Mein Angehöriger ist ein Messi - Was kann ich tun?

Mein Angehöriger ist ein Messi - Was kann ich tun?
Mein Angehöriger ist ein Messi - Was kann ich tun?Foto-Quelle: Colourbox

Um dieses Thema angemessen zu behandeln, stellt sich gleich am Anfang die Frage: Was ist überhaupt ein Messie? Als Messie wird eine Person beschrieben, die unter Compulsive Hoarding leidet. Darunter versteht man das zwanghafte Sammeln von wertlosen Dingen sowie Unordentlichkeit im häuslichen und persönlichen Bereich.
Beispielsweise gleicht die Wohnung einer Müllhalde. Oft liegen verdreckte und verschimmelte Lebensmittel herum, was natürlich zu einer unzumutbaren Geruchsbelästigung führt. Der Hoarder sammelt sinnlose Gegenstände, manchmal alte Zeitungen, die sich bereits bergweise auftürmen, oder Ramschware, die oft nicht mal ausgepackt wird. Krimskrams aus der Kinder-, und Jugendzeit liegt auf Schränken und Anrichten. Doch jedes einzelne Sammelstück hat für den Messie eine besondere Bedeutung.

Allerdings muss unbedingt unterschieden werden, ob es sich um einen Hoarder handelt, oder um einen Sammler. Der Messie stopft seinen Lebensbereich unorganisiert mit Krimskrams voll und leidet extrem darunter. Er ist den Aufgaben des Alltags nicht mehr gewachsen, fühlt sich permanent überfordert, dadurch minderwertig und depressiv.
Der Kollektor dagegen sortiert voller Freude und Hingabe sein Eigentum sauber und übersichtlich, ohne die Wohnung vom Fußboden bis zum Dach voll zustopfen.

Warum sollte man unbedingt handeln?

Das Erkennen dieses Leidens ist extrem wichtig, denn je weiter dieser Zustand fortschreitet, desto katastrophaler kann er sich auf die Gesundheit und sogar das Leben des Messies und der Personen und Tiere, die in seinem Haushalt wohnen, auswirken.
Es wurde festgestellt, dass Erkrankungen wie Schizophrenie oder auch der Tod eines Angehörigen, Missbrauch in der Kindheit sowie eine Scheidung die Krankheit auslösen können.

Je eher dieses Krankheitsbild erkannt wird, desto fruchtbarer kann die Behandlung sein. Daher sollten bereits die Anfänge dieses Leidens genau beobachtet werden.

Wer benötigt Hilfe und wo findet er sie?

Hilfe benötigt derjenige, der sich nicht mehr aus eigener Kraft aus diesem Dilemma befreien kann und dessen körperliche und geistige Gesundheit gefährdet ist.

In jedem Bundesland gibt es Organisationen, die Personen mit diesem Krankheitsbild, sowie deren Angehörige helfen bzw. unterstützen können. Bundesweite Hilfe und Vermittlung bietet beispielsweise das "Messi Hilfe Telefon" des H. Team e.V. an. Auch existieren örtlich immer mehr Selbsthilfegruppen, die gemeinsam versuchen, dem Betroffenen beizustehen. Wer anonym bleiben will, kann sich im Internet durch Portale, die speziell diesem Personenkreis mit Rat zur Verfügung stehen, kundig machen. Denn Scham ist ein Begleitsymptom dieses Verhaltens.

Angehörige von Messies sollten primär unbedingt ihre Hilfe anbieten. Allerdings muss dies auf sehr einfühlsame Art und mit Fingerspitzengefühl angegangen werden, da sie extrem unter diesem Symptom leiden und deshalb äußerst empfindlich sind.

Wie kann nun die effektive Hilfe aussehen?


Man muss sich dringendst zuvor bei entsprechenden Institutionen über das Krankheitsbild des Hoarders erkundigen und welche Hilfe jeder Einzelne einbringen kann.
Das Ansammeln der für den Betrachter wertlosen Dinge bringt dem Kranken mehr Sicherheit und Geborgenheit. Würde man ihm nun einfach auf brutale Weise diese „Schätze“ wegnehmen, könnte dies zum seelischen Zusammenbruch und damit zur Verstärkung der Symptome führen. Hinzu kommt oft, dass sich der Betroffene noch mehr von seiner Familie isoliert.

Daher ist es zwingend notwendig, den Kranken verstehen zu lernen. Erst dann kann die entsprechende Hilfe folgen. Deshalb ist professionelle Aufklärung seitens der Behörden, Organisationen und Selbsthilfegruppen von immenser Bedeutsamkeit.

Erste Ansätze wären, dass eine Person des Vertrauens einfühlsame Gespräche mit dem Betroffenen führt. Es ist von tiefer Bedeutung, den Messie erzählen zu lassen, ohne ihn zu unterbrechen oder zu kritisieren. Ein progressiver Erfolg entstünde, wenn der Kranke offen über seine Gefühle sprechen könnte, frei von der Furcht, dass er deshalb abgewertet wird. Es ist wesentlich, mehr über seine Ängste und Wünsche zu erfahren, denn nur so können Lösungsansätze erarbeitet werden.

Der Angehörige sollte also nicht einfach anfangen, die Wohnung radikal aufzuräumen, sondern den Betroffenen überzeugen, dass er professionelle Hilfe annimmt. Dem Hoarder muss unbedingt zugesichert werden, dass keiner ihm seine »Schätze« ohne seine Zustimmung wegnimmt. Spezialisierte Reinigungsunternehmen bieten mit speziell geschulten Fachkräften auch entsprechende Unterstützung bei der Reinigung der Messie Wohnung an

Durch den Therapeuten prägt sich der Kranke neue Verhaltensformen ein. So wird er gefordert, Entscheidungen zu treffen, welche Dinge er am ehesten entsorgen kann. Dabei spielt der Stress- und Angstlevel als Indikator eine besondere Rolle. Denn durch das Erleben dieser Angst lernt der Messie und kann neue, gesündere Verhaltensformen adaptieren.

Die Unterstützung der Familie und deren Geduld bildet die Voraussetzung ebenso wie die Bereitschaft des Betroffenen, sein Verhalten künftig ändern zu wollen.

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