Studie: Lohnschere zwischen Top- und Geringverdienern ein Märchen - Verlierer ist die Mittelschicht

Die viel beschriebene Lohnschere gibt es in Deutschland nicht.
Die viel beschriebene Lohnschere gibt es in Deutschland nicht.Foto-Quelle: Pixabay
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In Deutschland hält sich die Behauptung hartnäckig, wonach die Einkommensschere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht. Sozialpolitiker betonen gebetsmühlenartig, dass die Wohlhabenden immer reicher würden und die Armen immer weniger hätten. Doch eine aktuelle Auswertung von Gehaltsdaten von 20 Millionen Arbeitnehmern zeigt: Die Lohnschere in Deutschland ist ein Märchen. Hierzulande ist der wirkliche Verlierer die Mittelschicht. Wissenschaftlich belegt.

Vergütungsexpertin Christine Seibel von der Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry sagte laut "Welt":

Die Gehaltsschere geht zwar weltweit immer deutlicher auseinander, nicht aber in diesem Maße in Europa und insbesondere nicht in Deutschland.

Gehaltsdaten von über 20 Mio Arbeitnehmern ausgewertet


Korn Ferry untersuchte die Lohn – und Gehaltsentwicklung in verschiedenen Ländern seit 1970. Insgesamt Gehaltsdaten von mehr als 20 Millionen Arbeitnehmern in 25.000 Unternehmen aller nennenswerten Volkwirtschaften.

Das Ergebnis: Zwischen einfachen Angestellten und Führungskräften mit mehrjähriger Erfahrung wuchs die Lohndifferenz in den vergangenen zehn Jahren INTERNATIONAL um 21,6 Prozent. Hier gibt es die Einkommensschere tatsächlich. In den USA wuchs der Abstand mit 12,2 Prozent am meisten, gefolgt von Griechenland (10,9 %) und Großbritannien (9,3 Prozent).

In Gesamt-Europa liegt der Abstand zwischen Spitzen- und Geringverdienern nur bei 1,6 Prozent. In Deutschland haben sich die Gehälter von erfahrenen Führungskräften und einfachen Mitarbeitern fast überhaupt nicht auseinanderentwickelt. Der Abstand liegt bei 0,5 Prozent.

Deutschland steht mit einer minimalen Steigerung für das, was man aus der Sicht eines Dritten erwarten würde: Stabilität

, so Seibel.

Arbeitnehmer der Mittelschicht sind die Verlierer


Die eigentlichen Verlierer, so ergab die Untersuchung, ist im Übrigen die Mittelschicht. Deren Einkommen hat sich in den vergangenen Jahren am schwächsten entwickelt, vor allem deutlich schwächer als das der ungelernten Arbeitnehmer.

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Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen, das ungelernte Arbeitnehmer einen höheren Einkommenszuwachs zu verzeichnen haben als angelernte Arbeitnehmer, Fachkräfte und sogar herausgehobene Fachkräfte.

Entwicklung der Löhne in Deutschland zwischen 2008 und 2018 (in Prozent)

  • Platz 1: Arbeitnehmer in leitender Stellung (Zuwachs um 31,2 Prozent)
  • Platz 2: Ungelernte Arbeitnehmer (Zuwachs um 27,9 Prozent)
  • Platz 3: Herausgehobene Fachkräfte (Zuwachs um 25,3 Prozent)
  • Platz 4: Fachkräfte (Zuwachs um 23,5 Prozent)
  • Platz 5: Angelernte Arbeitnehmer (Zuwachs um 23,1 Prozent)

Hinzukommt, dass gerade bei mittleren und gehobenen Einkommen die Steuer- und Abgabenbelastung enorm hoch ist. Von jedem zusätzlich verdienten Euro geht laut "Welt" bei einem "Normalo-Gehalt" mehr als die Hälfte weg. Nicht berücksichtigt wurden Vorstände und Geschäftsführungen.

Stabilität gefährdet Innovationskraft


Die fehlende Lohnschere in Deutschland könnte mittel- und langfristig sogar zu Problemen führen. Denn für Top-Experten sei Deutschland dann kein lukrativer Standort. Man müssen überlegen, so Seibel, mit welchen Gehältern man nötige Experten ins Land holt.

Das kann zu einer Steigerung der Ungleichheit in der Bezahlung führen, für die Innovationskraft des Landes jedoch von höchster Bedeutung sein.

Denn deutlich wird auch, dass eine Lohnschere vor allem bei aufstrebenden Ländern festzustellen ist. Im Nahen Osten liegt sie etwa bei 57,8 Prozent. Das bedeutet jedoch nicht, dass dort die Armen immer ärmer werden. Sondern nur, dass die Gehälter der ungelernten Arbeiter weniger stark steigen.

In sozialstaatlich geprägten Ländern in Europa wie Frankreich, Italien und Österreich verzeichnen Geringverdiener sogar einen höheren Zuwachs als gelernte Arbeitskräfte. Wie vor allem die stagnierende italienische Wirtschaft beweist, ist das offenbar kein Vorteil.

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13 Kommentare

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Dem Verfasser des Artikels kann man getrost Unwissenheit nachsagen, er hat sich anscheinend nur auf einige Daten verlassen die ihm vorgelegt wurden, aber nicht ausreichend und gut recherchiert. Denn bei dieser Darstellung wurde weder nach Branchen noch einer realen Klassifizierung geschaut. Warum wurden z.B. Vorstände von Groß-, Mittelständigen - und Klein-Unternehmen nicht mit angeführt und ausgeklammert. Allein diese Unterscheidungen ergeben einen unheimlichen Unterschied in der Einkommensklassifizierung Selbst die Unterschiede der Fachspezialisten und dem ungelernten mit 1,6 % Unterschied darzustellen ist gelinde gesagt eine Lachplatte.
Das für mich klassische Beispiel kann man doch jetzt wieder bei der Deutschen Bank sehen. Während das Fußvolk, die Mitarbeiter am Schalter, mit einigen 1000 € abgespeist werden erhalten z.B. 3 Vorstände 26.000.000 € in Worten 26 Millionen an Abfindung! Und da geht natürlich keine Schere auseinander oder sie ist schon seit Jahrzehnten so weit auseinander, daß es den Blinden schon gar nicht mehr auffällt. Um das Ganze festzustellen muß man kein Professor oder Doktortitel haben, sondern man muß nur die 4 Grundrechenarten beherrschen.
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Die Neidkultur der Deutschen ist Weltklasse, und belegt den Platz 1.
Lieber Alfred,
das Ganze hat nichts mit Neid zu tun, sondern mit Gerechtigkeit. Früher hat sich ein Chef eines größeren Betriebes selbst 15 - 20.000 DM pro Monat ausbezahlt, während sein Mitarbeiter zwischen 1500 - 2000 DM an Lohn bekam. Heute bekommt der Mitarbeiter vielleicht 3.000 - 4.000 € und sein Geschäftsführer im Monat 150.000 - 200.000 €, Vorstände bei DAX-Unternehmen Millionen ohne ein Kapitalrisiko, was der Mittelständler aber persönlich haftend trägt.
Was ist Gerechtigkeit? Das ist die Frage. Eine Gerechtigkeit gibt es nicht - dies geschieht nur durch unser subjektives Empfinden des jeden einzelnen.
Ich halte Übertreibungen jeder Art für Ungerecht und dies sollte man auch laut äußern dürfen. Ich gönne jedem wenn er hart gearbeitet hat seinen Lohn, solange es in einem sittlichen Rahmen bleibt. Die Unsitte der übertriebenen Gehälter ist aus den USA zu uns herüber geschwappt, aber das muß man nicht unbedingt gut heißen. Oftmals sprechen Gerichte per Urteil was gerecht ist.
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Diesen linken Unsinn habe ich noch nie geglaubt oder eine Bedeutung beigemessen::
Die CDU/CSU schließt nicht ohne Grund eine Zusammenarbeit mit der Linke auf Bundesebene aus...
Ich halte das Thema auch für unsachlich.
Aber Hallo Elmar W., so ein Satz aus Ihrem Munde, das kann man nur beglück wünschen.
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Die Überschrift ist schlicht falsch! Warum ?
-Arbeitnehmer in leitender Stellung (Zuwachs um 31,2 Prozent) bei 10.ooo € = 3.12o €
-Fachkräfte (Zuwachs um 23,5 Prozent) bei 3.ooo € = 7o5 €
Das zu den %-Vergleichen - nur Augenwischerei !
Der gleiche noch eindeutiger Quatsch !
"Zwischen einfachen Angestellten und Führungskräften mit mehrjähriger Erfahrung wuchs die Lohndifferenz in den vergangenen zehn Jahren INTERNATIONAL um 21,6 Prozent. Hier gibt es die Einkommensschere tatsächlich. In den USA wuchs der Abstand mit 12,2 Prozent am meisten"
Der Meiste hat 12 % und bei allen soll 21 % sein! Wie geht das ?
Liebes Lieschen, dieser Erzähler hatte sicher Probleme mit den 4 Grundrechenarten, da ist er auf das Prozehntrechnen ausgewichen. Das darf man nicht so ernst nehmen - wir haben doch ein Sommerloch!
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Ach welch ein Jammer. Die "Armen Reichen" werden doch wieder mal benachteiligt, ich kann es nicht mehr hören, denn diese Meldungen sind doch so was von unvollständig, dazu braucht man kein Studium um das zu merken. Es ist schlicht weg zum
Warum gründen wir nicht eine neue Partei? RVB Realistische Vernunft- Bürger genügend vernünftige und realistische Bürger haben wir doch in diesem voller Hystrie ausgeprägten Verbots- und Abzockerstaat Deutschland.
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