ifo Institut: "Grundrente ist eine Mogelpackung" - Kaum Wirkung gegen Altersarmut

Die geplante Grundrente stelle nur eine kleine Gruppe von Rentnern besser, k ...
Die geplante Grundrente stelle nur eine kleine Gruppe von Rentnern besser, kritisieren Forscher des ifo InstitutsFoto-Quelle: Pixabay
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Von News Team

Die von der SPD geplante Einführung einer Grundrente ist nach Ansicht von Wirtschaftsforschern kein geeignetes Mittel, um Altersarmut zu bekämpfen.

„Diese Grundrente ist eine Mogelpackung“, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden.

Sie stellt nur eine kleine Gruppe von Altersrentnern besser, die in der Erwerbsphase wenig verdient haben, aber anderweitig abgesichert sind, zum Beispiel über Ehepartner oder Vermögenseinkünfte

so Wirtschaftsprofessor Ragnitz.

Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine ifo-Untersuchung mit dem Titel: "Grundrentenpläne sind leistungsfeindlich".

Bedürftige Rentner profitieren demnach kaum

Wer als Rentner nur geringe Alterseinkünfte beziehe und deshalb auf die "Grundsicherung im Alter" angewiesen sei, der profitiere von der von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vorgeschlagenen Grundrente "allenfalls in geringem Umfang", heißt es vonseiten des ifo Instituts.

Denn auch die aufgestockte Rente übersteige in vielen Fällen nicht die vom Sozialamt festgelegte „Grundsicherung im Alter“ von 808 Euro im Monat.

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Die Heil'schen Grundrenten-Pläne sehen vor, dass Rentner, die nach 35 Beitragsjahren weniger als 900 Euro Rente erhalten, einen Aufschlag bekommen - ohne weitere Prüfung der Bedürftigkeit.

Wie hoch der Zuschlag ist, hängt von der Zahl der Rentenpunkte ab, die während der Berufstätigkeit gesammelt wurden. Maximal sollen kleine Renten um 448 Euro aufgestockt werden.

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Als Beispiel dafür nennt die SPD etwa die Friseurin, die 40 Jahre lang für den Mindestlohn gearbeitet hat und 513 Euro Rente bezieht - nach Einführung der Grundrente würde diese Betrag demnach um 448 Euro aufgestockt, so dass die Rentnerin monatlich 961 Euro zur Verfügung hätte.

Einzige Voraussetzung für die Grundrente: Rentner müssen 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben.

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Genau dies schließe einen Großteil Bedürftiger aus, kritisiert das ifo Institut. Zeiten von Arbeitslosigkeit oder Beschäftigung in einem Minijob begründeten nach den vorliegenden Plänen überdies überhaupt keinen Anspruch auf Grundrente. „Die geplante Reform ist eine Abkehr vom Versicherungsprinzip hin zu einer Umverteilungspolitik“, sagt Ragnitz.

Bedürftigkeitsprüfung ändert nichts an "schwacher Wirkung"

An der "schwachen Wirkung" der Grundrente ändere auch eine Bedürftigkeitsprüfung - wie etwa von Unionspolitikern gefordert - nichts, so die Wirtschaftsforscher.

Am ehesten profitierten bedürftige Rentner demnach von der Einführung eines Freibetrags in der Grundsicherung.

Dieser Freibetrag soll sich demnach an den Zuverdienstregeln für das Arbeitslosengeld II orientieren. Ragnitz: „Sonst bleibt das Problem, dass sich höhere eigene Rentenanwartschaften fast gar nicht in einer Erhöhung des Einkommens niederschlagen."

Sozialminister Heil kontert Kritik an Grundrente

Hubertus Heil wies unterdessen die Kritik an seinem Konzept für eine Grundrente zurück: "Der Vorschlag, den wir vorgelegt haben, erreicht 2,9 Millionen Menschen in ganz Deutschland. Es geht um erhebliche Steigerungen für die, die sich das erworben haben, und ich nenne 2,9 Millionen Menschen keinen Pappenstiel. Das kleinzureden hat nicht viel von Wissenschaft, das hat mit den Zahlen nicht viel zu tun." Das sagte der Bundesminister für Arbeit und Soziales (SPD) am Dienstag dem MDR-Magazin "Umschau". Allein in Ostdeutschland würden 750.000 Menschen von der Grundrente profitieren.

3 Kommentare

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Hier haben wir es doch wieder: Wessen Geld ich bekomme - dessen Lied wird gesungen. Liebe Ifo - Forscher Ihr seid das Geld nicht wert und schon gar nicht euer Gutachten. Habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, was es für einen Kleinrentner bedeutet 100 oder 200 € mehr im Geldbeutel zu haben. Euch sollte man einmal mit 800 € im Monat ein viertel oder ein halbes Jahr abspeisen, damit Ihr einmal lernt - was Armut überhaupt bedeutet.
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Es ist doch immer wieder auffällig wie diese mit öffentlichen Geldern oder durch Unternehmen finanzierten Institutionen jedes mal mit ihren pseudo- Gutachten front machen wenn Arme etwas bekommen sollen. Wo bleiben die Gutachten zu den Themen Korruption und Postengeschacher in der Politik? Zu diesem Thema der Demokratiezerstörung wehre ein Gutachten interessant. Auch würde mich interessieren wie Viele Milliarden Konzerne im Bereich Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen den Kassen entziehen. Dazu sind diese Clubs aber nicht in der Lage.
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So wer also 35 Beitragsjahre geleistet hat soll in den Genuss einer Grundrente kommen. Im Gesetz heißt es das Kranke nicht schlechter gestellt werden dürfen, was ist also mit denen die diese 35 Beitragsjahre nicht leisten konnten? Ich wurde von einem Gast Merkels in die Rente geprügelt, kann besagte Jahre nicht mehr erbringen! Sollte ich hier benachteiligt werden, dann werde ich sofort Klage einreichen und hoffe das weitere betroffene folgen werden!
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