6 Tage als Notfall im Krankenhaus

Im Krankenhaus
Im Krankenhaus

Donnerstag Abend 18°° Uhr , es ist ein schöner warmer Sommertag , den ich nach der Arbeit ab 13°° geniessen konnte. Nun sitze ich gemütlich auf dem Sofa , will noch ein wenig vor dem Fernseher entspannen , bevor ich dann frisch geduscht ins Bett gehe . Doch es kommt alles ganz anders . 18.30Uhr mein linker Arm tut plötzlich weh , erst nur der Ellenbogen , dann die Achsel und egal , wie ich mich drehe und lege , es wird nicht besser . Ich überlege noch , wo ich mir den Arm denn so komisch verdreht haben könnte, als es schon weiter geht . auf der Brust ist ein sehr unangenehmes Druckgefühl , so , als ob ich ungekautes Essen nicht richtig geschluckt habe und es jetzt fest hängt.... Schmerzen und Druck. Ich lege mich ins Bett (kann ja nicht schaden , sich etwas auszuruhen), aber es wird auch da nicht besser. Inzwischen habe ich das Gefühl , eine ganze Herde Elefanten steht auf mir rum und drückt mir alles platt und nimmt mir inzwischen auch die Luft. Ok, ich rufe meine Tochter an --- sch.....,heute ist ja Donnerstag , d.h. Training in der Halle . Na dann , mein Schwiegersohn ... natürlich auch irgendwo ohne Handyempfang unterwegs. So , jetzt kriege ich langsam Panik und wähle die 112 und endlich eine nettte Stimme , die mir helfen will . Sie beruhigt mich und verspricht schnelle Hilfe und wirklich , keine 6 Minuten später klingelt es . Ich öffne noch langsam und falle gleich wieder ins Bett , aber dann stehen schon 4 Männer um mein Bett rum und helfen mir. Kanüle stechen , Nitro Spray , Blutverdünner spritzen und Morphium geben und endlich wird mir besser. Dann mit einem Stuhl , wie mit einer Sackkarre vom 2. Stock runter zum RTW und ab die Post.Dann die üblichen Untersuchungen und dann die Aussage :" Gute Frau , sie hatten gerade einen Herzinfarkt !"So , da lag ich nun. Die Kinder hatten auch schon zurückgerufen und waren informiert-- wenigsten brauch ich mich um nichts mehr kümmern -- die Kinder machen schon alles .Also erstmal schlafen und sehen , was morgen passiert.
Freitag , der Kardiologe kommt und teilt mir mit , das ich in die nächste Stadt verlegt werde , weil hier die kardiologische Abteilung am Freitag immer erst ab 16 °° Uhr geöffnet hat und das dauert ihm zu lange . Also wieder eine Tour im Krankenwagen und (finde ich gerade cool) diesmal mit Blaulicht und Sirene. Endlich kann ich nun rundum versorgt werden. Nach 4 Std Untersuchungen haben meine Kinder mich auch endlich gefunden und inzwischen schon mit dem Doc gesprochen und alles geklärt. Es ist bei mir etwas schwierig einen Herzkatheter zu legen , da das Kontrastmittel meine transplantierte Niere vielleicht vernichten würde - also wird erstmal alles andere versucht .....und , ich habe auch mal Glück und mein Herz beruhigt sich wieder und bleibt stabil. Puh , Glück gehabt, dieser Kelch ist noch mal an mir vorbeigezogen , , denn auf erneute Dialyse hab so gar keine Lust .....Muß jetzt im Transplantationszentrum abklären , was es für Möglichkeiten gibt , falls es noch einmal passiert.
Samstagmittag- endlich werde ich vom Überwachungszimmer in ein "richtiges" Krankenzimmer verlegt. Das ist auch für die Kinder angenehmer , denn die pendeln die ganze Zeit zwischen Arbeit ,zu Hause und Krankenhaus hin und her . Sie kümmern sich um meine Wohnung , meine Wäsche , meinen Arbeitgeber , haben mir Telefon und TV angemeldet und regeln einfach alles für mich ...... unglaublich , wenn man solchen Nachwuchs hat .Werde mir ein ganz tolles Danke Schön überlegen. Telefon und Handy wechseln sich den ganzen Tag ab , ....so viele liebe Wünsche erhalte ich .
OK , im 4Bett Zimmer liegt nur eine alte , verwirrte , tüddelige Dame, die auch noch kaum etwas hört. na wir werden sicher gut miteinander auskommen.Ich merke aber schnell , das es meine persönliche Aufgabe wird , immer mit 1 Auge auf die Omi zu achten--ich kann gar nicht anders , denn ausser mir ist ja keiner da und ich kann sie ja nicht einfach so liegen lassen , wenn sie mal wieder nicht klar kommt.... weil mit der Klingel kommt sie so gar nicht zurecht. So vergehen Samstag und Sonntag.
Montag bekomme ich noch mal für 24 Std EKG und Blutdruckmeßgerät umgehängt und soll , wenn das gut ausfällt bald nach Hause dürfen .
Dienstag, Kabel kommen alle ab und ich bekomme das Ok zur Entlassung..... aber erst am Mittwoch , weil ja der Sozialdienst noch kommen soll und alles für eine Reha regeln und einreichen muß . OK 1 Tag schaffe ich auch noch , bin ja ohnehin nicht fit und hier kriege ich imerhin mein Essen an den Tisch gebracht . Und ohne Reha brauch ich meinem Nachwuchs gar nicht erst nach Hause kommen .. habe strikte Anweisung erhalten , auf jeden Fall eine Reha zu machen und mich richtig zu erholen ... na ja , ich höre ja hin und wieder auf das junge Volk und ich merke , das es mir gut tun wird.
Inzwischen ist mein Zimmer voll geworden . Mittags kommt "Omi Nr.2"-- eine rüstige , sehr gesprächige und furchtbar aufgeregte nette alte Dame , die auf ihre Beipass OP warten muß. Ok , wir unterhalten uns , denn ich verstehe gut , das sie Angst hat. 2 Std später wird "Omi Nr.3" ins Zimmer gebracht. Eine rüstige 86jährige, die von ihrer Tochter begleitet wird.Später kommen noch 3 Kinder , ihr Mann im Rollstuhl , 2 Enkel und Urenkel , womit das Zimmer mehr als ausgefüllt ist . Ich erfahre , das sie ausser 2 Hüft Op`s und 3 Geburten noch nie im Krankenhaus oder beim Doktor war. Nun hat sie einen schlimmen Rücken und ganz viel Wasser in den Beinen.... Weiter kenne ich die Geschichte ihrer Flucht aus Ostpreussen und alles über ihre Kinder , Enkel und Urenkel. War aber alles sehr interessant , denn sie konnte sehr gut und spannend erzählen ... Trotzdem war ich froh , als es Zeit zum Schlafen war.
Mittwoch 4 . 30Uhr: Omi Nr 1wühlt und stöhnt im Bett rum - ich schreie rüber , ob alles in Ordnung ist . "Ja , ja , muß morgens nur erst in Gange kommen !" Na dann , Augen zu und weiterschlafen , doch das Gestöhne drüben wird immer schlimmer und endlich sagt sie mir , das sie Bauchschmerzen hat . Ok , Nachtschwester -- dein Job .. ich klingel und hole Hilfe. Es stellt sich heraus , das die alte Dame ihren Blasenkatheter abgedrückt hatte und nun konnte aus der Blase nichts mehr raus und das macht natürlich Bauchweh , sie hatte schon fast 1/2 l gesammelt. Gut , Problem erkannt und beseitigt - endlich noch etwas schlafen ,ist ja erst kurz nach 5 Uhr.---- Doch weit gefehlt , ich hatte mich bewegt und schon winkte Omi 2 zu mir rüber" Guten Morgen"...... ich brummel was Leises zurück und rühre mich nicht , doch das beeindruckt sie nicht weiter. " Haben sie hier eine Waschordnung? Oder wann geht ihr hier so ins Bad " Lieber Gott , gib mir Ruhe und Gelkassenheit. " Wann gehen sie denn immer?" "Also um diese Uhrzeit gehe ich gar nicht ins Bad , es ist ja erst 5 . 15Uhr." Pause und ich schöpfe Hoffnung auf etwas Schlaf . " Na , dann gehe ich jetzt mal. Ich weiß ja nicht , wann ich hier abgeholt werde " und nun höre ich auch von links ein "Guten Morgen , also mir ist es noch zu früh zum Waschen ".
OK , 3 alte Lady`s haben gewonnen, ich stelle mein Bett hoch , stöpsel mir die Ohrhörer ein, mache Radio an und schnappe mir eine Zeitschrift,.. lese ich eben um 6°° Uhr irgendwelche Klatschgeschichten . Ich bin dann um 8.30 Uhr ins Bad gegangen , als alle 3 Omi`s fertig waren und zur Untersuchung abgeholt wurden .
Endlich konnte ich meine Koffer packen und freue mich riesig auf mein stilles zu Hause., wo ich mich erstmal vom Krankenhaus erholen muß. Ich werde es sehr langsam angehen lassen und mehr auf mich und meinen Körper aufpassen, denn dieses Erlebnis brauch ich wirklich nicht noch einmal .
Bleibt alle gesund und achtet auf euch ..LG.. eure Heike

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4 Kommentare

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Auch mit einem Schmunzeln las ich dein "Krankenhaustagebuch", liebe Heike. Ich kenne das KH von beiden Seiten, als Patientin und als Krankenschwester.
Du hast so wunderbar beschrieben, was Dir geschehen ist und das immer auch mit einem leichten und humorigen Wort.
Nichtsdestotrotz ist ein Herzinfarkt immer ein ernste Geschichte im Leben eines Menschen. Achtsam sein und gut für sich sorgen,,,,, ist hier im Nachgang geboten, aber dass hast du selbst schon gut erkannt.
Und, was ich auch las, Du warst ein guter Engel auch f+r Andere.....dass hat mich gefreut, denn was wir geben, dass bekommen wir eines Tages zurück.
Alles Gute Dir, Gesundheit und behalt Dein frohes Gemüt. Du hast schon viel ausgehalten......
Gabriele
Vielen Dank Gabriele , für deine netten Worte. Ich werde ganz sicher mehr auf mich und natürlich auf die Menschen um mich herum achten . LG...Heike
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Das ist schon üblich, dass etwas "weniger" Kranke gern zu schweren Fällen gelegt werden, damit die vollkommen überlasteten Schwestern anderes erledigen können.
Traurig, aber Alltag.

Ich wünsche Dir gute Genesung und alles Liebe
Hallo Michaele , das mag wohl so sein , aber mir tut es auch gut , wenn ich immer noch eine "Aufgabe" habe und mich nicht ganz so krank fühle und ich mache es ja freiwillig...... ich könnte auch gar nicht anders. LG..
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