immer was dazulernen. Wir sollten uns alle dazu bereit erklären.

Das Leben ist schön, das Leben ist spannend!
Edith, deine Haltung, niemanden aufgeben zu wollen, ist beeindruckend. Meiner Ansicht nach gibt es da einen wichtigen Unterschied: In der Rolle des Lehrers einen aufsässigen oder anderweitig schwierigen Schüler nicht aufzugeben, ist gut und wichtig, denn der junge Mensch befindet sich noch in seiner geistigen und charakterlichen Entwicklung, wobei ihm kompetente und einfühlsame Führung weiterhilft. Ein erwachsender Mensch, der noch die gleichen Verhaltensmuster aufweist, hat seine Entwicklung bereits abgeschlossen, in welche Richtung auf immer. In der Regel sind hier die Instrumente des Lehrers nicht mehr wirksam. Dieser Mensch hat seine Entscheidung, wie und wer er sein will, bereits gefällt. So bitter es dir auch erscheinen mag: Hier ist nichts mehr zu machen.
Volker, ich glaube auch, dass es nicht deine Absicht ist, jemanden zu beleidigen. Allerdings tust du es dennoch, möglicherweise aus anderen Gründen. Entgegen deiner Meinung, dass sich nur ein tatsächlich psychisch gestörter Mensch von einer solchen Frage oder Behauptung beleidigt fühlen könnte, denke ich, dass sich auch ein nicht gestörter Mensch beleidigt fühlen darf, und das aus zwei Gründen:

Erstens: Du bist kein Psychiater, Psychoanalytiker oder Psychotherapeut, daher steht dir eine Bewertung in dieser Richtung nicht zu. Zweitens: Selbst wenn du einen begründeten Verdacht in dieser Richtung hättest, dürftest du diesen nicht öffentlich vor den Augen der anderen Diskussionsteilnehmer äußern, das ist eine Bloßstellung der schlimmsten Art.

Für die öffentliche Unterstellung einer geistigen Störung in Rahmen einer Diskussion gibt es nach meiner Erfahrung mehrere Gründe:

- Der Sprecher hat keine ausreichenden Argumente für seine Position.
- Der Sprecher fühlt sich unterbewusst dem Kontrahenten unterlegen.
- Der Sprecher möchte ein unbestimmtest Gefühl eigener Minderwertigkeit kompensieren.

Ich gehe davon aus, dass keiner der drei Gründe auf dich zutrifft. Du könntest aber bei deiner Rhetorik in dieser Richtung missverstanden werden, daher empfehle ich dir, dich mehr mit dem Gedanken der gewaltfreien Kommunikation zu befassen.
Lieber Emil,

Nehmen wir einmal folgendes an: ein SB-Teilnehmer berichtet, dass er vor seinem Fenster im dritten Stock eine Gestalt bemerkt hat. Bei näherem Hinsehen entpuppte sie sich an blau gekleideter, geflügelter Engel, der mit Gesten versuchte, ihm eine Botschaft zu übermitteln. Der Angesprochene verstand: der Engel warnte davor, heute ins Auto zu steigen weil ansonsten ein schlimmer Unfall passieren würde.

Lieber Emil, man muss doch in diesem Fall kein Psychiater sein um zu bemerken, dass besagter Teilnehmer an eine psychischen Störung leidet. Ein bisschen gesunder Menschenverstand reicht dafür schon aus. Weiter: ich bin zwar kein Psychiater, aber Allgemeinarzt mit psychotherapeutischer Ausbildung. Das macht die Sache allerdings nicht besser: der Angesprochene möchte seine psychische Störung ja nicht wahrhaben und er würde genauso, wenn nicht noch heftiger reagieren, wenn ich ein Psychiater wäre - er könnte die Vermutung ja nicht so leicht als Irrtum abtun.

Das Vermuten einer geistigen Störung wird als Angriff auf die Person missverstanden, als Bloßstellung, als Gewaltanwendung, wie du schreibst. Das ist es natürlich nicht. Psychisch Kranke sind Menschen, die zur Gesellschaft gehören wie andere, körperlich Erkrankte. Aber sie sind eben krank. Genauso wie jemand, der sich ein Bein gebrochen hat.

Wenn ich jemanden mit einem Gips am Bein sehe und ihn frage, ob er sein Bein gebrochen hat, ist das doch auch keine Beleidigung. Sehe ich aber jemand, der mit der Jungfrau Maria persönlich spricht und diese auch sehen kann, dann darf ich mit gleichem Recht fragen, ob der (meistens die) nicht geisteskrank ist. Das hat überhaupt nichts mit einem Angriff auf die Person zu tun.

Die drei Punkte, die du oben anführst, die mit dem "-", beinhalten Gründe für persönliche Angriffe, da gebe ich dir recht. Ich erfahre ja oft genug, dass SB-Teilnehmer auf meine Beiträge nur mit kurzen, beleidigenden Sätzen reagieren und ich spüre da auch bei den Schreibenden ein Gefühl der Ohnmacht und Wut, das sie irgendwie loswerden müssen.

Zusammengefasst: ich will niemanden beleidigen und bin recht vorsichtig mit meinen Formulierungen. Nach längerer Diskussion komme ich allerdings manchmal zur Vermutung, dass die vorgetragenen Ansichten auf psychische Störungen hindeuten. Und das schreibe ich dann auch. Mindestens frage ich danach. Ansonsten müsste die die Diskussion abbrechen, weil ich nicht mehr weiter weiß.
Edith,
Das Beispiel mit dem blauen Engel stammt von einer Person in meinem Bekanntenkreis, es ist nicht erfunden.
Du solltest nicht immer alles auf dich beziehen, Edith. Auch das ist.... du weisst schon.
Edith
Ich habe nichts auf dich übertragen. Du wurdest nicht angesprochen und warst auch nicht gemeint. Beruhige dich wieder, ich hab nichts gegen dich.
Peter,
Das war eine von diesen argumentfreien kurzen Beiträgen die nichts weiter wollen als zu beleidigen und zu provozieren. DAS finde ich niveaulos.
Wenn das so ist, warum schreibst du überhaupt noch? Wenns sowieso keinen Sinn hat?
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Ja, Emil.......ich will.
Das ist jetzt aber kein Heiratsantrag, oder??

Bezogen auf deinen letzten Satz im Beitrag...." ja, ich will".
Beim Rest sind wir uns weitgehendst eh' einig...

http://www.seniorbook.de/themen/kate...zten-monate.
War nur Spaß!
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Sehr guter Text! Trifft vieles auf den Punkt über dass ich mich hier auch regemässig wundere!

1. Nachtrag: Für mich hört es auf, wenn die Argumente "ad hominem" zielen, d.h. anstatt eines validen Gegenarguments wird dem Gegenüber irgendeine persönliche Unzulänglichkeit bescheinigt, die ihm die Urteilsfähigkeit abspricht, was aber gar keine inhaltliche Reaktion ist (klassischer "Idiot" oder "Vollpfosten").

2. Nachtrag: Wer nachlesen möchte...
http://de.wikipedia.org/wiki/Argumentum_ad_hominem
Genau darauf läuft es hinaus. In einem früheren Kommentar habe ich auf das Harvard-Konzept verwiesen, mit dem Motto: "Weich zu den Menschen, aber hart in der Sache." Wer auf eine Meinungsäußerung mit "Quatsch", Blödsinn", "Trottel", "Schwachsinn" oder ähnlichem reagiert, gibt diese nonverbale Botschaft ab: "Ich habe kein Gegenargument."
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.. die Geister, die SB rief wird es nun nicht mehr los ...
Die Geister, die SB rief, sind die gleichen Geister, die auch jedes andere soziale Netzwerk ruft, und - um mit einem Berliner Oberbürgermeister zu sprechen - das ist gut so. Ein gutes soziales Netzwerk spiegelt die Gesellschaft wieder, in die es eingebettet ist, mit allen positiven und negativen Auswirkungen.
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Ich verhalte mich in der virtuellen Welt genauso wie im normalen Leben ! Für mich ist das keine Frage. Ich habe eine bestimmte Wertevorstellung und so bin ich ........
Prima - wenn das Wertesystem beinhaltet, dass andere Menschen nicht beleidigt oder verletzt werden dürfen.
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Ich frage mich oft, warum man sich unendlich lang auf unfreundliche, sogar beleidigende Begegnungen im Netz einlässt. Die Tür nach draußen ist doch immer offen - und wenn mir's zu bunt wird, verlasse ich den Raum.
Da darf dann auch die letzte rüde Bemerkung unwidersprochen stehen bleiben - weil ich immer der Meinung bin: Jeder blamiert sich selbst so gut er eben kann.
Heidi, du hast Recht, man muss sich nicht endlos lange auf unerfreuliche Begegnungen einlassen und tut das in der Regel ja wohl auch nicht, wenn man nicht masochistisch veranlagt ist. Aber man kann um einen anderen Ton bitten, und darauf hinweisen, dass sich das für alle Seiten positiv auswirkt.
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Danke @Emil,

mir ist auch an einer besseren Kommunikationskultur im SB gelegen.

hier im SB hat jeder das Recht seine Meinung frei zu äußern und als solche auch von den restlichen SB-Mitgliedern so akzeptiert zu werden, auch wenn ich total anderer Meinung bin.

beim Kommentar schreiben sollte dann jede/jeder auch die "Meinungsform" wählen !!!!

wähle ich z.B. die Aussageform

"du bist ein Trottel",

so ist das keine Meinungsäußerung, sondern eine Behauptung,
ein Urteil und ein absolutes "NoGo", das mir überhaupt nicht zusteht !!!

wähle ich dagegen die Aussageform

"ich denke, du bist ein Trottel",

"ich bin der Meinung, du bist ein Trottel",

"ich habe den Eindruck, du bist ein Trottel".

so ist das legitim und ich bleibe bei mir.
... wobei noch die Definition offen bleibt, was ein Trottel eigentlich ist. Was der eine als trottelig empfindet, ist für den anderen sinnvoll, und umgekehrt. Ein Trottel ist man niemals im objektiven Sinn, sondern nur im Auge des Betrachters, da es eine allgemein gültige Definition eines Trottels nicht gibt.
sowieso !
Alfred
"wähle ich dagegen die Aussageform

"ich denke, du bist ein Trottel",

"ich bin der Meinung, du bist ein Trottel",

"ich habe den Eindruck, du bist ein Trottel".

so ist das legitim und ich bleibe bei mir."

Sorry, Alfred, da muss ich Dir widersprechen. Ich finde, das was Du als "Meinungsform" ncoh für legitim erklärrst, ist für mich genau so unhöflich wie die Tatsachenbehauptung "Du bist ein Trottel". Dadurch, dass ich den Satz einleite mit "ich denke, ich bin der Meinung, ich habe den Eindruch"...usw, wird die nachfolgende Behauptiung doch nicht entschärft. Der so Angesprochene wird sich genau so beleidigt fühlen. Man kann ja hemanden für einen Trottel halten, aber muss man es ihm denn unbedingt sagen? Es zu denken reicht doch. Man kann dann den Trottel doch einfach ertragen oder ihm aus dem Wege gehen, wie es einem gefällt. Dadurch, dass ich es ihm ins Gesicht sage, schaffe ich mir bestimmt keinen Freund, und guter Umgangston ist anders.
Hallo Friedhelm,

ich würde persönlich diese Form aus Gründen der Achtung und Wertschätzung meines Gegenübers nicht wählen.

der Kommentar ist eine sanfte Anspielung auf die sehr rüden Gepflogenheiten hier im SB wie z. B. die Entgleisungen deines Freudes Volker B. gegenüber seinen Mitkommentatoren, die nicht seine Einstellung teilten, in Form von

du bist schizophren,

du bist geisteskrank,

du halluzinierst usw. usw.

dabei macht es keinen Unterschied, ob du es denkst oder aussprichst.

an dieser Stelle muß ich schon meine Verwunderung darüber aussprechen, daß du bei Volkers Entgleisungen nicht interverniert und somit diese unterstützt hast.
Alfred
"die Entgleisungen deines Freudes Volker B."

Es ist schon merkwürdig, wie Du hier SB-ler, die ich kaum kenne, zu meinen "Freunden" machst. Es gibt zwar zwischen V. und mir in mancher Hinsicht Übereinstimmungen in naturwissenschaftlichen Fragen, aber das macht uns doch nicht zu Freunden. Dass ich die Art, wie er sich in seinen Kommentaren darstellte, auch nicht gut fand, habe ich an mehreren Stellen deutlich gemacht, allerdings ohne ihn persönlich anzugreifen. Es gab also lediglich gewisse Übereinstimmung in der Sache, aber ganz und gar nicht im Ton. Dieses habe ich auch E. gegenüber deutlich kenntlich gemacht. Also kann von Unterstützung keine Rede sein.
Du scheinst mir noch gram zu sein wegen meiner - zugegeben - zynischen Bemerkung, die aber gar nicht gegen Dich gerichtet war, wie ich schon an anderer Stelle erklärt habe.
Es müsste Dir eigentlich aufgefallen sein, dass ich mich seinerzeit bewusst aus dem Streit zwischen V. und E. ausgeklinkt habe, als mir der Umgangston nicht mehr zusagte.
Das ist genau was ich mit "ad hominem" meinte. Wenn ihr euch darüber streitet, welche Farbe die Mütze eines Gartenzwergs haben sollte (oder gar muss), hat die Feststellung "du bist schizophren" oder "ich halte dich für einen Trottel" so gar keinen argumentativen Wert, was die Farbe der Mützen von Gartenzwergen betrifft.

Stattdessen sagst du mit anderen Worten "ich kann mit dir nicht über die Farbe der Mützen von Gartenzwergen reden, da du zu dieser Diskussion (aus persönlichen Gründen) nicht in der Lage bist." Das behauptest du, bleibst uns den Beweis aber schuldig, da du zur Beurteilung nur die Diskussion über Gartenzwergmützenfarben anführen kannst, was wiederum nicht valide die Aussage stützt, dass irgendetwas mit der Persönlichkeit des Gesprächspartners nicht stimmt.

Kurzum, in der Diskussion ist es eine SCHWÄCHE aus dem eigentlichen Thema auszusteigen und jenseits der inhaltlichen Auseinandersetzung nach dem Lehrer zu schreien ("Herr Lehrer Herr Lehrer, mein Gesprächspartner ist blöd und kann gar nicht mit mir über Gartenzwergmützenfarben reden"). Die Kunst liegt hier klar darin, innerhalb der Inhaltlichen Diskussion zu überzeugen, anstatt ständig auf der Person des Gegenübers herumzureiten, obwohl dafür viel zu wenig Kenntnis vorhanden ist.
Jede Form des persönlichen Angriffs ist - nach den Regeln der gewaltfreien Kommunikation laut Harvard-Konzept - ein unerlaubter Übergriff, der zur Klärung des Diskussionsgegenstands nichts beiträgt. Zwei Beispiele:

"Du bist ein Trottel": Die Tatsache, dass ich das poste, sagt aus, dass ich das meine und ist daher gleichbedeutend mit "Ich denke, du bist ein Trottel." Die nonverbale Botschaft lautet: "Deine Meinungsäußerung nervt mich, aber ich habe kein Gegenargument."

"Du bist schizophren" (und gleichbedeutende): Wenn der Schreibende kein Psychotherapeut oder Psychoanalytiker ist, kann er diese Wertung nicht vornehmen. Ist er ein Angehöriger dieser Berufsgruppe, wird er sie ohne vorherige Analyse nicht vornehmen. Die Äußerung ist daher in jedem Fall ein unerlaubter Übergriff. Die nonverbale Botschaft lautet: "Ich habe kein Gegenargument, Außerdem fühle ich mich von diesem Gespräch überfordert."
Hallo Emil,
ich kenne die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg.
kennst du den Unterschied zur GfK nach Harvard-Konzept ?
Leider nein, da ich Rosenberg bisher nicht gelesen habe.
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Emil, das funktioniert so nicht. Die Leute hier sind ein Spiegelbild der Gesellschaft und die ist nun mal so wie sie ist. Es gibt die Sanften, die Aggressiven, die Besserwisser, die Religiösen, die Linken, die Rechten, die Liberalen und nicht zuletzt die Spinner.
Nimm es mit Humor und erfreue dich an den tollen Meinungen. Freundlichkeit nützt da wenig. Besser ist es, die rustikalen Umgangsformen bei solchen Typen noch zu steigern, indem deren Aussagen bestätigt und mit einer lächerlichen Frage ad absurdum geführt werden. Entweder werden sie noch aggressiver, oder sie schweigen. Und Du hattest deinen Spaß!
Prima Peter, dass du sogar vor Gericht damit Erfolg hattest. Emil glaubt wohl noch an das Gute im Menschen, was ihn ehrt, aber nicht realistisch ist.
Leider viele Ausnahmen.
Digger, deine grundsätzliche Anregung, Toleranz walten zu lassen, unterstreiche ich unumwunden. Aber es gibt auch noch einen anderen Aspekt: Wenn wir immer unwidersprochen hinnehmen würden, wie die Leute sind, würde sich die Gesellschaft nicht oder nur sehr langsam weiterentwickeln. Erst, wenn Menschen die Auswirkungen ihres eigenen Verhaltens zu spüren bekommen, können sie sich weiterentwickeln, und mit ihnen wir alle.
Nachtrag an Digger: Ja, ich glaube unbedingt an das Gute im Menschen. In einer Welt, in der es keine guten Menschen mehr gibt, möchte ich nicht leben. Die Tatsache, dass es viele böse Menschen gibt, schließt die Existenz des Guten ja nicht aus.
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Es heißt-du kannst die Menschen nicht ändern,aber du kannst dich ändern--das ist ein wahres Wort,wenn ich hier merke,daß mein Gegenüber auf Krawall aus ist,beende ich den Dialog,im Netz genau so wie im wahren Leben.Ich finde es ganz wichtig,daß man sich hier genau so beträgt,wie im wahren Leben,dann kann es wohl kaum zu Streitgesprächen kommen.Wenn ich bei Manchen lese,daß sie hier kämpfen müssen um ihr Recht,kann ich nur den Kopf schütteln,sind doch alles reife Menschen,da sollte es möglich sein ,sich gepflegt auszutauschen--müßte------------
So sehe ich das auch,aber man muß Anderen auch seine Meinung zugestehen,das ist wichtig für einen guten Austausch,nicht verbal auf Andere reinschlagen,nur ,um sich als Oberschlauer darzustellen.
So mache ich das hier auch generell--aber wenn Jemand vernünftig argumentiert,sage ich zu ihm auch--ich akzeptiere deine Meinung,behalte aber meine....was ist da so schlimm,Jedem das zu sagen-
Vielleicht stimmt es, dass man die Menschen nicht ändern kann (eine anti-humanistische Position), aber man kann sie spiegeln, das heißt, ihnen ihr Verhalten vor Augen führen und damit auch, was sie damit auslösen.
Bei Manchen ist Hopfen und Malz verloren--da hilft nur noch ignorieren--
ich habe es gelesen,es war heftig..tut mir echt leid,du bist doch immmer hier gut aufgetreten.lg
Mit der Sammlung vom Mike hast du Recht,er ist da sehr gewissenhaft..ich muß manchmal schmunzeln,wenn ich mir das mal ansehe,er ist eben so,der Mike......ich habe mit ihm keine Probleme------
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