Adventskalender

Adventskalender

Ein Nikolausbesuch in meiner Kindheit ------ pädagogisch wertvoll


Um meine Geschichte verständlicher zu machen, vorab eine kurze Schilderung meiner Kindheitssituation.
Wir, die Großeltern, die Eltern, meine drei Schwestern und ein großer Hund lebten in einem kleinen Dorf in der Eifel auf einem Bauernhof.
Die 1 Jahr ältere Schwester war ein ruhiges, zartes Kind; die 1 1/2 Jahr jüngere ein "Feger", eine Art "Pipi Langstrumpf "; auf die Jüngste mußten wir immer aufpassen, sie war 6 Jahre jünger als ich; und natürlich ich, schon damals groß und kräftig. Es gab strenge Regeln und trotzdem wuchsen wir frei, naturverbunden, mit Tieren und ungezwungen heran.
Die Großeltern, die immer für uns da waren, starben beide kurz hintereinander im Frühjahr/Sommer 1960, ich war 8 1/2 Jahre alt. Es war selbstverständlich, dass wir Großen nun im Haushalt halfen. Da wir von der Großmutter vieles spielerisch gelernt hatten, konnten wir esauch.

Es gab keinen Fernseher und so mußten wir uns unser "Programm" selbst gestalten. Und dazu zählten auch Streiche und Schabernack spielen.
Vielleicht waren wir in dem Jahr besonders "ideenreich", was unsere "Schandtaten" betraf. Vielleicht fehlten uns auch Oma und Opa so sehr. Jedenfalls hörten wir von den Eltern zum Winter hin öfter die alljährlichen Sätze: "Der Nikolaus sieht alles, er kommt in ein paar Wochen". Unter ein paar Wochen konnten wir uns nichts vorstellen, aber es hörte sich nach "bald" an.
Wir wurden in diesen Wochen brave Kinder ; aber wahrscheinlich fingen wir damit zu spät an.

Der 6. Dezember kam unweigerich und mit ihm pünktlich der Nikolaus.( Stiefel vor die Tür stellen kannten wir nicht.)
Er sah für uns Kinder in seiner wunderschönen Verkleidung mit Buch, Stab und hoher Bischofsmütze sehr echt aus. Wir warteten immer darauf, daß ihm die Mütze runterfiel, wenn er sich durch die Tür bücken mußte.
Neben ihm auf den Knien rutschend der Knecht Ruprecht ( wir nannten ihn Belzebub, ) furcht- und angsteinflößend. Er war schwarz im Gesicht, hatte schwarze Klamotten an und auf dem Kopf "Hörner". Dazu schleppte er einen Sack und eine schwere Kuhkette neben sich her.
Wir standen in Reih' und Glied, stramm wie Zinnsoldaten. Der Nikolaus schlug sein Buch auf und wandte sich meiner älteren Schwester zu. Sie trug ihr Gedicht vor und der Nikolaus sagte ein paar Sätze zu ihr. Ich weiß nicht mehr, ob sie viel Schimpfe erhielt ; jedenfalls bekam sie die erste Tüte voller Plätzchen und Buntstifte darin.

Als nächstes war ich an der Reihe und sagte auch mein Gedicht. Ich erinnere mich nur an 2 Fragen, die er an mich stellte, und die ich doch recht ängstlich beantwortete. Die erste war :
"Hast du deiner großen Schwester die Haare abgeschitten "
"Ja"
(es war "nur" ein Zopf von Zweien )
Nach dem Ja rasselte die schwarze Gestalt mit der Kette.
Die zweite Frage :
" Hast du eine Kuh von deinem Onkel auf einer Weide gemolken?"
"Ja"
( Kühe melken war ganz einfach, und wir Großen halfen dabei auch im elterlichen Kuhstall )
Und wieder das Gerassel mit der Kette vom Belzebub.

Aber letzendlich versprach ich, mich zu bessern und bekam auch eine Tüte
Dann kam die jüngere Schwester dran, die aber keine Angst hatte. Sie sagte ebenfalls ein Gedicht und ein paar Fragen, die ihr gestellt wurden, sind mir im Gedächtnis geblieben. Der Nikolaus begann :
" Hast du eurer kleinen Schwester das ganze Öl aus dem Ölkännchen über den Kopf geschüttet ?"
"Ja, Nikolaus, damit ihre Haare schneller wachsen."
.... Kettengerassel
" Gehst du öfter nach der Pause nicht mehr in die Schule zurück ?"
" Ja, Nikolaus,ich kann schon schreiben und lesen."
... Kettengerassel
" Hast du bei der Beerdigung deiner Großmutter der Tante Anna die Zunge rausgestreckt ?
" Ja, Nikolaus, die war zur Oma auch nicht lieb"
...Kettengerassel
Sie hatte noch mehr Fragen zu beantworten, die ich nicht mehr weiß. Jedenfalls bekam sie keine Tüte und der Nikolaus sagte, dass er sie mitnehmen müsse. Er nahm sie hoch,der "Schwarze" hielt den Sack auf, (aus Jute und luftdurchlässig ) sie strampelte und sagte, er solle sie loslassen. Aber es half nichts, sie wurde mitgenommen.
Meine ältere Schwester und ich standen tränenüberströmt und stumm vor Schreck, die kleine Schwester heulte mit, der Hund bellte wegen dem Gerassel, es war furchtbar.
Die Eltern saßen auf dem Sofa; wir standen stocksteif vor dem Tisch. Nach ihnen umdrehen, um ihren Gesichtausdruck zu sehen, wagten wir gar nicht.

Plötzlich ging die Wohnzimmertüre auf und meine Schwester stand da. Sie erzählte ganz fröhlich, daß der Nikolaus sie draußen in einen Handziehwagen gesetzt hätte und zum Nachbarhaus gezogen. Er sei mit dem Belzebub in das Haus gegangen und sie krabbelte aus dem Sack und kletterte aus dem Wägelchen. Sie sagte, das der "Belzebub" ein Mann ist und mit dem Nikolaus gesprochen hätte.
Dieser Nikolausabend blieb in meinem Gedächtnis und ich wurde ein mehr oder weniger "artiges" Kind. Mein Versprechen hielt ich ein, aber von da an glaubte ich nicht mehr an den Nikolaus.
Später wußten wir natürlich, das die "Selbstbefreiung" von den Erwachsenen so geplant war
Über die Geschichte wurde jahrelang in der Familie und in der Verwandschaft gelacht. Und auch heute ist ein Tag, an dem ich mit einem frohen Lächeln an meine verstorbene Schwester denke und sie mir besonders nah ist.

Ich wünsche Allen noch eine schöne, frohe Adventszeit und ein harmonisches, friedliches Weihnachtsfest.

32 Kommentare

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Wunderbar, solche Erlebnisse habe ich auch. Was hatte ich Angst, aber es ging immer recht glimpflich aus
......und Respekt
Der Nikolaus war gleich dem Lehrer und dem Pfarrer.
Es war auch "nur" das einemal, daß eine von uns Geschwistern mitgenommen wurde.
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Sehr schön geschriebene Kindheitserinnerungen.
Dankeschön Brigitte
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Sehr schöne Erinnerung für dich,klasse zu lesen,schönen 2.ten Advent
Danke Ilona, für dich auch einen schönen Adventsonntag.
danke Agnes
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Sehr schöne Geschichte Agnes
Ich wünsche Dir noch einen schönen 2. Advent
Dankeschön Michaele, wünsche ich dirund deinem Mann auch.
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Ja ...Nikolaus und ( bei uns ) Knecht Ruprecht waren ...damals ...sehr streng
Wir waren ja auch manchmal "Rabauken "...
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Die Geschichte gefällt mir, weckt Kindheitserinnerungen! Ich wünsche dir einen schönen 2. Advent und sende viele Grüße
Dankeschön Karin, ja mir fielen beim Schreiben so viele Dinge ein, die wir erlebten und heute undenkbar sind . LG
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Das sind schöne Kindheitserinnerungen .schönen 2ten Advend. .Margarete
Dankeschön Margarete; für dich auch
Bitteund danke auch
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Huhu Agnes
Deine Geschichte hast du so geschrieben, dass ich irgendwie mittendrin war . Dankeschön und einen schönen 2.Advent
Danke dir Claudia, wünsche ich dir auch.
Ein schöner Nebeneffekt für mich war gestern, daß mir beim Schreiben wieder so viele unserer Streiche eingefallen sind und ich jetzt noch am Schmunzeln bin.
Danke Agnes

hihi....das kann ich mir sehr gut vorstellen.

Stoff für einen neuen Beitrag
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Eine sehr schöne Geschichte ! Wünsche Dir einen schönen Nikolausabend !
Danke Helga, wünsche ich dir auch
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Agnes eine tolle Geschichte, voller Liebe zu Deiner Familie. Ich wünsche einen schönen 2. Advent
Dankeschön Helge, das wünsche ich dir auch
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