Inklusives Jugendhaus hoch oben

Burg Feuerstein
Burg FeuersteinFoto-Quelle: Derzno unter CC-BY-3.0
Sozialverband VdK Bayern e.V.

Die Burg Feuerstein in Oberfranken ist Ehrenpreisträger von „JobErfolg“

Matthias Geck weiß, was er zu tun hat. Seine Aufgaben als Hausmeister im Jugendhaus Burg Feuerstein erledigt der 21-Jährige mit großem Engagement, selbstständig und mit viel Humor. Selbstverständlich ist das nicht: Matthias Geck hat das Downsyndrom. Nicht jeder Arbeitgeber würde ihm so vertrauen wie Hans-Peter Kaulen, der Leiter des Jugendhauses.

Für Kaulen spielt die geistige Behinderung keine Rolle. Er kennt die Stärken und Interessen all seiner Mitarbeiter und setzt sie entsprechend ein – unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Von seinen 42 Mitarbeitern haben vier Menschen eine körperliche oder geistige Einschränkung. Zu ihnen gehört auch die 50-jährige Claudia Bäumler, die in der Küche und im Speisesaal des Jugendhauses arbeitet. Vor mehr als 30 Jahren fing sie auf der Burg Feuerstein an. Sie fühlt sich dort ebenfalls wohl. Sie schätzt das Miteinander. Die Jury des Inklusionspreises „JobErfolg“, den der Sozialverband VdK Bayern unterstützt, zeichnete die Burg Feuerstein für ihr Engagement mit dem Ehrenpreis aus. Die auf einem Berg oberhalb von Ebermannstadt gelegene Burg Feuerstein ist das Jugendhaus der Erzdiözese Bamberg.

Vom Labor zur Bildungsstätte

Professor Oskar Vierling hatte die Burg 1941 als privates Forschungslabor mitten im Zweiten Weltkrieg erbaut. Dort wurde für die Wehrmacht im Bereich der Nachrichten- und Hochfrequenztechnik geforscht. Nach dem Krieg stand das Gebäude zunächst leer. 1946 pachtete es die Erzdiözese Bamberg. 1949 kaufte sie es dann zusammen mit einem 120 Hektar großen Gelände von Oskar Vierling und baute es als Jugendbildungsstätte um.

In den kommenden Sommerferien werden wieder viele junge Menschen auf die Burg Feuerstein mit seinen 189 Gästebetten kommen. Das Haus bietet ganzjährig Kurse und Programme für Kinder und Jugendliche an, darunter beispielsweise integrative Pfingstfreizeiten. Jährlich sind es etwa 35 000 Übernachtungen. Jeder ist willkommen, betont Kaulen. „Kinder und Jugendliche mit Behinderung können an allen unseren Veranstaltungen teilnehmen“, erklärt der Leiter. „Wenn irgendetwas zunächst nicht funktioniert, finden wir eine Lösung“, sagt er.

In der Burg Feuerstein ist es das Ziel, Barrierefreiheit für alle herzustellen, beispielsweise gibt es auch Kurse für Gebärdensprache. Inklusion wird wörtlich und damit umfassend gelebt. Egal ob Mitarbeiter oder Besucher – im Haus ist jeder willkommen und soll sich wohlfühlen. In der hauseigenen Kirche bot die Burg Feuerstein bereits Flüchtlingen Kirchenasyl. „Es geht nicht nur um Normen und Gesetze“, sagt Kaulen, „der Mensch muss im Mittelpunkt stehen.“ Kaulen stellte auch schon einen Mitarbeiter ein, der inhaftiert und anschließend längere Zeit arbeitslos war. „Wir geben jedem eine Chance“, sagt Kaulen.

So bekommen bei ihm auch immer wieder Bewerber einen Ausbildungsplatz, die schlechtere Noten haben. Auf der Burg Feuerstein können sich Frauen und Männer als Landwirte, in Hauswirtschaft oder als Bürokommunikationskauffrau beziehungsweise -kaufmann ausbilden lassen. Auch Matthias Geck bekam seine Chance und nutzte sie. Seit vier Jahren arbeitet er auf der Burg Feuerstein. Über den Integrationsfachdienst kam er zunächst für ein Praktikum in den Reitstall, der zum Gelände des Jugendhauses gehört. Aus ursprünglich vereinbarten drei Wochen wurden drei Monate und dann ein ganzes Jahr. Im Anschluss daran bekam er eine unbefristete Stelle.

„Sehr viel richtig gemacht“

Matthias Geck lebt in der Nähe bei seinen Eltern, die ihn meistens mit dem Auto zur Arbeit bringen. Manchmal fährt er aber auch mit dem Fahrrad. Nach der Förderschule war er in einer betreuten Einrichtung der Lebenshilfe. Doch dort wäre er auf Dauer unterfordert gewesen, sagt Kaulen. Der Leiter schätzt das Potenzial, das in Geck steckt: „Er kann gut lesen und schreiben, lernt schnell und kennt sich sehr gut auf dem Gelände aus“, erklärt Kaulen, und fügt hinzu: „Seine Eltern haben sehr viel richtig gemacht.“ Er sei ein selbstständiger junger Mann. (Sebastian Heise)

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