Die Sprache der Apparillo´s

Meine Apparillo´s
Meine Apparillo´sFoto-Quelle: H.M.Ka

Ach , was ein Apparillo ist?

Das ist nicht etwa eine Maschine, nee, auch kein Apparat. Das ist kein seelenloses Konglümerat einzelner Metall – oder Plastikteile, die, klug zusammengebaut, uns allenthalben , wo und wie auch immer, das Arbeiten erleichtern sollen. Also kein stumpfsinniges Arbeitsmonster. Nee!

Nein, ein Apparillo hat Seele. Tiefgründig, wie die russische.

Wie, Ihre Apparillos nicht? Dann besitzen Sie vielleicht noch keine, sondern arbeiten noch mit jenen ,einfach nur, Arbeitsgeräten zusammen.

Oder verstehen Sie noch kein Apparillisch! Das wird es sein! Ach, das lernt sich eigentlich ganz von allein.
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Bei mir hat das eines schönen , nein, eben keines schönen , Tages angefangen. Ich war wie gerädert nach einer durchwachten Nacht aufgestanden., hatte zum Frühstück brav meine Medizin geschluckt, aber die Schmerzen wollten sich diesmal nicht verabschieden

Nun ja, denn eben nicht. Dann t u was dagegen, und ich beschloss, Brot zu backen. Arbeit hat mir immer am Besten drüber weg geholfen, wenn es so richtig gezwickt und gezwackt hat. Seit den ersten Lähmungserscheinungen mit 18, liege ich mit meiner WS in ständigem, mehr oder weniger erfolgreichem, Clinch.

Brot backen also. Ich füttere den Apparat, ja, da noch Appara-t, mit allem, was ein Brot so braucht , drücke den Knopf und will die Küche verlassen, als ich stutze.

Wie bitte? Was? Nee, das glaube ich jetzt nicht!

„Auwa-auwa-auwa-auwa“ jammert es hinter mir. Ja, was? Da quetscht dieser Apparillo doch mit jeder Achsumdrehung dieses jämmerliche „Auwa“ heraus, als wollte er tröstend sagen, wie wohl einst die Mutter zum Kind: „Aua-aua, gell?“

Ich stehe vor ihm, denke heimlich, Kerlchen, wie recht du hast und ein Stoßseufzer entringt sich meiner Brust. Da macht er seine Umdrehungen in die andere Richtung und meint nun so obenhin:

„Ah wa, ah wa, ah wa...!“

Ach, was ! Recht haste, denke ich. Ach , was ! Und verlasse mit dem Bügelbrett unterm Arm die Küche.

Während ich so vor mich hin bügle, höre ich eine hübsche Melodie . Aha! Damit habe ich meinem Handy die Stimme und Erlaubnis gegeben, mich bei Anruf herbeizuholen. Und es holt.

Lass es rufen, denke ich, kann nichts Wichtiges um diese Zeit sein, gehe aber dann doch, denn es gibt einfach keine Ruhe. Macht ausgiebig Gebrauch von seinem „Stimmrecht“. Auch gut, finde ich ein paar Minuten später. Es war Sönne, meine Freundin, mit einem Wandervorschlag.

Dobel? Hornisgrinde? Das ist die Frage und wir sind am Überlegen, wohin.

Da höre ich es . Ich höre es schon die ganze Zeit. Mehr oder weniger. Je nach Interesse am Gesprächsverlauf. Und nachdem ich es eigentlich schon die ganze Zeit höre, klingt es inzwischen doch sehr schrill und aufsässig.

„Ja, willst du nicht mal endlich hierher kommen!!!!?“, scheint das zu heißen. Mit bereits , fast wörtlich genommen, glühendem Unterton. Es ist das Bügeleisen. Es schreit Zeter und Mord nach mir. Aber sowas von grell. Nein , d i e s e s Stimmrecht hat es nicht von mir bekommen. Damit kam es schon auf die Welt, geplant, was ja auch eigentlich ganz sinnvoll ist, aber mit s o l c h einer Stimme???!

„Miststückel! Bin ja schon da!" schelte ich, nehme es hoch und da gibt es auch schon Ruhe.

Aber kaum wieder in Gedanken und ins Bügeln vertieft, ein laaaang gezogener sehnsüchtiger Schrei, getoppt vom würzigen Duft frischgebackenen Brotes... und ich flitze.

Ich weiß nicht, wie lange mein Brotback-Aapparillo noch gejammert oder getröstet haben mag, jedenfalls hat er mich für diesen Morgen recht lieb in den Tag gebracht.

Seither haben wir einige Situationen und Gespräche mit einander durch gestanden. Und was er mir da manchmal so erzählt hat!! Meistens aber bestätigte er meine Meinung, konnte aber auch ganz rigoros ein“Nee..Nee..neeee..!“ dazu sagen..

Allerdings mein Drucker, ein etwas älterer, stoischer Herr, meint fast immer ganz lapidar, wenig geistreich: „Dann lass doch mal seh´n, lass doch mal seh´n, lass doch, lass doch, lass doch..!“ Oder auch nur: „Mist!..te..te..Mist!..te..te....!!“

Nun lebe ich seit 4Wochen hier in Griechenland . Durch Umzug , Auf – und Umräumen verhindert , denke ich zwar viel an meine Freunde in der Heimat, aber zum Briefeschreiben bin ich noch nicht gekommen und nicht alle haben Internet. Da muss schon der gute alte Füllfederhalter und ein hübsches Briefpapier herhalten. Aber so vieles andere ist erst noch von Nöten. Wir haben kein Brot mehr.

Brot backen also. Ich füttere den Apparillo. Mit allem eben, was ein gutes Brot so braucht, drücke den Knopf und will die Küche verlassen, als ich stutze.

Nein, eigentlich stutze ich nicht mehr. Weiß inzwischen bereits im Voraus, was er mir zu sagen hat. Meistens!

Aber heute....

„Sönne-Sönne...Sönne...Sönne...schreiben, schreiben , schreiben, schreiben. Los jetz,los jetzt, los, los, los!“ und dann noch eine Drehzahl höher, schneller,: „Wartet schon...wartet schon....wartet schon.“

Und ich, bereits in gleicher Art und Weise: „Weiß ich ja....weiß ich ja....weiß ich ja...“

Und ich denke: wenigstens e i n e r, der hier Deutsch mit mir spricht.......

Oder Apparillisch?

20 Kommentare

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So kann man die Welt auch mit Freuden betrachten. Meine Nähmaschinen hat ihren Fuß verloren,. Ich hab sie aber operiert. Wunderbar geschrieben Heide. So ähnlich werde ich meinen Silvesterbrief verfassen. Eine wunderbare Idee. Danke.
hallo Frau Doctor, wo geht's hier zur Nähmaschinen- und Läbbyambulanz. meinem Läbby fehlt ein Füßchen und meine Nähmaschine hustet. Schön hast du das gesagt, Babsy
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Sönne schreiben ist auch wirklich wichtig. Da hat der Apparillo recht.
Brigittel, wie recht du hast
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Danke!
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Heidilein, wir müssen Seelenverwandte sein. Ich habe so Apparillos und wie die mit mir reden und ich mit ihnen. Vor allem, wenn sie kurz davor sind, dahinzuscheiden. LG nach Drama!Evalein
so isses, Evalein...lach... sie oder du?... und was lernen wir daraus...mit rechtem Alter werden sogar seelenlose Dinge empfindsamer und liebenswerter
Ja, genau. Magst Du Deine schöne Geschichte nicht bei den 'Kurzgeschichten' verschlagworten? Da gehört sie unbedingt hin LG Eva
lach... Evalein, vielleicht kann ich ein bisschen schreiben, aber es dann zu vermarkten oder was draus zu machen, dazu bin ich schlichtweg zu doof, aber gib mir Mäusegitter, Papier,leim und Gips und ich mach dir was hübsches draus
Heidilein, ich habe doch vor Kurzem in den Themen die Kurzgeschichten für uns Schreiberlinge gegründet.Du musst nur noch in den Kästchen, wo Du beschreibst, was die Schlagworte deiner Geschichte sind, nur 'Kurzgeschichten' noch dazu einfügen.
dann mach ich das doch mal, und dann? hoffentlich kommt dann kein Springteufel hier herausgehupft
Och das wäre doch auch gar nicht so schlecht
eigentlich wahr, denn will kein Engel zum Ringkampf kommen, wird auch mit Teufeln vorliebgenommen
schicke ich trotzdem
werden dankend angenommen
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Danke!
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