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Zum Gedenken der Reichsprogromnacht vor achtzig Jahren

Zum Gedenken der Reichsprogromnacht vor achtzig Jahren

Irgendwo hocken sie an den Fenstern, die Frauen, und wenn ein Jude in der Gasse auftaucht, ziehen sie sich „verächtlich lächelnd“ in ihre Wohnungen zurück und tuscheln, was die Juden für Verbrecher am deutschen Volke sind. Der Nazi-Kupke hatte es doch schon immer gewusst.Unten an der Hauswand hat jemand mit Kreide angeschrieben: "Der Jude ist das teuflische Element des Menschengeschlechtes. Schlagt sie tot!"

Natürlich gibt es auch die anständigen im Hause, die sich von den Nazis nicht kirre machen, schließlich tun die Juden niemanden etwas zu leide und in brave Bürger. Kupke aber schrie aus dem Fenster, die Juden werden auf den Trümmern Deutschlands ihr Judenreich errichten. Sie geben sich nur harmlos, dass sei eine Maske. In Wirklichkeit hat er Jude geheime Mächte und Kräfte mobilisiert.Jossel Fischmann versteht nicht, warum er eine Gefahr für Deutschland sein soll, und träumt davon, den Nazi-Kupke zu fragen, ob er wirklich glaube, daß er der Staat sei und warum er schuld an Deutschlands Unglück sein soll. Er, der Kaufmann Jossel Fischer sei selber arm. Wer trägt denn hier die Schuld?Die Nachbarn im Hause beruhigen Fischmann, er soll die Hetzerei vom Kupke nicht so ernst nehmen, schließlich werden die Nazis nie an die macht kommen, da gibt es doch die linken Parteien und die Millionen von Menschen in den Arbeiterorganisationen. Die hätten auch ein Wörtchen mitzureden.In der Schlossgasse wohnt auch Arthur Schubert, der den judenfeindlichen Satz an die Hauswand schrieben hat. Er sagt, der Jude sei schuld, dass er arbeitslos sei. Er kauft sich ein Hakenkreuz und heftet es sich an seinen Rockkragen. Er geht in die Naziversammlungen, in denen das Volk unter sich ist. Die übliche kurze Beschimpfung "Jude verrecke!", die üblicherweise an den Hauswänden geschrieben stand, erschien ihm zu kurz und wäre leicht zu übersehen.

Das ist die Zusammenfassung einer Passage aus dem 1940 erschienenen Roman
„Schlossgasse 21“ von H. W. Katz.

Katz selbst musste aus Galizien fliehen, in Berlin war er Zeuge der Bücherverbrennung 1933 und wurde von den Nazis aus dem Land vertrieben.

Wenn wir in dem oben nacherzählten Abschnitt wenige Wörter austauschen, Nazi in Rechtsextremist und Jude in Muslim, sind wir heute wieder im Jahre 1938 angekommen. Die antisemitischen Flugblätter, die der Nazi Kupke im Roman verteilt, sind heute die rechtsextremen Hetzblogs. Die geheimen Mächte und Kräfte, die damals angeblich die Juden mobilisierten, sind heute Verschwörungstheorien, die vom rechten politischen Lager bedient werden.

5 Kommentare

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Primitive Menschen hat es gegeben, gibt es und wird es immer geben.

Die Reichsprognomnacht, banalisiert zur Reichskristallnacht, im November 1938 war der Auftakt zu einem beispiellosen Mordgeschehen. Niemand hätte gedacht, dass eine Kulturnation wie Deutschland in einen derartigen Blutrausch fallen konnte.

Es waren nicht alle Deutschen, aber viel zu viele, die bei der Barberei der Nazis mitmachten oder sie zumindest tolerierten. Deshalb war das Kriegsende am 8. Mai 1945 für mich ein Tag der Befreiung. Hoffentlich müssen wir eines Tages nicht noch einmal befreit werden.

Das Foto eines Unbekannten zeigt ermordete Häftlinge in Bergen-Belsen
Kriegsende, nicht nur ein Tag der Befreiung, für mich begann eine neue Zukunft. Heute, mehr als 70 Jahre danach bin ich froh in solch einem schönen Land wie Deutschland zu leben. Für viele Jugendlichen ist die Reichsprognomnacht vielleicht noch aus dem Geschichtsunterricht nachvollziehbar, aber für viele auch vergessen. Deutsche und Juden täten manchmal besser daran nicht nur über längst vergangene blutige Taten nachzudenken, sondern die Freundschaft und das friedliche Zusammeneben in den Vordergrund zu stellen.

Israel ist ja auch nicht zimperlich wenn es seine Interessen durchboxt. Ich habe da auch manchmal meine Bedenken, aber das auszusprechen wird oft leider als antisemitisch reklamiert.
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"Besorgte Bürger" gehen in Deutschland auch schon wieder mit schwarz-weiß-roten Fahnen auf die Straße und skandieren: "Wer Deutschland liebt, ist Antisemit " . So weit sind wir schon, nicht nur die Flüchtlinge müssen in Angst und Sorge leben, sondern auch zunehmend wieder die Juden.
Genau, Heidi. Und an diesem ganz speziellen Tag steht für mich an erster Stelle die Frage danach, wie es den Juden heute in diesem Land geht.
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Alles - so scheint es - wiederholt sich!
Leider!
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