Das "Lied der Deutschen?" meins ist es nie gewesen!

Flagge am Bundestag
Flagge am BundestagFoto-Quelle: Ralf Roletschek / www.fahrradmonteur.de

Deutschlandlied!


Komponist: Franz Josef Haydn (1732-1809)
Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

1. Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt,
wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält.
Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt -
Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!

2. Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang,
sollen in der Welt behalten ihren alten schönen Klang,
uns zu edler Tat begeistern unser ganzes Leben lang -
Deutsche Frauen, deutsche Treue, deutscher Wein und deutscher Sang!

3. Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland,
danach lasst uns alle streben brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand -
Blüh´ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland!


DieNationalhymne

1. Die wechselvolle Geschichte des Deutschlandliedes
Eine Hymne ist ein feierlicher Gesang. Eine Nationalhymne hatte früher vor allem den herrschenden Regenten zu feiern - zumindest im 18. Jahrhundert, als die ersten Nationalhymnen in Mode kamen. Später etablierten sich die meisten der heute noch gültigen Hymnen im Gefolge von revolutionärem Aufruhr oder nationaler Freiheitsschlachten, so in Frankreich, Polen und den USA. Entsprechend groß blieb ihre Symbolkraft für die Bewohner ihrer Staaten. Mithin stehen die populären Festgesänge bis heute für eine ungebrochene, selbstbewusste Nationaltradition.

Anders im Deutschland nach Ende des letzten Weltkrieges: So verzichtete das Grundgesetz der Bundesrepublik 1949 auf die Festlegung einer Nationalhymne. Obgleich bei seiner Entstehung ganz anders gemeint, hätten Textstellen des bis dahin gültigen Deutschlandliedes, die ein "Deutschland über alles" - zumal zwischen Maas, Memel, Etsch und Belt - beschworen, nicht länger in eine deutsche Nationalhymne hineingepasst.

2. Zur Entstehung des Textes und der Melodie
Textdichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) war Literaturprofessor. Als radikaler Demokrat und Anhänger der sogenannten "Freisinnigen", einer Vorgängerbewegung des Liberalismus in Deutschland, verlor er später vor allem aufgrund seiner Äußerungen in den "Unpolitischen Liedern" 1842 seine Professur für Literatur- und Sprachwissenschaft an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau.

Das "Lied der Deutschen" dichtete er während eines Sommerurlaubs auf der damals zu England gehörenden Insel Helgoland im August 1841. Nur wenig später, am 4. September, veröffentlichte der Verleger Friedrich Campe in Hamburg den Erstdruck. Die Melodie war Joseph Haydns: "Gott erhalte Franz den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz!" entlehnt. Folglich geht auch die deutsche Nationalhymne hinsichtlich ihrer Melodie auf die Lobpreisung eines Monarchen zurück. Haydn (1732-1809) hatte die Weise 1796 komponiert.

Am 12. Februar 1797 wurde das Lied zum Geburtstag des österreichischen Regenten Franz II.
als "Kaiserhymne" erstmals aufgeführt. Später hat Haydn die Melodie der "Kaiserhymne" im 2. Satz (Variationssatz) des Streichquartetts op. 76,3 weiter verarbeitet. Dieses Quartett wurde in Anlehnung an die Melodie unter dem Namen "Kaiserquartett" bekannt. Hoffmann von Fallersleben zielte mit seinem Text auf die seinerzeit als Utopie anmutende Einheit einer deutschen Nation. Denn das Gebiet, in dem weitgehend deutsch gesprochen wurde, bestand seit 1815 aus insgesamt 39 Einzelstaaten (ein Kaiserreich, fünf Königreiche, ein Kurfürstentum, sieben Großherzogtümer, zehn Herzogtümer, elf Fürstentümer und vier reichsfreie Städte), die sich auf dem Wiener Kongress im Deutschen Bund zusammengeschlossen hatten. Es gab kein gemeinsames Staatsoberhaupt, keine einheitliche Verwaltung und Gesetzgebung, keine Wirtschafts- und Zolleinheit und kein einheitliches
Heerwesen. Vor allem kritische Intellektuelle forderten deshalb öffentlich die Überwindung von
Kleinstaaterei und fürstlicher Landesherrlichkeit und die Gründung eines deutschen Nationalstaats.
Das Lied ertönte am 5. Oktober 1841 erstmals öffentlich anlässlich eines Fackelzuges in Hamburg

3. Das Lied der Deutschen auf dem Weg zur Nationalhymne
Dennoch dauerte es noch bis zur Bismarckschen Reichsgründung 1871, dass "Deutschland, Deutschland über alles" wirklich eine volkstümliche Breite erreichte. Nur zur Nationalhymne reichte es noch nicht. Die "Wacht am Rhein" wurde nun abgelöst durch "Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands!". Überdies fehlte es schon in jenen Jahren nicht an Kritikern, denen die erste Strophe zu weit ging. Denn die Maas (frz. Meuse) floss damals schon zu einem Großteil durch Frankreich bzw. Belgien und die Etsch (ital. Adige) in Italien.

Der Belt gehört zu Dänemark, die Memel ist heute ein litauischer Fluss. Erstmals offiziell gesungen wurde das Deutschlandlied 1890, als Helgoland im Tausch gegen die afrikanische Insel Sansibar wieder zu Deutschland gehörte. Am 11. August 1922, genau 81 Jahre nach seiner Entstehung, erhob die erste sozialdemokratische Regierung das "Lied der Deutschen" zur Nationalhymne. Allerdings
wurde das Wort Nationalhymne dabei nicht verwendet. Reichspräsident Friedrich Ebert begründete dies auf einer Festansprache so: "Einigkeit und Recht und Freiheit! Dieser Dreiklang aus dem Liede des Dichters gab in Zeiten innerer Zersplitterung und Unterdrückung der Sehnsucht aller Deutschen Ausdruck; es soll auch jetzt unseren harten Weg zu einer besseren Zukunft begleiten..." Kurzzeitig bekam das Lied in der Weimarer Zeit sogar eine vierte Strophe, die bald aber wieder in Vergessen geriet.

Gleichwohl muss es wohl als bittere Ironie der Geschichte wirken, dass damit gerade Sozialdemokraten Hitler die Staatshymne samt deren verhängnisvoll missbrauchter erster Strophe lieferten. Nur wenige Wochen nach ihrer Machtübernahme verschmolz die NSFührung diese mit einem Kampfgesang der SA. Fortan erklang nach der ersten Strophe des Deutschlandliedes (die beiden anderen waren nun verboten) offiziell das Horst-Wessel-Lied.

Mit dem Untergang des Reiches geriet somit auch das Deutschlandlied auf den Index. Die Alliierten setzten seinen Gesang unter Strafe. Illegal erklang es erstmals wieder 1948 auf einer Kundgebung der Deutschen Reichspartei in Wolfsburg. Offenbar hatten Politiker wie Besatzer in dieser Frage das Beharrungsbedürfnis der Deutschen unterschätzt, wie der erste Bundespräsident Theodor Heuss später einmal gestand. Deshalb beantragten Abgeordnete mehrerer Partein auch schon kurz nach Gründung der Bundesrepublik, wieder alle drei Strophen zur Nationalhymne zu erklären.

Heuss hingegen wollte den demokratischen Neuanfang auch mit einer neuen Hymne sichtbar machen. So ersetzte er zunächst im August 1950 das Deutschlandlied durch die Melodie "Ich hab' mich ergeben". Zugleich beauftragte er den Dichter Rudolf Alexander Schröder und den Komponisten Carl Orff, den Deutschen eine neue Hymne zu schreiben. Da Orff ablehnte, sprang Herman Reutter ein und schuf die neue Nationalhymne "Land des Glaubens, deutsches Land". Silvester 1950 wurde sie uraufgeführt. Doch die Resonanz im Volke blieb aus, das Werk kam nicht an. Mehr noch: In einer Umfrage sprachen sich im Herbst 1951 drei von vier Westdeutschen für Beibehaltung des Deutschlandliedes aus. Knapp ein Drittel der Befürworter plädierte zudem dafür, künftig die dritte anstelle der ersten Strophe zu singen. Dennoch galt noch das Verbot der Alliierten für das ganze Deutschlandlied.

Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte das bereits im April zu spüren bekommen, als er im Parlament demonstrativ die alte Hymne anstimmte - und prompt einen politischen Eklat verursachte. Selbst noch, als ein Großteil der ergriffen mitsingenden Abgeordneten bei der dritten Strophe ankam, zuckten die anwesenden Hohen Kommissare der Siegermächte verärgert zusammen. Zu sehr schwangen für andere Völker in dieser Melodie Rassenwahn und Weltmachtgelüste der Nationalsozialisten mit. Auf einer Feier zu seinem 75. Geburtstag versuchte Adenauer jedoch Anfang 1951 die Umstehenden auf der Freitreppe des Bonner Rathauses zu bewegen, mit ihm die dritte Strophe zu intonieren. Noch machte ihm die Kapelle einen Strich durch die Rechnung - die Althymne stand halt nicht auf ihrem Programm.

Trotzdem setzte sich der Kanzler letztlich durch. So beschloss der Karlsruher CDU-Parteitag im Oktober 1951 einstimmig, Bundespräsident Heuss zu bitten, den Bann vom Deutschlandlied zunehmen. Zumindest die dritte Strophe sollte fortan an deutsche Traditionen anschließen dürfen. Auch in einem Bulletin der Bundesregierung mahnte Adenauer wenig später an, kein anderes Lied sei so im Herzen des deutschen Volkes verwurzelt wie dieses. Im Mai setzte er sich dann nach einem Briefwechsel mit Heuss durch: Bei staatlichen Anlässen wurde wieder die dritte Strophe Hoffmann von Fallersleben gesungen. Ob damit aber auch nur diese wieder in den Rang der Nationalhymne gehoben wurde oder aber das ganze Deutschlandlied - darüber stritten die Rechtsgelehrten dann 38 Jahre lang ohne Ergebnis. Erst im März 1990 befanden die Bundesverfassungsrichter, dass nur die dritte Strophe "strafrechtlich geschützt" sei. Mithin fehlt aber ein förmliches Gesetz über eine Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland noch immer.

Lediglich der damalige Bundespräsident Richard v. Weizsäcker einigte sich im November 1991 in einem Briefwechsel mit Kanzler Kohl - angelehnt an die historische Korrespondenz zwischen Heuss und Adenauer 40 Jahre zuvor - die dritte Strophe des Deutschlandliedes auch zur Hymne der wieder vereinigten Republik zu deklarieren.
Quelle: www.bundesregierung.de

37 Kommentare

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Danke für den ausführlichen Beitrag
Auch den Hinweis, das Lied im historischen Kontext zu sehen und wie es entstanden ist und zu welcher Zeit.

"Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland"
ist für mich richtig, wobei ich es als Ziel sehe:
(hat jetzt nichts mit einer Nationalhymne zu tun)
Einigkeit und Recht und Freiheit für alle Menschen, egal welcher Nation, Rasse, Religion, Herkunft
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Es ist durchaus verständlich, dass es auf dem Gebiet der 'neuen' Bundesländer Menschen gab ( und noch gibt ), die den Zusammenbruch der DDR als herben Verlust empfanden, weil sie in diesem zweiten Deutschland trotz aller offensichtlichen negativen Entwicklungen immer noch die Möglichkeit, das Potenzial eines 'menschlichen' Sozialismus sahen, einen Gegenentwurf zu dem in ihren Augen 'ausbeuterischen' westlichen Turbo-Kapitalismus. Und viele dieser Menschen fühlen sich durch die globale politische Entwicklung nach 1990 bestätigt - was man ebenfalls verstehen kann, denn trotz eines spürbaren Ansstiegs des materiellen Wohlstandes in den meisten ehemals 'sozialistischen' Ländern scheint die Zahl der unterprivilegierten Bürger dort ebenfalls stetig zu wachsen - oder zumindest der Anteil derjenigen, die sich als unterprivilegiert empfinden.
Wen wundert es also, dass es so viele Unzufriedene unter uns gibt, auch Menschen, die sich zurücksehnen nach einer- scheinbar besseren - vergangenen Epoche, in der noch 'Ordnung' herrschte, in der man zwar vielleicht etwas weniger wohlhabend war, aber in der man wusste, woran man war. Offenbar ist es ein diffuses Gefühl der Unsicherheit, was heutzutage viele Menschen ergriffen hat. Das erklärt den Erfolg derjenigen, die vorgeben zu wissen, wie die alte Ordnung wieder herzustellen ist.
Was hat dieser Kommentar mit dem Inhalt des Beitrags zu tun? - Nun, der Text einer Nationalhymne spiegelt schon irgendwie den Zustand der Bürger des Landes wieder, wenn er denn ernstgenommen wird. Und daher hat es schon seine Bedeutung, dass nach dem Zusammenbruch des Naziregimes der deutsche Bundestag nach langem Zögern sich für die zweite Strophe des traditionsreichen 'Deutschlandliedes' entschieden hat: Einigkeit und Recht und Freiheit.....sind die Grundpfeiler unseres 'neuen' Deutschlands.
Auch der Text der Hymne des 'anderen' Deutschlands, die Worte von J. R. Becher:
"Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland."
hat seine historische Berechtigung, zumal er eine Hoffnung ausdrückt, die sich - zumindest für die Bürger der DDR - nicht erfüllt hat.
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Ich hätte mir nach der Wiedervereinigung Eine andere Hymne gewünscht. Zum Beispiel mit dem Text "auferstanden aus Ruinen" usw.
Mir ist schon klar, dass ich mit dieser Aussage hier anecke, aber dieser Text macht wirklich Sinn.
Zumal dieser Text durchaus zur Melodie des "Deutschlandliedes" gepasst hätte.
Monika.. nein anecken tust Du nicht, Du drückst hier Deine Meinung aus und dazu hat hier jedes Recht....

Nur bin ich nicht Deiner Meinung ... warum:

Es ist nunmal Deutschlands Nationalhymne und als die Mauer fiel, war alles wieder eins, so wie es zusammengehört, warum soll man eine Nationalhymne verändern, wenn alles seine Richtigkeit hat ???
Und das war sie schon vor dem Mauerbau.
Welcher Text wurde vor der Wunschstrophe vom Altkanzler Gesungen? Es ist nur gefragt.
Monika.. Welche Wunschstrophe ???
Ich meine, dass die 3. Strofe gesungen wird, geht auf Altkanzler Kohl zurück.
Für das Absingen des Deutschlandliedes konnte man im Ländle einfahren.
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Ich höre sie gern, unsere Nationalhymne!
Welchen Text hättest du denn gern? Einigkeit, Recht und Freiheit finde ich schon gut!
Ich finde den Text ganz wundervoll! Er zeugt noch von einem gesunden nationalen Selbstbewusstsein, das aber mittlerweile mit Stumpf und Stiel bei uns ausgerottet wurde. Drum klingen die ersten zwei Strophen heute leider etwas befremdend.
Das stimmt und passt in die heutige Zeit wie angegossen.
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Nach der Wende war ja auch einmal die Rede davon, die 3. Strophe des Deutschlandliedes beizubehalten und die erste Strophe aus der Hymne der DDR
"Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt.
Lasst uns dir zum Guten dienen
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen
und wir zwingen sie vereint.
Denn es muss uns doch gelingen.
Dass die Sonne schön wie nie
Über Deutschland scheint."
als 2. Strophe hinzuzufügen.
Beide Hymnen würden auf Beethovens "Freude, schöner Götterfunken" aus der 9. Sinfonie passen.
Aber das setzte sich leider nicht durch, denn der DDR wurde das gesamte BRD-System einfach übergestülpt.
leider ja, aber man kann beide Hymnen zur gleichen jeweiligen Melodie singen
Das wäre eine Möglichkeit gewesen Heidi.
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Bernd, danke für Deine Recherche. In dieser ausführlichen Form habe die Historie des Deutschlandliedes noch nicht gelesen.
Entgegen den nationalsozialistischen Ansprüchen wollte Fallersleben mit "Deutschland, Deutschland über alles" lediglich die Sehnsucht der Deutschen nach einem vereinten Reich ausdrücken. Keinesfalls als überheblichen Anspruch über den Rest der Welt. Das haben die Nazis gründlich verdorben.
Das ist richtig und so sehe ich es auch. Aber als ich den Text das erste Mal las, und Du bedenkst in welchem Staat ich zur Schule ging, da konnte ich mit der Maas und vor allem dem Etsch und der Memel nichts anfangen. Für mich war Deutschland, das vergangene Deutschland, unbegreiflich und das ist so wie heute. Das die auch noch dieses Lied, welches H.v.F. bestimmt nicht mit dieser Absicht geschrieben hatte, zum Lied der Deutschen hochstilisierten, ist mir suspekt, denn mein Lied war es nie in diesem Sinne, sondern nur das Gedicht eines Patrioten welcher Deutschland so sehen musste wie es damals war.
"Einigkeit und Recht und Freiheit" ist doch etwas Schönes und damit kann sich doch jeder identifizieren. Auf jeden Fall ist der Text besser, als die martialen Texte in vielen Nationalhymnen, wie z. B. der französischen. Außerdem ist unsere Melodie die reinste Lyrik.
Ja das ist wahr, aber es ist keine Deutsche Melodie, sondern die der alten österr. Kaiserhymne. Und die Hymne mit welcher ich aufwuchs, hatte bestimmt nichts martialisches und trifft den Kern der Sache viel besser!
Auf Grund meines Geburtsjahres 1931 gehöre ich zu denjenigen Zeitgenossen, die die hier sehr ausfühlrich dargestellte Geschichte des "Liedes der Deutschen" in all ihren Facetten miterlebt haben, von der hymnischen Verehrung, ja fast religiösen Anbetung des "Vaterlandes" bis zu dessen Ende mit Schrecken und seiner langsamen, oft qualvollen, abe dann doch glücklichen Wederauferstehung.
Ich muss gestehen, dass mir die historische Erfahrung - Aufwachsen und kindliche Prägung in der Nazizeit, Zerstörung und Niederlage im Krieg, Besatzungszeit, Beginn und Entwicklung des "kalten Krieges" zwischen Ost uns West, Hoffnung und Enttäuschung im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung, globale Krisen in der Gegenwart - jede Art von nationalem Pathos, patriotische oder gar nationalistische Gefühle gründlich ausgetrieben haben. Daher bedeuten mir nationale Symbole wie Hymnen und Flaggen oder Ähnliches nichts mehr. Im Gegenteil: ich halte sie für antiquiert und schädlich für eine friedliche Entwicklung unserer Welt. Man sollte entlich damit aufhören, sportliche oder andere Erfolge durch Absingen von Nationalhymnen und Hissen von nationalen Flaggen zu "Siegesfeiern" zu machen.
Bernd, Du meinst sicher "Auferstanden aus Ruinen..." von Becher. Text und Musik entsprachen nach 1945 sicher mehr den damaligen Gefühlen, als das Deutschlandlied.
Letztlich ist das alles Geschichte und Friedhelm hat recht, dass Siegesfeiern mit nationalen Symbolen recht antiquiert wirken.
Doch die Welt ist nicht so wie man sie sich wünscht. Der Nationalismus ist bei den meisten Menschen dieser Welt fest verankert und wir werden damit leben müssen. Eine Bemerkung am Rande: Wusstet ihr, dass der türkische Präsident den Titel "Hüter der Fahne" hat?
Nee, wusste ich nicht
Johann
Auch ich kenne StarTreck nicht. Wenn Du mich wegen meines Kommentares für einen Utopisten hältst, nehme ich das als Kompliment. Wenn Du von einem "menschlichen Bedürfnis" sprichst, das darin besteht, Nationalstolz zu haben, dann fehlt mir dieses total. Bin ich dann kein Mensch?
Hymnen und Flaggen stiften Identität, geben das Gefühl, dazuzugehören?
Dasselbe tun auch z.B. zackige Marschmusik, Trommelwirbel, Karnevalsumzüge und -lieder, Demonstrationszüge, laut gegrölte Gesänge und skandierte Parolen ("Lügenpresse"). Hurra-Rufe, Beifallsbekundungen, und noch vieles mehr. Alles das hat zu tun mit Massenhysterie, Manipulation und Kontrollverlust der an solchen Dingen Beteiligten. Auf diese Identitätsstiftung kann und will ich gerne verzichten, ebenso auf Uniformen etc. Ich weiß schon, warum mir große Ansammlungen von Menschen und besonders Marschkolonnen zutiefst zuwider sind.
Im Prinzip habe ich nichts gegen Symbole, auch nicht unbedingt etwas gegen Flaggen und Hymnen. Wenn die Europa-Flagge weht, sehe ich darin die Bekundung des Willens zur Abkehr von dem antiquierten Nationalstolz. Und in diesem Sinne kann ich auch den letzten Satz von Beethovens 9. Symphonie als Europa-Hymne verstehen.
Also ist Patriotismus was für Idioten? Das Eintreten für ein Land, nicht den Staat, sondern das Land, erfordert keinen Nationalstolz, der hat seit 1945 ausgedient, sondern erfordert schon eine gewisse Identifikation mit einem Land und den Menschen die eine gemeinsame Sprache sprechen und eine gemeinsame Kultur haben. Wenn ich das nicht habe , sondern alle Menschen verachte welche sich mit diesem unserem Lande auf diese Weise verbunden sehen, dann wird es niemanden geben welcher diese Werte auch verteidigt. Oder hat das vielleicht auch keinen Sinn?
Na klar, bis an den Hindukusch oder den Ural
Wenn sich niemand mehr für seinen Nächsten interessiert und für ihn einsetzt haben die gewonnen
Das Einsetzen gegen TTIP und die extremen Gewalttaten von Menschen denen Deutschland egal ist, ob aus Glaubensgründen oder ideologischen, wie auch immer und andere Schweinereien erfordert schon ein gewisses Mass an Patriotismus.
Jahrhunderte lang, seit Entstehung der Nationalstaaten, wurden die Bürger dieser Staaten dazu aufgerufen, und zwar von den jeweils Herrschenden, sich für ihr Vaterland einzusetzen. Es wurde ihre Bereitschaft erwartet, sogar ihr Leben zu opfern- bei uns zuletzt "für Führer, Volk und Vaterland (man beachte die Reihenfolge !) Verweigerte man sich dieser Forderung, wurde man mit dem Tode bestraft. Das Ganze bekam dann noch eine Art Heiligenschein durch den Treueeid. Es wurde eine Ehre, auf dem "Felde der Ehre" zu sterben. Ganze Landstriche Europas wurden auf diese Weise mit dem Blut der "Tapferen" gedüngt. - Gestorben wurde aber fast ausschnließlich in den niederen Rängen. Wer noch lebend davon kam, war meistens für den Rest seines Lebens gezeichnet. Er bekam oft nicht einmal den Dank derjenigen, für die er sich eingesetzt hatte. Profiteure waren - wie konnte es auch anders sein - die Mächtigen, die Herrschenden.
Patriotismus dieser Art ist heute wohl nicht mehr bei uns zu erwarten. Aber selbst der harmlosere Patriotismus, der die Menschen Fähnchen schwingen lässt, wenn Deutschland Fußball-Weltmeister geworden ist, hat als Urgrund das Gefühl der Überlegenheit über andere, lässt die Seele jubeln über den Sieg über einen schwächeren Gegner, und das ganz besonders, wenn der Unterlegene eben ein Fremder ist, nicht dem eigenen Volk angehört.
Unsere Welt ist so klein geworden, dass wir Menschen darauf angewiesen sind, uns gegenseitig zu helfen statt uns gegenseitig zu übervorteilen. Nur so können wir auf Dauer friedlich überleben. Für Nationalstolz ist da kein Platz mehr. Umdenken, eine Neubewertung der überkommenen Werteskala ist nötig. Es wird nicht leicht sein, dieses zu verwirklichen, und es wird vielleicht noch lange dauern und Rückschläge geben. Aber es wird nötig sein.
Friedhelm, das klingt ja schon fast wie ein Vermächtnis. Danke!
Digger
Wenn es so klingt, ist es gut so. Ich hoffe aber, noch ein wenig mehr Zeit zu haben. Vielleicht fällt mir ja noch was Vernünftiges ein.
Johann
Ich sagte es oben schon: ich kann es mir nicht vorstellen, dass mein "Schöpfer", wenn es ihn den geben sollte, mich mit der Eigenschaft "Nationalstolz" versehen hätte. Wenn er die Absicht gehabt haben sollte, ist ihm da ein Fehler unterlaufen.
Mit dem Wort "Stolz" habe ich ohnehin so meine Probleme. Ich kann doch nur stolz sein auf etwas, was ich selbst geschaffen, was ich selbst erreicht und erzielt habe. Deutscher bin ich nur durch den Zufall meiner Geburt in diesem Lande. Und angesichts der Geschichte der letzten 100 Jahre dieses Landes habe ich nicht den geringsten Anlass, stolz auf unser Land zu sein.
Wenn Du im übersteigerten Nationalbewusstsein kein Problem siehst, brauchst du Dir doch nur das beiderseitige "patriotische" Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland zwischen 1850 und 1950 vor Augen zu führen. Auch die imperiale Überheblichkeit der Briten bis zum 2. Weltkrieg oder der Weltverbesserungsanspruch der USA in der Gegenwart sind für mich Negativbeispiele.
Noch etwas zum Nationalbewusstsein der Amerikaner.
Ein Großteil der US-Politiker scheint der Meinung zu sein, dass es der Welt besser ginge, wenn der "American Way of Life" zum Weltstandard würde.
An vielen amerikanischen Schulen beginnt - soweit ich weiß - auch heute noch der Schultag mit dem Absingen der Nationalhymne, wobei man die rechte Hand ehrerbietig auf sein Herz legt. In vielen Klassenräumen hängt an prominenter Stelle die Flagge "Stars and Stripes".
Amerikanische Soldaten, die in einem der zahlreichen Kriege der USA getötet wurden, werden in flaggengeschmückten Särgen in die Heimat transportiert und auf dem Ehrenfriedhof Arlington beigesetzt. Den Müttern/Eltern dieser Gefallenen überreicht die US-Army ein protziges Dokument, das viele zur Einrichtung eines kleinen Hausaltars nutzen.
Geht es noch schlimmer?
Peter
Du bist mir hier schon aufgefallen als Liebhaber kurzer, aber meist treffender Statements. Mich würde interessieren, welche Note Du für Deinen obigen Kurzaufsatz bekommen hast.
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