Glas-Kunst im Foyer des Staatsratsgebäudes

DDR-Geschichte im Wandel der Zeit

Im Staatsratsgebäude werden heute Manager ausgebildet


Im ehemaligen wichtigsten Repräsentationshaus der DDR, dem Staatsratsgebäude, ist wie in keinem anderen Gebäude in Berlin die Geschichte der deutschen Wiedervereinigung erlebbar. Wo einst die Vorsitzenden des Staatsrates der DDR Walter Ulbricht, Willi Stoph, Erich Honecker, Egon Krenz und Manfred Gerlach ihren Amtssitz hatten und die Geschicke des sozialistischen Staates lenkten, werden heute in der Privatschule European School of Management and Technology Berlin (ESMT Berlin), Führungskräfte der Wirtschaft ausgebildet.

Bei einer Führung, die mehrmals im Jahr angeboten wird, erzählen Mitarbeiter der ESMT Berlin wie sich das Haus in seiner Geschichte gewandelt hat. Die Führungen gewähren seltene Einblicke in die Räumlichkeiten, die zu Erich Honeckers Zeiten als Arbeitszimmer, Diplomatensäle und für Staatsbankette genutzt wurden. Auch Altkanzler Schröder hatte eine Zeitlang hier sein Arbeitszimmer. Besucher erfahren aber auch alles über das Geheimnis der mit Ziegenleder bespannten Kacheln, die mit vergoldeten Ornamenten geschmückt, ein Geschenk der Mongolei sind.

Das Staatsratsgebäude am Schloßplatz 1 (dem früheren Marx-Engels-Platz) auf der Spreeinsel im Berliner Ortsteil Mitte, entstand in den Jahren 1962 bis 1964.
Das Architektenkollektiv um Roland Korn und Hans Erich Bogatzky sollte die sogenannte „DDR- oder Ost-Moderne“ darstellen. In die Fassade wurde allerdings auch das „Karl-Liebknecht-Portal“ eingebaut. Ein Portal aus dem alten Berliner Stadtschloss, vor dem Karl Liebknecht am 9. November 1918 die „Sozialistische Deutsche Republik“ ausgerufen hatte.
Der mit Sandstein und rotem Granit verkleidete dreigeschossige Stahlskelettbau hat ein großzügiges Treppenhaus, weitläufige Foyers und große Säle, die für Staatsempfänge genutzt wurden. Betritt man die großzügige Eingangshalle, fällt sofort Walter Womackas Glasbild “Darstellungen aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung”, ins Auge. Im Bankettsaal erinnert ein 40 Meter langes Wandfries aus Meißener Porzellan an das Leben in der DDR.

Das seit 1993 unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde von 2003 bis 2005 für 35 Millionen Euro grundsaniert und für Hochschulzwecke umgebaut. Die Machtsymbole der DDR sind bei der Sanierung erhalten geblieben. Neben dem großen Glasbild im Treppenhaus ziert ein Mosaik des DDR-Staatswappens mit Hammer und Zirkel den heutigen Vorlesungssaal der privaten Hochschule.

Nach der Wende wurde der repräsentative Bau für unterschiedliche Zwecke genutzt. So informierte zwischenzeitlich das Bundesbauministerium über den Hauptstadtumbau und diente der Bundesregierung von 1999 bis zur Fertigstellung des neuen Bundeskanzleramtes 2001 als provisorischen Sitz. Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder „regierte“ nun im Staatsratsgebäude.
Seit Anfang 2006 nutzt die Managerhochschule das ehemalige Staatsratsgebäude, in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Berliner Schloss (Humboldtforum), dem Dom, dem Auswärtigen Amt, dem Berliner Rathaus und der Humboldt-Universität. Text und Fotos: Klaus Tolkmitt

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