Heute vor 200 Jahren - Besuch des Schlachtfeldes von Waterloo

Der Löwenhügel, Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei Waterloo
Der Löwenhügel, Denkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei Waterloo
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Eine Reise in den westlichen Teil Europas bringt die vielfältigsten Erlebnisse und Eindrücke, insbesondere wenn man kulturhistorisch oder geschichtlich interessiert ist. So führt in diesen Tagen die hundertste Wiederkehr der Schlacht bei Waterloo viele aus Politik und Gesellschaft, aber auch "Normalbürgerliche" nach Waterloo in Belgien südlich von Brüssel, wo am 18. Juni 1815 die letzte Schlacht gegen Napoleon Bonaparte stattfand, in der er seine letzte Niederlage hinnehmen mußte. Napoleon hatte bereits im Winter 1812 im Krieg gegen Rußland eine sehr empfindliche Niederlage hinnehmen müssen. Auf seinem Rückzug aus dem brennenden Moskau verlor er die Schlacht an der Beresina, wo er sein Heer verließ, um sich auf schnellstem Wege zurück nach Paris zu begeben. In den Jahren zwischen 1813 und 1815 fanden eine Reihe von "Freiheitskriegen" gegen Napoleon statt, an denen anfangs Rußland und Preußen und später auch Österreich, Großbritannien und Schweden teilnahmen. Im entscheidenden Feldzug von 1814 siegten die Verbündeten am 30.3.1814 vor Paris und Napoleon dankte am 6.4.1814 ab und wurde auf die Insel Elba im Mittelmeer verbannt. Der Friedensvertrag beendete den Krieg zwischen den Mächten der sechsten Koalition. Im Wiener Kongreß sollte eine dauerhafte europäische Nachkriegsordnung beschlossen werden. Noch während der Kongreß "tagte und tanzte" kehrte Napoleon jedoch nach Frankreich zurück, bemächtigte sich im März 1815 wieder der Herrschaft und stellte erneut ein Heer auf. Ihm gegenüber stand in Belgien ein britisch-deutsch-niederländisches Heer, dessen Befehlshaber General Arthur Wellesley Wellington war und ein preußisches Heer unter Feldmarschall Gerhard von Blücher. Nach anfänglichen Erfolgen am 16.6.1815 gegen die Preußen unter Blücher bei Ligny und gegen die Engländer bei Quatre Bras kam es am 18.6.1815 zur entscheidenden Schlacht gegen die Engländer bei Waterloo (oder Belle-Alliance), das damals zum Königreich der Vereinigten Niederlande gehörte und heute in Belgien liegt. Entgegen Napoleans Annahme wurden aber die geschlagenen preußischen Truppen durch Gneisenau, dem Stellvertreter des in der vorhergegangenen Schlacht verwundeten Blücher so geschickt "zurückgeführt", dass sie noch rechtzeitig dem sehr bedrängten Wellington zu Hilfe kommen konnten. Obwohl Wellingtons Heer durch die Kämpfe fast bis auf die Hälfte zusammengeschmolzen war, befahl er keinen Rückzug und vertraute auf Blüchers zugesagte "preußische" Hilfe. In der Überlieferung entstand so Wellingtons Spruch: "Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen". Das Eingreifen der Preußen entschied die Schlacht und der verfolgende Gneisenau vernichtete das französische Heer, das sich dann am 7.7.1815 zum zweiten Male ergab. Napoleon dankte endgültig am 22.6.1815 ab und wurde von den Engländern nach St. Helena im Atlantischen Ozean gebracht, wo er dann am 5. Mai 1821 starb. Die Redewendung: "Sein Waterloo erleben" ist als Synonym für eine Niederlage im Ausgang dieser Schlacht zu sehen.
Als Besucher des Schlachtfeldes von Waterloo ist man erst einmal enttäuscht, wie anscheinend wenig Hinweise auf diese bedeutende Schlacht von Waterloo zu sehen und zu finden sind. Nähert man sich dann dem Schlachtfeld, fällt einem der von König Wilhelm I. der Niederlande errichtete "Löwenhügel" auf, ein über 40 m hoher künstlicher Hügel, auf dessen Spitze sich ein kolossaler gusseiserner Löwe auf einem steinernen Sockel befindet. 226 Stufen führen hinauf. Von diesem Sockel aus hat man einen hervorragenden Rundblick auf das gesamte frühere Schlachtfeld.
Am Eingang zum Schlachtfeld befindet sich ein Museum mit riesigen Tafeln, die Auskunft geben über die zum Einsatz gekommenen Truppen und ihre Anführer und den Schlachtverlauf. In einem Kinosaal wird filmisch die Geschichte der "Schlacht von Waterloo" wiedergegeben. Außerdem werden Ausschnitte aus dem Film von Serguei Bondartchouk "Waterloo" gezeigt. Daneben befindet sich ein Rundbau, in dem den Besuchern in einem beeindruckenden 110 m langen Wandgemälde verschiedenen Kampf-Szenarien, teilweise in 3-D-Format gezeigt werden.
Im Ort Waterloo selbst befindet sich ein kleines fast unauffälliges Museum, das Wellington-Museum, in dem in verschiedenen Räumen Waffen, mili9tärische Gegenstände, Bilder und Gemälde sowie Hinweise auf die führenden Köpfe beider Seiten dieser Schlacht zu finden sind. Dieses Gebäude war die alte Post-Relaisstation, in der Wellington sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte und in dessen Räumen er nach der Schlacht seinen Bericht über den Sieg verfaßte.
Im Süden von Waterloo in Dernier verbrachte Napoleon mit seinem Generalstab die Nacht vom 17. auf den 18.6.1815. Von dort aus befahl er seinen Truppen den Angriff. Zwischen diesen beiden Orten liegen die Orte und Gehöfte, um die hart gerungen wurde und wo von beiden Seiten ein hoher Blutzoll geleistet wurde.
Zur Zeit kann man im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt eine Ausstellung über "Napoleon und Bayern" besuchen. Zwar war das damalige Königreich Bayern sowohl an der mitentscheidenden Schlacht gegen Napoleon, der "Völkerschlacht" bei Leipzig, in der Napoleon eine verheerende Niederlage erlitt, wie auch an der entscheidenden Schlacht gegen Napoleon bei Waterloo nicht beteiligt, dennoch verloren ca. 30.000 Bayern 1812 im verlustreichen Feldzug gegen Rußland ihr Leben. Das Bündnis mit Napoleon, dem Kaiser der Franzosen brachte Bayern die Königskrone, ein vergrößertes Terretorium, und die erste liberale Verfassung.

9 Kommentare

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Als einstige Geschichtelehrerin finde ich den Beitrag sehr interessant. Leider habe ich den Film mit dem russischen Feldzug gesehen und die Bilder der Tausenden erfrorenen Soldaten sind mir lange nicht aus dem Kopf gegangen.
Hallo Frau Klepper,
meinen Sie den Film 1812? Den habe ich mir auch angesehen, davor aber das Buch "1812" gelesen, ein Wälzer, 750 Seiten und man kann fast annehmen, das Buch war die Vorlage für den Film "1812", nichts für "zarte" Seiten, ein Buch, das nahezu ausschließlich aus handschriftlichen Dokumenten bzw. persönlichen Berichten wie Tagebucheintragungen der an diesem Feldzug teilnehmenden Soldaten besteht. Krieg ist grausam! Hätten die Nazis dieses Buch gelesen, sie hätten sich möglicherweise den Feldzug gegen Rußland reiflich überlegt. Geschichte wiederholt sich...
Mit freundlichen Grüßen
Hasko Winter
danke Herr Winter, gelesen habe ich den " Wälzer" nicht, aber der Film der hat ein Erlebnis aus meiner Vergangenheit wieder hervorgeholt-wäre fast erfroren-und seit damals ist mir Kälte ein Horror. aber mein Beruf und Hobby waren Geschichten aus der Geschichte. Gruß,Kunigunde Klepper
Aus wirklichem geschichtlichen Interesse und um mein Wissen um Napoleon "zu erweitern und abzurunden" habe ich gestern in Ingolstadt die phantastische Ausstellung "Napoleon und die Bayern" angeschaut. Ein einmaliger Besuch reicht nicht aus, um das alles zu verinnerlichen, zu begreifen und zu verstehen, was in diser umfangreichen Ausstellung angeobten wird. Vielleicht fahre ich noch einmal nach Ingolstadt, um noch einmal durch die Ausstellung zu gehen. Und wieder habe ich vieles gesehen, was mir nicht oder noch nicht bekannt war, es hat sich "gelohnt". Vor allem fand ich mich wieder im Jahre 1812 und dem Film und Buch mit gleichem Titel. Ich hoffe sehr, dass uns bei der derzeitigen politischen Lage mit Rußland und der Ukraine alles das erspart bleibt, was wir im "kalten Krieg" erleben mußten. Mein Sohn befindet sich im Kosovow um dort zu schlichten und um dort für Sicherheit zu sorgen. Aber, ein Funken reicht und die Welt brennt wieder. Wollen wir das, brauchen wir das erneut, müssen wir das alles wirklich erneut erleben?
Seien Sie gegrüßt!
nein, brauchen wir nicht und ich hoffe doch sehr, dass keiner den "Knopf" drückt. Wenn man von Landshut nach Regensburg fährt , ist ein Schlachtfeld aus der Zeit Napoleons zu sehen. Aber Z.Z. erfreue ich mich an meinen Enkelkindern.Ihr Profilfoto zeigt dass sie auch ein lieber Opa sind. Morgen geht es nach New York zu den Enkelkinder. Fondly, Kunigunde
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Danke für diesen Beitrag, ich kenne mich auch ein bisschen über Napoleon aus und freue mich, dass ich damit nicht ganz allein bin. In meinem Bekanntenkreis bin ich damit ich immer ziemlich allein.
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Hallo Hasko, es scheint dass Du Dich mit dem Thema sehr gut auskennst. In dem Gebiet kenne ich mich gar nicht aus, finde es aber interessant.
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@ Hasko
"die hundertste Wiederkehr der Schlacht bei Waterloo"

Da ist Dir doch im einleitenden Abschnitt ein kleiner Rechenfehler unterlaufen. Man kann ihn sicher noch korrigieren.
... peilich, peinlich ...
Wem wird das noch auffallen? Andererseits: Ich freu mich, wenn mein Beitrag gelesen wird....
Vielen Dank für den Hinweis, ich bin jetzt "gewappnet"!
Herzlichen Gruß
Hasko
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