Hinein in das Leben und in die Freiheit! - Zum 200. Geburtstag von Charlotte Brontë

Charlotte Brontë
Charlotte BrontëFoto-Quelle: Zeichnung von George Richmond, gemeinfrei
Deutscher Evangelischer Frauenbund Bayern

Heute gedenken ja alle der Queen, die 90 Jahre alt wird. Aber sie wird erst im Juni feiern, wenn das Wetter besser ist, und so soll unser Geburtstagsgruß einer anderen großen Frau aus England gewidmet sein. Heute vor zweihundert Jahren nämlich ist Charlotte Brontë geboren worden, als ältestes überlebendes Kind des Landpfarrers Patrick Brontë in Thornton in Yorkshire. Somit wurde sie auch die älteste der dichtenden Geschwister Brontë; das ist alles Geschichte der Kultur und Weltliteratur.

Eine enge Welt im Weltreich, mit einer eher unbestimmten Ahnung des Lebens, das sich anderen erschloss, ihnen aber verschlossen blieb. Die Geschwister brachen über die heimatlichen Heidehorizonte auf durch ihr gemeinsames Dichten und Schreiben, auf in ihren eigenen Kosmos, den sie sich selbst erschaffen hatten. Charlotte als die Älteste kam durch Schule und Unterricht auch selbst ein bisschen hinaus. Im wirklichen Leben versuchte Charlotte, einen der erlaubten Wege für Frauen zu gehen: Lehrerin. Sie arbeitete an einer Schule, auch als Hauslehrerin - Gouvernante - und hatte die Idee, selbst eine Schule zu betreiben. Jedoch glückte dies nicht.
Es hätte ihr eine eigenständige Existenz sichern können.

Sie und ihre Geschwister versuchten es auch, mit sich dann plötzlich einstellendem Erfolg, ernsthaft mit der Schriftstellerei. Der Weg in die Kunst ist ein anderer Weg in die Freiheit.
Charlotte hatte Erfolg! Die wunderbare wilde Heldin Jane Eyre erregte Aufsehen, fand Bewunderung und Kritik. Schnell wurde der Roman in andere Sprachen übersetzt.
Charlotte lüftete schließlich auch ihr männliches Pseudonym. Wege eröffneten sich ihr, hinein in die literarische Szene in London sogar!

Ihr früher Tod kam letztlich durch die gesellschaftliche Rückbindung. Sie war eine Ehe mit einem Pfarrer eingegangen, blieb also genau in dem Milieu ihrer Familie. Und sie starb viel zu früh an Komplikationen bei Schwangerschaft und der sich daraufsetzenden Turberkulose.

Jane Eyre, Charlotte Brontes Heldin, die selbst erzählt in dem, was sie ihre Autobiographie nennt, und das ein Roman im Wortsinn ist und auch ein Entwicklungsroman, Jane Eyre bedauert ihr Eingesperrtsein als Frau. Sie will hinter den Horizont, will mehr wissen und erfahren und sich mit anderen Menschen ihrer Art verbinden - sie will leben!

"Im allgemeinen nimmt man an, daß Frauen sehr ruhig sind, aber Frauen empfinden gerade so wie Männer; auch sie brauchen ein Feld der Thätigkeit für ihre Fähigkeiten, wie ihre Brüder es thun; sie leiden unter zu schweren Fesseln, unter vollständiger Stagnation gerade so wie Männer es thun wurden; und es ist engherzig, wenn ihre begünstigteren Nebenmenschen sagen, daß sie sich darauf beschränken sollten, Puddings zu machen und Strümpfe zu stopfen, Klavier zu spielen und Tabaksbeutel zu sticken. Es ist gedankenlos, sie zu verdammen oder über sie zu lachen, wenn sie versuchen, mehr zu arbeiten und mehr zu lernen, als das, was das alte Herkommen für ihr Geschlecht nötig erachtet."

Aber wie Jane Eyre, ihre berühmte Figur hat sie die bedrückende Enge des Frauenlebens in dieser Zeit überwunden, hat sich nicht abgefunden, bei aller tragischen Gebundenheit der Verhältnisse und Vorstellungen. Sie hat Wege gesucht und gefunden hinaus aus der Konvention und dem engen Korsett. Hinein in die Welt und die Freiheit!

Das Zitat ist aus dem 12. Kapitel von "Jane Eyre", Text entnommen Gutenberg.de
Bild: Porträt der Charlotte Brontë von George Richmond, 1850, gemeinfrei

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