Mein kleines Karfreitags-wunder

nur geliehen ...
nur geliehen ...Foto-Quelle: http://www.ddr-fernmeldetechnik.de/muenzfern.html

Um besondere Feiertage ranken sich, zur eigentlichen Botschaft immer auch Geschichten, die man sich weitererzählt. Sie sagen, dass am Karfreitag Wunder geschehen können.
Tatsächlich habe ich vor langer Zeit an einem Karfreitag ein kleines, für mich großes Osterwunder erlebt.

Mauerzeit
Ein grauer Karfreitagmorgen, der die Sehnsucht nach Menschen verstärkt. Viele Freunde waren inzwischen in den Westen geflohen. Immer wieder dieser Abschied, warten auf die Rente, um sich wiederzusehen. Freunde mit denen man über alles reden konnte sich geistig austauschen. Das fehlte mir.

Inzwischen war es wieder möglich ohne Anmeldung zu telefonieren
Nur wenige besaßen ein Telefon. So drängelte es sich an manchen Tagen an den Telefonzellen. Jeder wollte telefonieren – man kannte sich inzwischen schon ein wenig.

Ich hatte genug Kleingeld, um den Münzer zu füttern. Die Straße war leer, es schien als würden alle noch schlafen. Eine kleine, eifrige, Rentnerin putzte die Treppe vor dem Hochhaus.
Ich eilte zur Doppelzelle, alles leer, warf mein gespartes Kleingeld, pro Minute eine Mark ein und hörte die Stimme meines Freundes.
Plötzlich klopfte es unwillig an die Glasscheibe. Mit Handfeger und Müllschippe bewaffnet verjagte die Rentnerin mich aus die Telefonzelle, verwies mich auf die andere, die sie unbemerkt von mir wohl schon geputzt hatte.
Verärgert legte ich den Hörer auf in der Hoffnung dass die Zweittelefonzelle auch in Ordnung ist.
Neben mir wirbelte die „Alte“ nun in der von mir verlassenen Zelle, putze eifrig.
Ich warf die erste Ostmark ein. Die Verbindung wurde hergestellt und blieb ohne dass ich weiter zahlen musste.
Was für ein Wunder freute ich mich. Fast eine Stunde konnten wir miteinander sprechen und am Ende bekam ich sogar noch das eingeworfene Geld zurück.
Solche kleinen Wunder gab es nicht nur am Karfreitag – ich erlebte es jedoch an diesem Tag das erste Mal.
Später wussten Eingeweihte, wenn die Menschen an den Telefonzellen sich besonders freundlich verhielten konnte man umsonst telefonieren.
Dann hieß es immer: Gehen sie nur vor, ich habe Zeit. Bei mir dauert es etwas länger. Man nickte sich freundlich zu und wartete geduldig.
@Margarete Noack

10 Kommentare

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Da war Telefonieren noch etwas Besonderes.
mir ist telefonieren heute noch wichtig - danke wize.life-Nutzer
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Schöne Geschichte liebe Margarethe und aus Kindertagen kenne ich das aber auch von meiner Verwandtschaft als West- Berliner- Göre was das telefonieren von Berlin u. a. auch nach Westdeutschland kostet usw..
Danke Tina,
das war immer sehr teuer. Oft bin ich zur Sparkasse und habe Geld gewechselt um telefonieren zu können. Da war das wirklich ein Geschenk für mich. Schön, dass man das erleben konnte
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Ja, sehr schön! Ist mir auch mal passiert in meiner Jugend in München. Da gab es am Ostbahnhof mehrere Münzsprecher nebeneinander und einer war kaputt insofern, dass man telefonieren konnte, ohne Geld nachzuwerfen. Da hab ich stundenlang mit meinem Freund telefonieren können ... über solche kleinen "Wunder" freute man sich natürlich sehr, weil man es sich sonst gar nicht hätte leisten können
Johanna, schön, dass du das kennst. Lächle, mein Freund lebt jetzt auch in München.
Danke und dir ein schönes Osterfest
... ja, meine Heimatstadt hat Charme, aber Hamburg, wo ich jetzt lebe, ist auch wunderbar Dir auch ein fröhliches, buntes Osterfest, Margarethe!
Liebe Grüße nach Hamburg
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Guten Morgen Margarethe, schön Deine kleine Geschichte. Die Jugend kann das bestimmt nicht nachfühlen. Jetzt hat jeder sein Telefon immer griffbereit.
Ich wünsche Dir ein "Frohes Osterfest"
Danke Marga,
heute werden Telefonzellen als kleine Ablagen für Bücher benutzt. Finde ich großartig. Damals war es eine Verbindung über eine Mauer hinweg. So ändern sich die Zeiten.
Auch für dich schöne Ostertage,glg Margarethe
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