Beratungsgespräch: Die Stiftung Warentest rät, sich vor dem Beratungs­termin ...

Stiftung Warentest: Erhebliche Mängel bei der Rentenberatung - So profitieren Sie trotzdem

News Team
Von News Team

Die Beratung der Deutschen Rentenversicherung soll Antwort geben auf eine Frage, die für jeden von existenzieller Bedeutung ist: Wieviel Rente habe ich am Ende meines Erwerbslebens zur Verfügung?

Dieses wichtige Angebot ist unabhängig und kostenlos für jeden, der in die Rentenkasse einzahlt. Und jeder sollte diese Beratung wahrnehmen, um mögliche Rentenlücken frühzeitig zu schließen - und so sicherzustellen, dass man im Alter sein Auskommen hat.

Allerdings: Die Beratung ist häufig nicht zufriedenstellend, so das Fazit der Stiftung Warentest, die das Angebot genauer unter die Lupe genommen hat und dabei "deutliche Schwächen" festgestellt hat.

„Das Ergebnis hat nicht über­zeugt. Mehr als ein Ausreichend konnten wir nicht vergeben“, sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. „Das muss im Interesse der 55 Millionen gesetzlich Renten­versicherten besser werden“.

Im Video:

Rentenniveau, Versorgungslücke, Eckrentner - Die wichtigsten Renten-Fragen einfach erklärt

Die Verbraucherorganisation hat 80 Tester zu jeweils einer der insgesamt 163 Beratungsstellen der Rentenversicherung geschickt, um sich zu ihrer Altersvorsorge beraten zu lassen.

Ergebnis: Während die Beratung zum eigenen gesetzlichen Rentenanspruch "noch akzeptabel" waren, "patzten viele Berater bei Fragen jenseits der gesetzlichen Rente und beim Ausbau der Altersvorsorge", so Primus.

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Dabei sind die Möglichkeiten privater Vorsorge ein wichtiger Baustein des Beratungsangebots - Anfang 2018 hat der Gesetzgeber diese Aufgabe an die Rentenkasse übertragen.

Denn längst ist klar, dass die gesetzliche Rente allein nicht für den Ruhestand ausreichen wird.

"Der Staat erwartet, dass Menschen zusätzlich vorsorgen - und dabei soll die Rentenversicherung helfen, indem sie allen Versicherten eine kostenlose und unabhängige Beratung über alle Vorsorgeformen hinweg anbietet", so Hubertus Primus.

Große Mängel in Beratungsgesprächen

Dabei gehe es vor allem darum, ob den Versicherten im Alter Rentenlücken drohen - und wie diese geschlossen werden können.

Doch genau da gab es in den Test-Gesprächen große Lücken.

Die meisten Berater der Deutschen Rentenversicherung scheiterten bereits daran, alle Alterseinkünfte und die mögliche Rentenlücke zu ermitteln

kritisiert Hubertus Primus.

In 80 Beratungen haben demnach nur 14 Berater das Thema Rentenlücke angesprochen. Nur 15 Berater bezogen alle Renten – gesetzlich, betrieblich, privat – mit in die Analyse ein, nur 15 Berater für die systematische Erfassung der Renten­ansprüche den haus­eigenen Analysebogen.

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Was die Tester außerdem kritisieren:
Die Terminvereinbarung über die Buchungsseite der Deutschen Rentenversicherung im Internet verlief demnach nur in etwas mehr als der Hälfte der Fälle reibungslos.

Termin erst nach Monaten

Mitunter mussten die Tester lange auf einen Termin warten: In 16 Prozent der Fälle erhielten sie innerhalb von acht Wochen gar keinen Termin, in einem Fall in Rheinland-Pfalz gab es den nächsten Termin erst nach über vier Monaten.

Bei den Gesprächen fielen die Leistungen, die den Testern aus privaten und betrieblichen Vorsorgeverträgen zustehen, häufig unter den Tisch: "Nicht einmal in jedem zweiten Gespräch schauten Berater diese Unterlagen an und bezogen sie komplett in die Beratung ein", so der Vorstand der Stiftung Warentest.

Es gibt kaum eine Alternative

Dennoch: Trotz der aus ihrer Sicht nur ausreichenden Gesamtleistung rät die Verbraucherorganisation dazu, das Angebot zu nutzen.

Denn: "Alternativen zur Beratung durch die Rentenversicherung gibt es kaum."

Versicherer, Banken und unabhängige Finanzberater seien nicht unabhängig und "können allenfalls flankierend Rat geben".

Tipps der Stiftung Warentest für das Renten-Beratungsgespräch:

  • Versicherte sollten sich möglichst mit Anfang oder Mitte 40 von der Rentenversicherung beraten lassen. "Dann bleibt genug Zeit, eine mögliche Rentenlücke zu schließen."
  • für Ehepaare ist es sinnvoll, sich gemeinsam beraten zu lassen
  • alle Rentenmitteilungen und Standmitteilungen der Verträge mitbringen
  • vor dem Gespräch sollten sich Versicherte selbst einen ersten Überblick über ihre Rentensituation verschaffen; hilfreich ist dabei der Finanztest-Erfassungsbogen, den "test" online und kostenlos zur Verfügung stellt
  • im Gespräch darauf achten, dass der Berater alle im Erfassungsbogen aufgeführten Posten berücksichtigt
  • Versicherte sollten gezielt nach einer Rentenlücke fragen - und auch nach Möglichkeiten, diese Lücke zu schließen

Eine Anleitung zur Vorbereitung auf den Beratungstermin gibt es in der Oktober-Ausgabe von Finanztest und online.

4 Kommentare

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Hallo, gibt es hier auch Frauen, denen die Mütterrente verwehrt wird ? Mein erstes Kind war nur bis zum 10. Lebensmonat hier in Deutschland, mein zweites Kind war 16 Monate alt als wir zurückkamen. Angeblich gilt die Mütterrente nur wenn die Kinder die ersten 12 Lebensmonate im Land waren. Das ich die leibliche Mutter bin und immer gearbeitet habe und meine Kinder alleine groß gezogen habe zählt nicht. Gerechtigkeit sieht anders aus.
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Das wichtigste Feedback vorab : Bei meinem letzten Rentenberatungsgespräch (2011) vor meinem Renteneintritt erhielten meine Frau und ich einen persönlichen Beratungstermin innerhalb von 14 Tagen. Der zuständige Rentenberater war absolut professionell vorbereitet ! Hier jedoch auch einige persönliche Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung : 1. Elementar wichtig ist der sorgfältige Umgang mit den jährlichen Arbeitgeber Bescheinigungen zur Sozialversicherungsbeiträgen !!! Ebenso mit den Unterlagen der schulischen Ausbildung.
2. Den Kontenabgleich sollte jeder frühzeitig vornehmen ( 40-45 Lebensjahr). Wer häufiger den Arbeitgeber gewechselt hat evtl. sogar mehrfach !
3. Eventuelle Unstimmigkeiten, z.B. Fehlzeiten oder auch falsche Beitragszahlen (Beiträge auf der alten grünen Karte wurden z.B. von Hand in die Systeme der RV übertragen; Zahlendreher) sofort klären durch Vorlage der eigenen Belege und korrigieren lassen !
Diese Schritte können schriftlich/telefonisch vorgenommen werden
4. Spätestens 18 Monate vor Rentenbeginn einen persönlichen Termin mit dem Rentenberater vereinbaren. Diese Termine werden von der RV ortsnah (Rathaus) angeboten.
5. Sich selbst gut auf das Gespräch schriftlich vorbereiten, also offene Fragen (z.B. Versteuerung der Rente incl. anderer Einkünfte, private Krankenversicherung, Witwenrente etc.) aufschreiben !
Soweit meine Tipps aus meiner sehr positiven persönlichen eigenen Erfahrung. So klappte der Renteneinstieg nahtlos bei mir.
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Ich wurde auch falsch beraten....mir wurde eine Rente mit der als gesetzlich versicherte Krankenkassenmitglied aus gerechnet. 4 Monate nach Rentenbeginn bekam ich ein Schreiben von meiner Krankenkasse, dass ich als freiwilliges Mitglied eingestuft werden müsse, da ich eine zeitlang bei meinem Mann privat mitversichert war. Diese Zeit wird abgezogen. Das hatte zur Folge, dass ich einen höheren ABZUG bei der Rente hatte.
heidi, ich kann den Vorgang nicht verstehen. Irgenwie habe ich das Gefühl, das seitens deiner Krankenkasse was nicht stimmt, Sagt dir VdK etwas, die machen auch Rentenberatungen und helfen ggf. Kannst dich ja mal erkundigen bei dem für dich zuständigen Kreisverband.
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