Klingelnde Kassen bei den Schlüsseldiensten

Klingelnde Kassen bei den Schlüsseldiensten

Sozialverband VdK Bayern e.V.

Vorsicht Abzocke: Betroffene werden häufig unter Druck gesetzt und sollen im Notfall horrende Beträge zahlen


Elfriede M. geht vor dem Schlafengehen noch einmal mit ihrem Hund Gassi. Der Vierbeiner reißt freudig an der Leine und stürmt los. Erst jetzt merkt die Dame, dass sie den Schlüssel in der Wohnung vergessen hat. Doch zu spät, die Tür ist bereits ins Schloss gefallen. In ihrer Verzweiflung ruft sie einen Schlüsselnotdienst an. Doch Vorsicht: Viele Dienstleister verlangen selbst bei geringem Aufwand hohe Summen.

Wer sich ausgesperrt hat, muss meist die Hilfe eines Fachmanns in Anspruch nehmen. Doch der Besuch vom Schlüsseldienst kann sehr teuer werden. "Beträge zwischen 500 und 1000 Euro sind keine ­Seltenheit", weiß Sylvia Scheibenberger, Beraterin Bauen, Wohnen, Energie bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wir erleben es immer wieder, dass Verbraucher hinterher feststellen müssen, dass es für sie billiger gewesen wäre, wenn sie in einem Hotel übernachtet oder die eigene Wohnungstür aufgebrochen beziehungsweise ein Fenster eingeschlagen hätten." Sie erklärt, worauf im Notfall zu achten ist und woran Betroffene ein unseriöses Unternehmen erkennen.
Bei der Suche nach einem Schlüsseldienst-Anbieter in der Umgebung ist es naheliegend, in einem Branchenbuch zu blättern. "Dort inserieren aber auch Firmen, die gar nicht ortsansässig sind“, sagt die Expertin. Die Folge: Die lange Anfahrtszeit wird möglicherweise in den Preis mit einberechnet. Dies lasse sich verhindern, indem man bereits beim Anruf nachfragt, von wo aus der Fachmann losfährt und mit welcher Wartezeit voraussichtlich zu rechnen ist. "Man sollte deutlich sagen, dass man nur die kürzeste Anfahrt akzeptiert", rät Scheibenberger.

Situation genau beschreiben

Wer auf der sicheren Seite sein möchte, klärt bereits bei der Kontaktaufnahme die Höhe der Kosten für Anfahrt und Geräteeinsatz, Stundenlohn und Sonderzuschläge ab. Zudem sei es wichtig, die Situation am Telefon genau zu beschreiben. Ist der Schlüssel abgebrochen, oder steckt er von innen im Schloss? Und handelt es sich etwa um ein Sicherheitsschloss mit Schließzylinder? Anhand der Informationen lassen sich Aufwand und Kosten vorher einschätzen. "Manche Firmen behaupten trotzdem, sie könnten erst vor Ort sehen, wie umfangreich der Einsatz sein wird. Das sollte einen hellhörig machen", warnt die Expertin.

Häufig kann sich der Monteur mit einem schnellen Handgriff den Zutritt zur Wohnung verschaffen. "Eine nicht abgeschlossene Tür lässt sich normalerweise leicht, sekundenschnell und ohne Spezialwerkzeug öffnen", sagt die Beraterin. Nur Geräte, die notwendigerweise zum Einsatz gekommen sind, dürfen berechnet werden. Und: "Sollte der Handwerker den Auftrag nicht erfolgreich erledigen, ist man auch nicht zahlungspflichtig."

Der Dienstleister ist berechtigt, Aufschläge für die Arbeitszeit zu verlangen, wenn der Auftrag außerhalb der üblichen Geschäftszeiten eingeht, etwa am Wochenende oder nachts. "Doch hier liegt die Grenze bei maximal 50 Prozent. Wenn vom Kunden ein höherer Aufschlag verlangt wird, stimmt etwas nicht."

Nur gegen Rechnung zahlen

Beim Bezahlen lohnt es sich, einen kühlen Kopf zu bewahren. Doch das ist gar nicht so leicht. Sylvia Scheibenberger kennt die unlauteren Methoden der Schlüsseldienst-Abzocker: "Sie machen gerne Druck und bitten einen sofort zur Kasse. Wer die Summe nicht bar parat hat, wird aufgefordert, stattdessen per Karte zu zahlen." Manche tragen sogar ein Kartenlesegerät bei sich, erzählt die Expertin. "Andernfalls drängt der Monteur da­rauf, zum nächsten Bankautomaten zu fahren." Wer nicht folgt, wird bisweilen schikaniert: "Es kommt vor, dass der Handwerker die geöffnete Tür wieder zuschlägt, wenn der Auftraggeber nicht zahlt." Das muss sich niemand gefallen lassen, betont Scheibenberger: "In so einem Fall kann man sich ruhig Verstärkung durch die Polizei holen." Vorsicht ist auch beim Arbeitsbericht geboten. Er ist oft unübersichtlich und für Laien schwer nachvollziehbar. "Keinesfalls den Arbeitsbericht unterzeichnen", appelliert Scheibenberger. Denn mit seiner Unterschrift legitimiert der Kunde überhöhte Rechnungen. Daher sollte beim Arbeitsbericht nur die Anwesenheitszeit des Monteurs bestätigt werden.

"Eine zweifelhafte Rechnung niemals sofort und in vollem Umfang bezahlen", rät die Spezialistin. Sie weist darauf hin, dass jeder das Recht habe, auf eine Rechnung zu bestehen. Diese kann dann in Ruhe noch einmal überprüft werden. "Sollten Zweifel an den in Rechnung gestellten Beträgen bestehen, überweisen Sie nur einen angemessenen Teilbetrag der Gesamtsumme", empfiehlt die Expertin.

Am besten ist es, gut für den Notfall vorbereitet zu sein. Einen Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson in der Nachbarschaft zu deponieren, ist beispielsweise ratsam. Zudem kann man im Vorfeld einen seriösen 24-Stunden-Notdienst in der Umgebung ausmachen, die Nummer aufschreiben und stets griffbereit haben, etwa als Notiz im Portemonnaie. Für einen ortsüblichen Preisvergleich geben die Handwerkskammern sowie Innungsmeister Auskunft. (Elisabeth Antritter)

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