Motor-Tod beim T5: Alle müssen zahlen, nur VW nicht - ein Erfahrungsbericht

Kommentar
Motortod garantiert: VW-Bus T5 Multivan mit Biturbo-Diesel (179 PS)
Motortod garantiert: VW-Bus T5 Multivan mit Biturbo-Diesel (179 PS)Foto-Quelle: Alexander Schiechel
Alexander Schiechel
Aktualisiert:

Tausende VW-Bus-Fahrer mit Biturbo-Diesel hat dieses Schicksal bereits ereilt: Extrem hoher Ölverbrauch und letztendlich Motortod. Die Gelackmeierten sind Käufer, Händler und Versicherungen – nur der Hersteller kommt dabei fast ungeschoren davon. Ein Erfahrungsbericht.

Das Problem und Ausmaß ist VW schon lange bekannt und auch statistisch bestätigt: Bei über 140 000 T5-Bussen mit 2,0-Liter-Biturbodiesel (132 kW, 179 PS, Baujahr 2011, Motorkennbuchstabe CFCA), die zwischen September 2009 und Mai 2015 produziert wurden, sind allein dem Hersteller an die 12.000 Motorschäden bekannt. (Quelle: bild.de)

In dieser Statistik fehlen aber komplett die in freien Werkstätten reparierten und ausgetauschten Motoren. Die Dunkelziffer ist also nochmal deutlich höher. Grund dafür ist ein defektes Bauteil. Der Kühler der Abgasrückführung (AGR-Kühler) sondert Partikel korrodierter Kühlrippen in die Brennräume des Motors ab, die Zylinderlaufbahnen und Kolbenringe verschleißen mit der Zeit. Das erste Symptom ist immer ein stark erhöhter Ölverbrauch - noch unter 100.000 Kilometer Laufleistung.

Probleme mit dem T5 aus eigener Erfahrung

Ich selbst bin Betroffener. Ähnlich wie Thomas Schneider es bei bild.de diese Woche schilderte, erwarb auch ich 2017 einen VW-Bus T5 Multivan mit 80.000 Kilometern knapp unter 30.000 Euro bei einem freien Händler. Schon beim ersten Ausflug Richtung Alpen musste ich am Irschenberg den ersten Liter Öl nachfüllen. Und so ging das alle 1000 bis 2000 Kilometer weiter.

Das erste Mal googelte ich das Problem, fand in Foren und Netzwerken unzählige weitere Betroffene. Das Symptom war immer das gleiche: Ein gigantisch hoher Ölverbrauch bei gleichem Modell und gleicher Motorisierung. Thomas Schneider wollte diesem Problem entgehen und stellte schon vor dem sicher bevorstehenden Schaden einen Antrag auf Kostenübernahme für den AGR-Kühler-Wechsel. VW lehnte ab. „Präventivmaßnahmen könne man nicht unterstützen“, hieß es in einem Schreiben an den Antragsteller.

VW lehnte auch meinen Kulanzantrag ab

Ich meldete den drastischen Ölverbrauch natürlich dem Händler und dieser ließ eine kontrollierte Messung bei VW machen. Dabei wird maximal Öl eingefüllt, die Nachfüllöffnung verplombt und dann genau 1000 Kilometer gefahren. Ergebnis bei erneuter Messung: Der Ölverbrauch ist mit fast 2 Liter pro 1000 Kilometer deutlich zu hoch. Allein dafür kassiert VW übrigens um die 200 bis 300 Euro (Öl und Arbeitszeit).

Ein Kulanzantrag zur Behebung des Problems wurde von VW nun abgelehnt. Grund: Ein Service wurde vom Vorbesitzer einen Monat zu spät gemacht. Für mich eine nicht nachvollziehbare Begründung. Inzwischen führte ich immer einen 5-Liter-Ölkanister mit. Bei jedem Tank-Stopp musste ich den Ölstand kontrollieren und längere Fahrten wurden stets von einem unsicheren Gefühl und einem Blick auf die Öltemperatur begleitet.

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Dem Händler war ein Austauschmotor für ca. 10.000 Euro zu teuer und er ließ den Motor bei einer freien Werkstatt für ca. 3000 Euro aufbereiten. Diese Kosten übernahm die von mir abgeschlossene Gebrauchtwagenversicherung. Ein Fehler. Mit dieser Maßnahme wurden somit nämlich auch alle kommenden Schäden am Motor versicherungstechnisch ausgeschlossen.

Symptom bekämpft, aber nur für kurze Zeit

Die Freude über den jetzt normalen Ölverbrauch hielt wie befürchtet nicht lange an. Bereits nach knappen 15.000 weiteren Kilometern kam der Motor-Pleuellager-Totalschaden, der sich durch einen Sachverständigen auch auf das ursprüngliche Problem zurückführen ließ. Es gibt nämlich nur eine Lösung, wenn der Motor erst mal anfängt in dieser Dimension Öl zu schlucken: Ein Austauschmotor inkl. neuem AGR-Kühler (standardmäßig am neuen Motor), neuem Turbo und Diesel-Partikelfilter (DRPF oder DPF). Alles andere ist Murks und endet früher oder später mit dem Motor-Exitus. Die Kosten hierfür bewegen sich immer um die 10.000 Euro.

Letztendlich musste ich den Schadensfall über einen Anwalt regeln lassen, zum Glück hatte ich eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Allerdings konnte ich nur den Händler in die Pflicht nehmen, nicht VW selbst. Der Händler und ich haben uns die Kosten für den Austauschmotor geteilt. Berücksichtigt sind hier allerdings nicht die Kosten, die bei der Bewältigung des Problem über Monate entstanden sind: Fahrten zu Werkstätten, Leihautos, Abschleppkosten, Anwaltskosten usw.

Rage against Volkswagen

Wer bei diesem Schaden überhaupt nichts zahlen musste, ist der für mich eigentlich Verantwortliche: VW. Wie mir ging und geht es tausenden VW-Bus-Besitzern mit diesem Motor-Typ und fehlerhaften AGR-Kühler In den seltensten Fällen wird ein Kulanzantrag von VW genehmigt. Es zahlen die Käufer, Händler und Versicherungen.

Viele der T5-Besitzer leben mit dem Problem, kippen permanent Öl nach, weil sie sich eine Reparatur nicht leisten können. Das Auto wurde in diesen Fällen meist privat und nicht bei einem Händler gekauft. Eine Rechtsschutzversicherung haben die meisten Betroffenen auch nicht. Die Wut der Betroffenen ist deutlich zu spüren. In der Facebook-Gruppe VW T5 - T6 Germany berichten wöchentlich neue Mitglieder vom gleichen Problem und äußern ihren Unmut. Die Zahl der Betroffenen steigt weiter an.

Viele Bulli-Fans werden sich nie wieder einen VW-Bus in ihrem Leben kaufen (können). Nicht zuletzt deshalb ist das Verhalten von VW nicht nachvollziehbar. Gäbe es den Kult, die treue Community und die unzähligen kreativen Zubehör-Hersteller nicht, wäre das Ausmaß und die Konsequenzen der Verbraucher sicher noch drastischer.

VW, warum geht ihr so mit der Bulli-Fangemeinde um? Es ist eine Schande.

12 Kommentare

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ist es sicher, dass der AGR-kühler dafür verantwortlich ist? das ist doch ein bezahlbares bauteil, welches mit überschaubaren aufwand per rückruf ausgetauscht werden könnte, die ausgetauschen aus nem korrosionsfreien material gemacht und das problem wäre weg (für relativ "kleines geld")
ich denke, dass das motorkonzept nicht gelungen ist ..2 liter hubraum, mit 2 turboladern auf 180PS gebracht sind vll für nen sportwagen oder kompaktwagen Ok ..aber nicht für einen doppelt so schweren bulli...ich denke der motor ist schlicht und ergreifend für das fahrzeug ungeeigenet, weil nicht standfest genug ..das wird VW wissen, weshalb auch der austausch nur makulatur ist ...das problem wird abhängig von der fahrweise (hängerbetrieb, schweres WoMo, lange vollgasfahrten) immer wieder früher oder später auftreten.....eine dauerhafte lösung wäre nur ein anderer motor ..was aber eben auch nicht so einfach ist ...

wie die ersten 1.6 GTI ...kalt geprügelt, billiges öl..lange vollgasfahrten .......da hatten viele den schon nach 50.000km platt ..gesittet hielt er 150.000 ..aber für gesittet war der GTI ja nicht gemacht
Ja, ist sicher der AGR, Ralf. Und leider reicht es nicht aus nur diesen auszutauschen. Ist der Motor erst mal ein paar tausend Kilometer gefahren, sind die Schäden am Motor so groß, das nur eine komplette Auswechslung Abhilfe schafft - inkl. Turbolader und DPF.
Liebe Grüße
Alex
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Ja, da müßt Ihr halt weiter VW kaufen!
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VW ist es doch egal einen haltbaren Motor zu entwickeln. Der Wagen muss die Garantie überstehen oder eine maximale Laufleistung bis zum Tod von 100-150tkm.
Wundert ihr euch ernsthaft über die Reaktion von VW?
Früher wurden Millionen Testkilometer bis zu Serienreife gefahren. Heute übernimmt dies der Kunde. Banenautos, grün geerntet und beim Kunden gereift.
Bei anderen Herstellern sieht es nicht anders aus.
Genau aus diesem Grund erleben seit geraumer Zeit Youngtimer ihr Comeback.
Und daher werden die T4 auch teuerer gehandelt als T5.
Mein 150ps TDI T4 Bj01 hat mittlerweile 385tkm auf der Uhr und hat KEINEN Ölverbrauch.
Dort konnte man noch von guter Qualität sprechen.
Mich wundert es eh, daß die Kunden VW so lange treu geblieben ist.
Die TFSI / TSI Fraktion kämpft mit ähnlichen oder sogar noch erheblicheren Problemen.
Traurig aber normal. Geht alles noch um Umsatz.
Aber ich denke so langsam wachen die Leute auf....
Das weiss ich, weil ich im Motorenprüfstandbau tätig und mit sogenannten VW-Entwicklungsingenieuren oft in Kontakt war. Da ging es nur darum günstige Bauteile einzubauen die genau die o.g. km aushalten. Etwas besseres wäre ja auch zu teuer und ist grundsätzlich nicht erwünscht
Da bin ich froh, daß ich seit über 40 Jahren ein Auto mit dem Stern fahre. Jeden Wagen habe ich bis ca. 300.000 km gefahren und dann noch verkauft.
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Hab meinen T5 Bj 13 schweren Herzens verkauft als das losging mit dem erhöhten Ölverbrauch. Bevor ich mich streite mit VW.
Alle Inspektionen pünktlich und trotzdem dieser Schaden.
Mein Vertrauen in VW ist weg.
Fahre jetzt Nissan
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@ wize.life-Nutzer, wir gehören auch zu den betroffenen. 2011er T5.2 Edition25 im September 2014 mit 77tkm gekauft. Ölverbrauch war da schon gegeben und ist immer schlimmer geworden, bis wir 1,5l Öl auf 400km fahrt verbraucht haben.
Die Angebotene Kulanz Aktion von VW (scheint es wirklich zugeben) ist aber ein schlechter Scherz. Für ein Fehler aus der Konstruktion soll man 30% der Teile bezahlen und die kompletten 100% Arbeitslohn. Allein das ist schon eine Frechheit!
Ich hatte mich darüber auch bei VW beschwert und wir haben uns dann auf eine 50/50 Kulanz geeinigt (Material+Arbeit). So kamen wir zu AT-Motor 2....Hier beginnt das Drama...

Es wurde lediglich der Rumpfmotor getauscht nichts weiter. Dieser neue Motor hat dann 5tkm abgespult um dann auf der BAB hoch zu gehen. Plötzlich lief er nur noch auf 3 Zylindern.

Wieder ab in die Werkstatt. Da ja noch Gewährleistung auf dem Motor war haben wir so den 3. AT-Motor erhalten. Dieser kam aber nur auf 500km, dann ist der Zahnriemen gerissen.

Wieder in die Werkstatt. Altes Spiel, Gewährleistung neuer Motor (mittlerweile auch neuer Turbolader da dieser mit in Mitleidenschaft gezogen wurde). Aber leider war hier die Freude auch nicht von langer Dauer.... 10tkm später machte es wieder mal bang und das Auto war aus und ging auch nicht mehr zu starten.

Wieder in die Werkstatt. Gleiches Problem wie beim 2ten AT-Motor. Diesmal hat sich die VW Werkstatt mit VW in Hannover unterhalten... und siehe da es wurde nicht nur der 5. AT Motor eingebaut sonder auch Turbolader gewechselt, DPF und der Rest der Abgasanlage.

Der letzte Tausch liegt jetzt ca. 1 Jahr zurück und das Problem scheint behoben.

Zusammengefasst haben wir ca. 1 Jahr lang (2017-2018) nur in der Werkstatt gestanden und jetzt den 5. Motor verbaut.
Sollte mich jemand nach einer Kaufempfehlung für einen T5 fragen, ist meine Antwort eher negativ. Nicht so sehr wegen dem Konzept, aber der Konzeptlosigkeit im Umgang mit Ihren Kunden.

Was ich beiläufig noch erfahren habe, scheint es auch zu stimmen das die Werkstätten auf einen nicht unerheblichen Teil der Kosten sitzen bleiben. Da sollte man sich schon überlegen ob man ein VW Autohaus sein möchte.
Ein Wahnsinn, wize.life-Nutzer... Darf ich die Geschichte bei Gelegenheit im Beitrag oben ergänzen? Ich möchte den Artikel nämlich weiterdrehen, da es so viel Resonanz dazu gab. Ich habe viele Zuschriften per Mail und Social von anderen Betroffenen erhalten, die auf alle Fälle fixiert und gelesen werden sollten.
Liebe Grüße
Alex
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@ Alexander Schiechel, vielen Dank für diesen Bericht. Wir sind ebenfalls T5 Besitzer mit dem besagten Modell, aber California. 70‘000 km gelaufen, bis jetzt noch keine Probleme. Jedoch komische Gefühle, vor allem, wenn längere Strecken bevorstehen. Unverständlich wie so etwas passieren kann. Mein langjähriges, geliebtes Bully-Bild bröckelt langsam aber stetig vor sich hin...
Bei meinem T5 Bj 2004 nach 100000 km Motor verreckt.Minderwertiges Material der Nockenwelle.Fehler war VW bekannt.Keine Kulanz seitens VW.Hat mich 10 000 € gekostet.War mein letzter VW.
Solange der Ölverbrauch nicht auffällig ist, sollte ja alles gut sein. Ich drücke jedenfalls die Daumen, wize.life-Nutzer!
Liebe Grüße
Alex
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