"Heute bratet ihr eine Gans..." - Spannender Vortrag über Jan Hus im Münchner DEF

Runde im DEF München
Runde im DEF MünchenFoto-Quelle: DEF
Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Der Kreis im Kreis


Wir haben einen Supersommer. Dennoch, die gelegentlich auftretenden heftigen Regenfälle können schon mal eine geplante Gartenparty scheitern lassen ... So war es auch beim Sommerfest des DEF Ortsverbandes München, das nach drinnen in das Haus am Kuftsteiner Platz verlegt werden musste.

Wegen Umbaumaßnahmen stand auch der Saal nicht zur Verfügung - aber Raum ist ja nun bekanntlich auch in der kleinsten Hütte! Also fand sich der Kreis im Kreis - als Sitzgruppe in einem kleineren Raum. Aber es tat der Freude keinen Abbruch, drinnen feiern zu müssen, denn es entspannen sich gute Gespräche, und die Brotzeit schmeckte auch innen.

Besuch der Hus-Gedenkstätten auf Studienfahrt in Tschechien


Die DEF-Landesvorsitzende Dietlinde Kunad hielt einen Vortrag über den tschechischen Reformator Jan Hus. Zugleich verknüpfte sie die historische Würdigung mit äußerst lebendigen Schilderungen der Hus-Stätten, die eine DEF-Reisegruppe auf Studienfahrt nach Tschechien erst kürzlich besucht und erkundet hatte. Dabei hatten sie sowohl das Elternhaus des Jan Hus in Husinec, mit kleinem Museum, die nahe Handelsstadt Prachatitz, in der Hus die Lateinschule besuchte, und natürlich Prag besucht, wo er seine Bildung abgeschlossen und eine beeindruckende theologische Karriere gemacht hatte. Dietlinde Kunad schilderte Husens Werdegang plastisch und stellte ihn in die größeren Zusammenhänge einerseits des Fernhandels, an dem sein Vater als Fuhrmann Anteil hatte, als auch der geistigen und politischen Situation in Prag. In der Stadt, in der auf dem Kontinent führenden Karlsuniversität und oben auf dem Hradschin wurde große Politik gemacht. Die Tschechen fühlten sich von der herrschenden aus Deutschland kommenden kaiserlichen Elite überfremdet. Junge erfolgreiche Gelehrte wie Hus konnten hier Karriere machen. In der Prager Altstadt findet sich ein Rest der alten Universitätsgebäude der damals hochmodernen und kaiserlich geförderten Karlsuniversität, und das doppelgieblige Gebäude der Bethlehemskapelle, an der Jan Hus gepredigt und Tausende in seinen Bann geschlagen hat.

Hus als theologischer Autor und politisch Verfolgter


Nahe der späteren Hussitenhochburg Tabor - Partnerstadt von Naumburg an der Saale mit reizvollem Stadtbild - finden sich zwei Zufluchtsorte des Jan Hus, der bei stetig steigendem Widerstand der Kirche gegen seine radikale Kirchenkritik seine ihm schon verbotene Predigttätigkeit in Prag nicht fortsetzen konnte. Erste Stätte des Exils war für Hus die Ziegenburg (Kozi Hradek), Besitz der Adelsfamilie, die Hus dort 1412-14 Zuflucht gewährte. Er zog dann weiter auf die Burg Krakovec und noch einmal zurück in seinen Heimatort Husinec. Die Exilzeit war für Hus' theologisches Schaffen bedeutend, legte er doch seine Überzeugungen in Traktaten, aber auch Pamphleten und Flugblättern nieder. Ähnlich Luther auf der Wartburg hundert Jahre später, und in der Nachfolge der mittelenglischen Bibelzusammenstellung von Wyclif und seinem Kreis, widmeten sich auch Hus und andere ihm nahestehende Prager Theologen der Übersetzung von Altem und Neuen Testament ins Tschechische. Hus brachte die Übersetzungen in seinem Werk "Postila" von 1413 heraus.

Von den Burganlagen ist nicht viel erhalten, beide liegen schon in Ruinen. Die Ziegenburg ist seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bis auf wenige Reste zerstört. Ihre Steine wurden als Baumaterial weiterverwendet. Sind bei der Ziegenburg noch Teile des Palas erhalten, so wurde die Burg Krakovec noch im Renaissancestil umgebaut und erst im 18. Jahrhundert aufgegeben. Vor der über eine Holzbrücke über den Graben wieder zugänglich gemachten kompakten Ruine sitzt auf Steinstufen am Hang eine große helle Steinstatue des Jan Hus. Sie zeigt den Reformator als Priester im langen Gewand und mit Haube. Im Arm hält er fest die Bibel, die Rechte hat er, vielleicht beteuernd, vor der Brust.

Europäische Bedeutung des tschechischen Reformators Jan Hus


Die alte Hussitenstadt Tabor ist auch Sitz eines Hussitenmuseums. Es ist im Alten Rathaus am Markt zentral untergebracht. Das Museum stellt die Hussitenzeit in vielen Bildern, in Schlachtenpanoramen und multimedial den Betrachtern vor Augen. Die Besucherinnen der DEF-Reisegruppe waren jedoch besonders angetan von einem Kinderfilm mit liebevoll gestalteten Puppen, der den Kindern in bester tschechischer Tradition den nicht einfachen Stoff nahebringen soll. Bei den deutschen Zuschauerinnen scheint es gelungen zu sein.

Nicht auf der DEF-Studienfahrt, aber auf einer anderen Reise hat Dietlinde Kunad auch noch die große historische Ausstellung und die Hus-Gedenkstätten in Konstanz besichtigt. So konnte sie auch von da, wo ab 1414 das große Konzil beriet und Kirchen- und Weltpolitik machte, vom Ende der Geschichte des Jan Hus berichten, seiner Haft, seinem kurzen Prozess, seiner Verbrennung.

Auf die Hussitenkriege ging sie nicht ausführlich ein, sondern nannte die reichen Anknüpfungspunkte für die lutherische Reformation hundert Jahre später. Luther hatte schon einige zentrale Punkte seiner Kirchenkritik und seiner Theologie beim englischen Vorreformator Wyclif und eben bei Jan Hus vorgefunden. Insofern bewahrheitete sich das Wort des verurteilten Jan Hus, dessen Name "Gans" bedeutet, "Heute bratet ihr eine Gans, doch in hundert Jahren wird ein Schwan aufstehen." Zusammen mit der Bemerkung des Hus aus einem Abschiedsbrief, wenigstens hätten die geistlichen Gegner seine Schriften genau lesen müssen, da sie etwas Falsches darin hätten finden wollen, rundete sich so die spannende Geschichte des Jan Hus gut ab und gab einen Blick auf die europäische Zukunft und Gegenwart, in die Hus als ein wichtiger Wegbereiter der Reformation hineingehört.

Foto: Jan Hus auf dem Scheiterhaufen (Spiezer Chronik, 1485)
https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hu...us_1485.jpg

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