Hans

Als ich ein kleiner Junge war, teilte ich mir ein Mansardenzimmer mit meinem jüngeren Bruder Hans. An jedem Tag, an dem meine Mutter mich zu Bett brachte, sprach sie mit mir ein Gebet.
„Ich bin klein mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein“, und Mama fügte ich hinzu.
Es kam die Zeit, in der das Bettchen von Hans leer blieb. Hans ertrank im Alter von vier Jahren in einem flachen Gartenteich.

Jeden Abend, nach dem Beten fragte ich:“Mama, bleibt sein Bettchen jetzt für immer leer?“
Jeden Abend, kullerten ihr zwei dicke Tränen über die Wangen, bis hinunter zu den Mundwinkeln. Manchmal, tropfte eine ihrer Tränen auf meinen Schlafanzug.

„Er ist für immer bei uns, schlafe jetzt schnell ein mein Schatz, morgen wollen wir Gelee Bananen kaufen“ , sagte Mama mit leiser Stimme.

Schnell schlief ich ein, in meinen Träumen erinnerte ich mich an die Zeit mit meinem Bruder, an die Zeit, als er ein Baby war, und ich ihm an jedem Morgen sein Fläschchen reichen durfte.

Immer wenn der Morgen kam, schaute das Dämmerlicht durch das trübe Fenster, mit traumverhangenen Augen, blickte ich in das Bettchen von Hans.
Ich rannte ins Badezimmer, schaute in den Spiegel, tastete an meine Wangen, ein Gefühl, als hätten seine kleinen Hände in der Nacht mein Gesicht berührt.

Auch nach mehr als fünfzig Jahren, lässt die Zeit das Geschehene nicht vergessen, in meinen Träumen begleitet er mich, mit seinen Berührungen.

18 Kommentare

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Lieber Peter,
eine traurige Geschichte.
Ich habe zwei Brüder durch (unverschuldete) Unfälle verloren.
Traumata, die man nie mehr los wird.
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Lieber Peter, ich glaube nur Menschen, die auf so tragische Weise ein liebes Familienmitglied verloren haben, können wirklich nachvollziehen was es für Deine Mutter, dich und die restliche Familie bedeutet hat.
Dass du nach so langer Zeit noch an deinen Bruder denkst, bedeutet aber auch, dass er in deinen Gedanken weiter leben darf und vielleicht ist das ein kleiner Trost.
lichen Gruß Ursula
Liebe Ursula,
das ist es auf jeden Fall
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Lieber Peter, das ist eine schöne, traurige Geschichte und auch noch wahr. Aber beim Niederschreiben kann man oft solche Dinge so gut aufarbeiten. Danke, dass Du uns daran teilhaben lässt. Liebe Grüße Eva
Liebe Eva,
ja sie ist wahr, manches Erlebte erschreckt mich auch heute noch. Danke Dir für's lesen! Liebe Grüße, Peter
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Das hast Du sehr liebevoll geschrieben Peter. Er wird immer bei Dir sein in Deinen Erinnerungen, die Dir Niemand nehmen kann!
Danke für´s lesen dürfen.
Sehr gerne, ich danke Dir für's lesen!
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Eine sehr traurige und anrührende Geschichte.
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Das hat mich jetzt sehr berührt .
Danke dafür
Ich danke Dir
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Dann ist und war er dir aber sehr nahe, Peter. Sei dankbar dafür.
Dss bin ich, liebe Barbara
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Ein sehr berührender Beitrag zu unserem Juni Thema.
Danke Marga
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Eine sehr anrührende Geschichte. Danke dafür!
Ich danke Dir Monika!
Sehr gerne, P.-P. !
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