Altersselbsthilfegruppe statt Ehrenamt

Einfach nur ein paar Überlegungen von mir, die mich nicht mehr loslassen.
Ich bin kurz vor der Altersrente. Gestern habe ich von der Rentenstelle eine genaue Aufstellung meines Verlaufes per Post erhalten. Gefühlt ist es noch eine lange Zeit, bis September 2017. Brutal ist der Absturz aus den Wolken durch diese 12 Bogen Papier, die jetzt vor mir liegen. Eine kaufmännische Bilanz meines Lebens. Drei Seiten eng beschrieben mit Datums. oder wie auch immer es grammatikalisch richtig sein mag, so ähnlich könnte es sein, wenn ich in der Sterbephase bin, das mein Leben , in Filmen habe ich das gesehen, in Jahreszahlen an mir vorbei rauscht. Jetzt habe ich es anfassbar mit meinen Händen, nicht fassbar für mein Gefühl, vor mir auf dem Tisch,meinen detailierten Rentenverlauf, Ich versuche die Datums in meiner Erinnerung aufzurufen, in mir lebendig werden zu lassen. Was war zu jener Zeit mein Leben, welche Menschen hatte ich um mich, die ich liebte, die zu meiner Welt gehörten Überfall artig kommen Emotionen in mir hoch, die so präsent sind, wie zu ihrer aktuellen Zeit, dass ich erschrecke. Menschen , die nahe standen, sind nicht so heftig präsent Ich bin schnell zurück in der Gegenwart. Es klingelt an meiner Haustür, ich werde wieder geerdet. Der Mitstreiter aus meiner Altersselbsthilfegruppe, besucht mich wie täglich üblich, um zu besprechen , was morgen anliegt. Wir haben gelernt, dass die Jungen mit sich selber stark beschäftigt sind. Für Hilteleistungen aus Ehrenämtern sind wir noch zu "rüstig". Also bringt jeder das ein was er oder sie kann, um sich gegenseitig, für uns als das Normalste auf der Welt, ein Leben zu ermöglichen, wie wir es uns vorstellen. Dazu gehören, Unabhängigkeit, das Gefühl gebraucht zu werden, das Gefühl, da ist jemand auf den ich mich verlassen kann, ohne Zwänge, das Gefühl ich werde als Mensch war genommen, das Gefühl alt werden kann auch in einer menschlichen Gesellschaft funktionieren, und zwar ohne Verschwendung von Geld. Gutes Gefühl, muss jetzt an die Tür, da freut sich ein Mensch auf mich, und mich ich auf ihn. Dritte Lebensphase ist lebenswert.

3 Kommentare

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Ehrenämter halte ich für jedes Alter für verfehlt. Menschen, die bei sich sind helfen sich gegenseitig, ohne Plakette...so erlebe ich das in meiner Umgebung
Doch ohne Ehrenamt wüßten viele nichts mit sich anzufangen. Der Grund, sie wissen nichts über sich und ihre noch immer brach liegenden Fähigkeiten. Das Älterwerden ist ein ganz neues Feld dass es zu betreten gilt. Ein guter Eistieg von dir...
liebe margarethe, ich sehe dieses traurige Thema genauso wie du. es ist schön, dass du diese Erfahrung machen darfst
lg maria
Maria,
es wäre nicht traurig wenn wir viel mehr von jenen erzählen würden die tapfer ihr Leben bewältigen.
Uns wird immer die heile Welt der Gesunden vorgespielt. Aber sie sind es nicht wirklich. Wer gesund ist, heil, gibt schon aus Freude ab, teilt mit anderen die gerade schwach sind...seine Kraft, seine Zeit...Es geht nicht immer nur um Geld...lg Margarethe
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