❊✫ Der alte Weihnachtsbaumständer✫❊

❊✫ Der alte Weihnachtsbaumständer✫❊
❊✫ Der alte Weihnachtsbaumständer✫❊

Beim Aufräumen des Dachbodens - ein paar Wochen vor Weihnachten - entdeckte der Familienvater in einer Ecke einen ganz verstaubten, uralten Weihnachtsbaumständer. Es war ein besonderer Ständer mit einem Drehmechanismus und einer eingebauten Spielwalze. Beim vorsichtigen Drehen konnte man das Lied "O du fröhliche" erkennen. Das musste der Christbaumständer sein von dem Großmutter immer erzählte, wenn die Weihnachtszeit herankam. Das Ding sah zwar fürchterlich aus, doch kam dem Familienvater ein wunderbarer Gedanke. Wie würde sich Großmutter freuen, wenn sie am Heiligabend vor dem Baum sitzt und dieser sich auf einmal wie in vergangener Zeit zu drehen anfängt und dazu "O du fröhliche" spielt. Nicht nur Großmutter, die ganze Familie würde staunen.
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So nahm er den Ständer und schlich ungesehen in seinen Bastelraum. Jeden Abend zog er sich geheimnisvoll nun in seinen Bastelraum zurück und verriegelte die Tür. Eine gründliche Reinigung und eine neue Feder, dann sollte der Ständer wie neu sein.
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Natürlich fragte die Familie, was er dort treiben würde und er antwortete jedes mal nur: "Weihnachtsüberraschung". Kurz vor Weihnachten sah der Weihnachtsbaumständer aus wie neu. Jetzt noch schnell einen prächtigen Weihnachtsbaum besorgt, so um die zwei Meter hoch und wieder verschwand der Vater in seinem Hobbyraum. Er stellt den Baum in den Ständer und führte einen Probelauf durch. Alles bestens, was würde Großmutter für Augen machen. Nun endlich war es Heiligabend. Der Vater bestand darauf den Weihnachtsbaum alleine zu schmücken, er hatte extra echte Baumkerzen besorgt, damit alles stimmte. "Die werden Augen machen!" sagte er bei jeder Kugel, die er in den Baum hing. Als er fertig war, überprüfte er noch einmal alles, der Stern von Bethlehem war oben auf der Spitze, die Kugeln waren alle angebracht, Naschwerk und Wunderkerzen hingen hübsch angeordnet am Baum und Engelhaar und Lametta waren hübsch untergebracht. Die Feier konnte beginnen!
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Für die Großmutter stellte er den großen Ohrensessel parat, die anderen Stühle stellte der Vater in einem Halbkreis um den Tannenbaum. Jetzt führte der Vater die Großmutter feierlich zu ihrem Platz, die Eltern setzten sich neben ihr und ganz außen saßen die Kinder. "Jetzt kommt die große Weihnachtsüberraschung", verkündete er, löste die Sperre am Ständer und nahm ganz schnell wieder seinen Platz ein. Langsam begann der Weihnachtsbaum sich zu drehen und hell erklang von der Musikwalze "O du fröhliche". War das eine Freude! Die Kinder klatschten in die Hände und Oma hatte vor Rührung Tränen in den Augen. Sie brachte immer wieder nur "Wenn Großvater das noch erleben könnte, dass ich das noch erleben darf!" hervor. Mutter war stumm vor Staunen.
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Eine Weile schaute die Familie entzückt und stumm auf den im Festgewand drehenden Weihnachtsbaum, als ein schnarrendes Geräusch sie jäh aus ihrer Versunkenheit riss. Ein Zittern durchlief den Baum, die bunten Weihnachtskugeln klirrten wie kleine Glöckchen. Nun begann der Baum sich immer schneller an zu drehen. Die Musikwalze hämmerte los. Es hörte sich an als wollte "O du fröhliche" sich selbst überholen.
Mutter schrie laut auf. "So unternimm doch was!" Vater saß aber wie versteinert auf seinem Stuhl und starrte auf dem Baum, der seine Geschwindigkeit immer weiter steigerte.
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Mittlerweile drehte er sich so schnell. dass die Flammen hinter ihren Kerzen wehten. Großmutter bekreuzigte sich und betete, und murmelte nur noch: "Wenn das Großvater noch erlebt hätte."
Als erstes löste sich der Stern von Bethlehem, sauste wie ein Komet durch das Zimmer, klatschte gegen den Türrahmen und fiel auf den Dackel, der dort gerade ein Nickerchen hielt. Der Dackel flitzte wie von der Tarantel gestochen in die Küche und schielte in Sicherheit um die Ecke.
Lametta und Engelhaar hatten sich erhoben und schwebten, wie ein Kettenkarussell am Weihnachtsbaum.
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Vater erwachte aus seiner Starre und gab das Kommando: "Alles in Deckung!" Ein Goldengel trudelte losgelöst durchs Zimmer, nicht wissend, was er mit seiner plötzlichen Freiheit anfangen sollte. Weihnachtskugeln, der Schokoladenschmück und andere Anhängsel sausten wie Geschosse durch das Zimmer und platzten beim Aufschlagen auseinander.
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Die Kinder hatten hinter der Großmutters Sessel Schutz gefunden. Vater und Mutter lagen flach auf dem Bauch, den Kopf mit den Armen schützend. Mutter jammerte in den Teppich. "Alles umsonst, die viele Arbeit, alles umsonst!" Vater wollte sich vor Peinlichkeit am liebsten unter dem Teppich verstecken. Oma saß immer noch auf ihrem Logenplatz, wie erstarrt, von oben bis unten mit Engelhaar und Lametta geschmückt. Ihr kam Großvater in den Sinn, als dieser 1914 - 18 in den Ardennen im feindlichen Artilleriefeuer gelegen hatte. Genauso musste es gewesen sein, als gefüllter Schokoladenbaumschmuck an ihrem Kopf explodierte, registrierte sie trocken “ Kirschwasser” und murmelte: “ Wenn Großvater das noch erlebt hätte!” Zu allem jaulte die Musikwalze im Schlupfakkord "O du fröhliche" , bis mit einem ächzenden Ton der Ständer seinen Geist aufgab.
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Durch den plötzlichen Stopp neigte sich der Christbaum in Zeitlupe, fiel auf’s kalte Büffet, die letzten Nadeln von sich gebend. Totenstille! Großmutter, geschmückt wie nach einer New Yorker Konfettiparade, erhob sich schweigend. Kopfschüttelnd begab sie sich, eine Lamettagirlande, wie eine Schleppe tragend, auf ihr Zimmer. In der Tür stehend sagte sie: "Wie gut, dass Großvater das nicht erlebt hat!"
Mutter, völlig aufgelöst zu Vater: "Wenn ich mir die Bescherung ansehe, dann ist deine große Überraschung wirklich gelungen."

Andreas meinte nur: "Du, Papi, das war echt stark! Machen wir das jetzt Weihnachten immer so?"

Verfasser: Unbekannt

31 Kommentare

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Kann es mir bildlich vorstellen danke Elke!
Ich auch Gabriele
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Herrlich Eine Geschichte die beim Lesen mal auf wohltuende Art die permanente Besinnlichkeit der Adventszeit in lautem Lachen auflöst. Danke, das hat gut getan
Das freut mich Wünsche Dir noch einen schönen 4. Adventsabend
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über diese Geschichte kann ich jedes Jahr lachen Elke. Einfach köstlich. Danke fürs einstellen.
Gern geschehen Einen schönen 4. Advent wünsche ich dir
Danke, den wünsche ich dir auch
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oh weia, hoffe das bei uns alles glatt läuft
Köstliche Geschichte, hab Pipi im Äuglein
Na das freut mich doch sehr Michi
Was lustiges kommt gut, wir sind so im Stress da freut man sich auf gelungene Abwechslung
Na dann habe ich ja alles richtig gemacht
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Elke.. Super.. habe herzlich gelacht
Ja sie ist einfach köstlich. Habe auch so gelacht Wünsche Dir einen schönen 4. Advent
Herrlich Elke.. auch Dir einen schönen gemütlichen 4. Advent
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Habe mir beim Lesen alles bildlich vorgestellt
und Tränen gelacht
Hallo Christa. Ich auch..und ich habe so gelacht Ich wünsche dir einen schönen 4. Advent und ein frohes Weihnachtsfest
Danke Elke, wünsche ich Dir ebenso
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herrlich, köstlich. Eine wunderschöne Geschichte
Ich habe bei dieser Geschichte so gelacht und es mir bildlich vorgestellt. Diese Geschichte hatte ich den Bewohnern vorgestern bei der Kaffeerunde im Praktikum vorgelesen. Und sie haben auch soviel Spaß dabei gehabt
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LautLach Elke, wie schön - habe gerade Kopfkino. Der letzte Satz des Jungen ist einfach köstlich. Danke dafür & wünsche Dir einen schönen & gemütlichen
4. Advent. Liebe Grüsse ins Siegerland...
Monika ich hatte auch Kopfkino. Ich wünsche Dir ebenso einen schönen 4. Advent. Und ganz liebe Grüße nach meiner Lieblingsstadt Kölle
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Eine herrliche Geschicht.
DANK
Nur so ganz nebenbei: Ab Mitte November war für mich als Kind immer das Wohnzimmer gesperrt. Mein Vater hat meinen Modeleisenbahn vom Speich geholt, sie aufgestellt, und mit neuen Gleisen, Häusern usw. ergänzt. Amheiligen Abend konnt ich damit endlich spielen.
Ende Janur verschwand die Modelleisenbah wieder!
Oh je, dann hattest du aber nicht wirklich viel von deinem Weihnachtsgeschenk wenn es jedes Jahr wieder abgebaut und auf dem Speicher kam.
Wir hatten leider nur, wi es halt in den 50-iger Jahren üblich, war, nur einen sehr kleinen Wohnung, wo die Modellbahn eigentlich keinen Platz hatte.
Ich hab aber schon viele Sachen zum Spielen gehabt (Märlin Baukasten usw.) und dann sehr früh auch einen eigenen Kamera!
Mir war's sicher nich langweilig.
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Eine großartige Geschichte, rührend und komisch zugleich, wie es nur wenige Geschichten sind.
Ja das stimmt. Hallo Hil De Garde
Auch Dir einen lieben Gruß Elke, das Sandmännlein ruft, ich begebe mich nun ins Träumeland. Gute Nacht
Gute Nacht. Schlaf gut.tws
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