Das tut man nicht !

Als Kind, so erinnere ich mich, konnte ich in der Zeit, wo meine Eltern noch meinten. mich erziehen zu müssen, diesen Satz mindestens 8-10 mal am Tag hören. Ich fragte mich schon damals, wer denn mit „man“ gemeint sein könnte. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich diese Ermahnung zum ersten Mal gehört habe. Wahrscheinlich sehr früh, so mit 3 oder 4 Jahren. Damals holte ich gerne, wie das alle Kleinkinder zu tun pflegen, meine „Popel“ aus der Nase, indem ich dafür das schnell und unkompliziert zur Verfügung stehende naheliegende Werkzeug nutzte, nämlich den Zeigefinger meiner rechten Hand. Das ging meistens problemlos vonstatten, obwohl – nachher gab es noch die Schwierigkeit, das Objekt der Bemühungen, das nun an der Spitze des Fingers glänzte, wieder loszuwerden. Ein Tempo gab es damals noch nicht, und ein textiles Taschentuch war meistens auch nicht so schnell zur Hand. Aber Kleinkinder können schon ihre Intelligenz und Lebenserfahrung im Bedarfsfalle nutzen, und so werde ich mich wohl an noch frühere Zeiten erinnert haben, wo es üblich war, am Daumen zu lutschen, wenn man sonst nichts Wichtiges vorhatte. Da der Daumen dabei immer sehr appetitlich sauber blieb, habe ich das Verfahren wohl mit sichtbarem Erfolg auf den Zeigefinger übertragen, und „schwups“, in Nullkommanix war das Problem beseitigt. Außer dass ich sofort den Anranzer bekam: „Bohr' nicht in der Nase, das tut man nicht“

Natürlich war ich ein gehorsames Kind, und jedes Mal, wenn ich wieder einen Popel verschluckt hatte, tat mir das auch leid. Ich bereute das Vergehen zutiefst, obwohl ich immer noch auf der Suche nach dem „man“ war, der nicht in der Nase bohrte, um Popel daraus zu entfernen, und der nicht die Frucht seiner Bemühungen anschließend ablutschte.

Bis ich auf die Idee kam, mal meine Umwelt etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, um vielleicht doch herauszufinden, wer denn dieser „man“ sein könnte. Und das Wunder geschah – ich wurde fündig. Nicht bei meiner Mutter, auf die ich zuerst meine ganze Aufmerksamkeit konzentriert hatte. Die benutzte im Ernstfall, wie ich beobachten konnte, ein Taschentuch – vorausgesetzt, es war eines in erreichbarer Nähe. Sonst konnte es auch schon mal ein Zipfel der Küchenschürze sein, die sie für gewöhnlich bei der Hausarbeit trug.

Erfolgreich wurde meine Suche bei meinem Vater, und zwar, als ich ihn eines Tages eher zufällig dabei erwischte, wie er, über einem Schriftstück gebeugt – es mag seine Steuererklärung gewesen sein – tief in Gedanken verloren und mit ausgeprägten Sorgenfalten auf der Stirn in der Nase bohrte. Ich war so erregt über meine Entdeckung, dass ich nicht abgewartet habe, um auch das weitere Procedere der väterlichen Bemühungen um eine freie Nasenöffnung als Zeuge zu erleben. Daher weiß ich nicht einmal, ob mein Vater wirklich nach einem Popel gebohrt hat oder ob es auch bei ihm unbewusst geschah, gewissermaßen als alte Gewohnheit aus seinen Kindertagen. Was ich weiß, ist, dass ich unverzüglich zu meiner Mutter rannte und laut triumphierend verkündete: „Das tut man doch. Mein Papa bohrt auch in der Nase!“

Von dem Tag an durfte ich unbeanstandet und ungestraft in der Nase bohren, Und ich hatte gelernt, wer „man“ war.

(Nachtrag: Fast alles an dieser Geschichte ist fiktional. Daher erübrigen sich alle Nachfragen nach meiner Erziehung oder meiner Herkunft. - Aber es könnte doch so gewesen sein, oder etwa nicht?)

7 Kommentare

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Leider habe ich "das tut man nicht" sehr lange NICHT hinterfragt. Falls ich meine Eltern irgendwann mal gefragt habe, war mit Sicherheit die Antwort: "Weil das so ist:"
Bei meinem Freund ist mir anfangs mal rausgerutscht: "Sowas kannst du nicht machen". Und er antwortete: "Du siehst doch, dass ich das kann...!" Eigentlich habe ich so einiges, was in unserer Gesellschaft üblich ist, bzw. nicht üblich ist, erst da hinterfragt (vieles ist einem so selbstverständlich, dass man es deswegen eben nicht hinterfragt).
Wenn wir im Leben Alles und Jedes hinterfragen wollten, kämen wir aus dem Fragen nicht mehr heraus und würden dennoch meistens vergebens auf Antworrten warten. Was "man" tut oder nicht tut, bestimmt im allgemeinen die Gesellschaft, in der man lebt. Die Verhaltensregeln sind nirgends schriftlich festgelegt und können sich von Fall zu Fall und auch mit der Zeit ändern. Allenfalls kann man sie in der neuesten Auflage des "Knigge" nachlesen - aber auch die kann morgen schon wieder überholt sein. Ein Ver-stoß dagegen kann zwar An-stoß erregen, mehr Folgen hat er aber meistens nicht.
Es ist aber zweifelsfrei, dass solche Regeln einem das Leben erleichtern können, indem man nämlich weniger oft irgendwo "anstößt".
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Schreib ne Karte, wenn du oben bist. Ich Doofe hab lange nicht gewusst was gemeint ist.
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Zum Beitrag tut man nicht, möcht ich ein Gedicht zur Erheiterung einsetzen. Ich habe es schon oft auf Geburtstagen vorgelesen
und die "Lacher" waren auf meiner Seite.

Der Mömmes

Ich ging im Wald so für mich hin
und nichts zu suchen, das war mein Sinn.
Ich bestaunte Blumen im Gras
und fummelte mit dem Finger in der Nas'.

Ich hatte an demselben dann,
plötzlich einen Mömmes dran.
Was hat so ein Mömmes für einen Zweck?
Ich dachte: der muss weg!

Ich rollte ihn auf die Fingerkuppen
und versuchte ihn dann weg zu fluppen.
Es plitschte in Richtung Waldesrand
und wie guck', hatte ich ihn immer noch an der Hand.

Verflixt nochmal, was sollte ich tun?
Ich setzte mich um auszuruhn
und angestrengt zu überlegen,
dieses verflixten Mömmes wegen.

Ach denk ich, jetzt klebst Du ihn unter die Bank,
als ich guck' da hab ich ihn immer noch in der Hand.
Inzwischen war er kugelrund
und jetzt kommst du weg, du Schweinehund.

So sagte ich und ging im Nu,
auf eine dicke Eiche zu.
Ich streich vorbei so elegant
und ich guck', da hatte ich ihn immer noch an der Hand.

Jetzt oooh, habe ich ihn zwischen zwei Fingern,
wie man das so tut mit solchen Dingern.
So kriegte ich ihn auch zu fassen,
ich wollte ihn heimlich fallen lassen.

Doch eh ich die Gefahr erkannt,
da hatte ich ihn an der anderen Hand.
Verflixt noch mal, was war ich sauer,
beim nächsten Mal da bin ich schlauer.
So dachte ich, als ich voll Entzücken
den *__________ tat erblicken.
*Name des Jubilars
Der kam mir grad recht und sehr gelegen,
denn der tat noch Manieren pflegen.

Er begrüßt jeden mit Handschlag stets,
war immer freundlich und fragt: wie gehts?
Er streckt mir auch diesmal die Rechte entgegen
und machte mich einen Moment verlegen.

Doch dann schlug ich zu und drückte sie kräftig,
der *__________, ach der freute sich heftig.
*Name des Jubilars
Und als er später auf der Toilette verschwand,
da hatte er den Mömmes an der Hand.


Und die Moral von der Geschicht':
Ein Händedruck hat doch beizeiten,
entschieden seine guten Seiten!
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Wenn angekommen, bitte eine Karte schicken, hieß es bei uns
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... ein Popel bewegt die Welt... wie konnten wir nur ohne diese "Erkenntnisse" leben ???
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Herzlichen Dank, für diese wunderbare "Popelgeschichte"
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