Erfahrene Tiefe - Eine Trilogie (3. Teil)

Mainau, Bodensee
Mainau, BodenseeFoto-Quelle: ©P.Wenzel

So sehr und nachhaltig mich meine ganz persönlichen Erlebnisse des Tauchurlaubes auch beschäftigten, so sehr beschäftigte mich auch die Bedingung meiner Frau für den Urlaub im folgenden Jahr. Denn der, darauf bestand meine Frau, sollte kostengünstig quasi vor der Haustür stattfinden. Damit war es das absolute Gegenteil zur Tiefe des Tauchganges. Denn diesmal sollte es in die Höhe der Berge gehen. Natürlich hatte mein Frau kein großes Interesse einen Berg zu erklimmen, sie war mit der Gemütlichkeit auf einer Alm zufrieden. Ich wollte natürlich erneut meine Grenzen austesten und meldete mich frühzeitig für eine geführte leichte Bergtour an.
Schon früh am Morgen versammelte sich die kleine Truppe nicht weit von der Almhütte, die meiner Frau und mir als Feriendomizil diente. Unser Bergführer musterte noch die Ausrüstung. Einer musste hier bereits umgehen, denn unser Bergführer meinte Sandalen seien zwar sehr gemütlich, aber nicht wirklich geeignet, auch wenn es nur auf einen Berg von rund 1600 m gehen würde. Bevor es dann endlich losging, wurde noch die Ausrüstung und deren Handhabung geklärt. Dann wurden noch ein paar Seile unter den Teilnehmern verteilt, sonst hätte unser Bergführer vermutlich seinen Rucksack aufgrund des Gewichtes nicht mehr tragen können. Dann ging es los. Auf den Berg zu, der für uns Anfängern mit seiner Höhe schon recht bedrohlich wirkte. Bis die Seile erstmals zur Benutzung gelangten, hatten wir bereits mehr als die Hälfte der Höhe des Berges erklommen. Die Wand, etwa 50 m hoch, die nun überwunden werden musste, erschien mir als sehr steil. Unser Bergführer hin dessen versicherte, es sähe schlimmer aus als es sei. Und tatsächlich hatten wir bereits nach 20 Minuten diese 50 m hinter uns gelassen. Ein Blick nach unten lies diese 50 m noch viel Tiefer aussehen. Die Almhütte, die meine Unterkunft darstellte, erschien schon wie ein kleines Ausschmückungsstück einer Spielzeugeisenbahn.
Noch lagen etwa 250 m Höhenunterschied vor uns, die nicht unbedingt einladend aussahen. Aus einem angrenzenden Tal stieg dichter Nebel auf, der aufgrund der niedrigen Temperatur in der Luft zu kleinen Eiskristallen gefror, die wie tausende kleiner Sternchen in der Sonne glitzernden und flimmerten. Besonders die letzten Meter zum Gipfel forderten noch viel unserer Kräfte und unserer Ausdauer. Aber das sollte reich entlohnt werden.
Am Ziel angekommen, sorgte unser Bergführer dafür, dass es frischen heißen Kaffee und eine ordentliche Brotzeit gab. Wir Teilnehmer verbrachten die Zeit schweigend. Noch mussten wir erst unsere Kräfte wieder sammeln. Ich nutzte die Zeit, meine Blicke sowohl in die Ferne als auch in die Tiefe gleiten zu lassen. Der Blick über die Wolken weit ins Land fast ohne wirklich erkennbaren Horizont war schon beeindruckend. Aber was mich noch mehr beeindruckte, war der Blick in die Tiefe. Dort unten, wo auch die Almhütte lag, die nun einem Stecknadelkopf glich, wo alles so klein, fein und zerbrechlich wirkte, all das führte mich auch wieder in meine eigene Tiefe. Jetzt fiel mir plötzlich auf, dass auch diese Dinge die ich in mir fand, so unendlich weit weg erschienen. Dass sie so klein und zerbrechlich wirkten. Mir wurde auch bewusst, dass sie gar nicht so weit weg waren. Dort unten in der Tiefe, in dieser kleinen zerbrechlichen Welt, da lebe ich mitten drin. Was mir dort manchmal so unsagbar schwer fällt zu überschauen, von hier aus ging es mit einem Blick. So, wie ich in dieser kleinen zerbrechlichen Welt lebe, so lebe ich auch in meinem kleinem eigenem zerbrechlichem Innern.
Seit jener Begebenheiten liebe ich die Momente, in denen ich ganz in Ruhe in mir versinken kann. In denen ich meine eigene Tiefe leben und spüren darf. Und ich bin ganz sicher, dass sich mein Unterbewusstsein nicht täuschte und ich alles erreichen kann , was ich erreichen möchte. Ich darf nur nicht versuchen an der Oberfläche zu bleiben, sondern muss immer wieder den Mut haben, in die Tiefe zu steigen.

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3 Kommentare

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Schön , dass du diese Trilogie wieder eingestellt hast
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Gut beschrieben die Reisen und der Vergleich mit dem Unterbewußsein.
Auch ich liebe diese Momente, ich finde sie sehr entspannend und sind für mich auch ein Auftanken für die nächsten Reisen.
Danke Michi
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