Pfingsten 2015

Pfarrkirche in Lalling
Pfarrkirche in LallingFoto-Quelle: G. Zacher

Wer an Pfingsten zuletzt aufsteht wird als "Pfingstochse" verspottet

Brauchtum in Deggendorf und der näheren Umgebung - Die lange Stang kommt am Samstag heuer erstmals in die Grabkirche - Ochsenfleisch zum Mittagsessen


Deggendorf- Am Pfingstsonntag länger schlafen? Doch wer zuletzt aus den Betten
kriecht, der wird als "Pfingstochse" verspottet. Früher wurde im Obstdorf Lalling
ein solcher vermummter " Pfingstochse " von jungen Burschen auf einem kleinen gezierten Leiterwagen mit viel Geschrei durch die Ortsschaft gezogen, erzählte Kneippvorsitzender Gerard Zacher beim Kneippverein. Der Pfingstgottesdienst in der Pfarrkirche St.Stephanus
war ganz besonders feierlich, der Pfarrer zog im roten Orant und festlichen Orgelklängen
in die Pfarrkirche ein während der "Heilige Geist" in Form einer Taube von der Orgel (auf
einer Schnur) bis zum Altar schwebte. Während des Gottesdienstes wurde die Zeremonie
wiederholt: Allerdings schwebte diesmal vom "Heilig Geist -Loch" in der Mitte der Kirche
die Taube herab und es ergossen sich wunderschöne rote Pfingstrosenblätter auf die
Kirchenbesucher während diese sangen: "Komm heiliger Geist und erfülle die Herzen deiner
Gläubigen". Der Pfarrer setzte mit viel Weihrauch das Allerheiligste aus. Und alle fühlten
sich "erfüllt vom heiligen Geist". Und der Pfarrer predigte: "Als das Pfingsfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt. Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte und auf jedem ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab." Am Schluss des
Pfingstgottesdienst wurde feierlich der Wettersegen erteilt.

Es ist allgemein ein alter Brauch, dass an Pfingsten das Vieh wieder auf die Weide
getrieben wird, früher angeführt von dem besonders geschmückten Pfingstochsen. Dieser "geschmückte Pfingstochse" findet sich auch heute noch ein einigen gebräuchlichen Zitaten wie z..B. : »Er hat sich mal wieder herausgeputzt und geschmückt wie ein Pfingstochse.«, »Zu einem Bewerbungsgespräch sollte man nicht wie ein geschmückter Pfingstochse erscheinen.« Bis ins 19. Jahrhundert gab es auch den Brauch, den Pfingstochsen für das anschließende Pfingstessen zu schlachten. Im Lallinger Winkel war es zudem ganz früher
Brauch, an Pfingsten Ochsenfleisch zum Mittagsmahl zu servieren.
,

Bereits am Freitag haben die Deggendorfer um 3 Uhr die Fußwallfahrt nach
Altötting angetreten.Die Holzkirchener kommen mit ihrer „langen Stang“ am Pfingstsamstag bisher traditionell nach St.Martin, heuer wegen Renovierung von St. Martin allerdings
mitten in die Stadt, nämlich in die Grabkirche Peter und Paul. Die letzte Strecke wird die Kerze wieder aufrecht getragen.Die Pilger werden gegen 17.45 Uhr in der Grabkirche erwartet. Um 5 Uhr findet in der Grabkirche an Pfingsten ein Wallfahrergottesdienst statt, nach dem vom Stadtplatz aus weiter zum Bogenberg gezogen wird, wo die Pilger gegen 13.30Uhr empfangen werden.

Die Holzkirchener Kerzenwallfahrt gehört neben dem Engelmariesuchen in St. Englmar und dem Kötztinger Pfingstritt zu den großen brauchtümlichen Darstellungen der Pfingsttage in unserer Gegend.. Es ist eine Fußwallfahrt, die am Pfingstfreitag mit der "langen Stang" von Holzkirchen aus über 75 km zum Heiligtum auf den Bogenberg führt und dort am Pfingstsonntag endet. Sie wird schon seit über 500 Jahren durchgeführt. Die Kerze, ein von Wachs umwickelter, 13 m langer und ein Zentner schwerer Fichtenstamm, wird auf der Schulter, und an manchen Stellen stehend, von einem einzigen Mann alleine, getragen. Diese Kerzenträger achten darauf, dass die Kerze -wenn sich senkrecht getragen wird - nicht umfällt, denn sonst drohe - das wird immer wieder gesagt - ein Unheil.

Das Gelübde der Holzkirchener, der Muttergottes auf dem Bogenberg jedes Jahr ein Kerzenopfer zu bringen , geht weit zurück, sie haben es vor über 500 Jahren abgelegt und sie erfüllen es bis heute treu, es ist aus großer Not gemacht worden. Damals wütete der Borkenkäfer in den Wäldern rund um Holzkirchen und gefährdete mit dem Absterben der Wälder eine wichtige Existenzgrundlage der Bevölkerung. Sie versprachen jedes Jahr ein gerade gewachsener Fichtenstamm mit rotem Wachs zu umwickelt und in einer Dankwallfahrt der Muttergottes auf dem Bogenberg zu opfern. Die Plage verschwand bald darauf und das große Vertrauen der Holzkirchener in die Fürsprache der Gottesmutter wurde belohnt. Gerade jetzt wo die Wälder des Bayerischen Waldes wieder stark vom Borkenkäfer bedroht werden und vom Nationalpark diesbezüglich große Gefahren ausgehen, ist diese Wallfahrt wieder besonders aktuell.

Der Name Pfingsten leitet sich von dem griechischen Wort "pentekosté", der Fünfzigste, ab. Er entwickelte sich über den gotischen Ausdruck "paintekuste" und das mittelhochdeutsche Wort "pfingesten" zu der heutigen Bezeichnung. In ihrer ursprünglichen Bedeutung verweist sie auf den zeitlichen Abstand zu Ostern, den Abstand von 50 Tagen. Pfingsten folgt immer auch 10 Tage auf Christi Himmelfahrt. Mit Pfingsten endet die österliche Zeit. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der oft in Form einer weißen Taube (siehe Lukas 3,22) dargestellt wird. Im theologischen Sinne ist der Heilige Geist eine der drei Gestalten Gottes. Zusammen mit Gott, dem Vater, und Jesus Christus, dem Sohn, bildet er die "Trinitas Dei", die göttliche Dreifaltigkeit. Dies ist in einem Dogma aus dem Jahre 381 festgelegt.
Die Sendung des Heiligen Geistes an Pfingsten war -so das Neue Testament -der Ausgangspunkt für das missionarische Wirken der Jünger Jesu. Pfingsten wird als die Geburtsstunde der Kirche bezeichnet. Zu den kirchlichen Feiern gehört das Gebet um das Kommen des Heiligen Geistes in der Pfingstnovene. Zu den liturgischen Besonderheiten im feierlichen Gottesdienst der römisch-katholischen Liturgien gehört der Gesang der Pfingstsequenz: Veni, Sancte Spiritus (Komm, Heiliger Geist),

Um Pfingsten rankt sich vielerlei Brauchtum: Über 150 Jahre gibt es in St.Englmar die Englmari-Suche Im Jahre 1086 kam aus dem unteren Bayerischen Wald ein Eremit mit Namen Englmar, der in Passau Schüler eines armenischen Bischofs war. Nach dessen Tod wanderte Englmar donauaufwärts und erbaute sich eine kleine Einsiedlerzelle im Gebiet des Grafen von Bogen, an der höchsten Stelle des Bayerweges,der von Schwarzach über die Berge nach Viechtach hinunter führt. Um das Jahr 1100 ermordete ihn sein Gefährte aus Neid, wie es in der Lebensbeschreibung des Seligen heißt und verscharrte den Toten unter Reisig und Schnee. Um die Pfingstzeit des darauffolgenden Jahres fand ihn ein Priester namens Ruodpert. Der Tode wurde ins Tal hinunter gebracht und über dem Leichnam eine Kapelle errichtet. Das Leben des Seligen und sein plötzliches Ende blieb allzeit im Volke lebendig. Das "Englmarisuchen" wiederholt nun alljährlich jene Episode, in der der Priester den Toten auffindet und zu Tal bringen läßt. Tausende erleben jedes Jahr den farbenprächtigen Zug durch das Dorf hinauf zum Kapellenberg, wo nach der Auffindung der Skulptur des seligen Englmar der Pfarrer hoch über den Häusern des Ortes Feldmesse und Feldpredigt hält.

In Bad Kötzing gibt es an Pfingstmontag den Pfingstritt. Der Pfingstritt zu Bad Kötzting zählt zu den größten berittenen Bittprozessionen Europas und geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahre 1412 zurück. Im Dorfe Steinbühl, etwa sieben Kilometer von Bad Kötzting entfernt, lag ein Mann im Sterben und bat um die Sterbesakramente. Der Pfarrer sah sich aber außerstande, ohne Schutz dorthin zu gelangen. Deshalb gaben ihm die Kötztinger Burschen, auf seine Bitte hin, das Geleit. Nach glücklicher Rückkehr wurde gelobt den Ritt jedes Jahr zu wiederholen. So ist es geblieben. Alle Jahre am Pfingstmontag ziehen über 900 Reiter betend auf geschmückten Pferden und in alten Trachten hinaus durchs Zellertal nach Steinbühl. gz
Bild
In der Pfarrkirche "St.Stphanus" in Lalling
wird der Pfingstgottesdienst besonders festlich
gefeiert.
Foto: G.Zacher

Kommentare

Melden Sie sich jetzt mit Ihrem Nutzerkonto an, um Kommentare zu hinterlassen.

wize.life News per Push Benachrichtigung in Ihrem Browser aktivieren

Benachrichtigungen aktivieren